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Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
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97
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Studien über Rudolf von Ems. 97

Rudolf und der schwäbische Dichterkreis 1 .

In keinem seiner Gedichte bringt Rudolf so viele persönlicheBeziehungen vor als im Willehalm 2 . Sie weisen ausgesprochennach Schwaben. Schwäbischen Adelsherren bringt er seine Hul-digung dar. Den Überbringer der Vorlage, des französischenRomans, Johannes von Ravensburg, ehrt er durch das Akro-stichon der Anfangsverse (1 15) und durch einige Zeilen inner-halb des ersten Prologs (8588), zum Schluß noch einmal beson-ders durch die auszeichnenden Worte im Epilog (1560115627).Um Konrads von Winterstetten willen hat er das Gedicht verfaßt,ihm setzt er ein rühmendes Denkmal im zweiten Prolog (2301 bis2331) und im Epilog (15643 15665). Die werden Hute, um derengunst er sich so eifrig bemüht, sind jene ritterlichen Familien, derenMittelpunkt der einflußreiche Schenk von Winterstetten war, vgl.bes. 15643 ff. und 15666ff. In einer Totenklage verherrlicht erden schwäbischen Grafen Konrad von öttingen (20842094).Unter den neueren Dichtern spricht er die Meisterschaft Ulrichvon Türheim zu (2256-2272. 4390-4398), den Schwaben Gotfridvon Hohenlohe, den er im Alexander nicht nennt, führt er in dasDichterverzeichnis des Willehalm ein (22342242); bei Absolon,dem er im Alexander 32493251 nur eine allgemeine Anerkennungzollt, gibt er jetzt auch den Inhalt seines Werkes an, das zu Ehrendes schwäbischen Kaisers Friedrich gedichtet war (22092214).

Die Vertreter des schwäbischen Dichterkreises sind für uns,da uns die andern verloren sind, Ulrich von Türheim und die LyrikerGotfrid von Neifen und Burkhard von Hohenfels, zu denen manauch noch Ulrich von Winterstetten fügen darf.

Mit dem Willehalm ist Rudolf auch der künstlerischen Auf-fassung der schwäbischen Hofkreise nahe getreten. Hier wurdenicht jener gezierte Stil verlangt, durch den Rudolf im g. Gerhardund Barlaam seinen Meister Gotfrid noch zu überbieten gesuchthatte. Das können wir aus den Dichtungen Ulrichs von Türheim

1 Vgl. Busse S. 142.

2 Seine beiden ersten Werke hat Rudolf in seiner Heimatsgegend ab-gefaßt, denn Rudolf von Steinach, der Veranlasser des g. Gerhard (6823 bis6841) und der Abt von Kappel, der den lateinischen Barlaam nach Deutsch-land brachte und des Dichters Absicht, ihn zu übersetzen, billigte (5,47.402. 37 403,14), gehörten der Ost-Schweiz an. Dann wurde er befreundetmit der schwäbischen Aristokratie und verfaßte in dieser Umgebung den Wille-halm. Durch diese Kreise kam er in Beziehungen zu dem schwäbischen Kaiser-hause und dichtete für Konrad IV den Torso der Weltchronik.

Ehrismann, Studien über Rudolf von Ems. 7