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RITTERDICHTUNG NACH FLÄMISCHER QUELLE NEBST DEM FAKSIMILEABDRUCK DES FLÄMISCHEN VOLKSBUCHES JUNCKER JAN WT DEN VERGIERE HERAUSGEGEBEN UND EINGELEITET VON Dr. ROBERT PRIEBSCH O.PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT LONDON MIT EINER TAFEL IN MANULDRUCK HEIDELBERG 1931 CARL WINTERS UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG Verlags-Nr. 2254 ! LANDES- \ UMD STADT-1 ÖrBUGTHEK j DUSSELOOR^ Alle Rechte, besonders das Recht der Übersetzung in fremde Sprachen, werden Torbehalten. Professor H. G. Atkins und Dr. Edwin Deller in Freundschaft gewidmet Vorwort. Viel später als ich hoffte, löse ich mit dieser Ausgabe ein altes Versprechen ein. Gern hätte ich das mhd. Gedicht, das ich in der Bibl. Phillippica in Cheltenham auffand, und von dem ich damals (1894) nur eine hastige Abschrift nehmen konnte, vor seiner Veröffentlichung mit der seither nach Berlin gekommenen Handschrift kollationiert; aber das Ansuchen, das Ms. zu meiner Benutzung an die Bibliothek des Univer- sity College, London, für kurze Zeit zu leihen, wurde leider von der Verwaltung der Berliner Staatsbibliothek abschlägig beschieden. Um so mehr bin ich zu Dank verpflichtet der Direktion der Göttinger Universitätsbibliothek, die mir das nl. Volksbuch — ein rarissimum — in liberalster Weise zur Benutzung auf der Bibliothek des University College zusandte und nun auch dem Verlag dessen Faksimilierung gestattete. — Im übrigen sage ich meinen Dank meinen früheren Zuhörern, Herrn F. Norman M. A. und Frl. H. Amburger Ph. D., die einige zweifelhafte Stellen meiner Abschrift mit der Hs. in Berlin verglichen, meinem holländischen Kollegen Dr. Haantjes für seine Hilfe, den Drucker und die Sprache des nl. Volksbuches betreffend, Herrn Prof. P. Harting (Groningen), der sich vergebens bemühte, ein zweites Exemplar des Volksbuches auf nl. Bibliotheken ausfindig zu machen, und Dr. A. Cloß, der mich beim Lesen der ersten Korrektur unterstützte. Last not hast aber gebührt mein Dank dem Senat der Universität London für die Gewährung eines namhaften Beitrags zu den Druckkosten; erst dadurch wurde die Herausgabe der Texte ermöglicht. London, Mai 1931- Inhaltsverzeichnis. Seite Vorwort........................ VII Kap. I. Die Stoffgeschichte................. 1-29 Kap. II. a) Die Überlieferung des Johan ü[ dem virgiere ....... 29 b) Orthographie und Sprache der Hs........... $0 c) Die Heimat des Dichters und des Schreibers....... 45 d) Bemerkungen zur Syntax, zum Stil und zur Metrik der Dichtung 50 Kap. III. Überlieferung des nl. Volksbuches (V.) von Joncker Jan wt den vergiere 60 Der Text des Johan ü% dem virgiere . . ...........65-144 Faksimile des nl. Volksbuches von Joncker Jan wt den vergiere. Kap. I. Die Stoffgeschichte. Ein Jüngling unehelicher Gehurt zieht aus, Vater und Mutter zu finden; nach langem Umherirren gelingt ihm dies und schließlich auch die Vereinigung der Eltern im ehelichen Bund. So lautet, auf seine einfachste Formel zurückgeführt, das Grundmotiv der auf den folgenden Blättern in zwei Fassungen — einer mhd. Dichtung in Reimpaaren und einem nl. Prosa-Volksbuch — veröffentlichten mittelalterlichen Rittermäre. Dieses Hauptmotiv nähert sie offenbar einer Gruppe afrz. Verserzählungen, wie dem Lai de Milun 1 der Marie de France, dem Lai de Doon 2 (doch ist sein Held ehelicher Geburt), dem Yder s , ebenso dem mnl. Moriaen 4 ", allein insofern als in unserer Geschichte das uneheliche Kind ausgesetzt, von seinem Finder und Pflegevater liebevoll auferzogen wird, zudem nicht nur den Vater, sondern auch die Mutter zu suchen hat und endlich auch die Liebe einer Jungfrau und ihre Hand gewinnt, schließt sie sich noch vollkommener dem Typus an, der im afrz. Riebars li Biaus 6 und im mengl. Sire Degarre (Degore) 6 auftritt, ebenso im mnl Riddere metter Mouwen 1 ', obschon da das Motiv der enfance des Helden, in der über- 1 K. Warnke, Die lais der Marie de France (Bibl. Normanica III), p. CXXXIII bis CXXXIX und 152 — 171. ■>■ K. Warnke, 1. c, p. CXXXV und Romania VIII, 61—64. 3 Histoire littcraire de la France, tom. 30, p. 213. H. Gelzer, Der afrz. Yder- roman, Dresden 1913. 4 J. te Winkel, Groningen 1878. 6 Hsg. von W. Förster, Wien 1874. 6 Abbotsford Club Publications, Edinburgh 1849; Haies and Furnivall, Bishop Percy's Fol. Ms. 3, 16 ff., neuerdings hsg. von G. Schleich, Engl. Textbibliothek 19, Heidelberg 1929. 7 Hsg. von Bertha van der Stempel, Bibl. van middelnederlandsche Letterkunde, Leiden. — S. besonders Inleiding I, p. XI — XXVIII. Die Herausgeberin kommt zu dem Resultat, dat de Roman van den Riddere metler Mouwen is bewerkt naar een oudere redactie van den ons behenden Riebars li Biaus. Das wird auf Grund der nachgewiesenen Übereinstimmungen richtig sein, wenn sie aber meint (p. XIV), das wenige, das der nl. Verlasser über die enfance seines Helden zu sagen hat (v. 1744—1747, 1770—1784), könne der Hauptsache nach als kurze Inhaltsangabe dessen gelten, was im Richars in ± 870 Versen (ganz abweichend!) mitgeteilt wird, so möchte ich Roben Priebsch, Joban üz dem virgiere. 1 lieferten Gestalt des Romans wenigstens, stark in den Hintergrund tritt. Und wie Richars li Blaus an der Wiege des Riddere metler Mouwen Pate gestanden hat (s. u. die Anm.), so steht er auch hinter dem Johan u\ dem virgiere (Junker Jan wt den vergiere). Die folgende tabellarische Gegenüberstellung des Erzählungsverlaufs wird dies am besten veranschaulichen. demgegenüber auf die weit näherstehende Darstellung der enfance im Sire Degarre v. 183 ff. aufmerksam machen. Riddere metler Mouven heißt es v. 1770 fr.: Oec was hi clerc ende geleert. Wanl In werd ter doget gekeert, Daer menne tenen vondelinge vant, Dal was te Doevre in Ingelant; Daer ginc hi ter scolen X. jaer. Oec was hi heme vonden daer Beide grau ende oec hont, Ende in selvere hondert pont. Im Sire Degarre nun wird das von einem Eremiten vor seiner Türe gefundene Kind seiner in der Stadt (ohne Namen) verheirateten Schwester übergeben, bis es zehnjährig in die hermitage zurückgeschickt wird und da v. 287 f.: He taugte him of Clerkes lore Olher teil wynler olher morc. Dann die dem Kinde mitgegebenen Gaben v. 190 ff.: Four pound ghe loh of gold And ten of selver also . . . And selhlhen ghe tok a peire glove Here lemman seilte of Fairi-Ionde. Dem Gold und Silber entsprechen im nl. Gedicht in selvere hondert pont, das Pelzwerk (grau ende hont) könnte eine realistische Umbiegung des Feenhaudschuh-Motivs sein, wofür der Niederländer ja keinen Gebrauch hatte. Im überlieferten Richars ist es ein Stück Seidenzeug, das auch bei der Erkennung zwischen Mutter und Sohn hereinspielt, aber von dem Gold und Silber und Pelzwerk findet sich keine Spur. Möglich, daß die etifance des Helden unter geistlicher Obhut letzten Endes aus der Gregorlegende entlehnt ist. — Es ist hier nicht der Ort, auf das Verhältnis der drei Dichtungen im einzelnen einzugehen. Dies nur will ich andeuten, daß m. E. der Verfasser des R. in. M. zwar nicht den mengl. Sire Degarre, der zeitlich ja jünger sein wird (s. Schleich aaO. S. 55), gekannt hat, wohl aber dessen, freilich nur zu erschließendes, frz. Original, ein verlorenes Lai d' Esgare (Schleich S. 54), für dessen Existenz die angezogene Übereinstimmung als neuer, erwünschter Wahrscheinlichkeitsbeweis gelten darf. Dann wird aber wegen R. m. M. v. 1773 Dal was te Doevre in Ingelant das Lai bereits England, nicht die (Eitel) Bretaigne als Handlungsort gehabt haben, so daß die Gruppe Q des Sire Degarre hierin (gegen Schleich S. 21, 24) das Ursprüngliche bewahrt hat. (Über eine zweite auffallende Erscheinung dieser Gruppe s. unten S. 18, Anm. 1.) Nun stand aber das Lai, wie aus dem Inhalt seines erhaltenen Sprößlings, des Sire Degarre, hervorgeht, in bezug auf Motivverkettung so nahe zum Richars I, d. h. einer älteren Redaktion des uns überlieferten Gedichtes, daß es entweder als dessen freie, dämonisch aufgeputzte Bearbeitung erscheinen oder erst selbst den so viel realistischeren, gegenwartsfrohen Richars ins Leben gerufen haben mag. Nachdem nun eine nur ihm zukommende Einzelmotivausgestaltung — die enfance des Richars li Biaus. i. R. ist der uneheliche Sohn Clarissens, der Tochter des Königs von Friesland und des Ritters Loys li preus, der sie im königlichen Baumgarten schlafend überrascht. 2. Das Kind wird von zwei Knappen, die es im Auftrag des Königs töten sollen, im Wald in einem Graben ausgesetzt und von einem Grafen auf der Jagd gefunden (vgl. Dieudonne im Charles le Chauve). Er staunt über die Schönheit des Kindes, betrachtet den Seidenstoff, worin es gehüllt ist und merkt an dem eingebundenen Salz, daß es noch nicht getauft sei. Er läßt es auf den Namen Richars taufen und mit seinem eigenen Kinde, einem Mädchen, auferziehen. Seine Kleidungsstücke hebt die Gräfin für ihn auf. R's Entwicklung auf den Altersstufen: 7, 15, 20 Jahre 1 wird betont. 3. Der Graf will R mit seiner Tochter vermählen und teilt ihm, der sich bis dahin für seinen Sohn gehalten hat, die Umstände seiner Auffindung mit. R. wird vorSchrek- ken bleich und begehrt die Sachen, Joban u% dein virgiere. 1. J. ist der uneheliche Sohn der Schwester des Königs von Frankreich und des Grafen von Artois, ihres Kämmerers. 2. J. wird, vom Vater selbst ausgesetzt, vom Kaiser Sigismond in seinem Baumgarten (viergier) aufgefunden. Er staunt über seine Schönheit, bewundert die reichen Gaben, die ihm beigegeben sind. Aus einem Briefe 2 , der am Hals des Kindes hängt, erfährt er, daß das Kind noch nicht getauft sei. Er läßt es, dem im Briefe geäußerten Wunsch entsprechend, auf den Namen Johann taufen und mit seinem, ihm in der folgenden Nacht geborenen Töchterlein (Ciarisse) aufziehen. Er bewahrt die bei ihm gefundenen Dinge (Kleider, Waffen) sorgfältig auf. J's Entwicklung auf den Altersstufen: 7, 12 u. 14 Jahre wird gezeichnet. 3. Durch einen unglücklichen Zufall erzürnt J. die Kaiserin, so daß sie ihn einen Findling nennt. Da seufzt J. auf und wird bleich; aufsein dringliches Bitten erzählt ihm sein vermeintlicher Vater die näheren Helden — durch die Anspielung im R. m. M. erwiesen ist, läßt sich denken - hier hätte eine Einzeluntersuchung einzusetzen —, daß das Lai neben Richars I, der Hauptquelle für das mnl. Gedicht, als wichtige Nebenquelle in Betracht kommt. Was die Herausgeberin über eine eventuelle Benutzung von Motiven aus dem 2. Teil des Richars bemerkt, hat mich nicht überzeugt; die Parallelen sind, wie mich dünkt, durchaus vager Natur. 1 Auch im Sire Degarre ist der Held 20 Jahre alt, als er sich auf die Elternsuchc begibt. V. 289 fr.: And bi he was 0/ Iweuti jer, Staleworth he was of swich pouer Thal iher ne was man in that lond Thal 0 breid Um migt astond. (Vgl. Johan 203—206.) 2 J. v. 126—130; vgl. Sire Degarre v. 200—210; auch Lai de Milun v. 78—86. die bei ihm gefunden wurden, zu Umstände. J. bittet ihn um die bei sehen. Er will ausziehen, seine ihm gefundenen Sachen und um den Eltern zu finden. Der Graf fügt Ritterschlag, den ihm der Kaiser aber sich, obwohl schwer, in sein Verlangen und schlägt ihn zum Ritter. Die Zeremonie wird beschrieben. erst nach einem Jahre geben will. (Die Zeremonie wird an späterer Stelle beschrieben v. 1051fr.) J. wünscht seinen Vater ausfindig zu machen, wer\ kritppel oder Mint man. 4. J. trifft beim Umherstreifen auf einen alten Ritter, der seine Wappen 4. R. besiegt Loys im Turnier und erkennt in ihm seinen Vater, als jener ihm das Baumgarten-Aben- trägt, besiegt ihn im Zweikampfund teuer erzählt. (Im Richars folgt wird von ihm als Sohn erkannt, als übrigens dieses Motiv vom Vater- er ihm seinen Namen und die Unrund Sohn-Kampf erst auf 5; auch stände seiner Auffindung offen mit- im R. m. M. begegnet der Held zu- teilt. Dazu als Beweis der Vater erst der Mutter und ebenso im und Sohnschaft das Ringmotiv 1 (v. Sire Degarre.) 2547fr.). 5. R. kommt an den Hof des 5. J., vom Vater betreffs seiner Königs von Friesland und befreit Mutter aufgeklärt, begibt sich an ihn von dem ihn belagernden Sultan den Hof des Königs von Frankreich, von Carsidone. Ciarisse erkennt wo ihn die Mutter alsbald an dem in ihm den verlorenen Sohn, als Ring erkennt. Durch einen Sieger ihr auf ihre Frage nach Heimat reichen Kampf gegen zwei Riesen und Eltern von seiner Auffindung verdient er sich eine Bitte an den erzählt und das bei ihm gefundene König, nämlich seine Eltern ehelich Tuch vorweist. Der König erkennt zu vereinigen. Der König erkennt ihn freundlich als Enkel an und über- ihn als Neffen an und überläßt ihm gibt ihm die Führung des Heeres. Land und Krone. 6. R. bringt den Vater an den 6. J. bringt den Vater an den Hof des Königs, die Hochzeit der Hof des Königs, er wird gut emp- Eltern findet unter großen Feierlich- fangen und seine Hochzeit mit keiten statt, der König überläßt ihnen das Land Mangoric. der Schwester des Königs alsbald unter großen Lustbarkeiten gefeiert. Der Graf wird in seine früheren Besitztümer wieder eingesetzt. Wir sehen, in den Hauptzügen der beiden Dichtungen herrscht tatsächlich weitgehendste Übereinstimmung. Ferner in manchen Nebenumständen. So spielt hier wie dort der königliche (resp. kaiserliche) Baumgarten eine, wenn schon verschiedene Rolle zu Anfang der Dichtungen, dort als der Ort, wo R. gezeugt wird, hier als die Fundstelle des ausgesetzten Kindes. Oder wie R. an seinen Knappen, Aubris und 1 Vgl. Lai de Doou, Rom. VIII, 64; Lai de Milun, v. 430 ff.; Yder v. 4799fr. Lyones, zwei treue Freunde und Helfer findet, so J. in (L)amelot und (L)anzelot, die da freilich in keinem Dienstverhältnis zu ihm stehen. Wenig ist zu geben auf die Ähnlichkeit in der Beschreibung der Tätigkeit der Spielleute bei den Hochzeitsfeierlichkeiten am Schluß des i. Teils des Riebars (v. 4123 fr.) und am Schluß des Johan (v. 3114 ff). Bei aller Abhängigkeit vom R., genauer seines ersten Teils, tritt uns im /. zufolge von Änderungen in der Motivverkettung, Einführung neuer oder Durchführung von dort blind verlaufenden Motiven, durch Wechsel der Lokalisierung oder des Standes und der Umstände einiger handelnder Personen ein neuer biographischer Ritterroman entgegen, keineswegs eine bloße Doublette der afrz. Hauptquelle. Er repräsentiert in seiner Gänze die besondere Ausprägung, die besondere stoffliche Verkörperung dreier, in ma. Dichtung und Sage häufig auftretender Motive: a) Elternsuche eines Findlings, b) eines Findlings Liebe zur Tochter des Kaisers (Königs), an dessen Hof er auferzogen wird oder Dienste leistet, c) ein Findling erwirbt Krone und Reich. Das Verdienst dieser Kombination und stofflichen Sondergestaltung gebührt jedoch nicht dem deutschen Dichter des /., sondern einem Flamen, dessen Name uns freilich ebenso verborgen bleibt und bleiben wird wie der des mhd. Bearbeiters seiner Dichtung oder der seines Landsmanns und Konkurrenten, des Verfassers des Riddere metter Mouwen. Ihm also muß, wie wir sahen, der Riebars bekannt gewesen sein, wohl nicht in der jungen Gestalt, in der allein wir ihn kennen, dem Werk des mestre Requis. Im /. zeigt sich keine Spur einer Benutzung des zweiten, gewiß späteren Teils dieser Dichtung (v. 4163 bis Schluß). Freilich ist es nicht leicht, darüber allzeit Gesichertes auszusagen, denn eine Veränderung in der Ausgestaltung eines Motivs zwischen dem überlieferten Richars und dem Johan (Jan) muß ja nicht unbedingt auf einen älteren Richars hindeuten, sondern kann auf die Benutzung einer Nebenquelle zurückführen, die dasselbe Motiv in der Johan (Jan)-Form bringt. So wies ich oben Tabelle unter Nr. 2, Anm. 2 auf die Ähnlichkeit des Briefmotivs im Johan mit dem Sire Degarre v. 200ff. hin; das wird greifbarer in der Vater und Sohn-Kampfszene 1 , dem Zusammentreffen der beiden nicht beim Turnier wie in R., sondern bei zufälliger Begegnung in einem Waldtal. Man vgl. mit /. 2451 ff, Sire Degarre 991 ff.: Forth wente Sire Degarre Thurh mani a divers euntre, Ever more he rod west. So in a dale of 0 forest He mette with a dongti knijt Upon a stede god and ligt . . . 1 Vgl. M. A. Potter, Sohrab and Kustam, London 1902, besonders S. 46 fr. und in Verbindung mit der Kampfszene das Schwert- resp. im /. das Ringmotiv. (Sire Degarre 1047ff.; J. 2546m) Das väterliche Schwert führt nämlich im Sire Degarre die Erkennung herbei, während im /. ein Ring den Beweis der Vater- und Sohnschaft liefert. Das Schwert wird als ursprünglicher Zeuge zu gelten haben, der Ring hingegen, der trotz v. 2756 unter den bei dem Kind gefundenen Gegenständen nicht genannt wird, als ad hoc eingeführt, wohl unter dem Einfluß anderer Glieder der Stoffgruppe (s. oben unter Nr 4, Anm. 1). Beide Erscheinungen (Briefmotiv und Ortlichkeit der Kampfszene) zusammengenommen, führen uns m. E. auf das (verlorene) Lal d'Hsgare als Nebenquelle, ich sage Nebcnquelle, denn die Berührungen mit Richars I sind besonders in der enfance des Helden zu eng, um diesen zugunsten des Lai zu eliminieren; m. a. W., Gleichheit der Haupt- und einer Nebenquelle verbänden also den Jan und den R. m. M. und aus dieser letzteren hätte die eine Dichtung dieses, die andere jenes Moment geschöpft. Wir werden später direkte Beziehungen zwischen den beiden Dichtungen zu erwägen haben. Woher wissen wir, daß ein flämisches Vorbild hinter dem deutschen Gedichte steht? Nun, einmal aus den eigenen Worten des mhd. Bearbeiters v. 25—27: Und di% buch werde vollenbraht Da^ ich %u schriben habe gedahl U% flanschen in unser diitsche sieht. 1 Ferner aus ein paar Einzelheiten seines Wort- und Reimschatzes, endlich und vornehmlich aus der Existenz des nl., im 16. Jahrhundert gedruckten Volksbuchs vom Jancker Jan tut den vir giere (V.) 2 , auf dessen Über- ' Vgl. den Übersetzer des mnl. Malagijs: Nun thun ich vch behaut Ah ich dis^ buch in flemsch fant Da musl es mir geuallen Vnd das man da von wüst zii kallen In dis^er oberlendschen gramnyc^ Hab ich dorecbteg* gauchel vic^ Gebrückt williclich dar Inn . . . (K.Bartsch, Heidelberger Hss. Nr. 150 u. 168). 2 Daß V. ein mnl., nicht ein frz. Gedicht oder eine frz. Prosa zugrunde liegt, wie dies ja z. B. mit der Historie van Valentyn en Ourson der Fall ist, beweisen hinlänglich die mehrmals stehengebliebenen Reime, z. B. 8™, Z. 12 te voren: verhören, 8 vb , Z. 54 doorstack : brac, 10 rb , Z. 7 u. 9 ghedoghen : oogen; wt der noodt: den doot, 25 vb , Z. 21 blijven : schrijven. Wohl aber ließe sich die Frage aufwerfen, ob nicht das nl. Volksbuch einmal ins Frz. übertragen worden sei. Wenigstens dünkt mich, daß im Volksbuch von dem gehörnten Siegfried, an dessen frz. Quelle man nicht zweifeln wird, die Eberjagd des Königs Gibaldus und Siegfrieds nach der entsprechenden Szene in V. (3 v«) modelliert sei. lieferung wir später zurückkommen. Hier interessiert uns zunächst sein Verhältnis zum Johan, woraus willkommenes, wenngleich nicht überall ganz durchsichtiges Licht, einerseits auf den Aufbau der verlorenen mnl. Dichtung, anderseits auf mancherlei Abänderungen (Zusätze, Auslassungen, Motivumbiegungen) des deutschen Bearbeiters sowie umgekehrt des Volksbuches selbst fallen wird. Das Volksbuch ist, wie zu erwarten steht, redselig. Es liebt fremden, sei's erfundenen, sei's aus anderen Quellen entlehnten Stoff einzuschalten. Stoffhunger und Wunsch nach Befriedigung desselben charakterisiert ja diese Periode. Als solche Einschaltungen sind mit Sicherheit anzusetzen: I. Bl. 2i vb — 22 Tb die ausführliche Erzählung von Jans Eltern, von seiner Geburt und Aussetzung. Die Unursprünglichkeit ergibt sich schon aus dem Widerspruch, daß laut dieser Darstellung das Kind vom Vater zwei vertrauten Freunden zur Aussetzung übergeben wird, die dabei ganz selbständig handeln (Bl. 22 va , Z. 9), während Bl. 2y h , Z. 10 in der unmittelbar anschließenden Vater—Sohn Kampfszene der Vater in dem knappen Bericht derselben Umstände ganz in Übereinstimmung mit Johan 2541 ff. sagt: ick dcde u dragen doen ghy gheboren waert in des keysers pryecl usw. Um frei erfundene Ausmalung der nackten Tatsachen — sie sind ja in beiden Berichten dieselben — wird es sich jedoch nicht handeln, sondern um Entlehnung aus einem Abenteuerroman: man vgl. eine Stelle wie 22 rb , Z. 26 ende hielt hem (sc. Grave Robrecht, Jans Vater) een wijltyts in Griechen tot Antochia daer hi daghelijckx teghen de heydenen grote feyten van wapenen dcde. 2- Bl. i6 va — 2o va die Abenteuerfahrt Jans, nachdem er den Hof des Kaisers Sigismond verlassen hat; sie bringt ihn schließlich nach England, wo er im Dienste des Königs einen gewaltigen Riesen an der Grenze Irlands (!) besiegt, auf den Lohn, die Hand der Königsschwester Clarissa und das Herzogtum von Gloucestre, aber zugunsten seines Freundes, des Ritters Guydo, verzichtet. Die Kampftat Jans erinnert in einigen Zügen an die des englischen Volksbuches von Jack the Gianthiller. In diesem Zusatz fand der Bearbeiter, wie man sieht, auch die Gelegenheit, Jans mute großartigsten Stils sowie seine unerschütterliche Treue seiner Angelobten gegenüber in vollstes Licht zu setzen. 3. Im direkten Anschluß Bl. 20" — 2i vb die Episode: Jan am Hofe des Königs Alphons von Spanien, von dem er Nachricht über die Zustände in Rom erhält und durch dessen Vermittlung er Briefe mit Gloriande (so heißt in V. seine Geliebte, die Tochter des Kaisers Sigismond) wechselt Eine nächtliche Vision, die ihm verheißt, er werde in Frankreich seine Eltern finden, bestimmt ihn, von Alphons Urlaub zu nehmen. Auch dieses Stück wird auf das Konto des Redaktors von V. zu schreiben sein, der in durchaus konsequenter Weise (vgl. 15™, i5 vb , i6 rb , 24", 25 rb ) den tapferen König von Spanien und dessen Freundschaft für Jan 8 hervorhebt, während die mhd. Dichtung, sicher in Übereinstimmung mit der Quelle, ein ähnliches, durch die (später entdeckte) Verwandtschaft besser motiviertes Verhältnis zu dem König von Frankreich wenigstens andeutet (vgl. v. 2729—2750). Liegt in jener Änderung eine captatio benevolentiae des flämischen Bearbeiters der spanischen Oberherrschaft gegenüber? Wir betrachten also die ganze von Bl. i6 va —22 vb reichende Partie in V. als nicht zur mnl. Originaldichtung gehörig. Diese berichtete vielmehr, wie der Johan, einzig, daß der Held, nachdem er Rom verlassen hatte, nach etwa vierjähriger Abenteuerfahrt eines Tages in einem Waldtal auf einen alten Ritter, seinen Vater, stieß, der ihm nach seiner Besiegung erst knappe Auskunft über sich selbst, die Mutter und die Umstände der Aussetzung gibt. Aber gewiß war da nicht törichterweise von anderen Kindern des Ritters resp. Brüdern Johanns (v. 2534, 2585, vgl. auch v. 2855, 2861) die Rede, wie ja auch V., das die Szene Bl. 22 vb bringt, nur Maghen Jans erwähnt. 4. Ganz im Stil der mnl. Volksbücher sind auch die heimlichen Zusammenkünfte und die dabei ausgetauschten höfischen Minnereden der Liebenden gehalten: 5" und 14™, die im Johan keine Parallele haben. Vgl. auch die Darstellung ihrer letzten Zusammenkunft Bl. i5 vb —16™ mit Johan 2341—2354 und 2404 — 2418. 