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Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
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69
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Studien über Rudolf von Ems. 69

13083 1 . Oder: Rudolf will das kräftige Rot einer roten Deckebesonders hervorheben Weltchr. 12562L, da fällt ihm ein passenderAusdruck aus Parz. ein (145, 17), vgl. auch Rud. Willen. 1101und Wolfr. Willeh. 431, 12 2 . Oder: er hat den Begriff 'verlassen'im Sinn, zugleich das Reimwort gelich Weltchr. 13476L, da stelltsich als passender Ausdruck Wolframs entwich tuon ein (Parz. 400,19. 573, 13) 3 . 2. Sprachliche Formeln, die dem Dichter mehrgewohnheitsmäßig bereit liegen und sich ihm ohne Erregung einerbestimmten Assoziation, ohne an eine einzelne bestimmte StelleWolframs gebunden zu sein, einstellen. Sie haben keinen speziellenInhalt, sondern nur die Funktion stilistischer Formen: die Um-schreibungen mit kraft, kür, säe, zil* mit erkant, mit niht vermieten,niht verbern, niht vergezzen, seltener mit lam, laz, unbetrogen, dieVerknüpfung von positivem und negativem Begriff wie die jungen,niht die alten; die eingeworfenen Fragen, z. B. waz täten wipunde man? Rud. Willeh. 3811; einzelne Wendungen wie im wartder sträze slac verseit g. Gerh. 1294, des was sl gar an guote erlän1526, sprach des buregräven munt 2573, diu freude stiez der swsereein zil die klagendes herzen urhap da vor mit jämers not begap 2440bis 2442, sin munt wart küssens niht erlän Bari. 299, 22f.; zumWilleh. s. Henrich S. 228230 (zum Enjambement s. HenrichS. 246) 5 . Daß die drei ersten Arten, die Umschreibungen, ihreAnwendung vorwiegend formalen Gründen verdanken, erhelltdaraus, daß sie meist im Reime stehen, also zur Erleichterung derReimtechnik dienen. Natürlich hat bei den Entlehnungen auchmehr oder weniger das ästhetische Wohlgefallen des Dichters mit-gesprochen, aber sie sind nicht stark genug, um den künstlerischenGesamteindruck wesentlich zu beeinflussen.

Die Wortwiederholung kennt auch Wolfram 6 und hat sieverschiedentlich als Stilmittel angewendet, aber nicht als malendes,bloß ästhetisches, unter Umständen nur akustisches Formenspiel,

1 Leitzmann, Ztschr. f. d. Phil. 43, 307 und Beitr. 42, 504.

2 Leitzmann, Ztschr. f. d. Phil. 43, 304 und Beitr. 42, 504.

3 Leitzmann, Beitr. 42, 504.

4 Zu diesem und den folgenden Punkten s. die angeführten Artikelvon Henrich und Leitzmann und die Wörterbücher zu den Ausgaben desWillehalm und der Weltchronik.

5 S. auch Friedr. Wahnschaffe, Die syntaktische Bedeutung desmhd. Enjambements, Diss. Berl. 1918 (der Ganzdruck in der Palaestra istnoch nicht erschienen).

6 Wortwiederholung bei Hartmann s. Haupt, Anm. zu Erec 9546.