96 Gustav Ehrismann:
doppelte Kräfte [zwivalten) brauchte. Demnach ist der Sachverhaltan dieser Stelle im Alexander ursprünglicher als im Willehalmund somit kann hier die Fassung des Textes als Beweis für denzeitlichen Vorgang des Alexander angesprochen werden.
Der IV. Prolog des Willehalm ist zusammengestellt ausMotiven des I. und des VI. Prologs. Er beginnt mit einer Wendungan die edeln Frauen und tugendhaften Männer 9742f., deren muotze tilgende stät 9746, die ohne Falsch sind 9745: das ist dieselbehöfische Gesellschaft wie Prol. I, 1 — 16, die die reinen Tugendenbesitzt (1, 13), die getriuwe sint 11 (auch Wh. 2148, g. Gerh. 6844).Mit 9747—9749 ist Bezug genommen auf den I. Prolog, mit 9759bis 9792 wird an 40—68 und 89—123 erinnert, unmittelbareAnklänge sind 9760 an 116, 9761-9763 an 44. 113 f., 9766 an 120;9793-9803 ist angeregt durch 17-39, vgl. bes. 9796-9798 und26—28. Der nun folgende zweite Teil des Prologs IV schöpft ausdem VI. Prolog des Alexander. Die Satire auf die Unhöfischen9793-9852 ist eine realistische Ausführung von AI. 20676-20679,eine Beleuchtung jener Leute, die nur von ribaldte (bes. Wh. 9812bis 9818) hören wollen. 9876-9888 sind, wie Wh. 2295-2302,eine Variierung von AI. 20641—20650. Zu dem verschiedenartigenGeschmack des Publikums 20665-20683 vgl. Junk S. 461 f. undBari. 404, 5-9.
Der V. Prolog des Willehalm, 12205-12272, enthältkeine mit dem Alexander vergleichbaren Stellen. Was im Epilog,15601 — 15689, in Betracht kommt, ist schon im Bisherigen berührtworden. Hier taucht eine Reminiszenz an den Epilog des g. Ger-hard auf: Daz si . . . . mine unkunst wol fHegen Und friuntlichenrüegen, Ob ich unkünstliche hän Disen mxren her getan: Swazmin jriunt mir friundes rät Irzeiget Wh. 15675 ff. — und daz ervriuntliche an mir rüege, ob ich der kunst enbir g. Gerh. 6853f.;swer min unkunst rüeget so, daz sin rät ist so vriuntlich 6858 f.
Die Vergleichung der beiden Epen scheint mir eine Reihe von Be-weisgründen dafür gegeben zu haben, daß im Willehalm der Alexan-der benutzt ist, bezw. daß der Alexander das frühere Werk ist 1 .
1 Wenn wirklich die Vermutung Leitzmanns S. 309f. und BussesS. 39f. (vgl. auch Junk S. 466 und oben S. 83 Anm.l), Rudolf habe zwischender Arbeit am Alexander den Willehalm verfaßt (woraus sich ein interessantesStilproblem ergeben würde), das Richtige trifft, dann müßte der Alexandermindestens schon bis zu dem Prolog zum 6. Buch (einschließlich) fertig gewe-sen sein, ehe der Willehalm begonnen wurde, da ja jener Prolog noch im Wille-halm benutzt wurde.