5. Die ausführliche Beschreibung des Ritterschlags Jans Bl. j rb nebst den weitschweifigen Lehren des Kaisers und des Papstes gegenüber der kurzen Darstellung im Johan v. 1051—78. Anderseits dürfte die sich in V. unmittelbar anschließende Messe und Jans Opferspende hier ihren ursprünglichen Platz haben (vgl. übereinstimmend Richars v. 823 ff.), während sie im Johan v. 1167 m erst am nächsten Morgen stattfindet und so augenscheinlich mit dem besonderen Kirchenbesuch Jans — V. 8™ —■ zusammengeworfen ist. 6. In V. — Bl. 8 rb — gibt Gloriande (= Ciarisse, /.) dem Helden beim Auszug zum Riesenkampf einen seidenen Schleier zum Gedenken, dessen Anblick ihn mit hohem Kampfesmut erfüllt, als Hector vanden aensicht der schoonder Helena, im Johan, v. 1188 ff., segnet und küßt sie ihn nur. Dort haben wir also das mouiven-Motiv, das im R. m. M. wie im Richars eine bedeutende Rolle spielt. Da aber dieses Motiv bei derartigen Szenen an und für sich naheliegt und weiterhin davon in V. nicht mehr die Rede ist, so mag es sich um einen Zusatz handeln. Sicher ist das jedoch nicht. 7. Bl. I4 rb —i4 vb . Nach der siegreichen Schlacht gegen die Sarazenen hört der Kaiser Messe, ehe er sich an den Hof begibt. Gloriande empfängt die Helden und dankt besonders Jan. Der Kaiser läßt die Toten begraben, die Leichen der Vornehmsten in ihr Land schaffen. Gloriande und Jan haben eine heimliche Zusammenkunft (s. o. Nr. 4), sie schenkt ihm als Treuzeichen einen Ring; aber die Neider Jans merken dies und sind über seine allgemeine Ehrung erbost. Von alledem rindet sich nichts im Johan. Wir dürfen darin wieder einen Zusatz von V. sehen, da lediglich Zustandsausmalung, kein Handlungsfortschritt hinter dem Bericht steht. Diesem recht beträchtlichen Plus in V. steht, am Johan gemessen, doch auch ein Minus gegenüber. Im Johan v. 118—125 findet der Kaiser bei dem Knäblein auch ein Roß, dessen Schnelligkeit er alsbald erprobt. Die stilistische Unzukömmlichkeit der Stelle (v. 126 schließt sich logisch an v. 116), zumal aber der Umstand, daß v. 1178 ff. das Roß von den Fundstücken getrennt ist, genau wie im V. 8 rb , Z. 30 erweisen die Verse als Zusatz von Johan. 847 ff', sendet der Held Clarissa zu ihrem Vater nach einem ihm würdigen Kleid, ehe er an ihrer Hand den Bankettsaal betreten will, um sich zum Kampf mit dem Riesen bereitzustellen. Dann aber bietet der Kaiser Ciarissen, noch ehe sie darnach gefragt hat, von selbst prächtige Kleider für Johann an (v. 877—882). Ein deutlicher Spielmannszug! In V. 6 vb geht er sogleich mit ihr; von Kleidern verlautet kein Wort. Ebenso fehlt V. das (zweimalige) Vorzeigen der Reliquien (v. 721 ff. und 989 ff.) nebst der St. Georgs- und St. Peters- Fahne (1005 f.). Wieder wird es sich um einen, besonders im ersten Falle, ziemlich plumpen Zusatz des deutschen Bearbeiters handeln, der eben das pseudo-höfische und religiöse Kolorit der Dichtung verstärken wollte. Die ausführliche Darstellung der Beschießung Roms (/. 1891 ff.) hat in V. kein Gegenbild; sie mag Eigentum des deutschen Bearbeiters sein. Einen Zusatz sehe ich auch in den v. 2150 —2216 und 2271—2281, die von Johanns Austeilung der aus dem Heidenlager mitgebrachten Speise und später, als die Sarazenen besiegt sind, von seinem Rat zur Mäßigung im Essen und Trinken nach so langem Hungern handeln. In V. zeigt sich von der übrigens hübschen und humoristisch gefärbten Austeilungsszene keine Spur; hier ist vielmehr mit Recht das Hauptgewicht der Episode (Bl. I2 va —i3 rt ) auf die Tötung des Sultans und der fünf Unterkönige gelegt, während des mitgebrachten Brotes und Fleisches nur ganz kurz Erwähnung geschieht. Außerdem weist ein völliger Widerspruch zwischen v. 2174—2178 und 1754—1756 (vgl. V. n ri ,Z. 26ff.) in die eben angedeutete Richtung. Im zweiten Motiv (v. 2271 — 2281) könnte übrigens eine Reminiszenz aus Par^. 200, 10—201, 17 anklingen. An anderen Stellen weist die Vergleichung auf Kürzungen im Johan hin, wovon ein oder das andere freilich auf Rechnung der einschichtigen Überlieferung des Gedichtes kommen möchte. So vermißt man gleich zu Anfang hinter v. 48 das auf den Kirchgang des Kaisers am Pfingst- tag folgende Festmahl (V. 2"), nach dessen Aufhebung der Kaiser sich erst in den Baumgarten begibt. Nach dem Johan tut er dies sofort nach der Messe, ausdrücklich (v. 61 f.) von seinen Edlen begleitet; vgl. dagegen V. 2 rb : der Kaiser wandelt allein; diese handgreifliche Betonung höfischen Zeremoniells ist dem Verfolg dieser Szene gegenüber recht übel 10 angebracht. Ferner vermißt man im Johan, etwa hinter v 2557, die auf die Erkennung zwischen Vater und Sohn folgende Umarmung, Kuß und gegenseitige Entschuldigung: vgl. V. 23"% Riebars 3733 ff., Sire Degarre 1061 ff. Auch die v. 2769—2776 werden erst dann recht verständlich, wenn man V. 2d G. Reynaud, Paris 1881. 2 Für das Sondermotiv Schwester des Königs (nicht Tochter, wie im Richars H biaus) im heimlichen Liebesverhältnis zu einem Ritter kann man natürlich auch an. Blancheflor-Riwalin erinnern. 2« 20 genügen, auf das Motiv in der Ludwigs-Krönung (Couronnement Louis) hinzuweisen: Wilhelm befreit Rom und den Papst von den Sarazenen und dem Riesen Corsolt; ferner auf das Auftreten des Tornebeuf, des Boten des nubischen Königs Mibrien, im Aiol v. 3978 ff". (Ausgabe W. Foerster), wo sich v. 4032 fr". auch eine gute Gedankenparallele zu Johan 2070—2072 findet; dann für den zweiten Riesenkampf vor Paris besonders auf den Oclavian (Ausgabe K. Vollmöller, 1883) v. 2324 ff. (in beiden Fällen präsentiert der Held das Haupt des erschlagenen Riesen dem König von Frankreich) und ebenda findet sich — v. 3281 ff. — der Besuch des Helden im Lager der Sarazenen, hier wie dort endend mit der Tötung einzelner heidnischer Anführer und der Verfolgung des Helden; im Johan ist allerdings diese Episode der Belagerung Roms zugeteilt. Wir werden sagen dürfen: der nl. Dichter hatte durch Lektüre oder mündlichen Vortrag afrz. chansons de geste kennengelernt; er nahm keinen Anstand, mit aus ihnen entlehnten Motiven seine Erzählung, die selbst auf einem französischen Abenteuerroman beruhte, auszuschmücken, zu erweitern bzw. umzuschaffen, oder in seiner Quelle bereits enthaltene Motive mehr nach ihrem Vorbild auszugestalten (z. B. die Belagerung von Paris, der sich im Richar$, entfernter nur, die der Hauptstadt des Königs von Friesland, Richars' Großvater, gegenüberstellen läßt). Neben diesem uns nicht zweifelhaften Einfluß afrz. Dichtungen dürfen wir dem nl. Dichter auch eine Kenntnis heimatlicher Literaturwerke zuschreiben. Wir haben bereits Gelegenheit gehabt, auf gewisse Anklänge im Riddere metler Mouwen in bezug auf die kräftigere Betonung der Liebesgeschichte und in Hinsicht auf die Gaveron-Keye-Gestalt aufmerksam zu machen. Weiter ließe sich noch folgendes anführen: 1. In beiden Dichtungen hebt die Handlung mit einem Hoffest am Pfingst- tage an, freilich ein wohlbekanntes Motiv der Artusromane, das, wie z. B. im Reinout (v. 10— 14) oder im Reynard, auch in den beiden Gedichten unabhängig aus dieser Tradition entlehnt sein kann. Das gleiche läßt sich 2. von dem Motiv sagen, die Tafel solle nicht aufgehoben werden, bis eine niuwe mere gekommen sei: Riddere metter Mouwen 47—51, Johan 543 — 546, V. 5 va , Z. 26 f. 3. Zu (L)amelot 1 und dessen Bruder Ferreon (Name nur im Johan) fühlt man sich versucht, Amelant und dessen Bruder Elyconas im Riddere metter Mouwen zu stellen. In beiden Fällen ficht der Held mit den zwei Brüdern, tötet den einen, verwundet den andern und der Überlebende wird sein Freund und Helfer. Vgl. in diesem Zusammenhang besonders Riddere metter Mouwen 1032 f., 1442—1449 mit Johan 1608—1610, 1612—1616, 2174 f. 4. Bei der Erkennungsszene zwischen dem Helden und seiner Mutter findet sich in beiden 1 In V. wird er — wohl nur eine bloße Namensverschiebung — Lancelot genannt, während die Rolle des LanzeJot im Johan als zweiter Helfer Jans hier dem Herzog Gautier übertragen ist. Ob die Form (L)amelot etwas mit dem Amelo(l)t der deutschen Heldensage zu tun hat, bleibe dahingestellt. 21 Dichtungen der Quelle gegenüber der äußerliche Umstand, daß der Jüngling bei der Tafel dient, was freilich nicht viel besagen will. 5. Wenig ist auch auf ein paar, noch hinter dem mhd. Gewand des Johan durchschimmernde Übereinstimmungen im Reim, Wortgebrauch und Phrasen zu geben (vgl. z. B. Johan v. 877 f., : Riddere mdler Motiven v. 11 f. — Johan v. 586, 5S8 : Riddere metter Mouwen 2801 oder als beliebte Reime: vehten : berchten; doen : baroeri). Sie sind nicht größer, als man in zwei beliebigen mnl. epischen Gedichten aus derselben Periode zu finden erwarten würde, mag auch hie und da eine unwillkürliche Reminiszenz hereinspielen, aber freilich, wir dürfen nicht vergessen, daß wir ja den Jan nicht im Wortlaut besitzen. Wir werden uns deshalb begnügen, solche Reminiszenzen und gelegentliche Motivmodellierung nach dem Vorbild des Riddere metter Mouwen zu konstatieren, ohne im Hinblick auf diese und schon früher berührte Übereinstimmungen die Möglichkeit einer Identifizierung der beiden nl. Dichter unbedingt auszuschließen. Allerdings macht sich ein bedeutsamer Unterschied im milieu der beiden Dichtungen geltend: der Dichter des Riddere melier Mouwen verlegt Situation und Gestalten in König Arthurs Zeit und an dessen Hof. Der Verfasser des Jan verschmäht dieses Kostüm, höchstens deuten in diese Richtung die eben angeführten Punkte 1 und 2, dann der Name von Johanns zweitem Freund und Helfer (L)anzelot — der Tafelrunder Lanzelot spielt eine Rolle im Riddere metter Mouwen — und endlich die Gaveron-Keye-Gestalt, alles für den Aufbau unwesentliche Punkte, die sich also doch wohl am besten durch Aufpfropfung (resp. Selbstwiederholung) aus dem Riddere metler Mouwen erklären. Die vom Richars gebotene Lokalisierung und Standesordnung hat keiner der nl. Dichter gewahrt: der König von Frankreich und seine Schwester (namenlos im Johan, Isabella in V., s. oben S. 19 zu AioT) sind im Jan an die Stelle des Königs von Friesland und seiner Tochter Ciarisse getreten, der Kaiser von Rom Sigismund 1 und seine Tochter Ciarisse (wir sind nicht sicher, ob der Name daher oder aus dem Riddere metter Mouwen — Ciarette — stammt) an die des unbenannten und auch nicht näher lokalisierten gräflichen Pflegevaters und seiner Tochter. (Wir bemerken dann entsprechend innerhalb der Entwicklung des Stoffes deutlich eine Steigerung in der enfance des Helden: geistliche (s. Gregoriuslegende, Sir Degarre [resp. lai d'Esgare], Riddere metter Mauwen), gräfliche, kaiserliche Obhut.) Auch für die Kenntnis des Renout van Montalbaen scheinen ein paar Anzeichen zu sprechen; allerdings finden sich die Stellen nur in der späten hd. Übertragung (St. L., V. Bd., 174), nicht im Textbereich der mnl. Fragmente. Reinolt v. 5—28, 33 — 35: Johan 487—524 (V. 5"), die Aufzählung der zum Hoffest Geladenen (hier wie dort der Papst und der 1 Man kann erinnern an de ortu Waluuanü (hsg. von L. Douglas Bruce), worin der Kaiser von Rom sich des ausgesetzten Knaben annimmt, nachdem sein Pflegevater, der Fischer Viamundus, der ihn nach Rom gebracht hatte, gestorben ist. 22 Patriarch von Jerusalem als des Kaisers Gäste) und das Zeremoniell der Sitzordnung; besonders wäre darauf aufmerksam zu machen, daß, abgesehen von anderweitigen überraschenden Ähnlichkeiten, im Reinolt (v. 27) wie im Johan (v. 508) die ritter von einem scbilte hervorgehoben werden; man beachte noch die wiederholte syntaktische Anknüpfung durch da waren. Eine zweite Stelle haben wir bereits S. 16, Anm. 1 angezogen: Reinolt 1892—1897, Johan 2664—2667, 2676—2678, die Begrüßung des Königs und seines Ingesindes mit Ausnahme des Verräters 1 und das summarische Verfahren gegen diesen. Daß der Anfang beider Dichtungen auf einen Pfingsttag fällt, wurde schon angemerkt. Wie zu erwarten steht, finden sich auch hier Anklänge in Reim- und Phrasenschatz (vgl. z. B. Reinolt 2305 (8316), 7675, 9481 mit Johan 1 r34, 939, 865), aber für einen strikten Beweis der Abhängigkeit langen sie allein nicht aus. Zusammenfassend glauben wir die Arbeitsweise des nl. Dichters des Jan dahin bestimmen zu dürfen, daß er, gewillt, seinen Landsleuten eine Rittergeschichte nach Art des französischen Richars li biaus zu schenken, diese Dichtung in den Hauptzügen der Komposition zugrunde legte, im übrigen es aber nicht an Motivumbiegungen und der Einführung neuer fehlen ließ, die jedoch keineswegs seinem Hirn entsprangen, sondern ihm vielmehr aus der Lektüre oder der mündlichen Tradition afrz. und mnl. Helden- und Abenteuerromane zuflössen. Immerhin verschmähte er wörtliches Ausschreiben irgendeiner dieser Quellen, selbst seiner Hauptquelle. Es ist eben eine ähnliche Arbeitsweise, wie sie schon z. B. den französischen Partonopeusroman charakterisiert und wie die Herausgeberin des Rüdere metter Mouven sie für diese Dichtung festgelegt hat, nur daß da der Moriaenroman mehr als bloße Motive hergegeben hat (vgl. Ausg. S. XXIII — XXVIII). Kombination, mehr oder weniger geschickt, bildet also das Rückgrat dieser jüngeren mnl. Versromane und ältesten mnl. Dramen, wie wir denn schon oben (S. n) darauf hinwiesen, daß Jan selbst einen wichtigen Faktor in der Komposition des Esmoreit spielte, der daneben Motive aus dem Vakntijn und anderen Dichtungen verwendete. Der nl. Verfasser des Jan will einen biographischen Roman dichten: sein Held wird als nachahmungswertes Vorbild hingestellt, was der mhd. Bearbeiter in seiner Einleitung kräftig betont. Jan, kontrastiert an Gaveron, aber auch an dem Kaiser, ist der ideale Vertreter des Rittertums: Mannesmut, Gottesfurcht, Treue gegen sich und andere, vornehmlich gegen die Geliebte, vereinigen sich in ihm. In der Herausarbeitung dieser Gestalt liegt das Wurzelhafte der dichterischen Leistung, die sich durchaus auf realem Boden bewegt. 1 Vgl. dazu übrigens auch Carelende Elegast (Ausg. Hoffmann v. F., Leipzig 1836), v. 1174—1176: Hi seide 'god hoede dit ghesinde, den coninc ende dat ic hier vinde. (derselbe Reim Johan 2665) nur Eggheric en groelic nief, und v. 1186 mit /. 2700. 23 In die bunte Abenteuerwelt des britischen Ritterromans resp. seiner Nachzügler einzutauchen, wozu die Jahre der Vatersuche seines Helden genug und von seinen Vorbildern — dem Riebars und dem Riddere metter M'ou- wen — wie auch von seinem Nachfolger, dem Verfasser des Volksbuches, reichlich ausgenützte Gelegenheit gegeben hätten, das verschmäht dieser Niederländer. Allem Zauberwesen und der Dämonenwelt scheint er abhold; wohl hat Jan zwei Kämpfe mit Riesen zu bestehen, aber diese Riesen unterscheiden sich eben nur durch ihre Körpergröße und Häßlichkeit von den gewöhnlichen Menschenkindern. Der Jan wt den vergiere, mit dem wir der mnl. Literatur ein bis heute unbekanntes Versepos zurückgeschenkt haben, scheint denn auch dem realistischen Geschmack des 14.—16. Jahrhunderts gut zugesagt zu haben. Wir werden seinen Verfasser nie mit Namen kennen lernen, können auch nur vermuten, daß er spätestens im frühen 14. Jahrhundert — oder sagen wir rund um 1300 — entstand; das aber wissen wir, daß er nach Deutschland hinüberwirkte, anderseits in der Heimat ein weltliches Drama, den Es- moreit, speiste und noch im späten 16. Jahrhundert als Volksbuch in Prosa neu auflebte. Noch wollen wir uns zu einigen Personen- und Ortsnamen seiner Dichtung äußern. Der Name des römischen Kaisers Sigismund ist für sie durch die Übereinstimmung von Joban und V. gesichert. Unwillkürlich denkt man da zunächst an den deutschen König und römischen Kaiser dieses Namens, aber damit käme man für das mnl. Original und dessen mhd. Bearbeitung bereits in das 2. und 3. Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts, wozu Komposition, Sprache und Versmaß selbst der erhaltenen Bearbeitung übel paßten. Man braucht da nur solche späte Erzeugnisse, wie etwa den Wernigeroder Großen Alexander (DTdM, XIII) oder den Friedrich von Schwaben (ebda. Bd. I) daneben zu halten, ganz zu schweigen von solchen rohen Machwerken wie den hd. Übertragungen des Reinolt, Ogier u. a. Daher wird der Sigismund unserer Dichtung als ein bloßer Phantasiename zu betrachten sein, ähnlich wie etwa der Octavian, em- pereor de Rome, der von Einfluß auf die Lokalisierung Sigismunds gewesen sein mag. Dabei verschlägt es dem Dichter wenig, daß der Vater das neugeborene Kind von Paris nach Rom zu bringen hat. Der Charakter des Kaisers selbst und die Rolle, die er spielt, sind ganz typisch geraten. Er ist als der schwache Fürst gezeichnet, der einem Verräter (im Sinne der afrz. Epen) leicht und willig sein Ohr leiht, so plump auch dessen Intrigen sein mögen (vgl. die Königsfigur in Isem- bard und Gormund oder im Aiol und Elie). Der Vater des Helden ist im Riebars wie im Jan (vgl. auch Riddere metter Mouwen v. 2182 ff.) ein Ritter, dort Loys li preus ohne nähere Bestimmung, hier Robrecht, (Ruprecht /.) Kammerherr des Königs von Frankreich und Graf von Artoys und Bollonoys. Über den Verräternamen Gouweron (Gaveron) haben wir bereits gesprochen. Fursin, als Anführer des Sarazenenheeres in 24 V. (im Johan: Cursin 1 , doch Für sin für den dort unbenannten Riesen; man bemerke die Bindung der Namen durch den Reim!), dürfte der Originaldichtung angehören und könnte immerhin dem Partonopeusroman entstammen. Hingegen scheinen die beiden im Johan v. 2788 auftretenden Riesennamen Reynwart und Isenwyt erst dem deutschen Bearbeiter anzugehören, wenigstens kennt V. nur einen Riesen, und der ist, soweit sich sehen läßt (Textlücke), namenlos. Bei Reynwart ließe sich an Rennewart denken. Für die mnl. Dichtung gilt nach Ausweis von V. j' h , Z. 3 Lijdewaert = Johan 1034 Ludewerd als Kampfplatz zwischen Jan und dem Riesenboten Fursins. Während in V. der Riese auf Jans Frage nach dem Kampfort nur antwortet: te Lijdewaert inde valleye, lautet die Antwort in Johan 1034 fr.: Zu Ludewerde in dem dan (: Johan) Der %iihet sich geht dem mere, Da flutet ein wahrer heilet Spere. Zudem wird dieses Ludewerd vor dem dan im Johan schon v. 240 als ein von den Heiden gern aufgesuchter Jagdort erwähnt, v. 627 als Lagerplatz des Sarazenenheeres bezeichnet; nach v. 1201 ff. liegt es etwa zwei Tagereisen zu Pferde von Rom entfernt am anderen Ufer des Flusses Spere, über den der Held auf einer Brücke reitet. 2 Es ist augenscheinlich Waldboden, Grenzgebiet zwischen Heiden- und Christenland (v. 1205). Es fragt sich nun, ob diese konsequente und deutlich geschaute Lokalisierung dem mhd. Bearbeiter angehört, was wieder ein Zeichen seiner selbständigen Beherrschung der nl. Quelle als Ganzes vor ihrer Übertragung wäre, oder ob sie schon in dieser stand und nur in V. bis auf die eine Erwähnung des Lokales an notwendigem Orte ausgelassen ward. Es ist jedenfalls schwer abzusehen, warum der redselige, Detailschilderungen liebende Verfasser von V. ganz gegen seine sonstige Art alle diese Angaben bis auf den nackten Ortsnamen ausgemerzt haben sollte, hätte die Quelle sie ihm geboten. Ich wage keine endgültige Entscheidung. Ebensowenig wollte es gelingen, trotz freundlicher Hilfe von selten Professors J. Mansion 3 , die Lokalität ausfindig zu machen, die sich hinter dem Lijdewaert verbirgt. Dürfte man an Leeuwarden denken und daran erinnern, daß im Richars die Geschichte in Friesland spielt? Haben wir hier mit Quellenmaterial zu tun, so ist sicher dem mhd. Bearbeiter zuzuteilen der Städtenamen Löfen v. 2789, womit natürlich das oberrheinische Laufen gemeint ist. Diese Einführung wirft sowohl 1 Im Meleranz (v. 4567 ff.) des Pleier tritt ein Cursutt auf. a In V. 8 vab nur: Heer Jan is 200 verre ghereden / dat hy quam ter plaetsen daer den camp gheschien zoude. 8 Er weist mit Beziehung auf Feirlinck, Zuid-Ostvlaamsch Iditiocon 3. Teil 385 (mir nicht zugänglich) auf den Ort Liierwaarde bei dem Dorfe Zegel^em hin. 25 ein Licht auf die Naivität wie auch auf den geographischen Kreis (das Rheintal), der dem deutschen Bearbeiter besonders bekannt war. Daß wir ihn weder in ritterlichen noch in geistlichen Kreisen denken werden, bedarf keiner eingehenden Begründung: die Flagge, unter der wir ihn segeln lassen wollen, ist die des Fahrenden — früher hätte man «Spielmann» gesagt —, dessen Wesen zuletzt H. Steinger, Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft 8 (1930), 61 ff., sorgfältig nachgegangen ist und gegenüber den extremen Ausführungen H. Naumanns (ebda. 2, 777, Reallex. der deutschen Literaturgeschichte 3, 253 fr.) dem Stand als einer Schicht berufsmäßiger Kunstdichter Alter und lebhaften literarischen Ehrgeiz zuerkannt hat, wennschon im wesentlichen als Nachahmer. Und das ist ja letzten Endes auch unser Dichter wenigstens in dem einzigen Werk, das zur Kontrolle vorliegt: die Flicken und Stücke aus eigener, die Quelle nicht vertiefender Mache ändern daran nicht viel. In . diese Klasse 1 also setzen wir ihn unbedenklich; ob er etwa in der Rheingegend, wohin ihn sein Dialekt weist, einen festen Punkt, ein bürgerliches Heimwesen besaß, können wir nicht feststellen, daß er als vagits, ahgemder man sich sein mühselig Brot erwarb vor einem Publikum, das gewiß nicht allzu hoch auf der sozialen Leiter stand, das scheint uns klar genug gerade aus den Partien des Gedichtes hervorzugehen, die ihm selbst zuzuschreiben sind. Da stellt sich niedere Situationskomik ein, wie in der Flucht- und Schmähszene zwischen Gaveron und Johann in Anwesenheit des Kaisers, v. 2372 fr., oder in dem billigen Ausfall gegen den weiblichen Charakter, v. 411 ff. — man meint das Schmunzeln und Lachen des männlichen Teils seiner Zuhörer zu sehen und zu hören —, oder in der ihm gehörenden Szene 2150—2216, s. oben S. 9. Bezeichnender ist dann noch das handgreifliche Herabziehen höfischer Sitte und Umgangsformen in die Sphäre des bürgerlichen Alltagslebens: man beachte die Szene zwischen Kaiser und Kaiserin v. 397 ff- oder die zwischen ihm und seiner Tochter v. 2971 ff., wobei ein Traumbuch nicht fehlt. Dieselbe nüchterne, realistische Auffassung macht sich dann in Clarissens Rede geltend, v. 1503 f., der auch nichts in V. entspricht. Auf der anderen Seite als Gegenstück ein naives, übertriebenes Betonen feiner Sitte: vil edelicke bei^ sie dran heißt es v. 2162 von der halbverhungerten Prinzessin, als ihr Johann Brot und Fleisch reicht; vgl. auch v. 2781: die tiefergriffene Mutter redet den Sohn, unmittelbar nachdem er sich ihr zu erkennen gegeben hat, mit: Her Ritter an. Naiv wirkt es auch, daß ein Kaiser oder König nie ohne Krone gedacht werden kann, vgl. 692 f. und besonders 3050. Wie aber das volkstümlich «spielmannsmäßige» und das höfische Element hart aufeinanderstoßen können, zeigt die Szene zwischen Johann und dem Riesen vor ihrem Kampf, v. 1207 fr., vgl. oben S. 10. Alles dies ein Hinweis darauf, in welchen Kreisen der 1 Die Verse 1491 f- sind nicht genügend, um ihn darin den «Dichtern von den Wappen» beizuzählen. 