Kap. I.Die Stoffgeschichte.
Ein Jüngling unehelicher Gehurt zieht aus, Vater und Mutter zufinden; nach langem Umherirren gelingt ihm dies und schließlich auchdie Vereinigung der Eltern im ehelichen Bund. So lautet, auf seineeinfachste Formel zurückgeführt, das Grundmotiv der auf den folgendenBlättern in zwei Fassungen — einer mhd. Dichtung in Reimpaaren undeinem nl. Prosa-Volksbuch — veröffentlichten mittelalterlichen Rittermäre.Dieses Hauptmotiv nähert sie offenbar einer Gruppe afrz. Verserzählungen,wie dem Lai de Milun 1 der Marie de France, dem Lai de Doon 2 (dochist sein Held ehelicher Geburt), dem Yder s , ebenso dem mnl. Moriaen 4 ",allein insofern als in unserer Geschichte das uneheliche Kind ausgesetzt,von seinem Finder und Pflegevater liebevoll auferzogen wird, zudem nichtnur den Vater, sondern auch die Mutter zu suchen hat und endlich auchdie Liebe einer Jungfrau und ihre Hand gewinnt, schließt sie sich nochvollkommener dem Typus an, der im afrz. Riebars li Biaus 6 und immengl. Sire Degarre (Degore) 6 auftritt, ebenso im mnl Riddere metterMouwen 1 ', obschon da das Motiv der enfance des Helden, in der über-
1 K. Warnke, Die lais der Marie de France (Bibl. Normanica III), p. CXXXIII bisCXXXIX und 152 — 171.
■>■ K. Warnke, 1. c, p. CXXXV und Romania VIII, 61—64.
3 Histoire littcraire de la France, tom. 30, p. 213. H. Gelzer, Der afrz. Yder-roman, Dresden 1913.
4 J. te Winkel, Groningen 1878.
6 Hsg. von W. Förster, Wien 1874.
6 Abbotsford Club Publications, Edinburgh 1849; Haies and Furnivall, BishopPercy's Fol. Ms. 3, 16 ff., neuerdings hsg. von G. Schleich, Engl. Textbibliothek 19,Heidelberg 1929.
7 Hsg. von Bertha van der Stempel, Bibl. van middelnederlandsche Letter-kunde, Leiden. — S. besonders Inleiding I, p. XI — XXVIII. Die Herausgeberin kommtzu dem Resultat, dat de Roman van den Riddere metler Mouwen is bewerkt naar eenoudere redactie van den ons behenden Riebars li Biaus. Das wird auf Grund der nach-gewiesenen Übereinstimmungen richtig sein, wenn sie aber meint (p. XIV), das wenige,das der nl. Verlasser über die enfance seines Helden zu sagen hat (v. 1744—1747,1770—1784), könne der Hauptsache nach als kurze Inhaltsangabe dessen gelten, wasim Richars in ± 870 Versen (ganz abweichend!) mitgeteilt wird, so möchte ich
Roben Priebsch, Joban üz dem virgiere. 1