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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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Leben und Leiden hier auf Erden, seine Auferstehung undHimmelfahrt, sein Fortleben in seiner Kirche und in den Werkenseiner Heiligen.

Josef Georg von Ehrler, Bischof von Speyer, gestorben1905, sagt in seiner ersten Adventspredigt über das katholischeKirchenjahr:Dieses hl. Jahr in der Mitte des irdischen undweltlichen Jahres ist nicht blofz eine lose und äufzere Anein-anderreihung der einzelnen Feste zu Ehren des Herrn undseiner Heiligen und zur Feier der grofzen Tatsachen unsereshl. Glaubens; es ist mehr als ein hl. Kalender des Himmels.Es hat eine tiefere und geheimnisvollere Bedeutung. DasKirchenjahr ist die Erscheinung und Fortsetzung des gnaden-vollen Lebens Jesu Christi auf Erden zur Erlösung und Hei-ligung der Welt. Wie das natürliche Jahr in der Abwechslungseiner vier Jahreszeiten und durch den Segen, den jede der-selben auf Erden schafft und verbreitet, unser irdisches Lebennährt und erhält, so ist das Kirchenjahr von dem Herrn allerZeit und Gnade erschaffen und um die Sonne der Gerechtigkeit,um Jesus Christus geordnet, damit es das übernatürliche Lebenin uns nähre und vollende."

Das Kirchenjahr mit seinen zwei Festkreisen, mitseinen Herrn- undHeiligen-Festen, wie wir es heuteim Kirchenkalender finden, hat sich aber natürlich aucherst allmählich entwickelt. Bei uns ist es jedoch fertig einge-führt und so alt als das Christentum.

Als der Frankenkönig Chlodwig i. J. 496 vor der Ent-scheidungsschlacht bei Zülpich gegen die übermächtigen Ale-mannen im Falle des Sieges sich und sein Volk dem Christen-gotte gelobte, da wurde sein Sieg zugleich auch ein Sieg desChristentums im Frankenreiche und ein Sieg der römisch-katho-lischen Kirche gegen das bisherige germanische Heidentum undzugleich auch gegen die Irrlehren des Arianismus, der beianderen deutschen Völkern damals Eingang gefunden hatte.

Seit 496 also begann im weiten Frankenreiche und auchbei uns am Rheine eine ganz neue Kultur und eine ganz neueReligion, die von auswärts eingeführte römische Kulturund die römisch-katholische Religion, und mitihnen kam die christliche, die römisch-katholische Lebensauf-fassung und Weltanschauung. Ihre Träger und Förderer warendie römisch-katholische Kirche und der von ihr abhängigechristlich gewordene Staat, ihre Priester und Mönche, ihreDom- und Klosterschulen.