Band IV.
11; Abtheilung: Beschreibung der Präparate.
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I. Ä 12.
Gewehrschussdefekt des Schädeldaches.
In der rechten Hälfte des Stirnbeins etwas vor der Suturacoronalia beiludet sich ein 3 cm langes und 2 cm breites Lochim Knochen; die Tabula vitrea ist iu etwas grösserer Aus-dehnung abgesprengt. Keine Fissuren.
Musketier Wilhelm Schulz, 1. Komp. 5. Brandenburg.Inf. Regts. No. 48, erhielt am 7. Oktober 1870 bei Metz einenStreifschuss an der rechten Stirnseite, welcher am 26. Oktober1870 im Barackenlazareth des Tempelhofer Feldes den Tod zurFolge hatte.
Sektionsbefund: Perforation der Dura; Meningitis purulentain der rechten Seite; apfelgrosser Abszess in der rechten Gross-hirn-Hemisphäre. [B. L. d. T. F.]
I. A 13.Taf. 111. Fig. 2 und 2a.
Schädeldach mit fast rundem, 4 cm im Durchmesser halten-dem Defekt in der Gegend der grossen Fontanelle; der linkeRand des Loches ist in Sichelform deprimirt, jedoch wieder indieser Stellung konsolidirt; eine Fissur geht ungefähr der linkenHälfte der Sutura coronalia entsprechend durch die innere Tafelin der Länge von 4 cm.
Wilhelm Krüger, Füsilier, 11. Komp. Inf. Regts. No. 24,verwundet am 16. August 1870 durch Streifschuss, gestorbenam 15. November 1870 im Barackenlazareth des TempelhoferFeldes.
Sektion: Meningitis purulenta, Erweichung der beider-seitigen hintersten Gyri der ersten Stirnwindung; Erysipelascapitis, faciei, colli. Periparotitis, enteritis follicularis.
[B. L. (1. T. F.]
1. A 14.
Schädeldach: Darin ein 5 cm langes und 2 cm breites Loch,welches quer die rechte Hälfte der Sutura coronalis schneidet;sowohl von der äusseren als inneren Tafel sind am Rande desLoches Bruchstücke abgesprengt, welche jedoch wieder infestem Zusammenhange mit dem Knochen stehen.
Das Präparat stammt von einem in den Schlachten beiMetz (August 1870) verwundeten Soldaten, der Ende Februar1871 im Barackenlazareth des Tempelhofer Feldes obduzirt wurde.
I. A 15.
^ Schädeldach mit einem Loch von 2cmDurchmesser im rechtenTheile des Stirnbeins. Deprimirte Fragmente der Tabula vitrea,die jedoch durch Kallus fixirt sind, ragen etwas in die Schädel-höhle hinein.
Ferdinand Filax, 7. Komp. Inf. Regts. No. 49, verwundetam 2. Dezember 1870 bei Paris durch Gewehrschuss; gestorbenam 13. März 1871 im Barackenlazareth des Tempelhofer Feldes.
Sektion: Die Schussöffnung wird durch schwammigesGrauulationsgewebe, das auf der Dura sitzt, ausgefüllt; an dieserStelle Dura und Gehirnsubstanz fest verwachsen, daran schliesstsich ein über mehrere benachbarte Gyri sich erstreckenderErweichungsherd in die Tiefe bis zur Basis des Gehirns, welchevon dicken Eitermassen umgeben ist. Ueber Verbleib der Kugelnichts angegeben, jedenfalls war sie nicht eingedrungen.
[B. L. d. T. F.]I. A 16.
Schädeldach mit einem 3 cm im Durchmesser haltendenLoch in der Mitte der rechten Hälfte der Sutura coronalis.
Herrmann Bloksdorf, Unteroffizier von der 7, Komp.Inf. Regts. No. 64, verwundet am 16. August 1870 bei Mars laTour durch Streifschuss an der rechten Stirnseite. Interessante
itäts-BericW über die Deutschen Heere 1870/71. IV. IM.
