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Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
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Studien über Rudolf von Ems. . 115

stellt er die rechte und göttliche Lehre vom Kampf mit der Weltgegenüber, mit ganzer wärheit, äne lüge, sunder spot und äne trügeBari. 404, 5-20 1 .

In dem lehrhaften Abschluß des Willehalm, der etwa mit14951 einsetzt, treten drei Eigenschaften des Dichters hervor, diefür seine besondere Stellung gegenüber den Dingen charakteristischsind: die praktisch-sittliche, die religiöse und die geschichtlicheAuffassung des Lebens: sie bilden mehr oder minder in allenWerken Rudolfs wesentliche Bestandteile der inneren Form. Dergute Gerhard und der Barlaam dienen zur Erbauung, derKaufmann und der Mönch besitzen eine höhere Vollkommenheit,die bessere Gerechtigkeit. Es sind vergeistigte Menschen, dennein Strahl von Gottes Gnade ist auf sie gefallen. Die Weltgeschichteist die Erscheinungsform des christlichen Dualismus, in der Welt-chronik scheidet sich das Reich der Behaltenen von dem derVerworfenen. Der Staat der Gnade ist die Offenbarung Gottesin der Weltgeschichte, das Reich der Sünde hat den Teufel zumHerrn.

Alle Dichtungen Rudolfs sind Bekenntnisse seiner Welt-anschauung, sie haben symbolischen Gehalt: es ist die ernst-sittliche Überzeugung des Laien, die demütig den Abstand zwischenMenschlichem und Göttlichem empfindet, aber darum doch dasLeben nicht für wertlos oder gar für verwerflich erachtet; Gottist ja selbst der Schöpfer auch der irdischen Güter. Uns, den inder Welt Lebenden, ist die Aufgabe gestellt, kräftig auch fürdieses Leben zu arbeiten, vor allem um Leid zu lindern, und wennwir dann Ehre erlangen, so dürfen wir uns dieser Ehre auch be-scheiden, ohne Ruhmsucht, freuen. Rudolf selbst hat die ihmverliehenen Gaben (sinen orden) redlich angewendet, er hat fürdie geistige Erziehung seines Volkes gearbeitet und er hat für seineigenes Wirken Ehre geerntet, die Sselde hat ihn geleitet aus derengeren Schweizerheimat zu einflußreichen schwäbischen Adels-geschlechtern und schließlich an den Hof des Kaisers. Aber ver-gänglich ist unser Leben zusamt seiner Ehre, darum sollen wirschon hier ein höheres Leben im Geiste, in Gott, führen undstets auf unser Seelenheil bedacht sein, damit wir dereinst eineunvergängliche Ehre, die ewige Krone, erlangen. Das wahre Wissen

1 Über die Lüge (Erfindungen der Phantasie) der weltlichen Romanes. Thomasin: die äventiure sint gekleit dicke mit lüge harte schöne: diu lügeist ir gezierde kröne usw. W. Gast 11181124, ferner 1139-1143.

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