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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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einem so reichen, doppelten Kranze altgermanischenund altchristlichen Volkstumes umrahmt sind.

Wer das alte deutsche Volkstum in der alten heimatkund-lichen Literatur aufsuchen will, der mufz, wie schon gesagt,mit den Römern beginnen, mit den Commentarien des C JuliusCäsar, seit 58 vor Christus, und mit der Germania des Tacitusvom Jahre 98 nach Christus. Er darf dann aber auch dieSammlungen der nordischen Edda nicht übersehen und nichtdie ältesten deutschen Literaturdenkmäler, die MerseburgerZaubersprüche, das Wessobiunner Gebet, Muspilli und Heliandund die Rechtsaltertümer, die deutschen Weistümer. Siealle sind reiche Fundquellen.

Auch die ältesten christlichen Kirchenkalender ent-halten reiche Sammlungen uralten deutschen Volkstumes.Neben den Wochentagen und Tagesheiligen finden wir dortdie Glücks- und Unglückstage und die Unglücksstunden einesjeden Monats eingetragen; dazu viele Lebens- und Wetter-regeln, Ratschläge über Bäder und Aderlässe, über zuträglicheSpeisen und Getränke, über Heilkräuter und deren Wirksam-keit und vieles andere, was man sonst in einer alten Volkskundeund Volksmedizin, aber nicht in einem lateinischen Kirchen-kalender erwarten würde.

Einen solchen lateinischen Kirchenkalender aus einemMefzbuche im Speyerer Domschatze vom Jahre 1366, der abersicher auf noch viel ältere Vorlagen zurückgeht, habe ich des-halb in meinemPfälzischen Bauernkalender, Bei-träge zur Volkskunde der Hinterpfalz", in den Mitteilungen deshistorischen Vereins der Pfalz 1896 abgedruckt. Auch dieK alendarien von Weidenbach und Grotefend bieten dazureiche Ergänzungen für das christliche Mittelalter.

Uebertreibungen im öffentlichen Leben und M i fz -brauche des Volkstums, die im Laufe der Zeit von Staat undKirche gerügt wurden, finden wir in den kaiserlichen Ka-pitularien seit Karl dem Grofcen und in den besondersfür die Pfalz wichtigen Processus synodales der SpeyererBischöfe aller Jahrhunderte. Sie berichten vielfach von altemVolkstume, das bei uns untergegangen ist, da es von den vor-gesetzten Behörden mit Gewalt unterdrückt wurde.

Noch viel strenger und einschneidender wirkten bei unsin dieser Hinsicht die alten fürstlichen und fürstbischöflichenKleider- und Sittenordnungen und die protestantischenKirchenvisitationen seit dem 14. bis zum 18. Jnhr-

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