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Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
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32 Gustav Ehrismann:

die Art der Darstellung, denn in diesem literarischen Abschnittbezieht sich rede sonst auf die Form (46244659. 4711, rederich4723; in 4679 umfaßt rede wohl mehr im allgemeinen die Kunst-weise). Getadelt werden an Wolfram der Stil 46364646 (wort-heide, bickelworf), 46584662 {wort, rede), mit Übergang zum Inhalt46634678 (vindsere wilder msere, der msere wildeneere) 1 , der Schluß46794888 bezieht sich wieder zunächst auf die dunkle Ausdrucks-weise, also den Stil. Deutlich scheidet Gotfrid bei Bliker wort4690-4696 und sin 4697-4702, beide zusammen 4703-4707;hier spricht er auch von der Verskunst 47084720. Bei Veldekehebt er den Gedankenreichtum des Inhalts hervor, 4725 f., unddie Schönheit der Formgebung 4727, darauf seine Kunstfertigkeit(wisheit) im allgemeinen 47284730. Auch in der allgemeinen Be-merkung 47214723 stellt Gotfrid den Begriff Kunst vor als einZusammenwirken von innerem Sinn und Erscheinungsform: sinnecund vil rederich 4723. In dem Schlußwort des Abschnittes überdie epischen Dichter 47364748 überblickt er die Entwicklungder Dichtkunst seit Veldeke: dieser hat die neue (die höfisch-epische Kunst) begründet, aus ihm schöpfen seine Nachfolger dieKunstsprache (die bluomen, colores), aus welcher sie die feinersonnenen Bedewendungen (spaehe der meisterlichen fände) lernten.Diese Kenntnis (künde, etwa = Kunstfertigkeit, Gewandtheit) be-sitzen jetzt die Dichter allgemein, so daß sie die schönste Fülleder schmückenden Mittel an Wort und Weise (hier = Wohlklangder Sprache) aus ihren Vorgängern entnehmen. Der Gebrauch desAusdrucks bluomen, colores, macht es äußerst wahrscheinlich, daßGotfrid hier ganz speziell die Nachahmung der sprachlichen Kunst-formen, des Stils, im Auge hat.

Nun zu Budolf zurück. Bei Veldeke (31133118) hebt ertechnisch nur hervor, daß er rehter rime alrerst began, er hat zu-erstgute Verse" gemacht 2 , Bhythmus und Beim zu einer höherenkünstlerischen Form erhoben. Auch bei der darauffolgenden Über-leitung zu Veldekes drei großen Nachfolgern erwähnt er nur die

1 Burdach, D. Rundschau 29 (1902), S. 253ff.; John Meier, Fest-schrift zur 49. Versammlung deutscher Philologen in Basel, 1907, S. 511 f.;Singer, Aufsätze und Vorträge, S. 166173.

2 Über die Bedeutung von rim, speziell hinsichtlich Veldekes, s. Braune,Reim und Vers, Sitz.-Ber. der Heidelberger Akademie der Wissenschaften,Philos. hist. Kl., 1916, 11. Abh., S. 5ff.; Norden S. 825; Saran, Rhythmusdes franz. Verses, S. 129; Herm. Fischer, Münchener S.-Ber. 1916, 5. Abh.,S. 21 Anm.