26 Dichter und sein Publikum zu suchen sind. Die starke Betonung des Schulunterrichts bei der Erziehung des Knaben (v. 189—192), ein in Rittermären der Epigonenzeit mehrfach bemerkter Zug, wird ihre Wurzel schon im Quellengedicht haben; jedenfalls überbietet V. 2 va hierin die Gedichtdarstellung. Dagegen weisen wir hin auf die gewaltigen, unbeherrschten Affektausbrüche, insbesondere auf die Darstellung des Massenjammers v. 946—952, wiederum sein Eigentum, wodurch übrigens der Gegensatz zu dem lachenden jungen Paar (v. 953) gut zum Ausdruck kommt; nehmen wir dann noch die, wie wir ausführten, ja auch ihm gehörige variierende Wiederholung des Motivs von der Belagerung Roms (oben S. 15); weiter das Auftreten typischer Reimbindungen wie clusen:husen n 59, verdaten: sagen 187, 2961 beidemal in feststehender Formel oder 1479 frie: Marie (vgl. Orendel, v. 24), und andere, ferner 1 die häufige Verwendung sogenannter «unhöfischer» Wörter nebst für «Spielmanns»- und Heldendichtungen charakteristischen attributiven Adjektiven slol^, halt u. a.; die häufigen Quellenberufungen und Beteuerungsformeln, endlich die Hervorhebung oder besser die Art der Hervorhebung der Spielleute, besonders ihrer musikalischen Künste (vgl. 3114—3121 2 ), und anderseits das Herausstreichen der Freigebigkeit der Herren ihnen gegenüber (v. 2907-—2910; 2925—2928): so werden wir kaum zögern, den deutschen Bearbeiter unter den fahrenden Berufsdichtern zu suchen. Und verschmäht er es nicht, sein gabenheischendes Gewerbe deutlich zur Schau zu tragen und dem Alltäglichkeitsgeschmack seiner Zuhörerschaft willig entgegen zu kommen, so verdient er doch mindestens dafür unser Lob, daß seine Arbeit dem nl. Original gegenüber nicht auf eine unbeholfene, hölzerne, mechanische Übertragung desselben nach Art der Überarbeiter des Reinolt, Ogier usw. hinausläuft. Ja, wüßten wir es nicht aus seinem eigenen Munde und aus .dem willkommenen Zeugnis des uns erhaltenen nl. Volksbuches, so möchten wir leicht seine Arbeit für eine eigene kombinatorische Leistung nach fremden Motiven ansehen, so selten und z. T. versteckt sind die Spuren seiner sprachlichen Abhängigkeit im Reim- und Wortmaterial von dem nl. Original. Daß er es stofflich, wennschon ungeschickt, erweiterte durch die Einlegung des kriegerischen Zuges Johanns gegen den Kaiser, wissen wir bereits. Ebenso, daß er es an Motivumbildungen, Umstellungen, kleineren Einschüben und anderseits Kürzungen nicht fehlen ließ. Ein paar Reminiszenzen an Hartmanns Gregor und Wolframs Parzival glaubten wir in Frage stellen zu dürfen; an Parz. 230, 7—230, 11 mag zudem erinnern v. 338 ff.: Sie gingen, da vil belle brant Ein vil schone^ < > für: Hol^ aloe was im Hit dur, 1 Über diesen und die folgenden Punkte Ausführlicheres im Kap. II, d). ' Vgl. Karlmeinet, Keller 296 b , 48 ff. 27 und vielleicht könnten v. 74—80 ob des ähnlichen Gedankens und der gleichen Reime fruht: %uhl, wip: lip mit Parz. 168, 25—28 verglichen werden, mit Gottfrieds Tristan v. 14427—14433 aber die Beschreibung des in zwei Hälften gebrochenen Ringes, v. 2547—2552 gegenüber V. 23 rb , Z. 16: Ick deede breken den vinderlinc mct eenen steen ende in den stem was gegrewen den name van itwen vader ende van nwer Moeder usw. Ist er vorhanden, tief geht dieser Einfluß in keinem der angezogenen Fälle. Noch will ich hier hinzufügen, daß der Hinweis in v. 1511 f. auf einen fimdellng kebisch geborn, durch den Rom verloren ging, letzten Endes auf der Dietrichsepisode der Kaiserchronik (E. Schröder, v. 14113 bis 14115; 14 146—14149) beruhen wird. Als Eigentum unseres Fahrenden muß schließlich der Prolog zur Dichtung v. 1—40 gelten. Doch, wie ein Vergleich mit den Zusammenstellungen in G. Ritters Diss. Die Einleitungen der altd. Epen, Bonn 1908, zeigt, besteht er aus lauter typischen Elementen; da finden wir die alte typische Eingangsformel (138. Psalm!) in der Form der rhetorischen Frage an die Zuhörer, verbunden mit dem Bestreben, ihre Aufmerksamkeit durch Hindeutung auf die vorbildliche Größe des Helden der Erzählung zu erregen, der an dem gewaltigen Gott Gönner und Schirmer seines Tuns und Handelns hat; dann den Preis der Gottheit (Vater und Sohn fallen zusammen; vgl. Leitzmann, Z. f. d. Phil., 51, 69.) und der Gottesmutter; die Bitte um göttlichen Beistand bei dem Werk, an der die Zuhörer sich beteiligen sollen; endlich die Angabe seiner Quelle und des Zweckes seiner Arbeit, die ergötzen, aber auch sündhafte Gedanken fernhalten und durch ihre weisen Lehren (maniger- hande klugheit) zur Nacheiferung anspornen soll — alles nach guter, alter Epiker Sitte, aber auch wenigstens hinsichtlich des letztausgesprochenen Gedankens vor seinen Zuhörern ohne rechten Gegenwartswert — jedoch «Die Kinder, sie hören es gerne». Neu und eigentümlich ist höchstens der Gedanke v. 12—21, Gott zürne im Gegensatz zum irdischen Liebhaber dem nicht, der seiner Geliebten (amie v. 11), Marien, beflissen ist. Wie er im Prolog die Zuhörerschaft hereinzieht, so klingt das Gedicht (v. 3127 ff.) auch in eine captatio benevolentiae des Publikums aus. Da läßt er sich von den bei der Hochzeit des Helden anwesenden großen Herren (Fürsten, Grafen, Rittern und Edelknechten), als ob er am Abend des Festes ihnen die Lebensgeschichte ihres Königs und Herren vorgetragen hätte, ein Beifallszeugnis ausstellen: Sie sprachen di^ buch zvere geschriben reht. Das will natürlich seinem eigenen, auf einem ganz anderen Niveau stehenden Publikum gegenüber besagen: Seht, was für einen Meisterdichter ihr vor euch habt, der solch hohes Lob einernten durfte! drum «raus mit Eurem Säckel»! Zugleich klingt vielleicht die alte Anschauung nach: wo der Adel Gegenstand der Dichtung ist, ist er auch der eigentliche, berechtigte Hörer. 28 Die eben angezogenen Verse, ferner v. 25—27 des Prologes, dann das Epitheton obgenant 1 2934 zeigen aber auch zur Genüge, daß des Fahrenden Ehrgeiz auf schriftliche Abfassung — das buoch — hinzielt. Sein Bemühen ist, das buoch von Johan u% dem virgiere zu schreiben, ein weltlich-novellistisches, biographisches Leseepos, natürlich (so dürfen wir sagen) mit geistlichem Einschlag, der im Prolog, in Stoßgebeten des Helden und besonders in der gerade nach dieser Richtung dem Vorbild gegenüber stark erweiterten Riesenszene am kaiserlichen Hofe deutlich zutage tritt. Dadurch, daß seine Quelle eine mnl. Dichtung ist, stellt sich sein Werk in den gleichen literarischen Einwirkungsbezirk wie der Karl mein et (genauer einige Teile desselben), das von Bartsch, Germania V., 356 fr. veröffentlichte Bruchstück von einem Normannenherzog Heinrich, und, wie ich wenigstens glaube, auch die Dichtung vom Herzog von Braunschweig 2 , deren Vorlage, wie die des Johan, ebenfalls Motivbeeinflussung von Seiten afrz. chansons de geste (besonders Charrois de Nim es) verrät. Sie bezeugen für das 14. Jahrhundert entlang der Linie Aachen—Mittelrhein beträchtlichen Einfluß niederländischer epischer Dichtung noch ohne sklavische Abhängigkeit der Bearbeiter von ihren Originalen, was erst von den Übertragungen des Reinoll, Malagis, Kinder von Limburg usw. im [5. Jahrhundert gilt. Hierin besteht meines Erachtens der Wert und der Hauptreiz dieser kleinen epischen Gruppe. In ihr zeichnet sich der Johan u% dem virgiere aus durch seine klare, anspruchslose, nur stellenweise ein wenig gehobene Sprache und seine einfache, geradlinige, wennschon hie und da etwas ungeschickte Erzählungsweise ohne den Aufputz «geblümten» Stils, ohne dunkle, halbgelehrte Spekulation. Solcher ohne großen Kunstaufwand, einfach erzählter Ritterdichtungen aus dem Kopfe fahrender Berufsdichter, noch immer erwünschter Speise für ein unverwöhntes, stoffhungriges Publikum, mag es im 14. Jahrhundert, mitten in einer der Didaxe, vornehmlich der Allegorie und dem popularisierten «Wissen» huldigenden Zeit, mehr gegeben haben, als sich nun nachweisen läßt; der Prozentsatz des Verlustes möchte höher sein als bei der höfischen Epik der mhd. Zeit (s. Schröder, ZfdA. 67, S. 240 ff). Denn für den Vortrag vor einer solchen Zuhörerschaft bestimmt — selbst wenn die Dichtung wie in unserem Fall mit der Prätension eines Buchepos hintritt —, beschränkte sich die Überlieferung leicht nur auf das Handexemplar des Fahrenden, ein Lohnschreiber fand dabei kaum seine Rechnung: anspruchsvollerer Zeitgeschmack wollte anderes. Der Besitz unserer Dichtung hängt ja auch nur an Einern Haar. Wie sie auf uns gekommen, wo die Heimat 1 S. E. v. Cersne, der Minnen regel v. 275 honinginhe erginant\ es wäre natürlich leicht, dies obgenant etwa in wertgenant (Wilh. v. Vvenden 2234) o. ä. zu ändern. 2 Vgl. mein Buch Deutsche Hss. in England I (1896), S. 3 und 197 — 269. Die Hs. ist jetzt in amerikanischem Privatbesitz. 29 ihres Dichters zu suchen ist, das sind Fragen, deren Beantwortung uns zunächst zu beschäftigen hat. Kap. IL Die Überlieferung des «Johan üz dem virgiere». a) Der Text des Johan u^ dem virgiere ist, soweit mir bekannt, nur in einer einzigen Handschrift auf uns gekommen. Sie befindet sich jetzt als Germ. Qu. 1476 in der Kgl. Bibliothek zu Berlin', bis 1912 aber gehörte sie als Nr. 8316 der Bibliotheka Phillippica in Cheltenbam an, wo ich sie auffand, kurz beschrieb und das Gedicht im Auszug mitteilte in meinem Buch Deutsche Handschriften in England I (1896), S. 98 und 241 — 283. Sir Thomas Phillipps erwarb den Kodex direkt oder indirekt beim Verkauf der Bibliotheca Heberiana (1836), in deren Auktionskatalog er als Nr. 1397 verzeichnet ist. Weiter vermag ich die Geschichte der Handschrift nicht zurückzuverfolgen. Ihr ziemlich starkes Papier mit einem Stich ins Gelbliche, weist, soweit der Text reicht, häufige Schmutz- und Feuchtigkeitsflecke auf; von Bl. 43 war ein großes Stück fast abgerissen und wurde mit weißem Seidenfaden notdürftig angenäht; außerdem hat der Buchwurm ungefähr in der Mitte jedes Blattes zum Schaden des Textes gearbeitet. 57 Blätter machen das Buch aus, nach moderner Zählung 1—50 und 51*—5 7* unbeschrieben. Es sind 5 Lagen zu 12 Blättern; die 1.—4. bezeichnet je am Schluß durch die Anfangsworte der nächsten, wovon bei der vierten freilich nur noch geringe Spuren vorhanden sind; der letzten (5.) fehlen jetzt 2 BL, die Entsprechungen von Bl. 49 und 50, während das mit Bl. 51* korrespondierende auf dem Deckelinnern aufgeklebt ist. Auf Bl. 49 v ist von dem Schreiber mitten im Text Raum für 4, auf Bl. 5o r für 3 Verszeilen freigelassen; wir werden annehmen dürfen, daß die Vorlage hier irgendwie schadhaft oder unleserlich war. Jedes Blatt zeigt vertikale Wasserlinien (Stege), als Wasserzeichen erscheint ein Kreuz. Die Blatthöhe beträgt 27,5, die Breite 20,3 cm. Die Höhe des durch vertikale und horizontale Linien abgegrenzten Schriftraumes ist 17,1 cm, die Breite 11,5—11,7 cm; der Schriftraum ist nicht liniiert, daher schwankt die Zeilenzahl zwischen 27 und 34. Die Schrift — gotische Minuskel, stark mit kursiven Elementen durchtränkt — gehört durchaus derselben Hand an, wennschon von der Mitte von Bl. 42' ab (v. 2605) die Züge etwas gedrängter und die Tinte blässer wird. Man wird die Niederschrift um die Mitte des 15. Jahrhunderts ansetzen dürfen. Die Verse sind abgesetzt, jeder beginnt mit einem großen Buchstaben, nur v (== v und u), auch zu machen häufig von dieser Regel eine Aus- 1 S.Mitteilungen aus der Königlichen Bibliothek, hsg. von der Generalverwaltung III, II. Die Schenkung Sir Max Waechters, Berlin 1917, S. 70 f. 30 nähme. Der Anfangsbuchstabe sowie auch öfters andere der ersten Zeile einer jeden Seite sind meistens größer als sonstige Majuskel, zudem etwas mit der Feder ausgeziert. Alle diese Anfangsbuchstaben der Verse sind vom Rubrikator, der m. E. mit dem Schreiber nicht identisch ist„ rot gestrichelt; ihm gehört dann auch die rote Titelüberschrift an, ebenso die 4 Zeilen hohe ^-Initiale zu Anfang des Textes und zahlreiche 2—3 Zeilen hohe zur Einleitung von Abschnitten; doch steht die zu v. 2782 zu erwartende schon 2781. Nur ganz selten ist im Versinnern ein großer Buchstabe (z. B.: im Eigennamen Johan oder in Jungfrauwe) rot gestrichelt. Der Einband besteht aus einem dünnen, mit dunkelbraunem Papier überzogenen Pappdeckel, auf dessen Rücken ein Papierschild geklebt ist mit der Aufschrift: von / dem I Ritter j Joan / Mst. b) Orthographie und Sprache der Handschrift. Vorausgeschickt sei die Bemerkung, daß zwei Erscheinungen, die dem Schreiber zuzuteilen sind, im Textabdruck nicht berücksichtigt sind: I. die Verdopplung von Konsonanten, wo sie rein graphischer Natur ist oder bei event. Bedeutungsmöglichkeit nur unregelmäßig auftritt, z. B. vernünfft, lief, brieff (dagegen wurde das durchgehend stehende uff = üj belassen); vorrust (251), frommekeit (5) gegenüber fronten (3), gec^emen .- nemen (727) und sogar vernömen (= -nämen): quamen (1799); Johann: an (897) : man (1089); enbotten, vermuten : stritten (1325) gegenüber untersnyden : nyden (879), der dem Dichter gemäßen Sprachform. 2. Die sehr häufige, doch regellose Setzung von „Vokalzeichen", s. unter den einzelnen Vokalen und vgl. Ehrismann, AfdA. 35, 37. A. Vokalismus. Mhd. a = a, einmal durch ä 1 bezeichnet 2238 van : an. Schwächung zu e in nebentoniger Silbe vyende 222. 308 gegen vyande 314, das auch im Reim steht, wie nyeman: an 801 gegenüber nymen : rytnen 1625. (s. unten unter II b); im Versinnern nyeman(i). Für den Umlaut,, auch den jüngeren, durchaus e:senfften, welsch, altvetter (726), epte (509), hendschuch (661; PBB. 4, 16), gedencke (subst. acc. plur. 36), fleckern (1426) usw. Dahin auch zu stellen (PBB. 22, 259, 10) entwurie (subst. 589. 1711 und verb. 3063). — Einmal steht ee in beer 3010 (Dehnung vor r?), ö in war 1898 (Weinh., § 29), vgl. auch. roschlich 220; 0 unter Einfluß des w in ^wolff 203. 504 usw. — jener zeigt im dat. gyme 2371, im acc. gierten 2644. ä — a, je einmal durch ä, ä bezeichnet, mäge 2873, siäl 572, erscheint als 0 in wo, jo (1646), in do — mhd. da, umgekehrt da = do, aber der Dichter reimt da (lokal) : Ha 91 und do (temp.) : vro 2591; ferner 1 Die Punkte, aus kursivem e entstanden, erscheinen hier und bei den. anderen Vokalen schräg übereinander gestellt. 31 sloff 769, vernömen : (quamen) 1799, logen 2251. Durch Ausfall eines h zwischen Vokalen in stale 841, stäl 572 neben stahel 1269. 1310. Umlaut durchaus als e : wunderere 7, fernsehen 27, leßet 1951, ent- phehet 2654, nebele 1538 neben genahete 1696, gewepen 1788. 2360, verreteniße 2668; greven 61. 1066. 2877 neben graven 503. 702. 2874. — Daß dem Schreiber die für den Dichter durch Reime gesicherte Adverbialform offenbere nicht genehm ist, zeigt die Schreibung -bare im Reime zu were 137. 429. e — e, als i (y) : iewidder 2550 und in nachtoniger Silbe: nefyn 2534, kebis- kynt 2577. 2842, vgl. auch den Reim cristin:wyn 2253; als u in vortoniger Silbe ^nrbrochen 28, \urstoren 632, in tonloser vorrust 257. i verkürzt in Adj. und Adv. auf lieb, liehe und in rieh, s. unten II c). ö: bezeichnet durch 0, einmal mit Vokalzeichen ö 2379 döre; ^> a : ader 169. 523. 936 u. ö. neben oder 303 usw., abe (= obe) 241 Wormser Urk. Boos II, Nr. 944 (a. 1390), nach 475. 946 u. ö. doch danoch 950; dach 1701; von neben van 697. 2741 und im Reim 1887 darvan: man, s. unter II c); sal 162. 164 u. ö. neben sol 697 du solt 699, dagegen stets wol, doch s. II c) unter ö: 6, s. Wolter, S. u.>«, fulgite 286, genuinen (: frumen) 1099, «/«//« (verb) 1163, s. Wolter, S. i i, oge >■ am = a« :/a«/e 1967, Weinh., § 69, J. Grimm, Weistümer 4, 570 (Rheingau). Boos, II, Nr. 621 und 1058. Der Umlaut ist nicht graphisch bezeichnet: mochten 36. 190. 215, doch- terlyn 143 usw. Wolter, S. 12. 6: neben gewöhnlichem 0 bezeichnet durch 1. 6 : bot 669, schone (adv.) (: crone) 1007. 1167, eihorte 1506. 2. öir'öt 580, grossen 980, 5c/;ö« f: Gaueron) 1893. 3. ö: schöne (: pauwelone) 2880. 4. oe-.floeß 724 («graphisches» £ zur Bezeichnung der Länge?). Ähnliches gilt vom Umlaut: gewöhnlich 0:hören 1, schonen (adj.) 49, Romer 8r, hohesten 159, Z>/W, %:vber 670, #£«* 1211) finden sich wieder in Wortformen mit lautgesetzlichem Umlaut, doch steht überwiegend u : wurde 96, guldin 100, fursten 174, übel 304, stucken $j6, durlyn 1515, mundelin 757 usw. gegenüber wüste (cönj.) 743, doch wüste 2115, fründelyn 787, £«««« 827, rtJcÄ« 1016 usw. Die Schreibung deutet also keine sichere Unterscheidung zwischen u und ü an und 1 Der Ausgangspunkt für die ü, ü, ü wird also wohl das Bedürfnis eines diakritischen Zeichens für u vor n sein, dann aber werden diese Zeichen auf u überhaupt und endlich auf andere Vokale (s. oben) übertragen. ^*£ ^ ß^t VW Sanftmxfa fyktfyc^ Arm |v«c^crc vmÖäSt vn^qwj^ nwik*fic{*i«*~ vc «fot- $tvsot wacfte >4 ßuicc <$W «m«r 1wi w« &* -tt>n*-^e^c& $inm8«r ufinc t»»ttnJfer 'WMMwßtt't- $t? £> 0 häufig: fromm 3. 354, fromekeyt 5, vorchlen 243, lost 60, son 227, dorrent 621 (aber ge- durrent 625), entwonden (: stonden) 1275, flogen 1318, formte 1017. 1347 (dagegen -u- 1584), dogent 462, Sygemont : (hmt) 465. 538 (1 stund), mogent 613, monich 2017, tom 3005 usw.; für roman. u: robyn 115. 757, entschompiert 2244. Ebenso 0 in Wörtern mit lautgesetzlichem Umlaut: möge 32, konig 637 u. o. ober al 1426, Zw/i»z (biihsen) 1904, doch 0 in dbre (= düre) 2378; endlich in vortoniger Silbe: vorwar 228, vorbaß 68, dagegen fürbaß 118. ««: neben »: 1. «: Zw* 193. 837, di'tsent 628, barün (: dun = tuon) 2091. 2. ü: müren 2509. 3. v : darvß 724. Anzuführen ist die auf Verkürzung des « beruhende Schreibung off 484. 103 Ö. 1071. 1274. 3070 neben sonstigem vff 41. 66 usw.; wohl die Form des Dichters, Weinh., § 122, Wolter, S. 15. — Der Umlaut ist nicht bezeichnet: liruter 55. ei: in der Regel ei oder ey; dieses überwiegend: heiser 59, feyjer 43. 63, keynen 13, geleyt 44 usw.; als e, 1. vor »: lenen (: weynen) 763. 2. vor unter Nebenton: vordel 1385. 3. vor d: ingerede 327. Über bede (Hs. beyde): stede 1821 s. unter II c). Vgl. Wolter, S. 15 f.; zu e verkürzt in ^wenc^ig 317. 501, Wolter, S. 16. ei<^ege in Formen der Verba legen, sagen: leyte, geleyt, uberleyt; seyt (pres.) seyst, seyde, geseyt; in meyden£raY = imrf f: Ärfy 2908 sind in dieser Vereinzelung wohl nur Schreibfehler. — iemer, niemer erscheinen stets, abgesehen von nyemer 2182, als umer, numer 222. 400. 599 usw.; Wolter, S. 18. *tt: 1. in der Regel durch u bezeichnet (auch in rom. 11): sture (: aben- ture) 2, uch 162, für 343, frunde 14. 287, fruntschafft 20, gefrunde 497, wo wohl frünt anzunehmen ist, vgl. ie > i; entsluß 588 (verb.) bruwet 1518 usw. Seltener 2. durch ü : drustunt 1028. 3. ü : für (:dure) 339, düfelichen 581 usw. 4. ü :ßre 369, ü?ni 520, Mfe 718. 5. ü:nünc%chen 264, betüten (: litten) 1697; also dieselben graphischen Varianten wie ü. Der Nom. Sgl. F. und Nom. Akk. Plur. N. des Pron. der 3. Pers. und des Demonstrat. zeigt, wie zu erwarten, -ie: sie, die. Die Formen, denen Umlaut zukommt, zeigen u oder ü: lutselig 193, dutsche 27, frundin 1620, ge^ugnisse 424 usw.; litten 1698, crüc^e 900 usw. Robert Priebsch, Johan üz dem virgiere. 3 34 ou: erscheint i. und in der Regel als au: frauwen (: schauwen) 45, bäume 52, auch 55, geraubet (: haubet) 803, pauwelone 2880, paulone 2054 u. a. 2. als aü: baümgarten 49; Wolter, S. 56. 3. als aü:gaüm (: baütn) 117, baüme 1211 (: gaüme), saüm 1183, faüte 1967, entraütnete 2964. — 1 mal 0 in Zö/ew 2789. Der Umlaut ist weit überwiegend durch eu (selten daneben eü und eil) bezeichnet: deuffen 132 (doch un- gedaufften 243), gleube (verb.) 299. 1315. 400. 1399, freude 390. 2049, lenken 402. 2503, hcubt 605. 731 u. o.; doch au vor if: frauwen (verb.) 2186, bestrauwet 1059; Wolter, S. 20; Sievers, OBR., S. XX. Dreimal 794. 983. 1121 u. ö., kempe (sübst.) 862. 1165. 1497, hempcn (verb.) 821. 2496, ent- schompiert 2244; hiop 99, nap 208, nappe 2258, &o/>/>e 2258, stappite 1274. 2. als />/>.- phlag 68 u. ö., /»Weg'e 1424, phat 1468, phennige 2259; in Lehnwörtern: phingest 41, pheller 3088, />/;er/ 294 u. ö., phaffen 511, />/ww£ 440, />/;//>« 3117, kamph 1021 u. ö., kemphe 864. 35 866. 985» kemphen 1158, opher 1173. 3. pf nur in der Phrase mit eynem apfel'ji^, die, worauf schon der Rhythmus des Verses führt, Schreiberinterpolation sein wird. Die Schreibung ph-, -mph in der Überzahl neben p-, -mp, wie sie sich auch in rhfrk. (Wormser) Urkunden des 14. Jahrhunderts nebeneinanderfindet, kann als Bezeichnung des aspirierten Lautes (AfdA. 34, 203; s. auch oben physant, wo ph- gewiß nicht die Affrikata bezeichnet) bereits aus dem Original stammen und wurde im Abdruck belassen. — Durchaus -rf, If, helfent, warf usw., auch in scharfen 1576. Neben -nph s - Sievers, OBR., S. XIV., Rieger, Elis, S. 34, Wolter, S. 28. Die Gruppe germ. kw^>qu in quamen 255. 403, doch sonst harn, kamen 263. 856 u. o., kerne 2966. (2975). Über dicke: stick 1331, s.unter II c); unverschobenes -k- (^geschrieben) zeigt das Deminu, lerekeln 1494 (: lerahha), umgekehrt -ch- in flachem 1426, das Wort wohl aus der mnl. Quelle, s. Karlmeinet 539, 35 und R. Minzloff, Bruder Hansens Marienlieder, v. 3477. Mhd. ch: im Anlaut in dem Lehnwort cherubyn 22; im Auslaut für altes -h, geschach, sich usw.; fast durchweg ht als cht, doch in Reimstellung z. B. sieht (.-recht) 27, vaht (-.mäht) 2563, naht: gefacht 1763, liebten 87. Im Textabdruck wurde -ht durchgeführt. — Eingeschoben (für li) in achtüm 1219, geschwunden in bustaben 2549 gegenüber buhstaben 2557; rilicherm 3099. h: zwischen Vokalen häufig unterdrückt, öfters gegen den Versrhythmus: dreen j66, dagegen drehen 767; sent 2156. 2160; stale 841, aber stahel 1310 usw., dagegen als diakrit. Zeichen (Weinh., § 245, 2) eingeschoben in gehende 583 und nachträglich in gedihenen (: verleben) 2318, s. auch unter II c). Die Negation niht (iht) erscheint stets als nit (it), s. die Reime: mit 205. 815:«'/ (site) 543. 2279: iht: mit 2683, nur einmal nicht (:gicht) 19 und im Versinnern 2936, Sievers, OBR., S. XX, Wolter, S. 30. Stets wird es geschrieben in bevelhen 1505. 1563 und da auslautend als -ch: befalch 173. 186. 1532. Häufig steht es prothetisch: herfuren 330, herbeissete 335. 1485, berfullent 972, herkoberte 1355, herlitten 1747, herhenken 2968, also in vortoniger Silbe. Weinh., § 243. Die Gruppe hs ist zu ss (ß) geworden: gewaßen 753, droßesse 1127. seße 2137, büßen 1892, boßen 1904, doch wehset 214, sehs 508, sehste 1529, vgl. Sievers, OBR., S. XX, PBB. 22, 295; in Wormser Urkunden ge- zuassen (a. 1325), wais (wahs, a. 1427 und sonst häufig. Liquiden und Nasale. Verstummen des r in der Gruppe rht zeigt einmal die Schreibung föchte (: verwocht) 3015, doch im Versinnern forchte. Die Erscheinung dürfte daher dem Dichter angehören; vgl. Sievers, OBR., S. IX f., Wolter, S. 54, PBB. 22, 263. m: Dafür einmal w- v. 2325 wann (= man): Johann. Assimilation von mb: mm in lames 206 ; bekamert 226 ; wichtiger ist der Übergang zu b- in bit (—mit) 1356 neben sonstigem mit. Es wird wohl wie Vit (= bif s. oben) aus der Vorlage stammen. Vgl. zur Verbreitung der Form H. Rueff, aaO., S. 8—10. — Häufig -mm-, z. B. frome- keyt 5, aberfromen 3 wie oben -tt- (-dd-), so daß das dort Gesagte auch hier gilt. n : über den Abfall des -n in der Endung -en s. unten unter Apokope; im Versinnern findet sich dies einmal in sage 1375. 39 Halbvokale /, w. Über den Wechsel von j :g vgl. oben unter g; w steht für; in g e- dreuiet 755, Wolter, S. 31. Übergang zu b: gelben 384, aber gelen 376. Zur Flexionslehre. 1. Deklination der Substantiva: a) Maskulina: Die Zusammensetzung boumgart(e) flektiert nach dem Reim: wart 2507. 2542 stark (GWB 4 — 1—1 sp. 1388), dagegen — garten: zarten 49; das Simplex, nur im Versinnern stets schwach: 60. 65. 410. — Nom. sgl. belme 1182, meltne 1331, helte 354. 455. 1704. 3049 (gen. sgl. beides 358, dat. helt (:gezelt) 3, nom. (voc), acc. plur. helte 2093, beide, 2230. 2957) sind Schreiberformen mit epithetischem -e, ebenso wie 1506 im Eigennamen Gauerone (nom.). Dem Schreiber wird man ferner zuweisen den nom. plur. franzoser 2647, den dat. sgl. vattern 2853, den acc. sgl. rücken 1813, den nom. plur. spenen 1666, den acc. sgl. frieden 2697, also eine starke Neigung zur -«-Deklination. Auch manne (st. man) : Johanne (für Johan) 2873 dürfte ihm gehören. Der Dichter reimt viant (die volksmäßige Form, PBB. 47, 53); lant 789, acc. plur. vyande: lande 233, im Versinnern erscheint der nom. plur. vyende 222, der gen. plur. vynde 1575, der dat. plur. vyenden 308. — tal erscheint als masc. cynen dal in riten 2452 (s. J. Meier, Jolande, S. LVIII) und bach als fem. eyne back 724 doch gegen den Versrhythmus. S.Gramm. 