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Studien über Rudolf von Ems : Beiträge zur Geschichte der Rhetorik und Ethik im Mittelalter
Entstehung
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12 Gustav Ehrismann:

Es sollen nun die einzelnen Punkte dieses Systems historischverfolgt und mit der klassischen bezw. mittelalterlichen Rhetorikund mit entsprechenden religiösen Glaubenssätzen in Beziehunggesetzt werden.

I. Die Kunst.

a) Der Ursprung der Kunst ist Gott, Gott verleihtdie dichterische Veranlagung (sin) und die seelde. Zu-grunde liegen die Gedanken von Augustins IV. Buch des Gottes-staates, besonders Kap. 21. 25. 34: der Urgrund alles Guten undaller Güter ist Gott, die Güter sind bona animi (= Tugenden), bonacorporis, bona externa (= bona fortunae), zusammengefaßt 5. Buchpraefatio: Quoniam constat, omnium rerum exoptandarum pleni-tudinem esse felicitatem, quae non est dea, sed donum Dei usw.,die Fülle aller wünschenswerten Dinge ist die Glückseligkeit, dieseaber ist ein Gnadengeschenk Gottes; auch der sin, mens, gehört

zu solchem Glückszustand: Quid necesse erat.....deae Menti,

ut bonam haberent mentem (IV, 21). Als Lehrstück trägt Augustinin dem Buch von der christlichen Lehre, De doctrina christianaIV, 1516 (s. auch IV, 30), vor, daß Gott die Rednergabe verleihtund dazu das Gedeihen gibt.

Die klassische Theorie findet den Ursprung der Kunst in derNatur des Menschen begründet, nach Aristoteles ist die Dicht-kunst angeborener Nachahmungstrieb. Cicero erklärt, die Bered-samkeit sei Naturanlage, könne aber durch Lehre feiner ausgebildetwerden De oratore I, Kap. 25: sentio naturam primum atqueingenium ad dicendum vim adferre maximam. Diese Ansicht hatHoraz in seiner Ars poetica 408411 auf die Dichtkunst ange-wendet: Natura fieret laudabile carmen an arte Quaesitum est:ego nee Studium sine divite vena Nee rüde quid possit videoingenium: alterius sie Altera poscit opem res et coniurat amice;dazu 309: Scribendi recte sapere est et prineipium et fons. Unterden mittelalterlichen Theoretikern folgt Hugo von S. Victor, derin seiner Eruditio didascalica eine den klassischen Studien ent-gegenkommende Stellung einnimmt und Demosthenes, Aristoteles,Cicero, Quintilian als die Häupter der Rhetorik nennt (Migne 176,767CD), auch der klassischen Ansicht, daß sensus und ingeniumfür die Beschäftigung mit den artes (Wissenschaften und Künsten)von der Natur gegeben sei (770CD. 771AC). Aber das istphilo-sophische" Theorie, die theologische Lehre mußte an Stelle der