Studien über Rudolf von Ems. 11
S. 182, 2. Ausg., S. 115) 1 . - III. 20641-20688 der Dichterund das Publikum, der Dichter arbeitet in Aussicht auf Dankund Wohlwollen. Der wohlwollende Hörer 20645—20650; derunzufriedene 20651—20664. Der verschiedene Geschmack desPublikums 20665—20680. Übergang zu der Erzählung unterHinweis auf den Helden des Gedichtes 20681—20688.
Persönlichen Inhalt hat auch, ähnlich den Prologen, RudolfsRückblick auf die früheren Bearbeiter der Alexandersage 15753bis 15828, wo er als Prinzip der Darstellung ebenfalls die histo-rische Wahrheit aufstellt.
Ordnet man diese verschiedenen einzelnen Punkte, so ergibtsich folgendes System:
I. Die Kunst, a) Ursprung der Kunst: Gott, er verleihtdas künstlerische Vermögen (sin), mittels dessen der Dichter diesselde erlangen kann [Prolog zu I und VI], b) Grundbedingungenum künstlerisch schaffen zu können: die sselde, die Gunst derEdeln. (Erfolg, zugleich das vom Dichter erstrebte Gut, also dervom Standpunkt des Dichters aus subjektive Zweck des Werkes)[Prolog zu I, III und VI], c) Ideengehalt des Kunstwerkes: derWeltruhm, der ritterliche Held [Prolog zu I, II, IV und VI],d) Wesen der Kunst: Darstellung der Wahrheit [Prolog zu I, IIIund IV]. e) Zweck des Kunstwerkes (objektiv, Wirkung auf dasPublikum): belehren und bessern [Prolog zu IV].
II. Der Dichter, seine Aufgabe, a) Nachahmung derMeister [Prolog zu II]. b) Rhetorik, Stilistik [Prolog zu II].
III. Das Publikum (die Kritik), Zweck des Prologs [Prologzu II, IV und VI].
Die Bestandteile eines jeden der fünf Prologe gruppieren sichum ein Hauptthema: Prolog zu I versetzt in die gesellschaftlicheUmgebung, das ist die höfische Welt; Prolog zu II führt in daskünstlerische Milieu ein, das ist die höfische Dichtkunst; Prologzu III handelt von der Form, Prolog zu IV vom Gehalt; Prologzu VI kehrt zum Ausgangspunkt, zum Prolog zu I zurück, zursselde, und damit zur höfischen Gesellschaft.
1 Leitzmann, Ztschr. f. d. Phil. 43, 315f.; v. Kraus, Ztschr. f. d. A.
56, 45.