3, 386, Bartsch, Erlösung, v. 11, PBB. 50, 409. — Lat. Endung zeigt der Eigenname Ferreonem 309, dagegen haben deutsche Endung 1865 Apollonen : Astoronen. 704 steht der gen. Spiritus sanctusf!) b) Neutra: Epithetisches -e im acc. sgl. zeigt füre 369 (aber für 343) und im Reim: dure 339; im acc plur. swerte : sperte 1315, wenn swerte nicht vielmehr der gen. plur. ist abhängig von sperte, vgl. Par%. 181, 8; im Versinnern 1324. 2692; worte (acc pl.): horte 1129, aber 941 ist derselbe Reim wort: hört geschrieben, s. unten unter Apokope; reine (adv.): beine 753, doch rein (adj.): schein 773; nur im Versinnern rosse 252. 1301. 1303. 1341. 1306. 1574. 1671. 2927. 2958; pherde 2910, doch pherf.wert 294; wibe 685. 3103; jare 2448, vgl. 193 hare (dat.): jare (acc. sgl.), wo bar : jar zu lesen sein wird, wie 1915 jar : war reimt; beubte 680. 2008; lidemaße 754. Man wird bei diesen Formen auf -c stark mit dem Schreiber zu rechnen haben. — kl eider 83. 850. 877. 898. 2306. 2754; kint: dat. pl. kinden: vinden 2499, gen. pl. "kinde 152; acc. pl. kint: sint 705, dagegen im Versinnern kinder 154. 709. 2873; gelider 559, aber geliden:gerieden 251; hom hat im dat.pl. hörnen 248, ebenso husen : (klusen) 631. n 59. c) Feminina: frauwe acc. sgl. 398; jungfrawe acc. sgl. 2392. 2405, dagegen -en dat. sgl. 2431 und im Reim 1605; der Reim erden: werden 905 zeugt für schw. erde, ebenso einmal zj l der funfften stunden : finden 40 409 (doch s. unter Apokope), anderseits stunde: munde 1131 und an dirre stunt: Sygemunt 1135: hunt 1141; porten (acc. Sgl.): Worten 587, aber stf. wort:port (acc. sgl.) 2403. Im Versinnern: gen. Sgl. hellen J14, reden 2025, dat. sgl. cronen 290, sprachen 2056, erden 484. 922., %u schulen 189, spisen 1918, porten 1629. 2020 dagegen porte (dat.) 1591; acc. sgl. porten 1501. 1520 1551. 1680, dafeln 544. 2078, muren 1606, vgl. 1901, aber 2315 mure: stire. Rom flektiert meist schwach: 329. 2061 usw., doch acc. Rome 2143 dat. 489. 565 u. ö.; naht zeigt den adv. gen. des nacht es 142. Die -/«/-Stämme haben, im Reim belegt, acc. sgl. u. pl. auf -innen, vgl. konygynnen: synnen 775, keyserynnen: synnen 1187: mynnen (dat. sgl.) 2331, das nach dem Reim: gewynnen 2796 schwach flektiert. Für den nom. sgl. fehlt ein beweisender Reim; im voc. reimt konygynnen : ynnen 1557, was sich leicht zu -ynne : ynne ändern läßt, vgl. 2791 zynne (dat.) : ynne. Dem Dichter scheint demnach schw. Flektion zuzukommen, doch mit gelegentlicher Verwendung von -in im nom. im Versinnern. Da findet sich: keyserin dat. 372. nom. 377, dagegen -ynnen 359; keyserynnen acc. Sgl. 1566. 2. Adjektiva. Ich notiere, daß die scheinbar schwache Form auf -en im dat. sgl. m. n. (v. Kraus, DG, S. 123, Wilmanns, Gr. 3, 2, § 200, Anm. 1; § 207, 5) sich mehrmals findet: manigen fronten helt 3, in eynen hrieschem grünen pcller 428, mynen vatter 803, %u uwern vatter 848. Für den acc. sgl. masc. eynen, ebenso mynen usw. wird öfters eynen usw. (Ekthlipsis) zu lesen sein aus metrischen Gründen. 3. Pronomina. Die durchgehende Form des Pron. pers. der 3. pers. masc. ist er, nur 1602 her wohl mit prothet. h- wie ja sonst öfters in der Hs. — Die acc.-Form uch ist in den dat. gedrungen 784. 865. 899 usw. — Neben regelmäßigem unser findet sich unßn eren, dat. plur. 844, unßm lande dat. sgl. 1988. — Der gen. ir erscheint meist in Öekt. Form, was aber fast durchweg dem Schreiber zuzuweisen ist, und ähnlich steht es mit den längeren dat.-Formen ime, deme, die wohl häufig ihm angehören. — Mehrmals steht den für den dat. sgl. (s. oben beim Adjektiv) an den die 1413, von den win 2274, in den stegereiff 2480, den grausen 2853; unsicher, wo de steht, denn das kann auch mit dem aufgelöst werden (vgl. 1010 kapes).— Zweimal 2911. 3043 de=dienom. acc. sgl.Fem.jWEiNH., § 482. — Der acc. sgl. Fem. von myn, syn, eyn findet sich öfters unflektiert: 1147. 2289. 2329. 2755.2762.2916 (und syn cröne) 2938. 3080. — qund «inklinieren öfters: ers 607. 936. 2698, Uns 636, wers 2608, heden 5968, leukens 2503; hien 1665 und 1759 fasse ich als hie + in (dat. plur. des pers. Pron.). 4. Verbalflexion. Allgemeines: Der Ausgang der 1. pers. sgl. ind. präs. auf -en ist für den Dichter bezeugt durch den Reim wisen: ysen J21 (vgl. bcwisen : ysen 41 Herbort, Troj. Kr. 2146), weshalb auch synnen (dat. pl): mynnen 2391 nicht anzutasten ist; im Versinnern häufig: geleuken 400, kempen 821, gedienen 906, bekennen 1105, sagen 1141. 2867, Z>ö/i2k 1436. 2648, Verliesen 1572, helfen 1716 usw. Vgl. Wolter, S. 35, Rueff, a. a. O., S. 31, Brachmann, Zum Reimgebrauch Herborts v. Fritzlar, S. 72 f. — Ganz vereinzelt (ich) wolden 970. -(e)nt st. -(e)t in der 2. pers. plur. ind. ist aus Reimen mit sin und hän zu belegen: ir synt: kint 705. 2577 gegenüber sit: %ijt 917. 1747; «V hant:lant 2287: allesant 2573: gemanet 2983, die auch in Unser vrowen klage (PBB. 5, 349), im St. Galler Spiel vom Leben Jesu (rhfrk.), Meister Albertus lere (rhfrk.) u. a. auftreten. Anderseits weist glaubet : haubet 2127 zusammen mit den eben angeführten ^/7-Reimen darauf, daß der Dichter sich beider Formen bedient. Im Versinnern sind die -ent- Formen so ausnahmslos durchgeführt, daß man sie schon dem Original zuerkennen möchte. Im Textabdruck habe ich sie darum belassen. Nur sporadisch hingegen finden sich -#z/-Formen in der 2. pers. pl. des ind. und conj. prät. werent 395, wurdent 420. Neben -ent steht gelegentlich -en : müeßen 614, werden 2276, bitten 2574, slagcn 2581, gedursten 1144, müsten 2389, Weinh., § 369. Die Endung -ent ist auch in die 3. pers. pl. ind. prät. eingedrungen: a) bei den prät.-pres.-Verben, z. B. mi'isent 244, mogent 2108, sollent 2993, b) in hattent 1422, warent 3121, c) bei anderen Verben: sahent 1771, verlurent 1838. — Auf -en in der 3. pers. pl. ind. präs. würde der Reim slangen: vmbefangen 2313 deuten, aber vmbefangen ist als optat. potent, anzusehen. — Einigemal tritt -e an die 3. pers. sgl. ind. prät. starker Verba: hüte 181. 507, wante 1544, %ur- hiewe 1453, was schon aus metrischem Grunde dem Schreiber zugehören wird. — Neben durchgängigem ist steht is 618. —Auf das Eindringen von e für i in der 1. pers. sgl. ind. pres. der starken Verba wurde schon oben (Vokalismus unter i) aufmerksam gemacht. Ein Wort verdient die Behandlung des prät. und part. perf. der schwachen Verba durch den Schreiber. Er liebt offenbar die nicht synkopierten Formen auf -ete, -et, wobei -ete oft zu -ile wird. Er bringt sie selbst in Reimen zur Geltung, welche die synkopierte Wortgestalt fordern, z. B. weriten: kofferten 1875, gemanet: hant 2983 oder gibt sie im neutralen Reim dem einen Wort suchite: geruchte. Übrigens betreffen die Belege im Versinnern fast durchaus Verba der alten -6n- und -en- Klasse, sowie solche mit langem Stamm der -/öw-Klasse, also 140 fugete, fulgite 286, lobiten 345. 1024, sagete 359, lebite 455, ^omite 1017. 1347. stappite 1274, anele x 944> h' a g etc 2 °57- 2698, zpgiten 2888, schemete 1130. 2201, vellete, vellite 285. 1636. 1444, erwecketen 651, gesencketen, gerechten (part. pf.) 1284. 935, geslackete(i) 1362, rümete 1393, erbeißete 1209 u. a.; vgl. auch Böhme, S. 63 (rhfrk. Schreibgebrauch des 15. Jhs). Bezeichnend ist das Auftreten des Umlauts im conj. prät. des schwachen Verb.: erkente 433, mecbte 541, clegete 744, swechete 2120; 42 im ind. prät. in hefte 1210. Auf weren st. wären 2785 ist wegen seiner Vereinzelung nicht viel Gewicht zu legen. Einzelne Verba: schrien; prät. schrey: en^wey i66y, im Versinnern 1585. ZfdA. 45, 30 ff. glichen; st. prät. gleich 2152. 2628: bleich (adj.), beidemal intrans. Weinh., § 426. e^zen; prät. Sgl. as (= ä%): mas 1925: das 2106, ZfdA. 44, 24 f. setzen; part. pf. gesät: stat 3020; vgl. ZfdA. 45, 43 ff. Im Versinnern hat der Schreiber v. 805 gesetzt, wo gesät (gesat^t) den Rhythmus bessern würde. kumen; ob der Inf. kumen oder honten lautete, läßt sich aus den Reimen nicht entscheiden. — prät. Sgl. quam (meist kam geschrieben): vernam 403. 533 u. ö., plur. quamen (kamen):namen 953. slahan; inf. slagen : sagen 2348; im Versinnern slagen 3021. — slagent 623, slage 839, anderseits part. pf. erslahen 2381. wissen; prät. plur. wisten: listen 2655; im Versinnern enwiste 2422, dagegen enwuste 563. 2423 und der cox\).wuste 2115, wüste 743. Weinh., §418 f. miie^en; 2. Sgl. müsest du 385. haben; die Reime han: (wol)getan 85. 783. 1139. 1259, anderseits: man 281. 920. 1109. 2741: an 1953. 1967: han 1407 zeugen für han im inf.; ebenso steht im Reim auf ä: ich han 2495. 2747, er hat 2125. [2897 f.: stat s. zur Stelle] wir han 453, ir hant 2287 u. ö., was auf Doppelformen in der Sprache des Dichters schließen läßt, ZfdA. 44, 9, Anm. 1, 363, Anm. 2, 404 Anm. 2. — Prät.: hadeirade 2111. 2911. Im Versinnern bunte Mischung von hade(n), hadde, hatte; hede, hette, hedde, hetde für Ind. und Konj. Im Textabdruck ist hade, hede durchgeführt. sin; Inf. wesen:genesen 221, sonst sin, gesin (88. 102 u. ö.), Brachmann, S. 89, Wolter, S. 39. — 2. pers. plur. ind. ir synt: hynt 705. 2577 s. oben, dagegen sit: %ijt 917. 1747. — 3. pers. plur. ind. prät. weren 2785 ganz vereinzelt; part. perf. gewesen: genesen 535. tuon; 1. sgl. ind. dun 982 u. ö.; 2. pl. dunt 217; 3. sgl. conj. präs. du 850; 3. sgl. ind. prät. det 217. 894: bet 891. 987. 1519. 3059. 3. pl. dad«2 328. 798. Konj. dete: stete (= statte) 2697: rete (= rsete) 2433: gerede (— gersete) 3025. wollen; zeigt im ind. plur. stets -o-Formen: wollent 1, wollen 187. 188. 304 u. ö.; im conj. steht neben welle 1078, wolle 889. 1774 und zw*//« 1163. gän und #tf». Beweisende Reime für die -«-Form: gan:plan 63: han 1259, *to (subst.): begat 2679, stan-.getan 119; doch verwendet der Dichter einmal (!) auch die -tf-Form: geen -.wen (= wxne) 843; im neutralen Reim steht ergeet: let 829, geen : verstecn 189. Vgl. bei Herbort 43 den freilich konjizierten Reim abemcet: get v. 5501, Brachmann, S. 82, sonst außer im neutralen Reim nur -a-Formen. — Conj. ge:me 1073. 2293. 2 5 r 9- Gerund. %u gencJe 68. — Part. perf. gegangen 184. 2966; umbe gangen 2448. Prät. ring : ging 1293, im neutralen Reim ging : enphing, nie gic. Brachmann, S. 83, Wolter, S. 37, ZfdA. 45. 59 fr. lä^en; im Reim im präs. nur die kontrahierte Form: lan:getan 1077. 3068 : han 3061; let: ergeel 829; im Versinnern dagegen wir laßen 544, laße 2725 (conj.), er leßet 1951 (gegen den Versrhythmus), aber imp. la n89, part. pf. (ge)laßen 2198. vähen; Inf. vahen 2346. 3042. — 2. pers. plur. imp. vdhent 1825. — 2. pers. sgl. imp. vach : gach 2685. prät. virig ifundeling 1189, nie vie, Brachmann, S. 80, ZfdA. 4s. 59 ff. beginnen; prät. began : man 1815. 1873. Im Versinnern begunde 406. 479. 763 usw. Ich schließe hier die Erscheinungen der Apokope und Synkope an, wie sie sich besonders aus den in den Reimen gebrauchten Wortformen ergeben. a) Beim Substantiv: Leicht sind Fälle wie schar (dat.): dar 263. 2997, dan (Wald, dat.): man: Johann 240. 627. 1033. Ferner nach langem Vokal im ein- oder mehrsilbigen (£ (^) ^ >-) Wort nach Hochoder schwerem Tiefton: Ion {&cc.):tron (dat.) 1949, har (dat.) : jar 193, wo die Hs. allerdings bare: jare mit epith. -e schreibt, win (dat.): sin 2273; dochterlyn (dat.): vyn 155; Senat (dat.); rat 1549; Gaveron : Ion (dat.) 2565: pavelon (dat.) 2643 : cron (acc.) 1505, wo man vielleicht lieber mit der Hs. Gaverone mit epithet. -e: crone schreiben wird; rant (dat.); glant 1362; scharmut^elin :sarracyn (acc.pl.) 1907, ebenso im neutralen Reim: pyn (acc.) 1727. 1849 und im Versinnern Sarrazin 1555; barm (voc. plur.): abedun 2091, lant (dat.): genant 3122, baumgart (dat.) : wart 2507, stegereiff (dat.) : begreift 1349- Daher wird man 255. 323 auch pin: swin beibehalten und ebenso 2555 steyn (dat.) : reyn. In formelhafter Wendung grüß;^u fuß 2735 (vgl. Herbort v. 4399), ähnlich mit fliß:pariß 2781, mit getwang: dang (acc.) 2339. Formelhaft ist wohl auch die Reimbindung föchte): verwocht 3015, wo freilich auch föchte : verwochte mit flektiertem prädik. Adj., s. Rueff, aaO., S. 34, möglich wäre. Entweder auf Apokope oder auf Ansetzung eines epithet. -e \m ind. prät. eines st. Verbs, führt der Reim miete : verriete 2699. Schwer ist nit (— niht): sit 543. 2279; wort:port (acc.) 2403 dagegen weist auf die (jüngere) Nebenform diu port. Endlich wäre das Subst. riebe anzuführen, dessen Apokope und Verkürzung im Stammvokal bewiesen wird durch den Reim zu mich 623, zu ich: frankrieb (dat.) 2867. 2949, aber riebe (dat.): geliebt 929- im 3 hebig klgd. Vers; andere Reime sind neutral, vgl. 149. 699- n 73- 2o6 7- 2 337- 3 o8 3- ■ b) Beim Adjektiv und Adverb: reyn: schein 773, schon (adv.) ; Gaueron 1151. 1193. 1435- 2289 : Ion 1861, Heyn (adv.) : geyn 1015 44 im neutralen Reim, dagegen beweisend 2269: underein (Hs. -e); gedrat (adv.): wat 371, dick (Hs. -e): stich 13 31, £«r» (Hs. -e): enbern (inf.) 2415, £«- rcyt: cristenheyt 2069; so wird auch gegen die Hs. v. 753 reyn (adv.) : beyn zu lesen sein; für adv. hart zeugt der Reim: ungespart 1577, für adv. mit der Reim: nit 205. 815, dagegen mitte: enlidete 325. — Die adjekt. Adv. auf liehe zeigen Verkürzung, vgl. mich: sicherlich 1753. 1775 : heimelich 2291; sicherlich 2925 : frunllich 923; dich : Idegelich 1571 : ge^ogenlich 3051, nVÄ (adj.) : afoA 137 3; also auch er lieh : rieh 427: getruwelich 1969 : ubelich 2987, wohl auch gegen die Hs. n'c/j :glich 3099 mit kurzem -»'•, ZfdA. 44, 81 ff.., bes. 91, Brackmann, S. 17, § 37. — Synkope in heiige 302, Eyns 925. c) Beim Verbum. 1. Bemerkenswert ist zunächst die in der Überlieferung bald hervortretende, bald verwischte Apokope des -e in der 3. pers. sgl. prät. der schwachen Verba, worin sich unser Dichter zu Ulrichs v. Eschenbach 1 Gebrauch im W i 1 h. v. Wenden, im Alexander und Herzog Ernst D. stellt. Wir finden: bedacht (part. pf.) : bracht (prät.) 75; wart : enspart 1171, genert (Hs. -e) : verxert (part. pf.) 1929, nant (Hs. -e) : geswant 2773, erhört: vort (Hs. ~e : -e) 2025, seyt: warheyt (nom. sgl; Hs. -e : -e) im, wort (acc. pl.) : hört 941 gegenüber worte : horte 1129, seyt: arbeyt 1745, wo man freilich seyde : arbeyde (acc. pl.) lesen könnte. Neutrale Reime leyt: gereyt (adv.) 2551 :jö)tf 607; gewalt 2 (dat.) : wft 1573. 1633 u. ö., fowrt (dat.) .- raw/, entrant, sant, brant, wo die Hs. meistens haute oder hant: -e hat, vgl. 337. 1647. 1819. 2825. 3079, aber im Reim auf andere Wörter (subst., st. Verba) wie laut, vant, baut gebraucht der Dichter stets %u haut, mit der ...hant. — Im Versinnern gert 2097. wapent 2235. 2. Apokope des Endungs-e im conj. pres.: weiß (ind.) : heiß (conj.) 2833, dat (subst.): rat (vb.) 2323. Daher wird man 1091 schreiben: erbarm : arm. Auch der ind. ich weene wird verkürzt im Reim gebraucht geen : wen 843 gegenüber %wene: ivcne 317. 3. Abfall der Endung -et (Ekthlipsis): geleit:gemeit 1055; vermüt: Mut 1461, vart:gewart 1487; statibegat 1539; Synkope des e- im neutr. Reim gesmitt: entlitt 841, dagegen geschrieben entlidete : mitte 325. 4. Abfall des -n resp. -en bei Verb.- und Nominalformen: 327.f. lese ich freilich gut: [inj behut (subst. nicht apok. Inf.!), übrigens sind die Verse wohl spätere Interpolation; jedenfalls hat der Satz des mnl. Volksbuchs (V. Bl. 3 va , Z. 37) en den honden hier deel daer van gegeven bereits in v. 326 seine genügende Parallele. Als Ekthlipsis-Reime wird man ansehen verdien : gedien(en) (Hs. verqijhen:gediehenen) 2317 und beim Nomen eberswyn : sarraeyn (dat. pl.) 237, van (= vanen): man 1791 : an 2237. — Auf 1 Vgl. W. Toischer, Über die Sprache Ulrichs v. Eschenbach, Programm, Prag 1888, S. 21 ff. '' Ulrichs Alexander 115 57 mit geivalde: valde, dagegen 11607 gewalt (acc): xatl. 45 wirklichen Abfall des -n im subst. Inf. führt kreygieren: virgiere 2919 und im part. pf. vnuerdroßen : roße 2145, wo der Schreiber in roßen nivelliert hat, vgl. Oppenheimer Urkunde (ed. W. Frank 1859), Nr. 132 a. 1390 das dy .. . lüde vor uns sint cume. Vielleicht ist auch 409 stunde : funde anzusetzen, da der Dichter sonst stunde stets stark flektiert vgl. stunde : munde 1131, oder stunt im dat. hat. Im Versinnern erscheint 1375 sage. Der apokopierte Inf. läßt sich in Oppenheimer wie Wormser Urkunden des 14./15. Jahrh. nachweisen; so steht in der eben angeführten Urkunde wan dy. . . lüde möchten ußkume. Die aus den Reimen ersichtbaren Anhaltspunkte für die Zulässig- keit der Apokope (resp. Ekthlipsis) sind natürlich für das Versinnere in Betracht zu ziehen, nur erlaubt das metrische Prinzip des Dichters (s. unten) keine Sicherheit. c) Die Heimat des Dichters und des Schreibers. In Betracht kommt für den ersten das Reimmaterial. Ich notiere: A. vokal isch e Bindungen: Auf van weist der Reim darvan : man 1887. ä : e phert: wert (adj.) 293 : wert (präpos. adv.) 2953; gert 1483. Zwier- zina, ZfdA. 44, 304 f. Auf e :e (ZfdA. 44, 252) würde führen mere : Spere 1035, aber Spere, das 1207 auf mere reimt, das sowohl nmre (adj.) als mere (adv. noch dazu, ferner) sein kann, ist nom. propr. (Flußname). Auffallend ist die Bindung swerte (acc. oder gen. pl.): sperte 1315, also eigentlich e: a vor -r, Weinh., § 49. Ich denke eher an mechanische Übernahme von swaerde: spaerde der mal. Quelle. Vgl. auch W. Brachmann. Übrigens reimt 1171 wart: enspart(e). e:i vechten : berechten 665 : rechten 1021. % : e. 1. Vor -r: gevere : sere 17; were : ere 95; mere : sere 2031 : here 2865 u. ö.; ebenso die Ableitung -sere auf Stammsilben e: Eomeren : eren 1169, ferner 1891. 1 2121. 2199. Hierher auch offenbere (adv.) : ere 2393, sonst 137. 429. 571. 931. 2115 stets: were. (Der Dichter sprach also das adv. oßcnbere, welche Form sich auch bei Herbort, in der Elis., im Ev. von St. Paul und im St. Galler Spiel vom Leben Jesu [Wolter, S. 2, uffenbere: lere v. 755] findet.) — Diesen Reimen von se: e vor -r stehen gegenüber 14 von w : m, 24 von e :e. 2. Vor -n, gen : wen (= wxne) 843 ; %wene: weite 317, vgl. ZfdA. 44, 291; Br. Philipps Mari enl. v. 5848 (PBB. 29, 134), Brachmann, S. 13, § 20; Meister Albertus Lehre, aaO., v. 846. 3. Vor -d, -t: bcde (Pron.) : stede (== stxte adv.) 1821 (doch 99 beide : scheide; vgl. 985 und 1393), vgl. Herborts bede: Mede 14298, von Brachmann, S. 22, § 50, als literarischer Reim gefaßt; Br. Philipps Mari enl. v. 1 loukere : sere und unmittelbar anschließend x : x domelere: swere. 46 9650 stsete :prophete. — erget: let 829 (s. oben unter gan). Der Dichter gehört also in die md. Gruppe, die te und e nicht mehr rein scheidet. 0: u vor -g. herzogen : bogen (prät.) 499; gebogen : flogen (prät.) 1301; neutral vor -nn-, gewannen: snnnen 1497 (-0-: -0- 2491); vor -m- genumen: frumen 1099. a: (1; abgesehen von Bindungen mit hän, hat, s. oben Flexion: Einzelne Verba, findet sich nur dar :dar (für dar der Hs.) 2359, das aber anzeps ist, ZfdA. 44, 9 Am. 1 ; 21, Anm. 1; 45, 418, s. auch unten zu 0:0 (3) über wol: qtndol. Die Bindung a : a ist also dem Dichter nicht bequem. e:6 vor r; zveren (subst.: Besitz, Amt, Gewalt, vgl. ZfdA. 63, 13): keren 2886, aber in ganz ähnlicher Phrase (gude und) eren (: Jteren) 2417, so daß weren dem Schreiber gehören kann. e.-.s (=m)\ (ver)helen: velen (subst.) 685; ferner der oben angeführte zweideutige Reim Spere: mere 1207. i:l; der Dichter gebraucht die unflekt. Adjektiva auf -lieh kurz, vgl. freißlich : sich 57'3 : frolich 1537. 2597; ebenso das Adj.: rieh : dich 1373 : ich 2299; darüber und über die Kürzung der Adv. auf lich(e) und des Subst. rich(e), s. auch oben unter Apokope. Vgl. Brachmann, S. 37 f; Wolter, S. 9. Es herrscht also das einsilbige Adjektivadv. auf lieh, ZfdA. 45, 83 f. 91. — Ebenso zeugen die Reime in -.hin 585: gewin 3075 für die Kurzform des präpos. Adv. in, ZfdA. 45, 71, Brachmann, S. 42, Wolter, S. 9, während der Reim nit: git ( i >, sonst könnte man auch an kristin (Adjektivform) denken, wie im Karlmeinet heidin, cristin : sin reimt. Bartsch, S. 296. 300. u:a; neben huff:uff 1411 (ZfdA. 45, 67 ff.) nur schuß: uß 1903, was entsprechend auf die Kurzform ui für den Dichter führt. Wrede, AfdA. 20, 211. i; ie; 1. im einsilbigen Wort in geschlossener Silbe, a) vor //, schilt: hielt (die Hs. hat außer 2356 stets hilf, hilte(nj) 1289. 1649. 1813; gespilt (Hs. gespielt) : hielt 2355. b) vor -ng (nc);fundeling : ving 1197; ring -.ging 1293, ZfdA. 45, 69, Anm. 1; Brachmann, § 57 f.; Schiro- kauer, PBB. 47, S. 33. — 2. im zweisilbigen Wort, a) in geschlossener Silbe schilte: hielte 933, schilten : vorhielten 1333. b) in offener Silbe wigen (Hs. wiegen) = wegen : geliegen (Hs. geligen) 2181; J o 1 a n d e (J Meier, S. XXIV und LX) wigen : swigen, doch da mit Übertritt in die 1. Ablautsreihe. 0 : ö; 1. vor /, gebot: not 713; got: rot 1427 : Lamelot 173 1. 2. vor r + t 47 worte : erhörte 2703, erhort(e): vort 2025. 3. vor -/, wol: ^indol 83, was freilich für wal: %indal stehen wird, vgl. 1057 male: ^indale. u, 0 : uo; stunt (prät.): Sigemont ^j:wunt 8o<):munt 913 :kunt 927, wunden : stunden 1699. — roc (Hs. rock) : druc (Hs. £?ra<;/ü prät.) 103, wohl eher mit Verdumpfung des 0 > w zu fassen; derselbe Reim in B. Phil. Marien!, v. 5076 und zu genuoc 3654 (PBB. 29, 149); vgl. auch Meister Albertus Lehre, aaO., v. 952 davon : dun. Hierher läßt sich noch stellen baiun: abedun 2091; vgl. Wilh. v. Wenden 1860 tuon :barun und Abaguc:gnuc Erlös. 1169. Gegen Umlaut des ö sprechen (aber nicht unbedingt, s. oben S. 32 unter 0) die Reime schone (adj.): trone: kröne 197. 2849, gegen den des u, furste : gedurste 689, doch könnte gedurste, wie sicher 794, auch Konjunktiv sein; vgl. auch 3001. Dann seien noch die Reime von ei < ege zu ei angeführt: 1. Formen von legen : leit (prds.l): wisheit. leit(e) (prät.) :gereit 2551. geleit (part. pf.) :fromekeit 5 : klughcit 2761. 2779; uberleit: cristenheit 1121. 2. von sagen : seit (präs.) : klugheit 39 : arbeit 551; seide (prät.).- arbeide (Hs. seyt: arbeyt) 1745 : gerade 2419 : warheide 2075; geseit (part. pf.) : kristenheit 2989 : warheit 240J : leit (liden) 733. 1. und 2. reimen miteinander leit: seit 607. 3. von wfl££/; im Plural, kleiden (inf.): meiden 3089. 4. von gegen; gein : klein 101$ : ein 523. Der Gebrauch des Gedichtes stellt sich demnach zu dem der Nr. 48 bis 98 (alem. und frk. Dichter) bei Fischer -f Nr. 141 bis Schluß, md. Autoren mit meide, geine. ZfdA. 44, 345. 359 f. Noch sei auf die Doppelform aufmerksam gemacht: 1625 riemen: niemen, aber 801. 2409 nieman:an, Schirokauer, PBB. 47, 86 ff. B. Konsonantische Reime. Für unverschobenes -d- zwischen Vokalen beweisen die Reime gerieden (= -riten): geliden (subst.) 251, tode: node 6$i:ignode 3021, genaden : beraden 655, niden (adv.) : undersniden (part. pf.), 879. 2039, gerade: heide 1273, nide : stride 1285 : %ide 2471, bede: stede 1821, ge- smide: ride 2509, missededig: genedig 3057 u. a. Hinter -n, under: wunder 2785, neutral künde : gunde (Hs. künde) 179; hinter -/ nur einmal golde : solde 93 ein Reim, der nicht viel beweist; die so gut wie ausschließliche Schreibung -It der Hs. wird auch in der Dichtersprache begründet sein. %:s, was: vergaß 275. 297. 1127 : da\ 347 u. ö.; / sai 527. -j6i:naz 731. 