Studien über Rudolf von Ems. 31
brachten, Hartmann, Wolfram, Gotfrid; und die jüngeren, dieer nicht in dem gleichen Maße preist, denen er aber doch das Lobzollt: sie hänt gesprochen alle wol 3268. Die beiden Reihen behan-delt er nach verschiedener Methode. Während er bei den jüngerenDichtern nur allgemeine Angaben macht, lobende Redensarten,Nennung des Titels der betr. Werke oder kurze Andeutungen desInhalts, bei Bliker, Türlin und Freidank noch besondere Bemer-kungen über das betr. Gedicht, geht er bei den älteren auf speziellestilistische Erscheinungen ein, die er bei Hartmann, Wolframund Gotfrid in ein gewisses System bringt. Er folgt nämlich inder Gliederung nach leitenden Gesichtspunkten Gotfrid, derin seiner literarischen Übersicht die Kunst der epischen Dichternach den beiden Grundeigenschaften des Äußeren und des Inneren,der Form und des Inhalts, von wort (verbum) und sin (sententia),beobachtet.
Zuvörderst also ist Gotfrids Zweiteilung zu erörtern: er prüftdie Kunst der von ihm behandelten Epiker nach den beidenGrundeigenschaften, nach dem Äußeren und Inneren, nach Formund Inhalt. Gleich eingangs bei Hartmann macht er die Teilung:beide uzen unde innen, mit Worten und mit sinnen . . . wie er mitrede figieret der äventiure meine (sententia) Trist. 4619 ff. BeiHartmann preist Gotfrid vor allem die Form, den Stil, die Worte(wortelin) 4626—4631; die schließenden Zeilen 4632—4635 sprechendann im allgemeinen über Hartmanns Kunstweise (rede als Tota-lität einer Dichtung), zielen aber vielleicht doch vornehmlich auf
v. S. Victor, Migne 176, 1007—1010; das Motiv vom Lasterbaum ver-wendet Hugo v. Trimberg als allegorische Einkleidung seines Renner, einenBaum der Liebe, Albre d'amor, Matfre Ermengaud in seinem Breviarid'amor (vgl. bes. Aza'is in seiner Ausgabe, Einl. S. XXXIVff.); vgl. fernerGerm. 8, 32 (Tugendbaum); zum Baum der Tugenden und dem Baum derLiebe s. Ztschr. f. d. A. 56, 174 Anm. 2 (vgl. Singer, Aufsätze und Vorträge,S. 168). Ein Baum der Wissenschaften ist abgebildet im Hortus deliciarumder Herrad von Landsperg (Engelhardt, Tafel VIII). Ein Baum der rhe-torischen Formen befindet sich in Surgants Manuale S. 19 rückwärts. Galfridgebraucht bei der Ordo et Dispositio der Poetria das Bild vom Baum, Kap. III,Leyser S. 867, lOOff. und Kap. IV (Exordium), S. 869, 134ff. (plantae suntpartes in themate: prima, secunda, ultima; de quarum trunco [stam Rud.Alex. 3111. 16. 33] quasi surculus [ris Trist. 4736, Rud. Alex. 3119. 29. 41]exit). Die provenzalischen Leys d'amors haben an Stelle des Baumes derDichter das Bild einer Quelle, welche sich in Bäche zerteilt (ed. Gatien-Arnoult, Bd. 1, S. 5). Systembäume der Tugenden und Laster, auf Pergamentgezeichnet, waren als Anschauungsmittel in den Schulen aufgehängt.