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Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
Entstehung
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26 Gustav Ehrismann:

eine süßliche und kraftlose (Ita sit nobis igitur ornatus et suavisorator . . . ut suavitatem habeat austeram et solidam, non dulcematque decoctam ebenda 103). Eine andere Reihe stellt er an Bei-spielen berühmter Redner auf Kap. VII, 28: Lieblichkeit (sua-vitas), Feinheit (subtilitas), Scharfsinn (acumen), Wohllaut(sonitus), Kraft (vis), Ernst (gravitas), Sanftheit (lenitas),Heftigkeit (asperitas), etwas Fließendes und Wohltönendes (pro-fluens quiddam et canorum). Darauf, §30, von Cäsar: erhat eine neue Behandlung der Rede (novam quamdam rationemorationis) angewandt und eine ganz absonderliche Art der Bered-samkeit (dicendi genus prope singulare) eingeführt.

Die drei Arten unterscheiden sich durch die Verwendung desRedeschmuckes: die niedere Art kommt nahezu der einfachen,gewöhnlichen Ausdrucksweise gleich; die mittlere Art hält dieMitte zwischen der niederen und der höheren; die höhere, erhabeneArt ist reich ausgestattet mit decorativen Worten und bedeu-tenden Wendungen. Die schmückenden Mittel bleiben für alledrei Stilarten die gleichen, es besteht nur ein Unterschied in derStärke der Anwendung schmückender Formen. Allzu üppig aberdarf die Ornamentierung niemals sein, vielmehr muß auch hierinein gewisses Maß gewahrt bleiben. Jede der drei Stilarten hatihre Berechtigung, wenn sie an der richtigen Stelle gebraucht wird,und es gilt als Vorschrift, jede nach den Erfordernissen des Inhaltsanzuwenden so, wie es das Ethos des Gedichtes bezw. der Redeverlangt. Das ist die Angemessenheit der Rede (aptum). Ins-besondere ist die niedere Art geeignet, die Zuhörer zu belehren,docere; die mittlere, zu ergötzen, delectare; die höhere, zurühren, movere, flectere. Innerhalb ein und desselben Werkessollen die Schmuckmittel nicht gleichmäßig über die ganze Redeausgegossen, sondern verteilt sein. Die Sprechart soll die Zuhörernicht bloß ergötzen, sondern ohne Überdruß ergötzen (quod nonsolum delectet, sed etiam sine satietate delectet, De oratoreIII, § 96). Aber in der hellenistischen Periode, in der der Hangzum Ungewöhnlichen das klassische Maß in Pomp und Über-schwang verkehrte, wurde die klare attische Redekunst, der Atti-cismus, durch den aus Asien eingeführten Asianismus ver-drängt, ein auf Worteffekt berechnetes Formgepränge, das sicheinerseits in überelegante Zierlichkeit, andererseits in pomphaftesPathos ausspreizte. Diese Manier ging durch das Spätlateinischeüber in die gallischen Rednerschulen und von da ins Mittelalter