771 :bai 1449; unverdro^e(n) : rosse(n) 2145; sigelos:gro^ 2351; vli% : Paris 2781. -kk (ch) : -g, rock : druck (truoc) 103, sag: lag 2099, ffilag: er schräg 2963. Bemerkenswert ist dick:stick (= stich) 1331; doch ist in der Phrase «keinen Stich sehen, stichfinster» die Form stick (sticke) als Doppelform neben stich über das ganze Sprachgebiet verbreitet; s. den- 48 selben Reim Hero und Leander (v. d. Hagen, G. A. I, 15 v. 343); Ring, St. L. V. 23, 9 C , 34; Martin u. Lienhart, Wb. d. elsäss. Ma. unter Stich; H. Sachs, Fastnachtspiel: Der blinde Messner usw. (viermal); M. Beheim, Buch von den Wienern, Karajan 412, 8. Schiller und Lübben, WB. IV, 399. -ng: -nk, dang: lang 359, gang : Hang 749 u. ö.; -rg: -rk, halsbeig : werg 1327. Der Dichter reiht sich also in jene md. Gruppe, die Schiro- kauer, PBB. 47, S. 102 aufführt. Ich habe die Schreibung -g für -k (ck), wie sie sich an den Reimstellen zeigt und in rheinhessischen Urkunden häufig ist, im Abdruck beibehalten resp. v. 103 f. gegen den Schreiber eingeführt. Gemeint ist die Tenuis, was auch der konsonantisch ungenaue Reim (1071) bestätigt. Beweisend für den Abfall resp. Ausfall des -h, -h- ist die: nie 1413 und gedienen (Hs. gediehnen): verdien (Hs. verüben) 2317 [doch neutral ver^ihen : lihen 2333]. 1 Auf die Form der Negation nit (it) in Reimen zu mit, sit(e) wurde schon oben S. 38 [Orthographie der Hs.] aufmerksam gemacht. Auf das part. perf. gemäht weist der Reim zu aht 177. ZfdA. 45, 23, Anm. 2. An konsonantisch ungenauen Reimen findet sich nur hup: slug 1071; derselbe, nach Brachmann § 127 literarische Reim, bei Herbort im; was: palast 2235 zeugt für palas. Zu erwähnen wäre noch morn : erkorn 1157, vgl. PBB. 47, S. 91 f. und die Doppelformen sit: (lit) 1620, sider: (wider) 2023. Für den seltenen Abfall eines -n im subst. Inf. und Part. perf. s. oben unter Flexion S. 44f.: kreygieren : virgiere 2919; unverdroßen: roße 2145. Angeschlossen seien einige Reime, die auf den Einfluß resp. auf Herübernahme aus dem mnl. Quellengedicht deuten. Daß von dort die Bindung swerte : sperte 1315 ei, nur auf den jüngeren Schreiber — Mitte des 15. Jahrhunderts — hinzuweisen, ohne eine geogr.-dialekt. Trennung (süd- rhfrk.!) nötig zu machen. Dann hat die Dichtung, soviel wir wenigstens wissen können, nicht über ihre Heimat hinausgewirkt. Nach Stil und Metrik (s. unten II d) möchte man sie dem 14. Jahrhundert zuweisen; darf man aus der Beschreibung der Belagerung Roms v. 1891—1916 — s. oben S. 9 — den Gebrauch von Feuerwaffen [Büchsen] neben den Wurf- und Schleudermaschinen herauslesen, so käme die zweite Hälfte Kobert P rieb seh, Johau üz dem virgiere. 4 50 des Jahrhunderts in Betracht. Und kann man die in der Quelle nicht vorhandene und hier (v. 809 — 812. 990. 999) so stark betonte Einführung der Marterwerkzeuge Christi in Zusammenhang bringen mit ihrer Aufnahme unter die Reichskleinodien durch Karl IV. (s. E. Schröder, AfdA. 46, 152), so führte dies in dieselbe Zeit. Ich habe mich nicht entschließen können, den Text in der Gestalt, wie ihn die einzige Hs. bietet, abzudrucken, sondern vielmehr versucht, ihn mit Hilfe von einschlägigen (Wormser, Oppenheimer) Urkunden des 14. Jahrhunderts und dem aus den Reimen gewonnenen Lautbild der als wahrscheinlich erschlossenen Abfassungszeit anzupassen. Vielleicht habe ich in einzelnen Punkten zu stark normalisiert — rheinhessische Urkunden zeigen ja schon in dieser Periode ein ziemlich buntes orthographisches Bild —, in anderen den Schreiber nicht genügend eliminiert. Das Original — das buch v. 25 — nach seiner ursprünglichen Gestalt durchaus wieder hergestellt zu haben, schmeichle ich mir keineswegs. d) Bemerkungen zur Syntax, zum Stil und zur Metrik der Dichtung. Beliebt sind Verbalumschreibungen mit a) iuon + Inf.: 189 den knaben cht man %u schulen geen; vgl. 217. [328.] 798. 850. 894. b) werden mit Inf. (resp. Part, präs.) zur Bezeichnung des Eintritts der Handlung: 764 si wart heiße weynen; vgl. 1283. 1883: Der heyden wurden schuhen eyn deyl oder mit dem Dat. des Gerundivs und %"■'• 2037 ime %u sehende wart, c) mit beginnen + Inf.: 312 das er dot begunde hin rysen, vgl. 351. d) pflegen mit Dat. des Gerundivs und £«: 68 ... phlag %u gende. e) gen mit Inf.: 1464 E\ ging struche(l)n; vgl. 1447. 2283. 3018. Angeführt st\ finden mit dem Acc. und Inf. 129 er fant ein ros st an, Paul, § 299, dagegen mit dem Part. präs. 854 sie den heiser weinende vant; homen mit dem Part. präs. 583 do er gehende kam, Gr. IV, 8. Nicht eindeutig oder sicher ist die Konstruktion von sprechen a) v. 2369 f. ich muß . . . Gaueron [Hs. Gaueronen] gen sprechen eyn wort. Die Form Gaueron (resp. Gaueronai) kann Dat. oder Akk. sein. Im letzteren Fall läge sprechen mit doppeltem Akk. der Person und Sache vor, vielleicht aus der Kontamination zweier Sätze: Gaueron[en] sp. (s. Tristan v. 11450) und eyn wort sp. hervorgegangen, b) v. 2407 Ich hau den heyser gesprochen derwarheyl, also mit Akk. der Person (falls den nicht gleich dem steht) und Gen. der Sache, den man in Hinblick auf a) in den Akk. die warheyt ändern könnte unter den gleichen Entstehungsbedingungen der Konstruktion, aber der Gen. steht in ähnlicher Verwendung bei sagen, Klage, L. 2160 f. des enlian ich der (die C) Wahrheit noch niemen gesagen. 1 Endlich 1 In v. 781 Hai uch ytrian ichi gesprochen ist das neb Dat. (s. oben unter Flexion); und zur Phrase vgl. die Zusammenstellungen PBB. 41, 509, Anra. 2; vgl. auch v. 1255 und Walther, L. 102, 37. 51 281 zaneklaffen lief er, wo der Inf. entweder für einen ganzen Satz oder für das Part. präs. steht. Paul, § 393, Wilmanns, DGr. 3, § 61. Substantivumschreibungen spielen keine Rolle, etwa 223 vechtens kraß, 696 stritens müt, 358 beides bant. Notiert sei wa\ mit abhängigem Gen. 130 was namen, dagegen 95 von was gesiechte; vgl. Trist. 8690 mit wa^ gelegtnheite. Abtrennung der Apposition und Fehlen der Genetivendung bei voraufgehendem, abhängigen Gen. liegt m. E. vor in v. 10. In der Verbindung Die goites vergessen(t) 614 hat das Part. perf. aktive Bedeutung, s. J. Meier, Jolande zu v. 489. Die Präposition bi nimmt den Akk.: 3052 by sieb : (ge^ogentlich), sonst 212. 762. 1114. 1119. 2236. (doch 1605! 337), uff mit dem Akk. vgl. 2809 lagen uff die muren (2809 f. wohl Schreiberzusatz), aber 1606 Uff der miiren. Die Konjunktion und hat die Bedeutung «wo doch», «ungeachtet» 1011, «wofern nur» 623. Öfters findet sich bildliche Umschreibung und Verstärkung der Negation: 402 Leukent ir sin umb den wint (vgl. Eilh., Tr. 1474, G., Tr. 3641, Neidhart 7, 35); 1332 ... gesehen nit eyne stick; 3066 nit eyn bint. Negativer Ausdruck an Stelle eines positiven: 579 nit smal (= breit), 3 009 nit bloß (= voll). Ein Anakoluth erscheint nur 2849—2852. anb koivoö Konstruktion, vom Schreiber verwischt, 2148 f. Wiederaufnahme eines vorhergehenden Wortes durch das Pronomen ist ziemlich häufig: 108 Ein beim der hebte, 360. 450 f. 1270. 1281. usw. und wird an anderen Orten, z. B. 135. 1279. 1303 gegen den Schreiber einzusetzen sein. Bemerkenswert ist auch die asyndetische Anreihung von Substantiven und besonders Adjektiven. Gute Beispiele 111 f. ... dure steyne \ Edel, gut, fin vnd reyne, 755 f. Ir brustelin gedrewet (wo!) sinewel \ Ir bar lang, krispel, goltuar, gel, vgl. auch 376. 378. 745 (schryen, weynen), 192. 219 f. 273. 715 f. 808 (streiche oder). 947. 949. 990. 1327. Recht lose oder vielleicht besser der Umgangssprache angehörig ist die syntaktische Fügung in der Partie 97—114. Wie die oben angezogenen verbalen Umschreibungen für die Syntax, so ist die starke Verwendung der sogen, «unhöfischen» Wörter bezeichnend für den Stil der Dichtung; beide Erscheinungen liegen schließlich auf derselben Ebene, dem Gebrauch im Spielmannsepos. Von Substantiven wären zu notieren: a) helt:fronten h. 3; /;. gut 2093. 2952; h. gemeit 2600; /;. milte 1230; keyn durer h. 741; /;. wol gemüt 2230; /;. wyte erkant 3049; fromer b. fry 354; riterlicbe h. vermessen 2957; der stolc^e h. gar vnbetrogen 1417, Eyn krefftig h. 1704. b) degen-.d.frye 2609, d. here 2641; edeler d. here 2865; eyn stolzer d. balt 204. c) recke: recken wert 293. d) vrluge 1894. 52 Größer ist das einschlägige Adjektivmaterial. Zu den bereits in den obigen Bindungen angezogenen halt, fry, from, stol^, vermessen seien folgende hinzugefügt: ellenthaft: dem el. man 881, sonst nur noch in der typischen Verbindung mit e. haut 2826; — elleniriche: Ruprecht der e. 2659 (: verwegentliche). — degenlich (adv.) : Frankrich 1523. — vri: Substantiv, die selbe frye (: amye) 12, der frye (: Marie) 2033; attrib. vorangestellt: der frye Lamelot 1731; nachgestellt im Reim: keyser f. 81, dochter frye (: Clarifssje) 148, ritter stolt^ und f. 2240, hemmerer frye (:bye) 2539; degen f. 2609, konig edel vnd fry 2831. Die Bedeutung ist durchaus die ursprüngliche «hochgeboren, aus edlem Geschlecht». — mere (mxre): Jungherre m. (: ere) 415, hell in. (: were) 455, brache m. (: spere) 1207, also auch bei Dingen, aber s. oben S. 45 unter II c), ungehiure: der u. hnabe (d. h. der Riese) 1415. — u^erkorn : beide u. 261 im Reim. — wie erhant: helt tu. e. 3049 (Eilhard, Tr. 952, erhant allein Berger, Orendel 2336). — wolgetan: halsperg zu. 85, der alle w. 2513. Von anderen Beiwörtern will ich noch anführen: gemeit, das von belebten Wesen (einschließlich Tieren) wie unbelebten gebraucht wird, also wie bei höfischen Epikern 1 , und stets im Reime steht: subst. der gemeyt 1204 (aber wohl zu amendieren in der helt gemeyt); attrib. dochler g. n 14, ein ros g. 1056, poulon g. 2027. — geil: der ritter g. 2553. — vrech : die vßerwelten frechen man 1661, der f. man 2018. — Da es sich um eine rheinische Dichtung handelt, interessiert die häufige Verwendung von vin, klar und kluog: von klarem, liebten golde vyn 87, von gesteyne vyn 156, bare fyn 883; kn oben edel vnd f. 1063, lieber ritter f. 2769, s. Lehnert, aaO., 121 f. — klar: von klarem ... golde 87, ge- wepen dar (Hs. dar) 2360, lamel. . .dar stehelin 101, heim oder schilt so klare (: ^ware) 575; clare jungfraioen 342, jungherre klar (: jar) 469, jungelinge vil claren (: waren) 768, maget dar (: jar) 476. — kluoc : keyser kl. (:gnng) 1083, jungfrawe klug 2620, spiele klug (: genug) 2904. Von «unhöfischen» Verben wäre nur anzuführen: gedagen 187. 2961, beidemal im Reim zu sagen und in einer für Spielmannsdichtungen bezeichnenden Phrase zur Herstellung eines Übergangs zu einem neuen Abschnitt. Alliterierende Formeln erstrecken sich über das ganze Gedicht: hut vnd bar 193. 571, leben vnd lip 646. 3044, wasser vnd vjynt 647, lut vnd lant 2682, laster oder leyt 2399, mage vnd man 2649, gebot vnd bat 3036. Vgl. auch den Anruf: bilff, beyliger beylant 1552. — Formelhaft ist auch mort raup vnd brant 630 (im ndl. Volksbuch [V.] an entsprechender Stelle 6 ra , Z. 5 nur roof ende brandt wie im Gedicht v. 2336); wallen vnd barfuß 1162 (vgl. Berger, Orendel 3103). — Zu 1199!*. Zu der porten uß was ym gach \ Manig getruwer segen wart yme nach, vgl. Bae- * W. Lehnert, Die Anwendung der Beiwörter in den mhd. Epen von Ortnit und Wolfdietrich, 1910, S. 29. 53 secke, Münch. Oswald zu v. 1617; nahe steht besonders Wolfd. A. 554. 3 ; vgl. auch Ehrismann, AfdA. 32, 185; — zu 2671". ... %u den stunden ihunden, Münch. Oswald v. 1853. 2424 f.; — zu 1863 f. ... velt: gefeit, Münch. Oswald v. 1686 und Anm. hierzu; — zu 1336 der Streit währte Von des morgens an bit vesper^ijt vgl. Vogt, Salm, und Mor., S. CXLVIII; — zu 2573 f. vor den herren allesant (:hant) vgl. Ehrismann aaO. 193. Nicht weniger nahe stehen den Spielmannsformeln jene Reimpaare, in denen sich der Dichter den Übergang schafft von einem Motiv zu einem andern, besonders von einer Person, von der eben die Rede war, zu einer andern: so 187 f. und 2961 f. schon oben unter gedagen berührt; 10S3 f. 1313 f. 1693 f. 2445 f. An gepaarten mit und resp. oder verbundenen Ausdrücken mit oder ohne Beschwerung beider oder des einen Gliedes, fehlt es nicht. Ich notiere, abgesehen von den bereits angeführten alliterierenden Formeln und ohne auf Vollständigkeit Anspruch zu machen: 169—170 (die zweiten Glieder im Reim!). 218. 248. 256. 336. 385. 389.392.431.462. 514. 552. 562. 600. 603. 616. 631. 642. 643. 644. 649 (dreigliedrig!). 665 f. 683. 695. 888. 910. 931. 988. 1060. 1068. 1088. 1103. 1107. 1154. 1160. 1208. 1212. 1308. 1310. 1311. 1317. 1355. 1368. 1386. 1402. 1425. 14.31. 1444. 1450. 1514. 1519. 1672. 1690. 1790. 1914. 2406 (dreigliedrig). 2417. 2611. 2675. 2793. 2796 (dreigliedrig). 2953. 3037. 3072. Aber weder diese Erscheinung noch die sich öfter zeigende Neigung zum Satzparallelismus (vgl. z. B. 155 —160; 642—650 [zugleich ana- phorisch!] 651 — 654. 669—674. 685—688. 691—694 [wieder ana- phorisch!]) sind derart beschaffen, daß man etwa an einen direkten Einfluß Konrads v. Würzburg denken könnte. Einfachheit ist das Prädikat des Satzbaus der Dichtung. Parataxe tritt stark hervor. Umfangreichere, langatmige Perioden finden sich nicht. Beliebt ist die Voranstellung des Nebensatzes mit einleitendem do (vgl. 553 — 555 und gleich darauf 557 f. 1767—1770) oder eines Konditionalsatzes ohne Konjunktion (621 — 626). Man kann sagen: die Zeile oder das Reimpaar (höchstens deren zwei) bilden die syntaktisch-metrische Einheit. Diese Satzstruktur paßt gut zu dem anspruchlosen, formelhaft gebundenen Erzählungston, den die Dichtung atmet. Ausführliche Beschreibungen (relativ am längsten sind die von der enfance des Helden v. 189—206 und von der äußeren Gestalt des Riesen 567—483) oder gar ausgesponnene Reflexionen nach der Art des höfischen Epos und einzelner seiner Nachzügler (Joh. v. Würzburg) sind dieses Dichters Sache nicht, so wenig, werden wir sagen dürfen, wie die seiner Quelle. Auch die Herstellung von Übergängen bekümmert ihn nicht viel. Typische Formeln (s. oben) müssen da aushelfen, gelegentlich (s. besonders 2781—2782) erfolgt der Übergang ganz unvermittelt. Redeschmuck tritt bei dieser Art der Diktion wenig hervor. Ein paar Vergleiche mögen angemerkt werden, die, da keiner im Volksbuch 54 sich wiederfindet, wohl unserem Bearbeiter angehören werden: 752. (Konrad v. Würzburg?) 774. 1156. 1219 f. 1329 f. 1447 f. 1665 f. 1830. Vergleichungsträger ist meist eine Naturerscheinung: als der wynt, .. . regen, . .. sne, ... donreslag; sonst: als der walt (1560), als ein sag (Leichnam) ; als der hamcr vff den amboß düi; als ein wunschelgerte. Der Personifikation nähert sich 1449 Gluck also mit yne was, vgl. dazu auch v. 2186; das Bild 206 Er hette eynes lewen bettle eynes lames do mit steht ausgeführter schon im Annolied v. 601 f.; dagegen 1698 Sy machten eynen berg von doten lüten findet sich auch in V. io va ' b , gehört also der mnl. Dichtung an. — Der Umgangssprache, dem volkstümlichen Niveau wird man zuweisen Phrasen wie 1439 Dem ersten er eynen vettich abe %pch, d. h. wohl einen Arm oder ein Bein abhauen, da an der entsprechenden Stelle in V. 9 rb , Z. 22 steht: daer beghonst hy af de slaen banden ende voeten; ferner 1518 er bruwet lesterliche ding, besonders aber 2096 Es engheet vns nüschnit an. Auch ein sprichwörtlicher Ausdruck 660 Es ist besser kamp dann hals abe mag hierhergestellt werden; freilich könnte er schon dem Original angehören, denn er findet sich sowohl in Carel ende Elegast v. 1234 wie in Valentin und Namelos v. 1656 (vgl. Seelmanns Anmerkung; dazu noch Berthold v. Regensburg, Strobl 2, S. 2, 32). Zum gelegentlichen Redeschmuck zählt auch die mehrmalige Wiederholung eines Wortes oder Wortstammes in verschiedenen Ableitungen, um einen Begriff nachdrücklicher hervorzuheben. Vgl. v. 6—8 (Prolog) wunder — wunder er e viermal, 946— 952 weinen dreimal, 2494 f. über wynden — über want; 70 und 439 fynden eynen herlichen funt; 319 slug . . . manigen slag. Häufung von Epitheta hinter dem Substantiv oder als Prädikate mag hier angeschlossen werden; vgl. 111 f. 192 f. 529 f. 1789 f. 1426 f. Hyperbeln sind seltener, als man bei einem fahrenden Berufsdichter erwarten möchte. Etwa: 939 Wer er (der Riese) so groß als der berg müngawen (Mons gaudii) vgl. Orendel v. 1934 f. und Anmerkung, Rein- frid v. Braunschweig 7734f. Oder 1219 f.: Der Atem des Riesen tönt wie ein wilder Donnerschlag; auch die Gestalt und Stärke des Riesen 569—582, aber das gehört in den Hauptzügen schon dem mnl. Original, vgl. V. 5 vb , Z. 4—11. V. 2791: Die Riesen bücken sich über die Zinnen von Paris, vgl. Orendel 1546 f. 1840 f. Auch 1329 f. Durch yr ringe sach man rynnen blüt \ Als der regen vß den wolcken düt vgl. Kudrun 532, 2 f. und Martins Anmerkung. Ferner 1317 f. und wörtlich wiederum 1665 f.: Von den Hieben fliegen die Späne der Schilde auf wie der Schnee. Der Ausbruch des Jammers, wie ihn die Verse 679—690 und 946—952 malen, wäre allenfalls hierher zu rechnen, anderseits der Freude 2591—2596. — Hyperbolische Zahlenangaben finden sich 1766 (doch V. 11", Z. 42 gegenüber reduziert), 1838 (vgl. den Widerspruch mit 1791), 1840. 55 Die stilistische Eigentümlichkeit, daß mitten in der Rede auf den Angeredeten in der 3. Person Bezug genommen wird (vgl. Kudrun 1340, 4) findet sich hier v. 163, wo es natürlich leicht, aber m. E. falsch wäre, zu schreiben: So ir Keyser, vgl. auch den Wechsel der 3. und 2. Person v. 2345—2348. Hingewiesen sei auf den Gebrauch des mhd. Präs. bist. v. 187 f. 6o7f. 707. 1364. 1367. 2898; vgl. Herchenbach, Das Präsens histori- cum (Palaestra 25) bes. S. 62. Ein Wort verdient die Art der Einführung der direkten Rede, die in der Dichtung einen ziemlich breiten Raum einnimmt; a) Das inquit steht voran: 161. 225. 235 und häufig; mehrmals außerhalb des Verses z. B. 663. 1656. Die Redeankündigung kann i'/s —2 Zeilen umfassen, ja in der Periode 585—588 ist ihre zweite Zeile von der ersten sogar durch die erste Zeile der Rede getrennt (umgangssprachliche Konstruktion), b) Die Redeankündigung folgt auf den ersten Satz der direkten Rede, so daß diese dadurch zerrissen erscheint: 75. 396. 1964. c) Das inquit steht hinter dem ersten oder zweiten Wort der Rede: 231. 419. 447. 449. 472. 7S7. 829. 1089. 1403 usw. d) Redeeinführung sowohl vor als am Schluß der Rede: 1031 — 1033, worauf ohne Redeankündigung die zweite Person (also Duett) einfällt, e) Inquit mit und ohne Also hinter der Rede: 1094. 1943. 2129. f) Freie Redeankündigung (W. Schwartzkopff, Rede und Redeszene, Pal. 74, S. 109fr.): 397 f. i07if. 1398. 1404^ 1705. 1712. 2150—2152; wohl auch 2414. 2715, wo das inquit dem Schreiber zufallen wird, g) Redeeinführung fehlt, besonders in Gliedern eines Dialogs. Vgl. v. 421 u. 425 im Dialog, der sich von 415 bis 436 erstreckt nach dem Schema AB ABAB A.; hierin illustriert das dritte und fünfte Glied (eben die angezogenen Verse) unseren Fall, während das letzte nach d), das erste, vierte und sechste nach a), das zweite nach c) gebildet sind. S. ferner 1095 ; 1643 :1646 als B-Glieder im Dialogschema ABAB. 1754; 2160; 2581 = 2582 wieder die inneren Glieder eines Dialogs (2567-2388) ABAB. " ' Die Persönlichkeit des Dichters tritt, wennschon nicht so grell als in manchen andern Spielmannsgedichten, doch genügend hervor a) in Anreden an das Publikum: 1 (rhetor. Frage). 82. 481. 487. 1483 (rhetor. Frage). i52if. 1922. 1923.1929. 2032 (rhetor.Frage). 2357 (rhetor. Frage). 2358. 2728. b) In Quellenberufungen, Beteuerungs- und Verwünschungsformeln: 25—28 (konkrete Quellenangabe). 1014. 1217. 1598. 1697. 1742. 1882. 2007. 2430. 2604. 2887. c) In kurzer Reflexion und Belehrung: 297 f. 317 f. 361 f. 411— 414. 484—486. 1491 f- 1765. d) In Verweisung auf die Zukunft: 165 f. Was die Metrik anbetrifft, so wird dem Leser des Johan alsbald klar werden, daß der Verfasser (resp. Bearbeiter) der Dichtung nicht ein Nachtreter der strengen Richtung Konrads von Würzburg ist, sondern 56 in der lockeren Art seines Versbaues sich vielmehr zu Epigonen wie Seifrid Helbling und Ulrich von Eschenbach stellt, mit dem er, wie wir sahen, ja auch mancherlei sprachliche Berührungen aufweist. Aus späterer Zeit (1460) ließe sich aus der geistlich dramatischen Literatur das rheinische Osterspiel zum Vergleich heranziehen, s. H. Rueff, aaO , S. 60f. Den Vers Ulrichs im Wilhelm v. Wenden hat Haks Paul, ZfdA. 55, 349 in Kürze charakterisiert. Wir finden in unserer Dichtung im Prinzip die gleichen Füllungsfreiheiten der Takte und der Kadenz, stehen aber auch hier wie dort vor derselben Schwierigkeit, nämlich überall «zum authentischen Wortlaut durchzudringen»; ja die Einschichtigkeit der Überlieferung, die Unmöglichkeit einer Vergleichung mit einem zweiten Werk desselben Verfassers, schließlich die Unsicherheit einer Datierung innerhalb engerer Grenzen verstärken dieses Moment noch bedeutend in unserem Falle. So haftet denn auch den folgenden gedrängten Zusammenstellungen ein subjektives Element an. Wir wissen, daß die Einleitung v. 1—40 und das Schlußstück der Dichtung etwa von v. 2929 ab bis 3078 u. 3126—3129 dem deutschen Bearbeiter zugehören. Es empfiehlt sich, diese beiden Abschnitte zunächst ins Auge zu fassen. A. Die Einleitung v. 1—40. Als vierhebig klingende (Heusler: iuv) gelten uns die Reimpaare: 1 f. 7 f. 11 f. 23 f. 31 f. 35f., also 30°/o; als dreihebig klingende (Heusler: k) : 17 f. 29 f. 33 f. 37 f., also 2o°/o. Das Verhältnis der beiden klingenden Typen zu den (20) vierhebig stumpfen (Heusler: mv) Versen ist demnach gerade 1 : 1, eine überraschende Feststellung. Auftakt: auftaktlos 10 v., einsilbigersteht 25 mal, zweisilbiger fünfmal (v. 11. 24. 35. 36. 38). •Auftaktbildung überwiegt 3 : 1. Schwere Taktfüllung zeigen: v. 6. 16. (fründin ein), 17. und 36. (ander ge), 22. (herreu über), 25. (blieb werde; oder werde? s. v. 2833 heiß [vb.] im Reim) 1 , 31. (gnade mit), 35. (sinne von sünilichen; oder sinne von sunil'ichen?). Leichter 1 (der Dichter wird wolnt gesprochen haben). 14 selbe %u, 30 slnde %u. 27 fllmsclsen in. Einsilbiger Takt (beschwerte Hebung) nur v. 40, 3. Takt ein Kompositum: khlgheit und vielleicht 35 süntlichen (2. Takt). B. Die Schlußpartie v. 2929 —3078 und 3126—3129 = 154 v. Ich notiere mir 10 vierhebig klingende (wv) Reimpaare 2 = 20 v., also ca. i3°/o; dreihebig klingende (k) nur 3 (2967 f. 2975 f. 3001 f.) = 6 v., also ca. 4°/o. Die Zahl der vierhebig stumpfen (mv) Verse (128) 1 Möglich wäre auch die Rhythmisierung xS^C x'^< x|y< X|-^-, also einer jener zahlreichen Fälle, wo man zweifelhaft sein kann. 2 Ein unzweifelhaftes 3057^ 57 ist daher der Einleitung gegenüber sehr erheblich gestiegen im Verhältnis von ca. 5:1 statt 1 : 1. Schwere Taktfüllung bleibt charakteristisch (vgl. z. B. 2938. 2954/ 2955. 2993. 3025. 3046 [! oder ist oder uiver folck zu streichen?]. 3050. 3057. 3077) und ebenso zweisilbiger, öfters ziemlich schwerer Auftakt (zwanzig Fälle). Auftaktbildung überwiegt auch in dieser Partie stark. Einsilbigen Takt fand ich achtmal, darunter zweimal gebildet durch ein selbständiges Wort im 3. Takt: helt 2952, stat 3032. Diesen beiden Teilen eigener Mache tritt C gegenüber, das umfangreichere Stück der Dichtung, hinter dem, abgesehen von einzelnen früher besprochenen Motivumbiegungen, kleineren Einschaltungen usw., das mnl. Quellengedicht steht. Es sind die Verse 41—2928 und etwa von 3079 ab bis 3125, also 2935 v. Ich zähle 318 vierhebig klingende (wv) Reimpaare + 2 Einzelverse (1251 und 3in) — 638 v. = ca. 2i,8°/o; 102 dreihebig klingende (k) Reimpaare 1 = 204 v. == 6,9°/o. Dazu treten, wenigstens in unserer Überlieferung, noch ein paar Verse unebener Paarung. 4 ki. (wv) : 3 kl. (Je) v. 49 f. (es wäre leicht in 49 bäum- zu streichen, [aber es handelt sich um die erstmalige Übertragung des nl. virgicre vgl. V. 2 rb , Z. 6 ecn schoon viergiere ofte pricel]); 3 kl. (k) : 4 kl. (wv), 7 Reimpaare 2 ; nämlich v. 133 f. 1297 f. 1545 f. 1581 f. (oder: Sin aven- ttire?) 