Unvolkommenheit oder gar Scheltworte, sonderndurch liebreiche überzeugende, auf das physischeund moralische Beste offenbar abzweckende Grün-de, sol man jeden vernünftigen Menschen, wennman ihn nemlich moralisch bessern wil zur Ueber-zeugung der Warheit bringen. Wie zweckwidrigder Lehre Christi, dem Endzweck der wohlthätig-sten, überal Licht ausbreiten sollenden Religionsind nicht daher, alle die polemischen Predigten;alle die anstößigen Ausdrücke der Symbolenfast in allen Kirchen; alle die Zwangmittel womitman auswärtige Religionsverwandte an dieBeobachtung einiger äusserer GottesdienstlicherVorschriften binden wil? Wie sehr setzen sichhiedurch die Christen auch nur als Menschen be-trachtet, unter die Würde der vernünftigen Ge-schöpfe herunter, und lästern durch ihre lieblose,ärgerliche Worte und Handlungen den Gott wel-chen sie zu verehren glauben. Sol also die glück-liche Periode herannahen, die auch in der Bibelvorhergesagt wird, daß alle Völker sich über dieReligion dergestalt vereinigen werden, daß sie nurals eine Heerde sollen angesehen werden können,so müssen zufoderst diese Hinderniße aus demWege geräumet werden, und muß jede Versamm-lung, welche Recht hat eine Vorschrift über Got-tesdienstliche Handlungen zu geben, jederzeit vorAugen haben, daß alle solche GottesdienstlicheHandlungen nicht anders als sinnliche Mittel zurmoralischen Vervolkommnung zu gelangen betrach-tet, und nicht anders angenommen werden kön-nen, und befolget werden dürfen, als in so fernselbige zur Erreichung obigen Endzweckes mit derOffenbarung und Vernunft ganz übereinstimmendsind
Druckschrift
Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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73
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