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Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
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Studien über Rudolf von Ems. 21

sondern eine Erscheinungsform der Wahrheit zur Erziehung undStärkung des sittlichen Vermögens. Vom Ergötzen schlechthinsprechen die mhd. Dichter in ihren Prologen nicht 1 , sondern vomleren und bezzern (Prol. zum 4. Buch 12948. 57. 59. 63) 2 , ihre Werkesollen Muster, ihre Helden Vorbilder sein für Tugend und höfischeSitte. Die Dichtkunst steht im Dienste der Ethik, der Tuger>d-lehre, gerade so wie vom Standpunkt der Theologie aus dasLesen auch der weltlichen Autoren das Gute befördern kenn.Sie ist ein Appendix zu den Artes und bereitet den Weg zur Philo-sophie (d. i. die weltliche Wissenschaft der sieben freien Künste),vgl. Hugo v. S. Victor (Migne 176, 768 D). Darum bezieht dieMoralis philosophia ihre Beispiele nicht nur aus den Moralphilo-sophen, aus Cicero und Seneca, auf die sie gegründet ist, sondernauch aus Horaz, Juvenal, Terenz, Lucan. Als Beiträge zur S'tten-lehre haben die Romane ihre Berechtigung, das setzt Tho riasinim Wälschen Gast 10231162 eingehend auseinander 3 : die Jugendkann sie lesen, weil sie bilde und guote lere enthalten 1031. 46. 92,man findet darin, was nützen mag 1028 und die sinne (Gedanken)bezzert 1112. Unter anderm wird dabei auch Alexanders tugentzur Lektüre empfohlen 1050.

Auch die Predigt ist nur der Belehrung gewidmet, nicht auchder Unterhaltung, das liegt schon in ihrer Definition:Prae-dicatio est manifesta et publica instructio morum et fidei, infor-mationi hominum deserviens" (Alanus, Summa de arte praed.,Kap. 1, Migne 210, Ulf.); informatio, utilitas ist der Zweck derPredigt, die Predigt wird zum Nutzen der Menschen ausgearbeitet(ad utilitatem procemiorum 112 D).

IL Der Dichter, seine Aufgabe.

a) Nachahmung der Meister. Cicero stellt unter denErfordernissen für die Beredsamkeit auch die Lektüre der Dichterund der Lehrer und Schriftsteller der edeln Wissenschaften auf,in jener oft wiederholten Bedingung De oratore I, 34, § 158:

1 Über das Dichten ze kurzewile s.' unten am Schluß dieses Aufsatzes. Der Fabel kommt die Wirkung auf prodesse und zugleich delectarezu, Conrad. Hirs. S. 33f. (nach Isidors EtymoL, s. Schepss in den Anmer-kungen hierzu).

2 Ritter S. 55 ff.

3 Ehrismann, Ztschr. f. d. A. 56, 194f. Vgl. auch Türlins Krone2420 f. 'tugentbilde'.