1635 f. 2163 f. 2331 f. (oder str. junge}), zusammen o,5°/o. Es bleiben 2077 vierhebige stumpfe (inv) Verse, ca. jo 0 /o; das Verhältnis dieser zur Summe der klingenden ist also ca. 7:3, d. h. die Zahl der klingenden Verse ist B gegenüber gestiegen. Das numerische Verhältnis der vierhebig klingenden zu den dreihebig klingenden in den drei Teilen unterliegt natürlich subjektivem Empfinden; gewiß ließen sich durch Annahme schweren Auftakts, der der Dichtung nicht fehlt, Streichung usw. manche als vierhebig angesetzte Verse auf dreihebige bringen, aber der Typus vierhebig klingend (wv) ist bei unserem Dichter nun einmal nicht aus der Welt zu schaffen und wiederholtes lautes Lesen ergab mir wenigstens sein starkes Vorherrschen. Beispiele stehen öfters gleichsam in Nestern zusammen: 673 — 678. 681 —692.945—954. 1889—1896. 2389—2398. 2695—2704. Anregung,zum mindesten für den lebendigen Gebrauch dieses Typus einschließlich der Bindung ungleicher Kadenzen, kann sehr wohl das mnl. Quellengedicht gegeben haben (vgl. Heusler, aaO., S. 593). Dann hätte der Bearbeiter den ihm nun geläufigen Typus in den Stücken eigener Mache weitergepflegt, besonders in der wohl nachträglich gedichteten, mehr rhetorischen Einleitung (A), während das knapp und flüchtig erzählende Schlußstück » Eingerechnet sind 1257 f. 2675 f., wo Dehnung des Stammvokals anzunehmen sein wird; jedenfalls kommt der Typus dreiheb. stumpf (s) sonst in der Dichtung nicht vor. ■ Sie finden sich auch in Ulrichs v. E. Alexander, Heusler, DV. II, § 59, Anm. 1. S. auch Pfannmüller, Die vier Red. der Heidin, S. 48. 58 (B) ihn gegenüber den vierhebigen st. (mv) Versen mäßiger verwendet, gleichwohl noch dreimal häufiger als den dreihebig klingenden (h) Typus. Auch die wohl von Haus aus vorhandene Neigung zu schwerer Taktfüllung — vgl. Ulrich v. Eschenbach —, die in C besonders kräftig hervortritt 1 , wird durch das nl. Vorbild verstärkt worden sein. Dagegen hat er ein anderes daselbst sehr beliebtes Moment absichtlich, wie er uns v. 28 zu verstehen gibt, möglichst gemieden, das ist die Reimbrechung (Reimpaarsprung). In der Tat spielt sie in seinen Versen keine namhafte Rolle: am Schluß eines inhaltlichen Abschnittes ist sie seltene Ausnahme, s. v. 563 f. (564 wäre eine Initiale zu erwarten). 2727 f. 2781 f. (wo 2782 statt 2781 durch eine Initiale hätte ausgezeichnet werden sollen). Etwas häufiger zeigt sie sich innerhalb der Abschnitte, aber doch nur in mäßigem Umfang. Man halte dagegen den mnl. Esmoreit (hsgb. von C. G. Kaake- been und Jan Ligthart, Groningen 1926), den ich deswegen anziehe, weil unser (verlorenes) mnl. Quellengedicht auch seine hauptsächlichste Vorlage bildete. Ebensowenig macht er von dem Enjambement (Kurzzeilensprung) bedeutsamen Gebrauch: 889 f. r 157 f. 1605—1607. 2171 f. 2211 f. mögen als Beispiele gelten. Hiatus wird prinzipiell nicht vermieden. Fälle erstrecken sich über die ganze Partie, z. B. 827. 837. 1057. 1469. 2262. 2848. Der häufigen schweren Füllung der Takte steht auch in dieser Partie deren Einsilbigkeit (beschwerte Hebung) gegenüber. Als Träger des einsilbigen Taktes finden sich: Komposita (Beispiele 212. 438), mehrsilbige Wörter mit rückgeneigtem ü ü (1169 Römeren, 2122 diin&re, 2199 verredere), Formeln mit unde, oder (169. 214. 642. 643. 1444), Wort in der Pausa (423. 746. 1626. 1756. 1780), einsilbige, starktonige Wörter, gefolgt von rückgeneigter Starktonsilbe. Für diesen letzten Fall (s. auch oben zu B) zeigt der dritte Takt der mv- und «w-Verse besondere Empfindlichkeit: 141. 278. 398. 431. 455. 539. 602. 606. 644. 660. 1230. 1680. 1687 u. a. Charakteristisch ist der Aufzählvers 2001 Noch körn, mil äder brät. Wie in A und B überwiegen auch in diesem Mittelstück die Auftaktverse, wobei in Aufzählversen ein von Haus aus starktoniges Wort im Auftakt stehen kann, vgl. 443—444. 838. 1411. 2910. 298 fällt got in den Auftakt. Zweisilbiger Auftakt z. T. schwerer Art (vgl. 290. 342. 505. 544. 550. 602. 606. 615. 783. 810 u. a.); ja selbst an dreisilbigem Auftakt scheint es nicht zu fehlen, z. B. 65. 206. 448. 593. 790. 860. 1038. 1310. 1338. 2407. 1 Als Belege mögen dienen: 51 (oder ist lustlicb zu streichen im Hinblick auf v. 53?). 68. 77. 89. 92. 298. 448. 574. 576. 627. 692. 712. 754. 838. 1047. Io8 3- 1285. 1626. 1943. 1990. 2070 f. 2199. 2416. 2560. 2788 f.(!). 2920. 59 Dreisilbiger Auftakt und schwere Taktfüllung verbinden sich in v. 485 und 2407, während die Verse 105. 627 und 2788 überhaupt schwer unter das Maß vierhebig stumpf zu bringen sind. Ich glaube hiermit den Hauptzügen nach die rhythmischen Prinzipien bezeichnet zu haben, die den Vers unseres Fahrenden beherrschen. Der Auffassung vieler Einzelverse gegenüber bleibt freilich ein Moment der Unsicherheit bestehen. Die Gründe dafür sind schon erwähnt worden. Inwieweit nach meinem Empfinden dem Schreiber des 15. Jahrhunderts Zusätze, anderseits Auslassungen kleiner Wörter, Setzung voller Wortformen an Stelle von apokopierten, synkopierten oder inklinierten, Änderungen in der Wortfolge u. a. zur Last fallen, zeigen die Lesarten (gelegentlich in Fragestellung) am Fuß des Textes. Bei der gegebenen Sachlage scheint Vorsicht gegenüber Änderungen des hsl. Befundes geraten; ich hoffe, ich bin hierin nicht zu weit gegangen. Manche werden vielleicht gerade das Gegenteil finden. Ist lose (aber nicht roh!) das Beiwort für den rhythmischen Bau der Verse, so muß man der Reimtechnik die Prädikate schlicht, hausbacken, ja ärmlich zulegen: sie ist, Hand in Hand mit der Einfachheit der Syntax und des Stils, die zu erwartende Ausdrucksform eines Fahrenden des 14. Jahrhunderts, dem viel mehr am Erzählungsinhalt als an der Form gelegen ist, und der von der «geblümten Rede» nichts weiß oder nichts wissen will. Seine Reimarmut zeigen oft wiederkehrende Reimbindungen wie man : an : dan : kan : hau oder frauwen : schauwen, schone : kröne, stunden: fanden, stunde(n): hunde(n), sacken : machen, tag : lag, vehten: be- rehten, besonders auch die Bindungen auf den so leicht reimbaren Infinitiv sin. Für die Wiederkehr desselben Reimes nach ein paar Verszeilen ist 405 f. sprechen: rechen — 413 t". ein gutes Beispiel, oder 469 f. klar : jar = 475 f.; s. auch 2899^:2905. An bloßen Flickreimen fehlt es nicht, vgl. 637. 835. 1469. 1474. 1534. 1916. 1934. 206s. 2543. 2900. 2906, wennschon die ganz schlimmen 2525 und 2635 (s. Fußnoten dazu) dem — oder einem — Abschreiber zuzuweisen sind. Mehrmals treten «Vierreime» auf, jedoch nur innerhalb von Sinnesabschnitten, nie als Ausklang solcher. Sie mögen nicht unabsichtlich sein, also eine Art Reimspielerei, viel Kunst steckt aber nicht dahinter. 1 Sie finden sich: 1. 201—204 (zweites und drittes Reimwort identisch, doch s. Fußnote zur Stelle). 2. 443—446. 3. 1061—1064 (erstes und viertes Reimwort identisch). 4. IUI— II 14. S- X S3S—i53 s > falls da wirklich ein Vers (keine Textlücke!) ausgefallen ist, doch kommt sonst ein Dreireim nicht vor. 6. 1779—1782 (erstes und drittes Reimwort identisch). 7. 2167—2170 (erstes und drittes Reimwort identisch, außerdem Innenreim der vierten Zeile). 8. 2197—2202 mit der Reimstellung a : a, b : b, a: a. 9. 3061—3064 ä : ä : ä : ä. l Mit besserem Können verwendet sie der 4. Redaktor der Heidin. Pfannmüller aaO. S. 195 ff. 60 Gelegentlich beherrscht derselbe Vokal bei folgender ungleicher Konsonanz auch mehr als vier Verse, vgl. 1045—1052 (ä, a), 2551—2556 (ei). 2231—2238 (a). 1461 —1466 (u). Ekthlipsis-Reime sind: 238 Sarrazin (Dat. Plur.): swin, 2237 an: van(en), 2317 verdien: gedien. Häufig reimt haupttonige zu nebentoniger Silbe: 1. 7. 39. 10t. 105. 133 usw. Kap. III. Überlieferung und Sprache des nl.Volksbuches (V.) von Jancker Jan wt den vergiere. Nur ein einziges Exemplar scheint sich erhalten zu haben auf der Göttinger Universitätsbibliothek unter der Signatur: Fab. Rom. X. 132, und selbst dieses ist nicht ganz vollständig. Es ist ein dünnes Heft in Kleinquart (18,40 x13,75 cm), gebunden in gelbe Pappdeckel mit goldgepreßtem Lederrücken, worauf in z. T. verblaßten Goldbuchstaben zu lesen ist: Jonjcher j [IJAN und auf aufgeklebtem Papierstreifen die obige Signatur. Das Heft besteht aus 28 ursprünglich unnumerierten Blättern mit Seitenkustoden — abgesehen von i6 r —und den Signaturen: Aij Aiij, B—Biij, C—Ciij, D—Diij, E—Eiij, F—Fiij, G— Gij. Die Lagen A —F enthalten je vier Bll., so jetzt auch G, jedoch klafft hinter dem zweiten Blatt (Gij) eine Textlücke, die einen Teil des 26., das ganze 27. und 28. und den Anfang des 29. Kapitels umfaßt: es fehlt höchstwahrscheinlich ein Doppelblatt (Giij Giiij), das innerste der Lage, die also ursprünglich sechs Blätter enthielt. Jede Seite zeigt zweispaltigen Satz mit 48 Zeilen — nur 13™ mit 49 — auf voller Spalte. Die Höhe des Satzes beträgt 16,5 cm. Für den Text ist eine kleine gotische Type verwendet; in derselben, nur noch kleineren Type ist die jeweilige Überschrift Dal cerste Capittel — Dal XXX. Capillel so wie deren summarische, dem Text vorausgeschickte Inhaltsangabe gedruckt. In größerer, fetter Type erscheint nur das Titelblatt und die erste Zeile der Überschrift auf Bl. 2 r . Zu Anfang jedes Kapitels steht eine zwei bis vier Zeilen hohe, einfache Kapitale, nur in drei Fällen etwas verziert. Als Interpunktionszeichen erscheint der Punkt (am Satzende, doch fehlt hier öfters jedes Zeichen), der Doppelpunkt vor direkter Rede (doch daneben auch einfacher Punkt an dieser Stelle), ein schräger Strich meist für unser Komma, aber auch für unseren Punkt und vor Satzgliedern; einmal ein senkrechter (n va , Z. 20 hinter vliet vliet /, wohl unserem Rufzeichen entsprechend, endlich (selten) das Fragezeichen. Der Text ist mit sechs Holzschnitten nebst Zierleisten rechts und links ausgestattet, deren einer — der dritte, Bl. 8 r — sich auf dem Titelblatt wiederholt. Abgesehen von dem fünften nehmen sie etwa */4 der Textseite ein, der fünfte (Kampf zwischen Vater und 61 Sohn), Bl. 23 r , hat die Höhe von 27 Zeilen, also etwas über die obere Seitenhälfte. Die Stiche waren übrigens ursprünglich sicher nicht zur Illustration des Jan geschnitten. Am Schluß hinter dem Text (28") findet sich ein Holzschnitt-Ornament. Gedruckt wurde das Volksbuch nach Ausweis des Titelblattes: t'Amstelredam. By my Harman Janfooon Muller jFyguerfny der woonende inde Warmoejtraet inden vergulden Paffer. S. über ihn Molhuyzen, Blök en Kossmann, Nietiw Nederl. Biografisch Woordenboek, Bd. 7 (1927), c. 894 fr. A. W. Sijhoff, Leiden, und ferner E. W. Moes, De Amsterdamscbe Boek- drnhkers I (1900), S. 285—341, der in der Liste der Veröffentlichungen H. J. Mullers den Jan wt den virgiere als Nr. 246 aufführt; auch er kennt nur das Göttinger Exemplar unter Berufung auf K. Meyers Aufsatz 1 Niederländische Volksbücher in Heft 8 (1895) von Dziatkos Sammlung bibliothekswissenschaftlicher Arbeiten. H. J. Muller druckte, nachdem ihm seine Mutter das Geschäft ihres verstorbenen Gatten Jan Ewoutsz Muller im Jahre 1570 abgetreten hatte, bis zu seinem Tode 1617. Innerhalb dieser Grenze — doch vielleicht erst um 1590 — ist also das Erscheinen des «Jan» anzusetzen. Erwähnenswert ist, daß M., in seinen jüngeren Jahren wenigstens, als Kupferstecher mit Antwerpener Druckern in Verbindung stand. Dadurch könnte er auf das flämische Volksbuch, von dem wir freilich keinen Antwerpener Druck kennen, aufmerksam geworden sein. Die Sprache des Volksbuches — ich darf mich dabei auf das Urteil meines holländischen* Kollegen Dr. J. Hanntjes stützen — ist im Grunde süd-niederländisch, doch weist sie daneben auch brabantische und nord-nl. Elemente auf, welch letztere auf den Druckort Amsterdam zurückgehen werden. Es ist also möglich, daß ein süd-nl. Original durch die Hand eines brabantischen Schreibers oder Setzers gegangen ist, ehe es zu dem allein erhaltenen holländischen Niederschlag kam. Der Druck ist nicht fehlerfrei. Hie und da sind Wörter verschrieben (z. B. i4 ,b , Schlußzeile ghetoeft statt gbeloeft, 9™, Z. 18 bestonste statt begonste, i4 vb , Z. 5 von unten min statt min) oder ausgefallen (z. B. 24 va , Z. 8 ergänze noemt) oder ein Satz in Unordnung geraten (9 rb , Z. 5 von unten: /. weyden / dat hadde ooek meenigbc wonde ontfanghen), ferner Buchstabenversetzung (z. B. nam st. man 2 5 vb , Z. 2 von unten), häufiger verwischte und ausgefallene Buchstaben, jedoch handelt es sich nur um leicht zu verbessernde Kleinigkeiten, so auch wenn 9 vb Dat XI für Dat IX, 13" Dat XXIII J für Dat XIII J und 2i rb Dat XIX für Dat XXI Ca- pittel steht. 1 Ihm verdanke ich auch den Hinweis auf das Göttinger (ebenfalls einzige) Exemplar der Historie van broeder Ruyssche; s. meine Ausgabe, Bruder Reusch, Zwickauer Faksimiledrucke Nr. 28 (1919), S. 63. TEXTE. Der Text des 'Johan üz dem virgiere.' [i r J TTrollent ir hören abenture, Wie got dirre werlt zu sture Hat geben manigen fromen helt, Der ein von mir hie wirt gezelt, 5 An den der werlte fromekeit Wunder über wunder was geleit? Daz gunde im der wunderere Dem alle wunder sint unswere, Dem da dienet luft und wint, 10 Der megede vader, sins kindes kint, Die da ist sin suster und sin amie. Und wer do minnet die selbe frie, Des hat er zware keinen zorn: Er hat in selbe zu frunde erkorn. 15 Deist nit dirre werlte ding: Hat eine frundin ein jungeling, Ist der ein ander gevere, Er zürnet sich vil sere. Daz dut dirre herre niht: 20 Wer siner frundin fruntschaft giht, t..Des frunt wil ewekliche er sin. Bit wir den herren über cherubin, Daz er die Vernunft uns sende, Daz al unser sache sich wol ende 25 Und diz buch werde vollenbraht, Daz ich zu schriben habe gedaht [l v ] Uz flemschen in unser dutsche sieht, Schreiber-Überschrift: (rot unterstrichen) In dei nomine amen, (rot) Diß buch saget von dem starcken helte Johan | vßer dem friegere vnd dut vns groß mfiheit bekant. 2. werke. 4. eyner. 5. An dem. 7. Gott — der wunderere vgl. Tristan, iooij, Meier Helmb. 1639, Reinhot, Hl. Georg 2555, Heinzelin, Joh. str. 8, 4. 8. Deme. 9. luft, -/ auf Ras. übergeschr. ; Sperrdruck bezeichnet im folgenden durch Wurmfraß zerstörte Buchstaben. 10. Der] Die-vi eil eicht aus Die v. n antizipiert; megede] naturen; s. zu F. Pfeiffer, Barlaam 3, 7. 13. zwar. 14. selber. 15. Das ist. 16. ein] eyne. 17. eyner andern. 18. Er] Sie. 21. wil er ewekliche. 22. Bitten. 23. er vns. 24. Das sich alle. 25. Vnd das diß. Robert Priebscli, johan üz dem virgiere. 5 66 Zurbrochen rime machen reht. Helfent mir gode flehen, 30 Daz er mir sende zu lehen Sine gnade 'mit guden dingen, Daz ich daz möge vollenbringen, Wer sich da mide ergetze, Daz er die wile setze 35 Sine sinne von suntlichen Sachen, Die ime ander gedencke mohten maclien, Und ramen welle des besten Von dem ersten zu dem lesten, Wan die abenture schone seit 40 Von maniger hande klugheit. "C z geschach uff einen phingestdag, J - J Als got gebot und er gelag, Daz der keiser Sigemunt und sine man Sich heden herlich geleget an: 45 Da was vil ritter unde frauwen, Manig edel maget moht man schauwen. Der keiser wolte nach godes eren Zu messe zu dem hove keren. Nu hcde er ein schonen baumgarten 50 Dem man wol mohte zarten. Daz selbe lustlich virgicre Hede maniger bäume ziere, Daz under lustlich grunez gras, [2 r ] Dar mit manigen blumen gemenget was. 55 Er was auch edeler kruder vol: Wol drahten die rosen und die viol, Daz ez gap vil senften mut: Daz spazieren was da gut. Davon ez der keiser so ane ving, 60 Durch lost er in den garten ging. Da gingen herzogen, greven mide, Barone, ritter, als ez was side. Und do der keiser vort solt gan, Do sach er uff einen schonen plan, 65 Da ez aller schönste in sime garten was Ein peller gespreidet uff daz gras: Manig physant guldin dar uff lag. Der keiser vorbaz zu gende phlag. 33. vmb das wer. 35. sinnlicher. 3g. wäne 43. syne. 44. Heden sich geleyt. 46. mochte. 48. zu der kirchen. 49. eynen; oder str. schonen? 55. Er (sc. baumgarten V. 49). 56. vyel. /. drahten rosen und viol? 63. vort fehlt; vgl. V. 2 rb , Z. 11 zo is hy noch voort ghegaen. 65. schoneste. 67 Er gedahte: 'ich mag zu dirre stunt 70 Wol vinden einen herlichen fünf. Dlo ersach er daz schönste knebelin, Daz sider Adams ziden mohte sin Ie in dise werlt geborn. 'Got selber was an allen zorn', 75 Sprach der keiser wol bedaht, 'Do dich zu der werlte braht Din edele muter, dich schone fruht, Geeret si ir wiplich zuht! Wer sie ist, sie selig wip, 80 Got bewar ir werden lip !' [2 V ] A lso sprach der Romer keiser fri. Nu hörnt, waz vant er me da bi? Ritterliche kleit gemachet wal Von samit und von zindal 85 Und einen halspcrg wolgetan, Den besten, iemau mohte han, Von klarem, liehten golde vin, Er enkunde nit wol bezzer sin, Und einen Schaft mit einer banier, 90 Die was gewireket in richer zier. Offenbar lags uff dem grase da, Ir veldunge was lasurbla, Dar inne dri lilien von golde, Da bi man bekennen solde 95 Von waz gesiebte ez were, Daz im wurde erboden ere. Auch vant er da bi ime ein swert, — Ez was maniger mareke wert — Knop und heize beide 100 Waren guldin und die scheide, Die lamel was klar stehelin, Daz sie nit bezzer mohte sin, Und koller und ein wapenrog, Gemacht als die banier an drug 105 Von blawem samet, dri lilien guldin, Als der schilt auch muste sin, Der vil nahe da bi lag. Ein heim, der luhte also der dag, [8. r ] Den man auch bi ime vant, 110 Umb sin lumenler und nasebant 71. schoneste. 74. was fehlt. 80 ir iren 83. kleider gemacht wol: zyndol vgl. v. 1057 I. 84. sämet. 86 besten den. 88. gesyn. 91. lag sie. 92. von lasure- bla. 102. gesyn. 105. rock:anedruck 108. so. 109. do by. ime fehlt. 110. vndsine n. 5* 68 Lagen vil dure steine, Edel, gut, vin und reine: Karfunckel, Jaspis, adamas, Saphir, smaragt, robin da was, 115 Ir schin erluhte vil verre Als der man und der dagesterre. Daz nam der keiser alles gaum. Do sach er vurbaz under ein bäum, Da er vant ein ros gebunden stau, 120 Schone verdecket und wol gedan. Ez was ein sneller, junger vole, Daz behagete dem keiser wole. Do enwas kein langer beiden, Er det daz ros dannen leiden. 125 Er bekante daz ez balde lief. Umbes kindes hals fant er ein brief, Der kündet im die mere Daz ez noch nit kristen were. Auch vant 'er geschriben dar an 130 Waz namen daz kint solte han. Dar quamen ritter unde frauwen, Die ez daufen wolten schauwen. Man macht ez kristen schiere Und_nantz Johan uz dem virgiere. 135 T~\ er TceTser besante" al dar *—^ AI sine massenie gar [3 V ] Und seit in allen offenbere, Daz sin frauwe gelegen were An eime vil schonen knebelin. 140 Auch fugt ez sich, daz ez solte sin, Daz die rede schiere war wart: Des nahts gebar die frauwe zart Ein vil minneklichez dohterlin, Doch solte sie lenger gangen sin. 145 Des was der keiser inneklich fro Daz ez sich hede gefuget so. Er det daufen sine dohter frie Und nante sie Clarie. Do besante der keiser in daz rieh 150 Mage unde Iman, alle glich. 114. Saphyre smargdes. 116. Also. 118. eyng. 125. wol balde. 126. Vmb des. eyng. 128. Das das kynt. 131 —152. Zu den inhaltlichen Unstimmigkeiten dieses Passus vgl. oben S. 11, 132. Die das kynt. 134. nante ez. 136. Alle. 137. yndo. offenbare. 140. fugete es sich so. 142 nachtes. 144. gegangen. 145. ynnek- lichen. 146. also. 148. Ciarisse. 150. mane. 69 Den sagte er allen zu mere Daz sin frauwe zweier kinde genesen were. Herren, rittern, frauwen Liez man die kinder schauwen. 155 Die frauwen gaben dem dohterlin Kleinot von golde und gesteine vin, Die herren dem knaben wol gemut Manig edele stat und vesten gut. Die hohsten gaben in sine hant 160 Hohe bürge und wide lant. Sie sprachen: 'her, diz knebelin Sal nach uch unser herre sin, So der keiser komet zu alten dagen, So sal daz kint die kröne dragen'. 165 Deme unbekanten knehte [4 r ] Prophecziten sie gar rehte. Dar quamen ritter manig schar, Sie brahten auch ir gäbe dar. Heden sie nit bürge ader lant, 170 So gaben sie ros und siden gewant. Der keiser hiez imz behalten gar, Und waz uz dem garten quam al dar. Der keiser bevalch daz knebelin Den aller hohsten fursten sin, 175 Daz sie ez deden ziehen schone Zeren romischer kröne. Ez was schone und wol gemäht, Menlich must sin nemen aht, Wan ez sich so gelieben künde, 180 Daz im menlich gudes gunde. Also hielt manz wirdekliche, Wan die besten von dem riche Wanden alle der mere Daz der keiser sin vader were. 185 Auch wart die dohter wol bestalt, Man bevalch sie in der frauwen gewalt. Der dohter wollen wir gedagen Und wollen von dem knaben sagen. Den knaben det man zu schule gen, 190 Daz er vil sprachen mohte versten. 153. Rittern vnd. 156. vnd von. 157. herren gaben. 159. hohesten. 161. here. 166. Propheczigiten. 170. rosse. 171. hieß es ym. 176. Zu eren der romischen. 180. künde. 181. hüte. 189. schulen geen (: -s(een). F 70 ranzois, welsch und latin Lernte wol der knabe vin, Lutselig, schone von hut und har: Diz dreip er in daz sibende jar. f4 v J 1Q5 Do was er also wol gezogen, An libe, an wandel unbedrogen, Gar edelich und schone, Daz under des himels trone Lebte sines glichen nit 200 D' Er hade die stercke wol mit gewalt Als ein ander der zehen jar was alt. ,0 er zwölf jar was alt, Er was ein stolzer degen balt. 205 In der werlt vant man so keinen nit, Er hade eins lewen herze, eins lammes da mit Nach dan wände menlich der mere, Daz der keiser sin vader were. Der jungeling sprach den keiser an: 210 'Her keiser sagent mir, edel man, Wie lange knabe sal ich sin? Bi minem himelschen drehtin', Sprach der jungherre gut, 'Mir wehset herze unde mut, 215 Moht ich ein guder ritter sin, Daz zeme uwern eren, herre min. Bringen dunt mir einen man, Der schirmen und wol hauwen kan, Der mich zu rosse lere striden, 220 Mit dem spere roschlich riden. Mich dunket, solt ich ritter wesen, Unse viende mohten nummer genesen. Mich dunket, ich wolte mit vehtens kraft Betwingen al der werlte ritterschaft. [5 r ] 225 rr sprach: 'solt ich dich ritter machen, So bin ich bekümmert mit solchen Sachen. Son, nu beide noch ein jar, So mach ich ritter dich vor war 191. Franczose • welsch hier also italienisch. 193. vnd von hare (: Jare). 197. Gar Richtig edelich. 198. hümels. 199. Lebete syne glichen. 199—202. Anstatt einen ausgefallenen Vers anzunehmen, könnte man 201 lesen: Er hade stercke wol damit und 202 streichen; vgl. 2051". 204. Do was er. 215. gut Ritter gesyn. 222. Vnser. 224. alle der. 225. ich solte. 228. machte ich dich Ritter. 71 Und dun dir so vil gudes geben, 230 Daz du mäht mit eren leben.' 'Herre' seiter 'uwer gebot Daz wil ich leisten, so mir got! Doch wolt ich unse viande Gerne jagen uz dem lande.' 235 Der keiser sprach 'eist zit genug. Zu jagen wer iezunt min fug Nach eime wilden eber swin, Qedurst wir vor den sarracin. Ez jaget so manig heidensch man 240 Zu Ludewerde vor dem dan. Ich enweiz, ab wir dar dürren varn.' Der jungher sprach: Vaz sol wir sparn? Sol wir vorhten die ungedauften man, Sie muzen auch unser sorge han.' 245 T^er keiser besante sin massenie, *~* Von den besten fünfzig ritter frie, Und für jagen zu den stunden. Mit hörnen und mit edeln hunden Vor Ludewerde in den dan. 250 Der keiser und der junge man Die waren aller beste geriden. Ir ros die warn von starcken liden, Dar umbe warens schiere gevam Einen verren weg von ir scharn. 