28 Gustav Ehrismann:
auch Quintilian I, 5, 71 f. 6, 39 ff. IV, 2, 36ff. Ähnlich wie Ciceroteilt Notker Kap. 52 (Piper S.671, 21) die einzelnen Worte ein(Quid bipartita sit elocutio) in eigentliche, propria verba (propriaverba rebus dare hoc est plane dicere), und in solche, welche dieDarstellung füllen und schmücken (copiose ornateque dicere).Damit korrespondiert dann die Unterscheidung von locutio simplexund locutio figurata (673, 11 ff.). Vgl. auch Alcuin Sp. 940.
b) Die Figuren sind sehr manchfaltig und die Rhetorikerhaben umfangreiche Systeme von Formen und technischen Aus-drücken angelegt. Hier möge eine Anzahl der für die Sprach-kunst der höfischen Dichter wichtigen Figuren folgen, zusammen-gestellt aus Cicero und anderen Rhetoriklehrern Wort-wiederholung, verschiedene Arten (Traductio, Repetitio,Conversio, ävTavocxXo«u<;, dcva8i7tXcoai<; oder Conduplicatio); Um-schreibung eines Substantivs durch ein Substantive-Genitiv (circuitio); das etymologische Schema, die etymolo-gische Figur, Wörter gleichen Stammes (7iapovofAa0ta, 7roXi!>7rraTov,Annominatio, Declinatio); Anapher; Antithese; allgemeineSentenz (Sententia, yvcofnq); Steigerung (gradatio, xX£f/.cc£);Asyndeton, Polysyndeton; Ausruf (Exclamatio); Frage(Interrogatio); Selbstbeantwortung der Frage (sibi ipse res-ponsio, (k-KÖypxaiq). Fast alle die genannten Sprachmittel fallenunter die Amplificatio, denn eben in der Erweiterung und Ver-größerung des einfachen Gedankens und in der Fülle des Aus-drucks (copia, copiose loqui, ubertas, abundantia) besteht vor-nehmlich die Ausschmückung, die Schönheit der Rede. Auf Vari-ierung und Abstufung der Begriffe durch Synonyma undHäufung der Worte läuft diese Technik hinaus, die leicht zurVirtuosität führen und in Überladung ausarten kann. — DurchErweiterung des metaphorischen Wortes entstehen die ästhe-tischen Figuren, die Metapher, Synekdoche und Metonymie,weiterhin der Vergleich, das Gleichnis, die Allegorie, derenCicero einige in De oratore III, 166—168 nach den übertragenenWorten behandelt.
Die mhd. höfischen Epiker sahen ihre hauptsächliche Aufgabenicht in der Erfindung des Stoffes, sondern in dem Problem derForm. Sie haben sich eine bestimmte Kunstsprache geschaffen.Der Stil ist ihnen der Ausdruck der Persönlichkeit. Wie Hart-manns menschliches Wesen gegründet ist auf ruhevolle Mäßigung,so stellt er auch die lehrhaften Bilder seiner Romane in einer maß-