Studien über Rudolf von Ems. 27
und in die Volkssprachen. Hervorgehoben wird an diesem Galli-canus cothurnus von den gleichzeitigen Schriftstellern dieFülle (ubertas, copia, abundantia) und Zierlichkeit (nitor), derübertriebene und leere Schmuck (inanes sermonum phalerae etverborum ornamenta), die Redeblumen (flores, flosculi), die Bunt-heit und Malerei in manchfaltigen Farben (colores, oratio picta),die Süßigkeit (suavitas), der Schwulst (pompa), die Dunkelheit(obscuritas) 1 . In Deutschland sind die Vertreter der beiden Gegen-sätze, der süßen, weichen Formen und des dunkeln Pathos, Got-frid und Wolfram. Ihre Eigenart wurde dann noch überbotendurch ihre Nachahmer, die Maniristen, und einer der eifrigstenKoloristen mit seinen Redeblumen und süßen Worten war Got-frids Schüler Rudolf v. Ems, der erste Meister der geblümten Rede.Über die sprachlichen Mittel zur Erhöhung der Rede handelt,um ein bedeutendes Beispiel auszuwählen, Quintihan X, 1, 5ff.im allgemeinen und verlangt Abwechslung im Ausdruck, um dieRede treffender oder glänzender oder wirkungsvoller oder wohl-lautender erscheinen zu lassen. Er empfiehlt Synonyma, Um-schreibungen, Manchfaltigkeit, Fülle und Reichtum der Wen-dungen 2 .
Im III. Buch Kap. 37—55 von De Oratore behandelt Cicero dieRedeornamentik unter den beiden Gesichtspunkten: der Schmuckkann entweder a) im einzelnen Wort liegen (Kap. 37—51) oderb) im Zusammenhang der Rede, das heißt in den Figuren (Kap.52-55) 3 .
a) Die einzelnen Worte können entweder sein a) eigent-liche, propria verba, die einfache Bezeichnung der Dinge; oderß) übertragene, zum Schmuck dienende (ad illustrandam atqueexornandam orationem, Kap. 38 § 152), deren es drei Arten gibt:1. das ungewöhnliche Wort, inusitatum verbum, 2. das neugebil-dete, selbsterfundene, novatum verbum, 3. das übertragene (meta-phorische) Wort, translatum verbum. Es sollen niedrige und ver-schollene Worte (abiecta atque obsoleta) gemieden, dagegen aus-erlesene und lichtvolle, die etwas Volles und Tonreiches zu habenscheinen, gebraucht werden (lectis atque illustribus utatur, inquibus plenum quiddam et sonans inesse videtur § 150), vgl.
1 Norden, Register S. 962 u. bes. S.126ff. 263ff. 367ff. 407ff. 586ff.753 ff.
* Literatur zur Figurenlehre s. oben S. 23 Anm. 2.3 Tropen und Figuren, vgl. Volkmann 2 S. 415ff. 456ff.