255 Des quamen sie in groze pin. [5 V ] Sie volgten den hunden und dem swin In einen vorest wit und breit. Nu sahen sie, wa hinzu reit Ein ritter, hiez her Lamelot, 260 Und sin bruder Ferreon, die in not Warn helde zu stride uz erkorn, Sie warn von Ispanien geborn. Auch quamen do mit in aldar Nunzehen ritter in einer schar, 265 Die waren alle gewapent wol Als ein ritter zu stride sol. Sie solten zu den stunden Nach volgen iren hunden. 230. du mit eren ritterlich macht. 252. so helffe vgl. 302. 233. vnser. 235 ez ist. 236. were mir. 238. Gedursten, sarraccyn. 239. heydensche. 240. lüde werde. 241. dürren dar. 242. Jungherre. sollen. 245. von siner ni. 252. rosse, die fehlt, ge- liden. 253. waren sie. 257. vorrust. 260. in der. 263. kam mit. 268./. mit ir h.? 72 Nu hadens balde den keiser vernomen, 270 Daz er nit dan selbander dar was komen Und daz er zu der selben stunde Ermanete die snellen hunde Uff daz wilde, grimme eberswin. Jungher Johan det wol schin, 275 Daz er auch an der verte was, Sin selbes er da nit vergaz, Er begreif ein jagespiez, Mit nide er uff daz swin stiez. Daz swin daz det im lutzel wang, 280 Freislich ez gein dem spieze drang, Zaneklaffen lief ez uff den man Und wolt in gerne erslagen han. Den spiez er gein dem eber bot Und stach in ane were dot 285 Und valt in nider zu den stunden. Lamelot volgte sinen hunden. [6 r ] Mit sinen frunden unde magen Begunde er dem keiser sere lagen. Sie sahens ungewapent gar, 290 Bi der kröne namen sie sin war. Do sie nit medan zwene sahen, Sie begunden snelle zu in gaben. Die heidenschen recken wert Mit sporn slugen sie die phert 295 Und ilten gein dem keiser gut. Des was er nit zu wole gemut, Wan er den sinen verre was. Qot, der siner diener nie vergaz, Ich glaube der hedes selbe bedaht: 300 Jungher Johan het zwene schilte braht, Der er einen dem keiser gap. Er sprach: 'so mir daz heilig grap, Wir muzen uns weren oder sterben, Die Sarrazin wollen übel werben, 305 Sie koment her uff uns gerant.' Er warf sich gein in umb zu hant. Der jungherre hade menlichen sin, Er kerte gein den vienden hin, 269. hadden sie d. k. balde. 270. selbeander. 272. Vnd er manete. 274. Juncher. 276. selber. 277. eyn5. 279. swyn det. 280. Freischlich. 283. gein fehlt. 285. vel- lete nidder. 286. fulgite. 290. krönen. 291. sie zwene. 294. sie in die. 295. deme. 297. zu v. 29g. hetde es, aber es zerstört. 300. dar bracht. 302. heiige. 304. sarraczen. 73 Er ilte uff Ferreonem dar 310 Und stach in durch den schilt goltvar Mit sines speres isen, Daz er dot began hin risen. Er brach den schaff und begreif daz swert, Mit nide der viande er begert. 315 Der keiser wert sich als er mohte, Als verre als sine were dohte. [ für: 340 Holz aloe was im nit dur. AI da moht man schauwen Schone wip und klar jungfrauwen, Die umb daz für da sazen, Ir zuht sie nit vergazen, 345 Sie lobten alle den jungherrn sere Und boden im umb sin manheit ere, Wan in was gesaget allez daz, Wiez in dem walde ergangen was. 310. in fehlt. 312. begunde. 313. Schwert. 314- nide er. 315. werte. 316. als auch. 318. also. 320. str. dot? 325. entlidete : mitte. 327 f. interpoliert? Ingerede. 328./. in behut ? 330. herfuren. 334. deine. 335. herbeissete. 336, enphing ym. 340. dure. 341. mochte. 342. clare. 345. lobiten. 348. Wie ez. 74 Die keiserin hiez den jungherrn vin [7 r ] 350 Sunderlich willekomen sin Und begunde in sere gruzen Mit schonen Worten suzen. Ir dohter Ciarisse saz da bi. Sie gedahte: 'hede ein from helt fri 355 So vil als min bruder gedan, Ich wolte in zeinen bulen han, Sit dise edeln wib allesant So sere minnent heldes hant'. A ber sagt im die keiserin dang, 360 ** Daz gruzen ez werte aber nit lang, Also der dufel sin gauckelspil Etewenne machen wil. Ez verkert sich do zu stunt: Unselde drug dar ein winthunt. 365 Er sprang dem keiser an sin kleit Mit sinen unreinen poten breit. Daz mute alda junghern Johan Mit sime fuze stiez ern dan, Daz er in daz für sprang. 370 Der sprung was wit unde lang. Die funken vlugen al gedrat Der keiserinnen in ir wat Und branten ir ir hovekleit: Daz was jungher Johan leit. 375 Auch wart versenget ir vurwar Ir gelen locke, ir kruseleht har. Die keiserin sere erzornet wart, Sie vergaz ir zuht, ir hoher art. Sie sprach: 'du böser fundeling, 380 Got gebe dir lesterliche ding, Daz du hude gesticze den hunt, [7 V ] Alle hubescheit ist dir unkunt, Du hast guneret min gewant Und mir min gelen locke verbrant: 385 Des must du laster und missewende Haben ummer bit in din ende. o der jungherre die rede erhörte, Er ersufzte von dem worte, D 349. keyserlnen. 350. Sunderlichen. 351. in vil. 353. saz auch. 354. frömer helte. 357. wibe. alle sampt. 359. sagete. alte keyserlnen. 360. Des großen. 362. Et- wenne. 364. eyne. 366. syme vgl. 368. 367. Jungher. 368. er yn hin dan. 369. füre. 370. wite vnd. 372. keyserin. ire. 373. brant. 375. yr versenget. 378. ire hoher. 383. gevncret. 384. myne gelben lock. 385. müsest. 386. ummer fehlt. biß. 75 Er wart bleich und missevar, 390 Im verswant al sine freude gar. Er sprach vil bedrubeklich: 'O hoher keiser, edel und rieh, Bin ich dan ein fundeling? Sagen: mir werliche ding! 395 Ich wände doch ir wert min vader, Und dise min mage allegader.' Der keiser im daz nit verdrug, Die frauwen er in den munt slug: 'Ir lose wip, waz sagent ir? 400 Ich geleuken sin nummer daz glaubent mir. Ich bin sin vader, er ist min kint, Ir leukent sin umb den wint.' Do die frauwe von unmaht quam Und sie dise rede vernam, 405 Und sie ein lutzel mohte sprechen, Sie began sich aber mit werten rechen. Sie rief 'fundeling' als e, Driwerbe oder vierwerbe me, Aber rief sie zur fünften stunden: 410 'Er wart in unserm garten runden'. So deist ein manunge an wiben: Der sie solte entliben, Sie musten ir willen sprechen [8 r J Und sich mit worten rechen. 415 T~\° sprach der jungher mere: -*-^ 'Her keiser, daz got uch ere! Bin ich doch ein fundeling, So helent mirs nit umb kein ding.' 'Ja ir', sprach er zu den stunden, 420 'Ir wurt in unserm garten funden.' 'So sagent mir, edel keiser fri, Wizzent ir iht, wer min vader si?' Der keiser sprach: 'nein, ich nit! Des mir min herze gezugnisse gif. 425 'Sagent mir doch an disen stunden, In welchem dunde wart ich funden?' Er sprach: 'ich vant uch erlich In einen krieschem, grünen peller rieh'. Der jungher sprach do offenbere: 390. alle. 391. -liehe: riche. 395. werent. 396. alle gar (: vatter). 397. im fehlt. 398. frauwe. 402. Leukent ir. 406. begunde. 407. aber als. 409. /.stunde: funde? 410. unserm /. unsem? ebs. 420. 411. daz ist. von w. 412. entlieben. 413. iren. 416. uch got. 420. wurdent. 428. streiche krieschem? 429. offenbare. 76 430 'Mich enruchet, wer min vader were. Werz kruppel oder blint man, Ich solt mich gerne halten dran, Eht ich in dan erkente wol', Sprach er bedrubeter sinne vol. 435 "T^er keiser sprach den jungling an: "*"^ 'Verzage nit also, edel man! Ich vant uch in edelichem arte An dem schönsten in mime baumgarte. Ich vant bi uch ein herlichen funt, 440 Er ist bezzer dan zendusent phunt. Dar zu halsberg unde swert, Daz was maniger marcke wert, Schilt, wapenrock in richer ziere, Helm, beingewant, korie, kolliere, [8 v j 445 Einen schaft mit einer baniere Vant ich do ligen vil schiere.' 'Hilf got!' sprach jungher Johan, 'So moht min vader sin ein edelman!' 'Ane zwivel', sprach der keiser zu hant, 450 'Die banier die ich bi uch vant, Die ist verwapent deme glich, Als sie fürte in Frankrich Ein hochgelobter edel man, Den wir lange vloren han. 455 Lebte noch der helt mere, Ich wen er uwer vader were.' Do sprach der edel jungher Johan: 'Ich bitte uch, her keiser, hoher man, Daz ir mir gebent an diser vart 460 Waz da bi mir funden wart, Und machent mich ritter, keiser here, Durch uwer dogent und uwer ere Und lant mich aleine uz riden Uff beiden und uff risen striden'. 465 Do sprach der keiser Sigemunt: 'Jungherre, ich wil uch machen kunt; Ich vant uch in so hohen sachen, Ich sal uch gerne ritter machen, 431. Were ez. 432.solte. 43^. yn nit dan. 434. mit bedrubeten synn5. 438. scho- nesten. 440. zehen. 441 f. in der Hs. umgestellt. 455. Lebite. helte. 456. wene das. 458. herre. man nur Spuren der durch Wurmfraß zerstörten Buchstaben zu sehen. 459. gebent] wollent. 461. Gebent vnd machent. 462. das zweite uwer fehlt; vgl. 473. A 77 Wan ich bitte uch, jungherre klar, 470 Daz ir noch blibent bi mir ein jar Und erfullent minen willen dran.' 'Herre min', sprach jungher Johan, 'Uwern willen und uwer gebot Leiste ich gerne, so mir got!' 475 Nu bleip er bi im noch ein jar. Des keisers dohter, die maget klar, Die hade wol vernomen daz [9 r ] Daz er nit ir bruder was. Deste serre began si in minnen 480 Heimelich in ir sinnen. Ir det vil we, wizent daz, Daz im ir muter was gehaz. Auch drug er heimlich ir holden mut, Als noch etlich uff erden dut, 485 Der sime liebe helingen sin herze git Und gedar ez offenberen nit. lrest ich wonder sagen mag. In dem jare uff einen dag Was der babest von Rome gesezzen 490 Und solte mit dem keiser ezzen, Der patriarche herüber se Und dar zu hoher fursten me Bischove und auch cardinale Und herren von dem hospitale; 495 Da warn nun konige hochgemut, Der zende was der keiser gut: Sie warn gefrunde under ein gar Und namen des riches mit dienste war. Da warn auch druzen herzogen, 500 Die sich dem keiser zu dienste bogen, Da warn zwenundzwenzig bischove, Auch waren komen dar zu hove Wol vierunddrizig graven gut, Zwölf amerale hochgemut 505 Und fünfhundert ritter ane frie, Der horte ein deil zur massenie, Der hielt der keiser milte Sehshundert von eime schilte. Da waren epte, probste und dechen, 469. Dan. 471. Und da e. m. w. an. 474. so helffe. 475. nach. 479. serer, begunde. 480. Heymelichen. yren. 483. heymelichen. 484. Also, etlicher off. 485. str. helingen? 496. zehende. 499. druzehen. 502. dar körnen. 504. Vnd zwölf ameralen. 505. fryen: massenyen. 506. horten. 507. hielte. 508. Stete sehshundert. 78 [9 V ] 510 Lectores, die von gode phlagen sprechen, Und sust ander phaffen gnug, Die ir Wille gein gode drug. Nu do sie bi einander sazen Frolich drunken unde azen, 515 Man mohte den hof zu rehte loben: Babst und der keiser sazen oben Und darnach konige und cardinale, Herzogen, bischove, amerale. Alda moht man auch schauwen 520 Wol dru dusent megede und frauwen Die lustlich warn gezieret. Ez was geordinieret, Daz ie ein herre oder ritter ein Einer frauwen od jungfraun saz engein. 525 Zu dische diente jungher Johan, Der beste der ie lip gewan. Zur hohsten davel, da der keiser saz, Der jungherre oberste diener was, Wan er was starg und snelle gnug, 530 Schone, sinnig und auch klug. Er was alt vierzehen jar, Man vant sin glichen niergen vorwar, Lutselig was er und so groz, In allen glichen nit sin genoz. 535 Were ein jungfrauwe siech gewesen, Durch sine schone wer sie genesen. Nu er so vor dem dische stunt, Er sprach wiedern keiser Sigemunt: [10 r J 'Herre, duhtz uch zit sin, 540 So wer ez wol der wille min, Man mechte die dische der duche bar Und gebe den herren wazzer dar'. T~\er keiser sprach: 'eist unser sit, Daz wir davel lan uff heben nit, 545 So wir mit freuden han enbizzen, Wir muzen nuwe mere e wizzen'. Der jungling sprach mit drubem müde: 510. ist Lectores zu streichen? zu sp. 514. Frolichen. 516. Babest, so durchaus. 518. Vnd h. Bischöfe vnd. 522. was so. 523. ader der. 524. frauwen oder eyner iung frouwen sassen; vgl. V. B). 5 V ', Z. 13—16. 527 hohesten dafeln. 528. der oberste. 532. syne. 533. So lutselig. 533. das e in siech wohl von der Texthand übergeschrieben. 5 3 5 f. vgl. zum Motiv V. Bl. 2«, Z. 13 ff. 536. were. 538. widder den. 539. duchte ez. 543. ez ist ie. 544. dafeln vff laßen. 546. E nuwe. 547. Junge- ling. mit gutem. 79 'Die nuwe mere gebe uns got zu gude. Mich anet nuwer mere, 550 Die uns lihte werdent swere. Als mir min eigen herze seit, Uns nahet kommer und arbeit' .Und do er hie daz wort _gesprach, Den sweiz man im uzdringen sach 555 Und erschutte sich docli von kelten gar. Er wart vil misselich gevar. Und do er der swerde innen wart, Er hub sich dannen uff die vart, Im bibeten sine lit gemeine, 560 Er sleich dannen aleine In eine kemenade gut, Im was besweret sin und mut Und enwiste doch nit waz im brast. In des quam ein fremeder gast 565 Zu Rome vor den palas, Der des keisers grozte viant was. Er was der sterckste heidensch man, Der in der zit ie lip gewan. Er was sunder zwivels wang 570 Wol uff vierzen fuze lang, Im was hut und har offenbere [ ] 0 V ] Veste als stal oder isen were. Ez enwart nie swert so freislich, Sluge manz uff in, 'zwiderleite sich. 575 Ez enwas kein heim oder schilt so klar, Er singen mit der fuste zu stucken vorwar. Sin bart der hing im über die wangen, Er hade ein swarzen hals, ein langen, Über sine schultern dürre, nit smal, 580 Sine äugen waren rot liberal, Sin gesihte vil duvelich bran, Er het breiter oren dan ander man. — Und do vor den sal er gende quam, Hochfertiger rede er sich ane nam. 585 Er rief dem portenere hin: 'Bälde schier laz in, laz in', 556. mißlich. 559. gelider. 562 synne. 563 enwuste 565. paJast. s67- sterckeste heidensche. 570. vierzehen, 571. hare 574 man ez. ez w 575 klare. 576. sluge yn. zware (: klare), PI ick reim, im Original wohl dicke : sticke, vgl. V y, Z. 7 schilt zo dicke. 577. der fehlt, yme. 578. beidemal eynen. 581 dufelichen 583 do er vor. 585. deme. 586. schiere 80 Mit ubermudigen Worten, 'Bälde entsluz die porten.' Der portener im entwirrte bot: 5Q0 'Herre, so gediende ich den dot. Min herre der habest hat gesezzen Und mit mime herren, dem keiser, gezzen, Und patriarchen und manig herre gemeit, Die besten in al der kristenheit.' 595 'Doch muz ich hin in, obe ich kan', Sprach der groze heidensch man. 'Ich gesage dir es nummer dang, Des gewinnstu sicher betwang. A/T achmet muz ummer ane spot 600 -*■ *■ Zu Rom sin herre unde got.' Und do er dise wort verliez, Mit dem fuze er die porte uff stiez, Daz sie viel nider und zurbrach. E f gi n & da er den portener sach, ll r ] 605 Mit dem swerte er im daz haubt abslug, Mit dem hare erz in den sal drug, Uff die davel erz vor den keiser leit, Hochverteklich er zu im seit: 'Ich wil wizzen, keiser, sunder spot 610 Daz Machmet ist bezzer dan din got, Und ich wil in machen ummermere Gewaltig herre über Romesch ere, Und ir mogent nummerme genesen, Die godes vergezzen muzet ir wesen. 615 Ich muz halten mines meistere reht, Ich bin sin dienstman und sin kneht. ' ursin heizet min herre erkorn Und ist von Oriente geborn. Sin sint die lant von Barbarien, 620 Egipten und Alexandrien. Durrent ir mich kampes bestan, Die lant uch werdent underdan, Und ir zu dode slagent mich, Uch wirt diensthaft manig rieh. 625 Gedurrent ir mir nit kampes jehen, So muz uch vil übel geschehen. Min herre lit zu Ludewerde ime dan, Und hat wol drizig dusent man, 594. aller. 596. heydensche. 597. ez. 598. sicher. 605. dem] syme. abe. 608. Hochferteklichen er do zu yn. 614. vergessent mußen. 618. is. 622. werdent uch. 624. diensthafftig. 627. in dem. C 81 Er sal komen in Rornesch lant, 630 Stiften mort, raup unde brant, Er sal kirchen und uwer kiusen Zurstoren mit uwern godeshusen. Her keiser, ir muzent einez kiesen, Und wederz ir kiesent, ir muzent vliesen. 635 Hie enist dehein gedinge an, Wizzent, ich binz der selbe man, Der beiden kunig Fursin, ja! [H v ] Qeborn von Orient uz Libia.' Der keiser der rede entwürfe bot: 640 'Frunt, ich weiz als minen dot, Daz got hat alle ding gemäht: Er machte dag unde naht, Er machte laub unde gras, Waz iezunt ist und ie was, 645 Er machte man, er machte wip, Waz ie enphing leben unde lip, Er machte wazzer unde wint — Ich meine der frien Marien kint — Er machte himel, luft und sterren, 650 Als man noch schauwen mag von verren, Der Lazarum weckte von dem dodc, Der mag uns helfen wol uz node, Der do kerte wazzer in den win, In des dienste sal wir sin. 655 Er ist herre aller gnaden, Sine gute mag uns wol beraden. Er vergoz durch uns sin heilig blut, Er macht al unser ding uns gut. Frunt, als ich vernomen habe, 660 Eist bezzer kamp dan hals abe.' Den kamphendschuch er z'im do zoch, Er sprang uff eine davel hoch. Er sprach: 'Horent, ir edelen fursten here, Wer durch des hohsten godes ere 665 Disen kamp dar vehten Und kristenliche berehten, Dem wil ich gerne geben zu lone Mine schone dohter und mine kröne'. 629. Romesche. 631. kirchen]/. kapeilen? 63 3.müßent vmer. 634. wederz] welches. Verliesen. 635. keyn. 638. von Lybya. 640. weiß ez. 649. hümel. 651. erweckete. 652. wol helffen vfier. 654. sollen. 658. macht vns. 660. Es ist. 661. er do zu yme. 662. dafel die was hoch. 664. hohesten. 666. hie berechten. Hobelt Priebscb, Joban üz dem virgiere. 6 82 T^ er habest der bot ablaz rae [12r] 670 -*— Dan man moht holen über sc, Die patriarchen boden in der zit Vil seien zu himel der pinen quit, Die bischove unde cardinale Buden ablaz al zu male, 675 Sant Jörgen vane wart entwunden Und sant Peters zu den stunden. Nieman gedurstc den kamp vehten Nach kristenlicher gewonde berehten. Die manne allesant do swigen, 6S0 Die haubet waren in nider gesigen, Da sach man solich jamer driben Den man übel mohte beschriben. Man horte weinen unde barmen, Sie riefen dicke 'owe wir armen!' 685 Die wib enkunden ir jamer nit helen, In entsunken mendel und die velen, Sie zugen ir wimpel vor die äugen, Sie twang der jamer innen daugen, Daz so manig lobelich furste 690 Dehein nit vehten gedurste. Der heiden der sprang dar unschöne, Er zukte dem keiser vorne haubet die kröne, Er sazte sie uff sinen fuz. Er sprach: 'uch hazze der wibe gruz. 695 Ist nieman so erber und so gut, Der mit mir gedurre han stridens mut, So sal diz rieh van reht sin min, Keiser, daz du vor hielte din. Sit du mir rumen salt daz rieh, 700 So rume mirz gezogenlich.' o weinten al zu male Herzogen, graven, amirale. [12 v ] Der keiser sprach zum babste here: 'Dut ez durch spiritus sanetus ere. 705 Sit ir unser geistlich vader sint, So drostent uwer drurig kint' _____________Derbabst daz buch der wisheit 669. der fehl t. 670. Danne. mochte. 672. Vilj Vier. 678. gewonheyt. 679. mäne do alle, vgl. V. 6™, Z. 32 zy sweghen alte gader stille. 680. heubte. 685. wybe künden yren jamer nit verhelen. 690. Keyner. 691. zweites der fehlt. 692. zuckete. von dem heubte. 693. man erwart ete: er satzte uff sie, aber vgl. dieselbe Vorstelluno- 805 und 855, ja nach 855 ist es des Kaisers Fuß, auf dem die Krone steht. 696. /. Der mit mir habe . . .? 697. rehte myn syn. 700. mir ez. 703. zu dem Babeste. 705. geystlicher. 706. drurigen. D 83 Uff eine davel vor sich leit. Er sprach: 'wizzent, kinder min, 710 Daz wir alle von Adam komen sin: Den machte got mit siner hant Und det im alle creature bekant. Der uberdrat do sin gebot, Des mtiste er in der hellen not. 715 Dar nach muste Abraham, Isaac varn, Moyses, Aron kundenz nit bewarn: Ez geschach von Adams Unwille. Wie swigent ir hude also stille, Daz ir nit wollent gedenken: 720 Crist liez sich durch uns henken An ein kruze, deich uch hie wisen. Schauwent sper und daz isen, Daz man im in sin herze stach, Dar uz von binde floz ein bach, 725 Daz uns erloste von der hellen Und die altvetter und ir gesellen. Daz mohte got durch uns gezemen. Wil nieman den hentschuch nemen? Schauwent hie die kröne, 730 Die gode vil unschöne Durch sin haubt gedrucket was, Daz er wart von blude naz. Gedenkent waz er durch uns leit!' Hede er noch so vil geseit, 735 Do enwas da niergen dehein man [I3 r ] Der sich des kampes wolt nemen an. r^es keisers dohter gedahte schiere: JjWa ist Tohan uz dem virgiere? Wer hie derselbe edel*man", ' 740 Er solt sich des kampes nemen an, Wan da lebet kein dürre helt Dan den ich heimelich han erweit. Wiste ich den stolzen jungeling, Ich klegete im dise ubelen ding.' 745 Sie liez sie alle schrien, weinen Und sleich hin, da von steinen Ein kemenade was vil ziere, Dinne lag der edel uz dem virgiere. 711. Den got machte. 712. Creaturen. 713. do] mit eyme apfel s. g. 716. aaron. 718. so. 721. das ich. 724. floeß von blute eyne. 725. erloste vns. 729. hie an. 73 5.niergentkeyn. 736. wolte. 741. durer. 743. Wüste. 747. Eyn schone k. 748.ua- inne. uz] von. 6» 84 Eia, wie edelich was ir gang, 750 Ir varwc gemischet rot und blang, . Do sie sich hub an daz geverte. Sieht, schone als ein wunschelgerte Ir lip was uffgewassen rein: Lidemaz ziere — hende arme und bein, 755 Ir brustel gedrewet, sinewel, Ir har lang, krispel, goldvar, gel, Ir mundel bran als der rubin, Ir äugen haden Hellten schin. Und dos in die kemenade quam, 760 Vil schiere den jungling sie vernam, Daz er von node entslafen was. Bi in anz bette sie do saz. Sie began sich uff in leinen Und wart vil heize weinen. 765 An sin antliz sie sich kerte, Dar uffs ir heizen drene rerte. So heiz ir drene waren, Daz dem jungeling vil klaren [13 v ] Alda sin slaf benomen wart: 770 Uff so sprang er an der vart. Ern wist nit wie im geschehen was, Do im sin antliz was heiz und naz. Do ersach er die maget rein, Der glänz schone als die sonne schein. 775 Er sprach mit frolichen sinnen: 'Oot gruz uch, mine koniginnen, Heimliche lieb in minem herzen! Wa von so lident ir solich smerzen? Und saget mir waz daz meinet 780 Daz ir so sere hant geweinet? Hat uch ieman iht gesprochen, Ez wirt von mir schier gerochen, Wan ich uch vor alle ding liep han. Ich reche ez, wer uch hat gedan, 785 Ez wirt im von minem swert zu swere, Obe ez der keiser selbe were.' 750. gemüschet. 7s2-—758. Vgl. K. v. Wüuzuurg, Engelh. 2966 ff., bes. 3000 bis 3005 [Troj. Kr. 20006 ff.]. 752. Sieht] Schleich, das unter dem Einfluß von sleich v. 746 geschrieben sein mag. 753. Was ir lip reine: beine. 754. ziere] zwidig, was hier keinen rechten Sinn gibt. 755. brustelin. gedrewet wol. 757. müdelin. bran rot. 758. durchluchtige Hechten. 759. do si in. 760. schiere sie. 761. noten. 762. an das. 763. begunde. lenen. 766. sie ir. dreen. 767. drehen. 768. deme Jungelinge. 77i.Erwuste. 777. Heymlichen. 778. solich fehlt. 785.swerte. 786. keyser uwer vatter selber. 85 c XJein', sprach sie, 'liebez frundelin, ■*■ ^ Bedrubet sint die sinne min, Eist komen mins vader meiste viant 790 Und widersagt im in sime eigen lant. Er wil Machmet zu Rome machen Ein herren über alle Sachen. Min vader sprach, welch herre oder furste Den kamp weder in vehten durste, 795 Er solt mich hau zu wibe Und die kröne nach sime übe. Der babst bot ablaz aller sunden, Cardinale, bischove daden künden Und die patriarchen ablaz me 800 Dan man moht holen über se. [14 r J Do was aber leider nieman, Der des kampes sich dorste nemen an. Er hat mime vader geraubet Die kröne von sime haubet 805 Und sie gesät uff sinen fuz. Owe, daz ich daz sagen muz Daz nieman den kamph dar vehten Under fursten, herren, rittern, kneliten! Man augtez kruze, da got an stunt, 810 Und dri nagel, die in machten wunt, Die dornenkrone, daz sper so lang, Daz im durch sine siden drang, Und daz antliz Veronica enphing "Von im, da er zur martel ging, 815 Und godes heilthum al da mit: Dannoch half ez allez nit.' to sprach der edel jungher Johan: D' : Eia, wie sint daz so blöde man! Wil mir der keiser geben schone 820 Uch zu wibe und sine kröne, Ich kempe den heidenschen man, Waz mir darumb geschehen kan, Und wil der babst mir ablaz geben Über al min suntlich leben, 789. Es ist. mynes. 792. Eynen. 794. kamp vorher dassel beWort etwas verschmiert und ausgestrichen, gedurste. 795. solte. 797. von allen s. 800. Danne. mochte. 802. Der sich. 803. mynen. 805. Vnd hat sie gesetzet. 