Druckschrift 
Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

m

14

Tiefe und Schönheit der katholischen Liturgie und der vielen,seit vielen Jahrhunderten bei uns überall volkstümlich gewor-denen religiösen Zeremonien und religiösen Gebräuche kenntund umfafzt Prof. Becker nicht.

Das ist zum Teil auch unsere Sch*u 1 d, weil wir amreligiösen Teile unseres Volkstumes bisher in frommer Scheuund Rücksicht behutsam vorüber gingen um ja nichts davon zuprofanieren und zu verletzen. Becker ahnt das und gibt dem inseinem Schlüsse Ausdruck:Wenn unser Volkstum nicht töd-lich veröden soll, so darf sich vor allem das Kirchenjahr mitseinen es lieblich umrankenden Sitten und Bräuchen nicht aufSakristei und Altar zurückziehen."

Diese Gefahr besteht nicht, dagegen mufz von unseremalten, reichen, kirchlichen Volkstume ein viel gröfzerer Teilals bisher in das Reich der wissenschaftlichen Volkskunde undVolkstumskunde mit einbezogen werden. Das will ich hierversuchen und nachholen.

Und dazu noch eines: Das von Prof. Becker gesammelteund gezeigte pfälzische Volkstum ist kein einheitliches, keinlebendiges in sich geschlossenes Ganze, sondern eine von allenSeiten, aus vielen Orten und Zeiten und gelehrten Schriftenzusammengetragene Vielheit, ein fleifzig, geschickt und kunstvollzusammengefügtes buntes Mosaik, das wir bewundern, das unsaber nicht zeigt, wieviel altes, gesundes Volkstum in einerGemeinde und in einem pfälzischen Hause heute noch fort-lebt, und wieviel davon im Laufe eines Jahres da noch regel-mäfzig in Erscheinung tritt. Das tiefgehende eigene Erlebnis,der lebensfrische, innige Zusammenhang der gesammelten TeiledieserPfälzer Volkskunde" mit unserem lebendigen pfälzischenVolkstume, mit unserem Volksbrauch und Volkscharakter, mitdem täglichen Volksleben und Familienleben in Dorf und Haus,mit der tiefinnigen, vielseitigen pfälzischen Volksseele, tritt unsaus diesem sonst sehr guten und wertvollen Buche nur seltenklar und warm entgegen. Seine Aufgabe war eben eine andere,eine viel weitere.

Dem gegenüber möchte ich unser katholisches Kirchenjahrhier doch etwas genauer betrachten und im Anschlufz daran daslebendige, frommreligiöse und das nichtreligiöse, das kirch-liche und das aufzerkirchliche Volkstum einer Gemeinde undeiner Familiengemeinschaft als ein lebendiges, geschlossenesGanze, ohne viel Gelehrsamkeit kurz und schlicht so schildern,wie ich es im Elternhause und in meiner Heimatgemeinde, im

i»<

fcwB

sPSU*

$$M

ill

SB

Hf

a&c^'

Bffl

^|

^1

g^S'

mm