Druckschrift 
Johan uz dem virgiere : eine spätmittelhochdeutsche Ritterdichtung nach flämischer Quelle
Entstehung
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

29

ihres Dichters zu suchen ist, das sind Fragen, deren Beantwortung unszunächst zu beschäftigen hat.

Kap. ILDie Überlieferung des «Johan üz dem virgiere».

a) Der Text des Johan u^ dem virgiere ist, soweit mir bekannt, nur ineiner einzigen Handschrift auf uns gekommen. Sie befindet sich jetztals Germ. Qu. 1476 in der Kgl. Bibliothek zu Berlin', bis 1912 aber ge-hörte sie als Nr. 8316 der Bibliotheka Phillippica in Cheltenbam an, woich sie auffand, kurz beschrieb und das Gedicht im Auszug mitteilte inmeinem Buch Deutsche Handschriften in England I (1896), S. 98und 241 283. Sir Thomas Phillipps erwarb den Kodex direkt oder indirektbeim Verkauf der Bibliotheca Heberiana (1836), in deren Auktionskataloger als Nr. 1397 verzeichnet ist. Weiter vermag ich die Geschichte derHandschrift nicht zurückzuverfolgen. Ihr ziemlich starkes Papier miteinem Stich ins Gelbliche, weist, soweit der Text reicht, häufige Schmutz-und Feuchtigkeitsflecke auf; von Bl. 43 war ein großes Stück fast ab-gerissen und wurde mit weißem Seidenfaden notdürftig angenäht; außer-dem hat der Buchwurm ungefähr in der Mitte jedes Blattes zum Schadendes Textes gearbeitet. 57 Blätter machen das Buch aus, nach modernerZählung 150 und 51*5 7* unbeschrieben. Es sind 5 Lagen zu 12 Blättern;die 1.4. bezeichnet je am Schluß durch die Anfangsworte der nächsten,wovon bei der vierten freilich nur noch geringe Spuren vorhanden sind;der letzten (5.) fehlen jetzt 2 BL, die Entsprechungen von Bl. 49 und 50,während das mit Bl. 51* korrespondierende auf dem Deckelinnern auf-geklebt ist. Auf Bl. 49 v ist von dem Schreiber mitten im Text Raumfür 4, auf Bl. 5o r für 3 Verszeilen freigelassen; wir werden annehmendürfen, daß die Vorlage hier irgendwie schadhaft oder unleserlich war.Jedes Blatt zeigt vertikale Wasserlinien (Stege), als Wasserzeichen er-scheint ein Kreuz.

Die Blatthöhe beträgt 27,5, die Breite 20,3 cm. Die Höhe desdurch vertikale und horizontale Linien abgegrenzten Schriftraumes ist17,1 cm, die Breite 11,511,7 cm; der Schriftraum ist nicht liniiert,daher schwankt die Zeilenzahl zwischen 27 und 34. Die Schriftgotische Minuskel, stark mit kursiven Elementen durchtränkt gehörtdurchaus derselben Hand an, wennschon von der Mitte von Bl. 42' ab(v. 2605) die Züge etwas gedrängter und die Tinte blässer wird. Manwird die Niederschrift um die Mitte des 15. Jahrhunderts ansetzen dürfen.Die Verse sind abgesetzt, jeder beginnt mit einem großen Buchstaben,nur v (== v und u), auch zu machen häufig von dieser Regel eine Aus-

1 S.Mitteilungen aus der Königlichen Bibliothek, hsg. von der GeneralverwaltungIII, II. Die Schenkung Sir Max Waechters, Berlin 1917, S. 70 f.