114 Gustav Ehrismann:
füllen (die Regentenpflichten, kröne 15561), und doch mit Gottvereint zu sein 15560—15563. Aber da er immerhin in der Weltbleibt, so ist er nur ein justus, zu einem perfectus, einem voll-kommenen miles sanctus 1 ist erst der weise und abgeklärte Jofritgeworden, die ideale Figur des Romans. Er hat den höchsten Standder Vollkommenheit erworben, er läßt alle irdische Ehre undergibt sich der Buße, um die Seele zu bewahren, er opfert sich Gott 2und wird ein Gottesritter 14807-14815. 15085-15094. 15145.15217—15225 3 . Und mit der Kreuzfahrt seines Enkels, Gotfridsvon Brabant, des Eroberers vom heiligen Grab, schließt überhauptdie ganze ,,äventiure" 15586—15600. So endet die Minne- undHeldenromantik des Abenteuerromans mit dem weltgeschicht-lichen Ereignis des ersten Kreuzzugs und der stolze degen, der derwerlde werdekeü erstreit (75. 82), ist abgelöst durch den christlichenRitter, den edeln Gotes dienestman 15593.
Die Kirche hat den Menschen als Kämpfer dargestellt undunterschieden zwischen dem miles materialis und dem miles chri-stianus, der Gegensatz ist von Wolfram für das Rittertum poetischindividualisiert in Gawein und Parzival, Hartmanns Erec undIwein sind Angehörige der ersten Art, Gregor ist der heilige Asketwie Josaphat, Rudolfs Willehalm wendet sich von der Welt zuGott wie der arme Heinrich, doch ohne Seelenkampf. Es sindsozial-ethische Typen, die das höfische Zeitalter sich gebildet hatte.So schildert Rudolf im Willehalm und Jofrit Vertreter jenerzwei sittlichen Regionen, des weltlichen und des geistigen (christ-lichen) Rittertums. Die Romane von Willehalm und Alexandersind Erziehungsbücher für die ritterliche Gesellschaft, für diehöfische Jugend, wie sie Thomasin im Wälschen Gast empfiehlt(s. oben); aber vom streng kirchlichen Standpunkt aus sindrein weltliche der Laienbildung dienende Dichtungen freilich dochnur „Lügen". Solche Romane, vielleicht auch Minnelieder, meintRudolf mit den trügelichen mseren, die er früher gemacht habe,Bari. 5, 10—13. Von ritterschaft, von minnen, von äventiure undvon der liehten sumerzit handelt diese weltliche Literatur und ihr
1 Vgl. Ehrismann, Ztschr. f. d. A. 56, 153f.
2 V. 15224 ist wohl zu lesen Der sele er wernde ruowe erwarp wie Bari.397, 36-—-38 sin hinevart erwarp daz wernde Gotes rlche; zum Sinn von 15224 f.vgl. Parz. 499, 29f.
3 Willehalm als justus verhält sich zu Jofrit dem perfectus wie Gerhardzu Josaphat.