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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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hundert. Auf Befehl der reformierten pfälzischen Fürsten undKurfürsten wurden, 1556 und 1559 und öfter, auch die katho-lischen Religionsübungen als Aberglaube und Mifzbräuche ver-boten. Mit Gewalt wurden Messe und Altäre, Heiligenbilderund Heiligenverehrungen als Götzenbilder und als Götzendienstuntersagt und abgeschafft. Dafz dabei viele unersetzliche Kunst-werke und Millionenwerte alter Kultur vernichtet wurden, schiendamals ein geringeres Uebel im Kampfe gegen den alten Glau-ben und gegen dieWerke des Satans und des Antichristen".

Bis in die neueste Zeit haben staatliche Aemter, Gerichteund Polizeiorgane sich vielfach dieser Intoleranz angeschlossen.Wegen kleiner Verfehlungen Einzelner haben sie, anstatt dieSchuldigen zu bestrafen, manches schöne, alte Volkstum, ur-alte Sitten und Gebräuche als Bettel und Verkehrsstörungenoder als unerlaubte Umzüge unterdrückt, verboten und bestraft.

Wenn in unseren Dörfern trotzdem noch manches alteVolkstum bis heute erhalten geblieben ist, wenn da noch altekirchliche und nichtkirchliche Volksbräuchefortbestehen, sei es im Anschlufz an das Kirchenjahr oder andas alte, germanische Sonnenjahr, so sollte man wenigstensdiese Reste pietätvoll erhalten und unser Volksleben und Volks-tum vor Verflachung und einförmiger Oede bewahren. DieHeimatliebe kann dieses Nährbodens und Seelenbandes nichtentbehren.

Landflucht und andere Uebel haben heute schon manchenvon rigorosem Uebereifer und unfruchtbarem Aufklärungs-dünkel abgebracht. Ja, man sucht jetzt sogar rückläufig wenig-stens die alten Sommertagsumzüge und die Sonnwendfeuer, diealten Volkstänze und Volkstrachten oft mit grofzen Kostenkünstlich wieder einzuführen. Unser gutes, altes Volkstum aberhat mit diesen oft komischen Aufzügen und maskierten Be-lustigungen zumeist wenig gemeinsam. Doch ist es immerhinerfreulich, wenn Jugend und Volk zu einer gemeinsamen, be-scheidenen Freude sich volkstümlich wieder zusammen-schliefzen.

Die Dörfer meiner engeren Heimat im Queichtaleund Dernbachtale hatten in meiner Jugend noch ein reiches undgesundes, lebendiges und ungekünsteltes Volkstum, das ichseit 1865 fast 30 Jahre lang teils aktiv mitdurchleben, teils alsheimischer Zuschauer mitansehen konnte. Es ist jammerschade,dafz auch davon seitdem viel Schönes abgestorben und ver-loren gegarigen ist. Unser armes, hinterpfälzisches Landvolk,