Zuschärfung des Knochenrandes. Während des Heilungspro-zesses zahlreiche Anfälle von Konvulsionen; Wunde verheiltam 30. Dezember 1870, keine Konvulsionen mehr, bis plötzlichunter meningitischen Erscheinungen am 29. Januar 1871 derTod eintrat im Barackenlazareth des Tempelhofer Feldes.
Sektionsbefund: Pachymeningitis interna adhaesiva, Hirn-abszess, Arachnitis purulenta, Milztumor.
[B. L. d. T. F.J
Penetrirende Frakturen. Die Schädelhöhle ist eröffnet,das Projektil in das Gehirn eingedrungen.
Primär tödtlich.
I. A 17.
Taf. IV. Fig. 1 und la.
Ein Schädel, dessen linkes Scheitelbein einen bedeutenden
Substanzverlust zeigt, derselbe setzt sich nach links in eine
Fissur fort, welche bis etwa 2 cm vor dem Hinterhauptloch hin
reicht, nach rechts etwa dreiviertel des rechten Scheitelbeins
durchsetzt. Die Verwundung ist durch das beiliegende Bomben-
stück, welches bei der Sektion in der Schädelhöhle gefunden
wurde, hervorgebracht worden.
Artillerist Heinrich Müller, 21 Jahre alt, aus Königs-berg i. Pr., verwundet am 7. Mai 1807 auf dem Hagelsbergebei Danzig durch ein Stück einer zerplatzten Bombe; gestorbenam 10. Mai 1807 im Lazareth zu Danzig.
I. A 18.
Taf. IV. Fig. 2 und 2a.
Ganzer, aufgesägter Schädel: Auf der rechten Seite desStirnbeins befindet sich ein länglich ovaler Schussdefekt mitunregelmässigem, abgeschrägtem Rande; von diesem Loche ziehtsich durch die ganze Dicke des Stirn- und Scheitelbeins eineFissur bis zum oberen Winkel der Lambdanaht, dieselbe istin der Nähe des Defekts ganz schmal, erweitert sich aber ent-fernt vom Defekt zu einem förmlichen Spalt.
Das Präparat stammt aus dem Kriege 1870/71 von einemDeutschen Soldaten, der im Kriegslazareth zu Noveant kurznach der Verwundung gestorben. Krankengeschichte fehlt. Diebeiliegende Kugel wurde bei der Sektion in der Schädelhöhlegefunden, sie hatte fast das ganze Gehirn durchsetzt, es ist eineam vorderen Ende stark deformirte Chassepotkugel.
I. A 19.Taf. IV. Fig. 3.
Schussfraktur des Schädels durch eine vom Gaumen hereindringende Eevolverkugel (7mm-Kaliber).Das Präparat besteht nur aus dem Schädeldach. Ungefährin der Mitte etwas nach links von der Sagittalnaht befindetsich ein Defekt im Knochen, die Austrittsöffnung der Kugel.Abweichend von den gewöhnlichen Schussdefekten am Schädel-dach, welche durch Eindringen der Kugel von aussen hervor-gebracht sind, ist hier der Defekt der Lamina ext. wesentlichgrösser als der der Lamina vitrea. In letzterer ist der Defekt2'/ 2 cm lang und 1 — 11/ 2 cm breit, in ersterer 3'/ 2 cm lang und4 cm breit. Ausserdem zieht eine lange Fissur vom vorderenunteren Winkel des linken Scheitelbeins fast genau diagonaldurch diesen Knochen zum hinteren oberen Winkel, diese Fissurist entfernt vom Ausschussdefekt am breitesten, verengert sichallmälig und ist mit letzterem nur durch eine ganz enge, sichrechtwinklig abzweigende Seitenfissur verbunden, welche sichauch noch 6 cm durch die Lamina ext. des rechten Scheitelbeinsfortsetzt.
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