Kirchenkalender, der immer noch mit dem ersten Adventssonn-tage beginnt, sondern nach dem verbesserten GregorianischenKalender, der 1582 vom Papste Gregor XIII. eingeführt wurde.Er hat unser bürgerliches Jahr, das jetzt am 1. Januar um Mit-ternacht beginnt, vom Kirchenjahre freigemacht und wieder mitdem alten, astronomischen Sonnenjahre in Einklang gebracht.
Das Kirchenjahr hat überdies die Eigenart, dafz vieleseiner Feste beweglich sind, da sie sich nach dem beweg-lichen Osterfeste richten müssen. Das Osterfest aber hateinen weiten Spielraum. Es fällt auf den ersten Sonntag nachdem ersten Vollmonde nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche,also in die Zeit vom 22. März bis zum 25. April.
Nach dem Osterfeste und nach den mit ihm ebenso be-weglichen Heiligenfesten richtete sich im Mittelalter aber auchdas öffentliche Leben und die Datierung aller Urkunden.Das Datum z. B. auf Montag vor St. Jörg 1466, kann man dahernur dann als den 21- April richtig errechnen, wenn man weifz,dafz i. J. 1466 Ostern am 6. April war, St. Georg demnachauf Mittwoch den 23. April fiel- Man mufz also die Oster-zyklen des Kirchenjahres kennen.
Man mufz ferner wissen, dafz alle Kirchenfeste bis heutemit der Vesper, am Vorabend um 6 Uhr beginnen und eineOktav haben können, die genau eine Woche später, abendsum 6 Uhr schliefet. Die Feste, die Wochen und die Jahrewerden daher heute noch vielerorts, auch in der Pfalz, am Vor-abend um 6 Uhr eingeläutet und mit „Gott walt's" begrüfzt. *)
Die noch älteren Datierungen nach dem römischenoder julischen Kalender des C. Julius Cäsar, der dieMonatstage nach den Kaienden, Nonen und Idus berechnetund das Jahr am 1. März beginnt, sind auch in alten kirch-lichen Urkunden noch häufig. Auf unser Volkstum aber habensie keinen Einilufz mehr, da wir davon aufzer den römischenMonatsnamen wenig mehr behalten haben. Nur die altenJahresanfänge sind für unser Volkstum und für unsere Volks-kunde immer ntich von Wichtigkeit.
Das Kirchenjahr teilt sich in zwei oder volkstümlich in
drei Festkreise, in den Weihnachtsfestkreis und in den
Osterfestkreis.
•) Mit „Gott walt's" beginnt unser Volk auch noch jede wichtigeneue Arbeit und spuckt sich dabei mutig in die Handflächen, die es darnachan einander warmreibt. — Mit „Gott walt's, neue Frucht, bewahre uns vorFieber und vor Gelsucht!" genießt es besinnlich auch jede neue Jahresfrucht,die ihm zuerst sich darbietet.
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