Druckschrift 
4. Chirurgischer Theil B (1884) Die physikalische Wirkung der Geschosse : (mit besonderer Beziehung auf die während des Krieges 1870/71 verwendeten Projektile) ; erläutert an den Präparaten der kriegs-chirurgischen Sammlung des medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Instituts zu Berlin ; nebst dem Katalog der Sammlung
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

56

Katalog der kriegs-e.hirurgisehen Sammlung.

M

J ( I

&JLAJJL

i fiJ}fK

I. A 6.

Taf. IL Fig. 1 und la.

Schädeldach: Am linken Scheitelbein ein 3 cm langes, 2 cmbreites etwas ovales Loch, dessen innere Oeffnung eingedrückteRänder zeigt. Eine abgesprengte fast markstückgrosse Knochen-platte der Lamina int. springt mehrfach zersplittert nach Innenstark hervor. Anbei das einseitig stark abgeplattete Projektil(Langblei).

Grenadier Hoffmann, verwundet am 3. Juli 1866; diezwischen den Trümmern liegende Kugel wurde 3 cm nach vornvon der Eintrittsöffnung am 16. Juli 1866 herausgeschnitten.Hirn-Erscheinungen. Hemiplegie der rechten Seite. Gestorbenam 21. Juli 1866.

[Stabsarzt Dr. Wolff.J

Fälle in denen Fragmente etc. durch Operationentfernt wurden.(Hierzu vergl. XIV. 10.)

I. A 7.

Schussdefekt des Schädeldaches.

An der Vereinigungsstelle der Kranz- und Sagittalnaht ein7 cm langes und 2 3 cm breites Loch durch die ganze Knochen-dicke; vom unteren Ende abwärts eine 5 cm lange Fissur desStirnbeins.

Einjährig-Freiwilliger Cleve vom 54. Inf. Regt., verwundetam .S.Februar 1871; Schusswunde 8cm lang, 3cm breit; Duramater und Grosshirn verletzt; Abstossung zahlreicher Knochen-splitter, dieselben wurden zum Theil operativ entfernt. Gestorbenam 5.März 1871. Sektionsbefund: 3 cm oberhalb des oberenWundrandes auf der Schädelfiäche unter der Galea ein fünfzig-pfennigstückgrosses Blutextravasat; in der Substanz der Gross-hirn-Hemisphärenhöhlen mit jauchigem Inhalt.

[Chefarzt Dr. Scheidemann, 3. Feldlazarett! II. Armeekorps.]

I. A 8.Taf. III. Fig 1, la und Ib.

Gewehrschussdefektin der Gegend des unteren Abschnittes der Sutura coronar.rechterseits.

Von der Lamina ext. ist um den vorderen Rand des Defektesein halbmondförmiges, fast 1 cm breites Stück eingedrückt, amhinteren Rande eine dünne Platte theilweise stark empor ge-hoben. Lamina int. um den vorderen Rand in der Breite von1,5 cm abgesprengt.

Anbei die hochgradig deformirte Kugel.

Rumänischer Soldat, verwundet am 19. Oktober 1877 beiPlewna durch Türkisches Geschoss. Am 23. Oktober 1877 An-kunft in Turnu Magurelli, 24. Oktober Entfernung der Kugel,die zwischen den Knochen eingekeilt war, sammt Knochenfrag-menten. Gestorben am 29. Oktober an jauchigem Hirnabszess.[Oberstabsarzt Dr. ITahn und Stabsarzt Dr. Bruberger.]

Sekundär tödtlich.

I. A 9.

Schussfraktur in der Gegend der linken Orbita.

