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Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
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Studien über Rudolf von Ems. 29

vollen Sprache dar, in der gemäßigten, temperierten, Stilart (Lo-cutio simplex, Notker);. Gotfrid hat sein Ideal der Schönheit ineinen reichen Schmuck edler Formen gekleidet (Locutio figurata),in denen seine ästhetische Lebensanschauung das passend sichanschmiegende Gewand gefunden hat um die Hörer zu erfreuen,den edelen herzen z'einer hage 47; Wolfram, der eigenwilligeWahrheitsucher, verhüllt seine tiefen Gedanken in schwerflüssige,oft dunkle Worte und seltsame Vorstellungen. Hartmann undGotfrid stimmen in ihrer Sprache überein mit den Forderungender Schulrhetorik: jener folgt der mittleren, dieser der höherenStilart; man könnte Hartmanns Stil einen mittelhochdeutschenAtticismus nennen, der Gotfrids stellte die suavitas der geschmück-ten Rede dar 1 . Wolfram aber ist überhaupt kein Ciceronianer, erhat die pathetische, gallische oder gallicanische Manier, eine Fort-setzung des Asianismus 2 , der regellosen Willkür 3 . Und geradedieser Mißbrauch ist es, der Schwulst und die Dunkelheit, derent-halben Gotfrid seinen Stil so heftig tadelt 4 . Dem vollendeten

1 Der Münchener Tristan erstrebt eine Vereinfachung von Gotfrids Rede-schmuck durch Annäherung an die einfachere Ausdrucksweise Hartmanns,vgl. Kurt Herold, Der Münchener Tristan, QF. 114, vgl. auch E. Stadler,Über das Verhältnis der Handschriften D und G von Wolframs Parzival,Diss. Straßburg 1906.

2 Norden 2, 631 ff.

3 Norden 1, 131 f.

4 Über Wolframs Asianismus und dastrobar clus" s. meine Artikelin der German.-roman. Monatsschrift 1 (1909), 664 ff. und in der Ztschr. f. d.Phil. 42 (1910), 490 (vgl. auch Ztschr. f. d. Phil. 33 [1901], 395, und jetztbesonders die höchst inhaltsreiche Untersuchung von Singer über WolframsStil und den Stoff des Parzival, Wiener S.-Ber. 180 (1916), 4. Abhdlg., wodiese Manier Wolframs und überhaupt der Einfluß der französischen Kunstauf Wolfram eingehend behandelt ist. Die auf klassischen Regeln aufgebautemittelalterliche Schulrhetorik verpönt die Dunkelheit und den Schwulst, dieja der Forderung der Deutlichkeit und der maßvollen Anwendung derSchmuckmittel wiedersprechen. Gerade von solchen rhetorischenFehlern",vitia (ein besonderes Kapitel in den lateinischen Stilistiken), vitiosus sermo,macht Wolfram gerne .Gebrauch. Mehrere der von Notker als vitia singu-larum dictionum getadelten Ausdrucksformen (§53, Piper 1, 675677) sindElemente seines Stils: barbara. i. endirskiu alder jrcemidiu, wie sie in den ale-mannischen Gesetzen sehr häufig zu lesen sind; ihnen entsprechen Wolframsvolkstümliche Redensarten. Bekannte Wörter, die aber in ungewöhnlichemZusammenhang gebraucht sind, inpropria, antiquata. i. firniu uel uiruuor-feniu, sind bei Wolfram die sogen, unhöfischen Wörter (vom Standpunktder modernen höfischen Sitten aus); longe repetita sunt. i. ze uerro genomeniu,weither geholte Wörter; insolenter probata sunt, id est uuider geuuoneheite . .