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Die eben angezogenen Verse, ferner v. 25—27 des Prologes, danndas Epitheton obgenant 1 2934 zeigen aber auch zur Genüge, daß desFahrenden Ehrgeiz auf schriftliche Abfassung — das buoch — hinzielt.Sein Bemühen ist, das buoch von Johan u% dem virgiere zu schreiben,ein weltlich-novellistisches, biographisches Leseepos, natürlich (so dürfenwir sagen) mit geistlichem Einschlag, der im Prolog, in Stoßgebeten desHelden und besonders in der gerade nach dieser Richtung dem Vorbildgegenüber stark erweiterten Riesenszene am kaiserlichen Hofe deutlich zu-tage tritt. Dadurch, daß seine Quelle eine mnl. Dichtung ist, stellt sich seinWerk in den gleichen literarischen Einwirkungsbezirk wie der Karl mein et(genauer einige Teile desselben), das von Bartsch, Germania V., 356 fr.veröffentlichte Bruchstück von einem Normannenherzog Heinrich,und, wie ich wenigstens glaube, auch die Dichtung vom Herzog vonBraunschweig 2 , deren Vorlage, wie die des Johan, ebenfalls Motiv-beeinflussung von Seiten afrz. chansons de geste (besonders Charrois deNim es) verrät. Sie bezeugen für das 14. Jahrhundert entlang der LinieAachen—Mittelrhein beträchtlichen Einfluß niederländischer epischerDichtung noch ohne sklavische Abhängigkeit der Bearbeiter von ihrenOriginalen, was erst von den Übertragungen des Reinoll, Malagis, Kindervon Limburg usw. im [5. Jahrhundert gilt.
Hierin besteht meines Erachtens der Wert und der Hauptreiz dieserkleinen epischen Gruppe. In ihr zeichnet sich der Johan u% dem virgiereaus durch seine klare, anspruchslose, nur stellenweise ein wenig gehobeneSprache und seine einfache, geradlinige, wennschon hie und da etwas un-geschickte Erzählungsweise ohne den Aufputz «geblümten» Stils, ohnedunkle, halbgelehrte Spekulation. Solcher ohne großen Kunstaufwand,einfach erzählter Ritterdichtungen aus dem Kopfe fahrender Berufsdichter,noch immer erwünschter Speise für ein unverwöhntes, stoffhungrigesPublikum, mag es im 14. Jahrhundert, mitten in einer der Didaxe, vor-nehmlich der Allegorie und dem popularisierten «Wissen» huldigendenZeit, mehr gegeben haben, als sich nun nachweisen läßt; der Prozent-satz des Verlustes möchte höher sein als bei der höfischen Epik der mhd. Zeit(s. Schröder, ZfdA. 67, S. 240 ff). Denn für den Vortrag vor einer solchenZuhörerschaft bestimmt — selbst wenn die Dichtung wie in unseremFall mit der Prätension eines Buchepos hintritt —, beschränkte sichdie Überlieferung leicht nur auf das Handexemplar des Fahrenden,ein Lohnschreiber fand dabei kaum seine Rechnung: anspruchsvollererZeitgeschmack wollte anderes. Der Besitz unserer Dichtung hängt jaauch nur an Einern Haar. Wie sie auf uns gekommen, wo die Heimat
1 S. E. v. Cersne, der Minnen regel v. 275 honinginhe erginant\ es wäre natür-lich leicht, dies obgenant etwa in wertgenant (Wilh. v. Vvenden 2234) o. ä. zu ändern.
2 Vgl. mein Buch Deutsche Hss. in England I (1896), S. 3 und 197 — 269. DieHs. ist jetzt in amerikanischem Privatbesitz.