Das Präparat besteht aus den die linke Orbita umgebenden

Knochenpartien. Am oberen Rande der Orbita, da, wo die

Linea semicircularis beginnt, befindet sich eine deutlich als

Kugel-Auprallstelle gekennzeichnete Fraktur, deren mediale

Partie leicht gegen die Schädelhöhle eingedrückt ist. Die lädirte

Knochenpartie ist Fünfzigpfennigstück gross, von ihr zieht ei'lange Fissur durch die obere Wand der Orbita. An der inner-Schädelfläche zeigt sich entsprechend der Anprallstelle JLamina vitrea ganz abgesprengt, während von der Lamina e-der grössere Theil der abgesprengten Splitter nur gegenDiploe deprimirt, im Uebrigen aber in Zusammenhang mit <iumgebenden Partien geblieben ist.

Soldat Schneider vom Königl. Sachs. Inf. Regt. No. l(iverwundet am 30. November 1870 von einer Shrapnelkii«welche er mitbrachte, dieselbe hatte die linke Schläfe getroftund war dann zur Erde gefallen, er hatte eine thalergr«Quetschwunde in der linken Schläfe, in deren Grunde JKnochen nicht freigelegt und Splitter etc. nicht zu fühlen wanKeine Zeichen von Gehirnverletzung. Bei Reinhaltung JWunde fortschreitende Heilung. In der vierten Woche Schuttfroste, rechtsseitige Lähmung, Somnolenz. Gestorben am 29.1zember 1870.

Sektion: Stirnbein links an der Linea semicircularis fhturirt. Depression in der äusseren Tafel gering, dagegen stvon der inneren Tafel vier fingernagelgrosse Stücke so abjsprengt, dass sie zeltförmig gegen die Schädelhöhle gericlsind. Hinter denselben ein mandelgrosser Abszess zwisclSchädel und Hirnhaut seitlich begrenzt durch meningiti-Exsudate, welche den ganzen linken vorderen Stirnlappen ülrdecken. Auch die Gehirnsubstanz hinter dem Abszess ziTheil in eitrig blutigen Brei verwandelt. Von der Fraktursbgingen verschiedene Fissuren gegen die Orbita, den Proces;zygoniaticus und das Schläfenbein hin.

[Stabsarzt Dr. Fetzer.]

(Vergl. Deutsche militärärztliche Zeitschrift, 1874, Heft 3 n.

I. A 10.

Gewehrschussdefekt des Schädeldaches.

Ein scharfrandiges Loch von fast Zehnpfennigstückgrösseder Mitte der rechten Hälfte der Kranznaht, keinerlei Fissur;bildung.

J. Burret vom 87. Französischen Linien-Regt., verwunam 25. August 1870 in Strassburg; günstiger Verlauf mitlheilung der äusseren Wunde bis zum 13. November 1870,!da an meningitische Erscheinungen. Gestorben am 15. Nov. 187

Sektionsbefund: Rechtsseitige Meningitis purulentagrosser Ausdehnung. Verbleib der Kugel nicht angegeltdieselbe war jedenfalls nicht eingedrungen.

[Chefarzt Dr. Schweitzer, Kriegslazareth Strassbur«

I. A 11.

Gewehrschussdefekt des Schädeldaches.

Ziemlich in der Mitte des Stirnbeins ein unregelmüssisstaltetes Loch. Vom oberen Umfang geht eine Fissur zum vordeEnde der Sagittalnaht. Eine zweite umkreist, nur die Laminaidurchsetzend, den rechten und unteren Rand, grenzt auf diWeise ein sichelförmiges Stück ab und bildet mit dem oberemlinken Abschnitt der Umrandung ein sehr regelmässiges OlDer Defekt der Lamina ext. ist 2 cm lang und 1,5 cm kDie Tabula vitrea ist in grösserer Ausdehnung abgesprengt

Auguste Carpentier, Sergeant vom 17. Franziisist:Jäger-Bataillon, verwundet am 6. August 1870 bei Wörth,.storben am 1. September 1870 im Barackenlazareth des Teni]hofer Feldes.

Sektionsbefund: Hämorrhag. Exsudate auf der Dura,)gedehnte Arachnitis purulenta; hämorrhag. Erweichungstim linken Schläfenlappen. Ueber den Verbleib der Eoflnichts bekannt.

[B. L. d. T.!l