808. ritter oder k. 809. eiget das. 810. Von den Nägel en war oben (v. 721 — 732) nicht die Rede. 813 f. Auch dafür findet sich oben keine Entsprechung. 813. antlitz das. 814. zu der. 815. alles. 816. alles do. 817. jungher] Jungeling. 818. bloede. 821. kempen. 824. alle. 86 825 Ich reche daz vil heilig blut, Daz do vergoz der herre gut, Der durch menschlich kunne ist geborn.' 'Nein, so werent ir verlorn!' 'Wer weiz', sprach er, Vie ez erget. 830 Der mich an den beiden let, Ich reche daz kostbere blut, Daz got uz siner siden wut. [H v ] Ich gesach mit äugen nie so groz, Ich gedrut an kamphe sin sin genoz.' 835 Die maget seide sunder wang: 'Er ist wol xiiij fuze lang, Sin hut ist herter danne isen, Helm, schilt kan man nit so veste gewisen, Ern slagin mit fusten zu stucken'. 840 Er sprach: 'ez sal mir glucken, Were er dan von stale gesmidt, Er vvirt von mime swerte entlidt. "KT u dirre kamph sal vur sich gen -^ Mit unsen cren als ich wen, 845 Ich sal mit hohen Sachen Dem keiser fride machen. Jungfrauwe, gent wol hubischlich Zu uwern vader, dem keiser rieh, Und sagent im mit klugen dingen 850 Daz er mir due kleider bringen, Die ich möge mit eren dragen an, So wil ich in drosten so ich beste kan.' Die jungfrauwe ging zu hant, Da sie den keiser noch weinende vant. 855 Die kröne stunt uf sime fuze, JPJe maget quam mit lachendem gruze. Der keiser sprach: \vaz mag daz meinen, Min dochter lachet, so wir weinen? Warumb lachent ir zu dirre frist, 860 Die wil al kristenheit bedrubet ist?' 'T—Terre, ich sage zu diesen stunden, Dankent gode, da ist ein kempe funden.' 'Hilf, dohter, wer mag er gesin, Der da wil sin der kemphe min?' [15 r ] 865 'Herre, ich sage uch werlich ding 827. mentschlich. 831. kostber. 832. durch syne s. 833. gesach nye. 834. ge- truwete. 839. Er slage yn. 840. ez fehlt. 843. Nu sal. 844. vnßn. 846. fryden. 850. du. 851. eren möge. 852. ym. 858. wir alle. 860. Die wyle alle. 862. ey über der Zeile ergänzt. 865. werliche. 87 Unser keinphe ist uwer fundeling.' Do sprach der keiser freuden vol: 'Ich gedruwez nieman also wol Als dem selben degen here. 870 Im geschach uff einen dag ere, Do wir jagen solten varen, Er künde uns wol vor übel bewaren. Er slug achtzen ritter dot Und ving einen, hiez Lamelot, 875 Der ist nu kristen worden, Entrannen heidenschem orden. Die kleider, die ich dete machen, Granen samit, rot scharlachen, Die die lenge sint undersniden 880 Von oben ane bit zu niden, Die bringent dem ellenhaften man, Bittent sie dragen den edeln Johan, Strelent im sin har vin Und sezent im uff uwer scheppelin, 885 Helsent in fruntlich an der stunt ^ Und kussent in lieplich an sinen munt. — Lieplichkeit von wiben gut _5terckt mannes herze unde mut — Und sagent im, ich welle in machen 890 Ritter mit herlichen Sachen,' |ie jungfrauwe leiste des keisers bet, Wan siez ane daz gerne det. Sie ging, da sie den jungen vant Und det mit ir dragen daz gewant. 895 Do er sie mit äugen ane sach, Im swant al sin ungemach. [15 v ] Sie sprach: 'edel jungher Johan, Nement dise kleider an, Die uch min vader bringen liez, 900 Mit dem munde er mich uch sagen hiez, Er wolte uch ritter machen Mit hohen, erlichen Sachen.' Er sprach: 'gnade, jungfrauwe min, In uwerm dienste wil ich sin. 905 Got laze mich so frum werden, Deich uch gediene uff dirre erden.' 866. das ist. 875 f. Vgl. Wilh. v. Wenden v. 5758 f. 880. an bitz. 882. Bitte« yn ez dragen. 883. Mit uwer hant streichelt, vgl. v. 908. hare. 884. bestes seh. 886. ym vgl. 914. S87. von reyne. 889. wolle. 892. sie ane. 896. verswant alles. 899. hieß: ließ. 901. zu Ritter. 904. uwerme. 905. also. 906. Daz ich. gedienen. D 1 88 Er leit die klcidcr an vor war, Die jungfrauwe streite im sin gelwez har Und satzte im druff ein scheppelin 910 Von golde und von gesteine vin Und gap im schone kleinode. Sie was selbe nit so blöde, Sie helste in, da sie vor im stunt Und kuste in fruntlich an sinen munt. 915 Pie sprach 'man sal uch ritter machen, ^ Ir sollcnt komeu zu hohen Sachen. So ir gedenkent daz ir min ritter sit, So sint gut ritter zaller zit, Daz ich von uch möge haben ere, 920 Und ir von got Ion ummer mere, Und ich uch möge liep gehan Uff dirre erden vor alle man.' Do sie redt so fruntlich, Sin herze daz erhub sich 925 Eins fuzes hoher danne e. Verswunden was do al sin we, Do die_sch.one vor im stunt [16 r ] Und im ir lieplichkeit det kunt, Wan in allem riche 930 Was niergen ir geliche. Er sprach lüde und offenbere: 'Ich ,wolt daz ich gewapent were Und der neiden vor mir hielte Under helme und under schilte 935 Und mit eime gerecketen sper Zu rosse ader wie ers ger, Und ich vor uch mine erste sehnst Muste dun nach miner lust: Wer er so groz als der berg Mungauwen, 940 Ich wolte in zu stucken hauwen'. Und do er redte disse wort, Die jungfrauwe ez vil gerne hört. Sie nam und fürte in mit der hant In den sal, da sie den keiser vant 945 Und die herren alzumale. 907. Der Jungherre leyt. 908. strelete, davor steilere ausgestrichen; gelbes. 909. dar vff. 920. yr Ion von gotte. 921. gerne möge. 923. rette. 924. Eyn. 925.vorfußes steht hohes ausgestrichen. 926. was alles. 950. niergent im gliche. 932. wolte. 933. heiden] sarraezin, vgl. v. 1042. 931. vnder sime seh. 938. gelust. 929. nn'iii- gawen verderbt aus vions gaudii (Monljoie) dem heutigen Monte Mario vor Rom. 940. zu haweu. 941. rete. Ü' 89 Noch weinde babst und cardinale, Konige, bischove, herzogen, frien Säch man heimeliche schrien, Patriarchen, ritter, amirale 950 Weinden dannoch alzumale, Jungfrauwen unde frauwen here Weinden uzer mazen sere. "nd do disse zwei lachende quamen, Vor ein wunder si ez namen. 955 Der keiscr sprach den jungling an: Trostent mich, edelcr jungher Johan'. Des antwurt erm gezogenlich Und' sprach: 'edele keiser rieh, Ez wer schände daz ich michs vermeze, (IC V ] 960 Und so manig lobelich furste hie seze, Die vil baz ez mögen berehten'. Der keiser sprach: 'wolnt ir nit vehten, So sin wir endelich verlorn'. Do sprach der jungher wol geborn: 965 'Hie sizent konige und fursten vil, Oraven, frien, ritter ane zil, Understunde ich mich es in der zit, Sie hedens lihte grozen nit Und sprechen, ich were ein fundeling 970 Und wolde rillten alle ding. [er keiser, obez uch clunket gut, So erfullent minen mut, Heizent bringen daz heiltum gar, Daz ich ez nerne mit äugen war, 975 Iieizent künden ablaz zu dirre vart, Der auch -e- geboden wart. Gent alumb und biedent schone Uwer dohtcr und uwer kröne. Hie ist wol so manig helt 980 Zu grozen noden uz erweit. Wil sich es keiner nemen an, So dun ichz beste daz ich kan. Ich vehte den kamp mit miner hant Umb die jungfrauwen und diz laut. 985 E wir uz kamphes kreize scheiden, Ez giltet einer under uns beiden.' H' 948. heymelichen. 952. vß der. 954. ein fehlt. 957. er ym. 959. were. mich ez. 961. Die ez. 966. Str. frien? 967. michs. 968. vil grossen. 970. wolden. 971. obe uch ez (uch über der Zeile ergänzt). 972. herfullent. 975. bringen her. 974. mit den. 977. bittent. 979. so wol. 982. ich das. 984. Jungfrawe. D c 90 \er keiscr do mit vlize det Des jungherren heize und bet. Man brahte aber dare schone 990 Kruze, sper, nagel, dornin kröne, Daz heiltum man gar her vur drug, [LT] Der babest der bot ablaz gnug. Do sprach der stareke sarraezin: 'Waz ieman du, diz lant ist min 995 Und bleip mir doch von vader nit'. Der babest sprach: 'der alz heil git Und durch uns an dem kruze leit, Der hilft uns noch uz arbeit. Daz selbe kruze, sper und kröne 1000 Schauwent hie, wie unschöne Der hohste got gepinet wart. Jederman gedenke siner art, Und lant dise heiige kristenheit Nit lange sin in jamerkeit' 1005 Sant Jörgen vanen man entwant Und Sant Peters auch zu hant. Der keiser bot alumbe schone Sine dohter unde sine kröne: Dannoch was niergen dehein man, 1010 Der sich kampes wolte nemen an, Und sie schauwten alle dar Und namen genode des heiltums war Sunder der stareke Sarrazin, — Vermalediet muze er sin — 1015 Er ahte dar uff sicher klein, Er kerte sinen rucke dar gein. Des zornt sich sere jungher Johan, Den hentschuch nam der edel man, Mit der andern hant nam er die kröne, 1020 Er satzt sie uff des keisers haubet schone. Er sprach: 'disen kamph wil ich vehten, Darüber sollent ir rehten'. [i'' v ] Do danketen sie alle got Und lobten in an allen spot 1025 l~\anne aleinc der stareke Sarrazin. ^ Er sprach: Vaz seist du, wihtelin? Waz seist du kleiner kampgenoz? 989., dare aber. 992. der fehlt, genug. 995. vö myne. 996. alles. 1000. un (vn) — über der Zeile nachgetragen. 1001. hoheste. gepyniget. 1007. alvmb. 1009. niergent keyn. 1011. sie des. 1012. heyltumes. IO14. Vor malediget. 1017. zor- nite. 1020. satzte. heubt. 91 Werstu drustunt also groz, Ich sluge dich mit der fuste min, 1030 Daz ez must din ende sin.' Do sprach der knabe hochgemut: 'Vor drauwen bin ich wol behut'. 'Wa sol wir vchten?' sprach her Johan. 'Zu..Ludewerde in dem dan, 1035 Der zuhet sich gein deme mere, Da fluzet ein wazzer heizet Spere. Als ich uch nu sagen mag, Wir muzen vehten uff den dritten dag. Da wil ich vollenbringen min gebot 1040 Daz Machmet bezzer ist dan Got' 'Got ist vil bezzer', sprach jungher Johan. Hie mit schiet der heiden hin dan. Sie erhüben den jungeling here Und erboden im groz ere. 1045 Der habest hiez in ritter machen, Manig herre von hohen Sachen Barone, ritter riefen den keiser an: 'Herre, gnade, dunt ritter disen man!' "TVr keiser sprach: 'wir solnz bestan, 1050 *~* Got laze ez uns zu gude ergan'. Do der keiser dise wort gesprach, Ein peller rot man bringen sach, Ez lullte schon von verren, Von liehten, guldin sterren. [18''J 1055 Dar nach braht man dar geleit Ein gudez ros vil wol gemeit, Dar uff sin decke alzumale Gemacht von edelem zindale, Sin parament bestrauwet gar 1060 Mit sinem wapen her und dar, — Bla veldunge, dri lilien guldin — Wan er nu ritter solte sin. Zwene knaben, edel unde vin, Brahten zwene sporen rotguldin, 1065 Die gurte dem vil edelen man Ein greue von hoher geburte an. 1028. Werest du. 1030. müste. 1031—1042. vgl. V. 7 ra /\ 1033. sollen. 1036. das heyßet. 1037. Also. 1038. off. 1047. Baronen Ritter vielleicht: Manig herren v. h. s. | Riefen do d. k. an? 1049. sollen ez. 1051. diß. 1052. rot peller. 1054. güldenen. 1055. brachte. 1056. gudez fehlt, vgl. v. 1178. 1058. Waren gemacht; edelm. 1059. was bestrauwet. 1060. syner. 92 Man brahte im dar sin eigen swert, Daz er liep hade unde wert. TAer babst von Rome, wide erkant, 1070 -•--' Segentz im selber in die hant. Der keiser sine hant uff hup, Da mid ern an den backen slug: 'Disen streich vcrdragent und keinen ine, Da ez anders uch zu rehte crghe, 1075 Und sint auch, ritter, helt gut, Vurbaz vor missewende behut, Als ir noch bit her hant gedan: Des welle uch got geniezen lan'. Der ruf geschach al über schiere 1080 'Johan, der edele uz dem virgiere, Der ist in edelichem orden Hude erlich ritter worden'. Ritterreht erzalte im der keiser klug, Da mide lant uns haben gnug. 1085 "Cr muste vor in wazzer nemen, ^ Daz duhte durch ere die herren zemen. [lö v ] Sie baden in daz er seze, Froliche drunke und eze. 'Hilf got', sprach min her Johan, 1090 'Nu bin ich ein vil richer man. Waz rede ich?, daz ez got erbarm, Ich bin rieh und doch vil arm.' 'Sint ir rieh? sagent wa bi', Sprach von Rome der keiser vri. 1095 'Daz sage ich uch gerne, herre min. Ich druwe wol geboren sin, Von hohem geslehte unde riche, Ich bekenne is aber nit sicherliche, Und ich han einen kamph genuinen, 1100 Ob mir got darzu wil frumen, So gedruwe ich dem obersten herren wol Daz ich mit eren gewinnen sol Und sal got zu lobe und eren Der kristenheide laster verkeren. 1105 Nu bekenne ich wol die ding Daz ich bin ein fundeling. 1068. hette vnd auch. 1070. Segente ez. 1071. off. 1072. mitte er yn. 1074. uch anders. 1079. vber all. 1080. Edele. 1082. Erlich Ritter. 1084. uns ytzunt. 1085. in allen. 1088. Frolichen. 1091. erbarme : arme. 1093. sagent mir. 1096. druwe ich solle. 1098. bekenne aber ir. 1103. vnd zu. 1104. Cristenheyt. /. keren. 93 Doch bin ich rieh und wol geborn Und hanjrnin vr_undg„so verlorn, Daz ich ir keins joch künde han: 1110 Sus bin ich rieh und arm man.' Sie alle duhte waz er seit, Ez were bispel und warheit. Sie satzten in mit frolichkeit Bi die keiserin und ir dohtcr gemeit, 1115 Zusehen in muste er zu dische sitzen. Gaveron sprach von argen witzen: 'Mich ruwet, sal ein fundeling Geleben so herliche ding. Sal men in bi keiserinnen setzen, [19 r ] 1120 Ja wol, wie sal er sie ergetzen? Mit sinem kampe die kristenheit Als sie mit schaden ist uberleit. Ich weiz als sicher ich bin geborn: Die kristenheit wirt von im vlorn.' 1125 So sprach Gaveron, der arge leie, Er was vil böser dan her Keie, , Der Artus drosseze was - Und sich mit Worten dicke vergaz. T Ter Johan Gaverones wort 1130 ■*• ^ Er schemet sich scre daz er sie hört, Er schweig stille zu der stunde Und sprach heimlich in sime munde: 'Ir böse verreder Gaveron, Ein bosez ende wirt din Ion, 1135 Des gedruwe ich got an dirrc stunt' Do sprach der keiser Sigemunt: 'Gaveron, nu mereke ich wol Daz ir sint schalgheide vol. Die wort hant ir durch nit gedan, 1140 Ir woltent mine dohter han. Nein, ich sage uch zu dirre stunt: Sie hede mir lieber einen ungedauften hunt. Uwer munt vil valscher rede git, Irn gedurst aber des kamphes vehten nit, ii io. armer, im, Sie d. a.; do seyte : warheyte. 1122. Als sie sc. die keiserinnen. 1123. sicher als. 1124. verlorn. 1125. Also. 1127. Artuses. 1129. Johan horte, worte : horte. 1130. schemete. 1132. syne vgl. v. 1195. 1135. Ir] /. Du? böser. 1134. böse. 1138. schalgheit. 1140. woltent gerne. 1141. sagen. 1142. vielleicht ist vngetaufften nach Ausweis von V. BI. 8 rb , Z. 2 ick gefse my Heuer een Hondt zu streichen. 1144. Ir gedursten. 94 1145 Den da wil vehten min herre Johan. Gewinnet in der edele man, Er sal min dohter han zu wibe Und mine kröne zu sime übe. Ich rade uch daz ir iht mere 1150 Ime redent an sine ere.' Der habest sprach: 'her Gaveron, Wollent ir nit swigen schon [19 v ] Und uwer üppige rede lazen, So wil ich uch verbannen und verwazen'. 1155 "TV 1 ' rec ' e Gaveron erschrag, -*-^ Er sweig stille also ein sag. Der habest sprach: Vir sollen morn Euren unsen kemphen uz erkorn Zu allen godes husen, 1160 Zu kirchen und zu klusen, Die da sint zu Rome und Lateran, Wullen und barfuz sol wir gan, Daz uns got welle erhören, Daz uns die heiden iht stören 1165 Und unsem kempen muze gelingen Mit sigehaftigen dingen'. Des morgens ez vil schone geschach Daz man eine processien sach Von den edeln Romeren 1170 Dem hohsten got zu eren. Dar nach ein messe gesungen wart. Eier Johan do des nit enspart, Sin opper det er gar herlich Dem almehtigen gode in himelrich. 1175 T^o die messe gesungen wart, Do wart langer nit gespart, Man brahte im uz dem stalle dar Sin gut ros wol verdecket gar. Man brahte im zu den stunden 1180 Waz da bi im wart runden: Korie, halsberg unde swert, Helm und schilt, ein banier wert, Man lut im einen saüm schrin, Edele spise, brot und win. 1185 Urlaup nam er harte schone 1147- sa ' " an - 1151- Vnd wollent. 1154. /. bannen? 1156. als. sag = Leich- nam (nl.). 1158. vnsern. 1162. W. u. b.] s. Orendel 3103. H.Ernst B. 5925. sollen. 1163. wulle. 1165. vnserm. 1168. eyne schone. 1170. hohesten. 1174. hie- melrich. 1182. Helme. 1185. er do. 95 An die herren und barone [20 r j Und an den keiser und keiserinnen. Die jungfrauwe sprach in-drüben sinnen: 'Got segen dich, vrunt, und la dich gesunt!' 1190 Ünd.kuste in fruntlich an sinen munt. Frilich sprang er in sin gereide, Sanct Johannes minne was sin geleide, Daz wart im gebodeh schon. Do sprach der valsche Gaveron 1195 Heimlich in sime munde sider: 'Nummer mustu können her wider, Du ungenemer fundeling'. Her Johan sprengen ane ving, Zur porten uz was im gach, 1200 Mang gedruwer segen wart im nach. Do reit er den selben dag, Daz er ruwe nit cnphlag. Den andern dag er über reit: Des dages quam der helt gemeit 1205 Zu sehen.... kristen. unde.heiden lant, Da er den ungehuren vant, Er reit über eine brücke mere Und über ein wazzer heizet Spere. Da erbeizte der gast 1210 Und hafte sin ros an einen ast. Die sonne was uff über die bäume. Do sach er hin und nam gaume, Wa der groze heiden lag Und dannoch sines slafes phlag 1215 Uff dem schönsten plan, er künde vinden. Sin haubt lag under einer linden. Daz ist auch lugen keine: Sin haubt lag uff eime steine, Sin adum lute, da er lag, 120v] 1220 Als ein wilder donreslag' 'Crist gesein', sprach herre Johan, 'Ist diz ein duvel oder ein man?' Joch sach er ungerne uff den dag Daz sin haubt also unsanfte lag. 1225 Er wart sins wapenrockes bar ______ . Und stiez in underz haubt im dar. 1186. An den h. und an die. 1198. zu sprengen. 1200. Manig. vgl. zur Formel M ü n c h. Oswald 1617 f. und BAESECKES A n m. 1204. helt fehlt. 1209. erbeißete zu fusse. 1210. hefte. 1211. vber alle baünie. 1212. hien. 1215. schonesten. plan den. 1219. achtüm. 1220. donrslag. 1221. min herre. 1225. synes. 1226. yn ym vnder das heübt. D< 96 Er liez in slafen, wie er wolte. Sine spise er von sime saümer holte, Er rihtes an uff sime schilte, 1230 Zu morgen zerte der helt milte, Ein deil er auch dar zu gedrang Und seide got siner gnaden dang. ,o ging er, da der heiden lag. Er sprach: 'stant uff, frunt, ez ist dag! 1235 Wiltu ezzen, ich gebe dir spise In dem namen godes vorne paradise Harte gerne an dirre stunt.' 'Nein ich', sprach er, 'Cristenhunt, Du hast es harte groze schände, 1240 Du bist von hunger uz dime lande. Wiltu dich mir gevangen geben, So wirf gefristet dir din leben, Und sagen daz ich ez habe gedan, Und wiltu dimc gode abe stan 1245 Und dich sin verzien al din leben: Daz laut Barbarien wil ich dir geben Und manig edele stat noch dan.' 'Nein ich', seide min herre Johan. Der heiden sprach: 'diz ist ein spot, 1250 Die Juden hingen dinen got'. [21.■] Do sprach her Johan uz dem virgiere: D' 'Wolt sich got geweret han, Die Juden enmohten nit han gedan. 1255 Du hast got übel gesprochen, Daz wirt von mir gerochen. Wdl uff! du wirst dich weren, Wiltu den lip generen. Dirre kamph muz vor sich gan, 1260 Sit ich got wil zu helfe han.' |0 riht sich uff der heidensch man, Ein wapen wambez det er an, Daz was umb sin genicke Wol einer hande dicke — 1265 Kein vesterz in der werlte was, Umb die brüste lag genialen glas, — Dar über einen halsberg gut, ____ Daz er von allen wapen were behut. 1228. seymer. 1229. richte sie. 1231. drang. 1236. von dem. 1242. wirt dir. 1243. sagen auch. 1245. Vnd wiltu. verzihen. als. 1247. lant zu. 1249. heyde. 1254. Judden mochten ym. 1259. müeO ye. 1261. richte, heydensche. 1262. wamsen. 1266. brüst. 1268 warfen; streiche allen? 97 Von stal er einen heim uff bant. 1270 Den schilt den nam er vor die hant, Daz sper in die ander er begreif, Er satzte den fuz in den stegereif, Und sprang oben in daz gereide Und stappete hin uff die heide. 1275 Sinen van hadc er entwunden. Her Johan auch zu den stunden Was wol gewapent uff gesezzen Und hade sin selbes nit vergezzen. Sinen heim den hade er uff verbunden. 1280 Die wapen, die bi im wurden funden, Die stunden im uzer mazen wol: Er was ein ritter müdes vol. Sie wurden beide einander gern, [21 v ] Sie quamen mit gesenketen spern 1285 Gevaren uff einander mit nide Also vient gein vient zu stride. Der beiden hade den längsten Schaft, Er vorgaderte uff hern Johan mit kraft Und stach hern Johan durch den schilt, 1290 Der so menlich gein im hielt, Und durch die platen, durch daz gelider, Die korie half im nit dar wider, Er endrante im manigen ring: Daz sper im durch den halsberg ging, 1295 Daz er ez vil wol wart gewar. Doch drang er wider uff in dar Mit sines speres isen: Blech und ring begunde risen. Daz sper er in die brüst im drang 1300 Wol uff einer spannen lang. Die ros die stunden beide gebogen, Die stucke von den speren vlogen, Die ros die quamen uff die knie: Schoner djost gesach man nie. 1305 Do sie wider z'in selben quamen, Die ros sie aber mit sporen namen. Do her Johan sach des heidens blut, Pro was ime herze und mut. 1271. er in die ander hant 1274 stappite ofT. 1275. vanen. entwonden : stünden. 1278. selber. 1279. den fehlt. 1281. ußer der 1283. beyden. 1287. langesten. 1288. her. 1292. im fehlt, ebenso 1294. 1299. er im. 1301. rosse, die fehlt, ebenso 1303. 1305. zu yn. 1306 rosse. Robert Prlebsch, Johan fiz dem virgiere. 7 H 1 98 Er sprach: 'vrunt, ich han des wol aht, 1310 Irn sint von stal noch isen nit gemäht. Ir hant vleisch unde blut Als manig ander ritter gut.' 'ie mide was der rede gnug. Ieglicher uff den andern slug. 1315 Ich glaube daz sie ir swerte [22 r ] Ir kein da luzel sperte. Sie hiewen die schalte me und me, Daz die spene vlogen als der sne. Golt und gesteine der siege engalt, 1320 Sie wurden mit siegen abe gevalt. Da was wang wider wang, Ez was nit ein meigengang. Man sach die vlammen uz springen, Die swert vil lüde klingen, 1325 Da mides einander nit vermiden. Mit zugen sie vil sere sniden Durch heim, durch schilt, durch halsberg: Sie driben ritterliche werg. Durch ir ringe sach man rinnen blut, 1330 Als der regen uz den wölken dut. Der melm wart zusehen in so dick, Sien mohten gesehen nit einen stick. In enbleip nit ganz von iren schilten Eins fuzes breit, die sie vorhielten. 1335 Also wert mit haz ir beider strit Von smorgens an bit vesper zit. Doch was ir kein so vollenkomen, Hede er gedurst, er hede ruwe genomen. Menlich het geben zu den stunden 1340 Dem andern xvij wunden. Auch waren ir ros in wunt geslagen, Daz sie sie ubele mohten d ragen. Doch begunden sie einander gruzen Mit harten siegen unsuzen. 1345 'Du must sterben', sprach der heiden. Her Johan sprach: 'ich sals dich baz bescheiden'. p\es zornte sich der heidensch man, [ 22v l Mit hoffart quam er den jungen an, 1310. Ir. stahel noch von ysen. 1312. Also. 1316. Ir keyner 1. do. 1322. meigengang] Spaziergang im Mai, nicht in Lcxer, doch Mnd. WB. 3, 58^ Auszug der Studenten im Mai. 1324. swerte. 1325. nit] mit. 1328. driben do 1331. melme. dicke. 1332. Sie m. 133 3. In bleip. yrn. 1336. Von des m. 1337. keyner 1341. rosse, in fehlt. 1342. gedragen. 1346. sal ez. 1347. sich fehlt, heydensche 99 Mit handen er daz swert begreif 1350 Und enbort sich in dem stegereif Und gab her Johan einen slag, Daz er uff dem sadelbogen gelag Und ein stucke im von dem schilte sprang: Do seide er Machmet grozen dang. 1355 Do her Johan erkoberte und wider quam, Sin swert bit beiden henden er nam, Er reit, da er den heiden vant, Und slug in mit geweitiger liant Uff sinen heim von stahel harten: 1360 Eni moht sin nit gewinnen vor scharten. Von der herte daz swert hernider glant Und gestacte in des schiltes rant Wol so dief als eines mannes fuz. Her Johan sin swert nu lazen muz, 1365 Wan er kundz mit allen sinen sinnen Nit herwider uz gewinnen. VTu hat her Johan sin swert verlorn, ^ Des hade er ruwen und auch zorn. Urnb dreip in der heiden unmilte, 1370 Er must sich decken mit dem schilte, Wan er envant nit daz im dohte, Da mide er sich geweren mohte. Do sprach der heiden konig rieh: 'Wiltu noch ergeben dich 1375 Und sage die selbe dat von mir, Barbarie daz lant daz gebe ich dir, Und wilt dich dines godes verzien, Egipten wil ich dir z'eigen lien. Ich gebe dir manige stat noch dan.' [23 r ] 1380 'Nein, ich zwar', sprach her Johan, 'Ich wil mich vaste halten an got Und ummer leisten sin gebot. Ich druwe, ich solle in kurzer stunt Uch füren vor den keiser Sigemunt, 1385 Und ir solnt uwer vordel vliesen, Daz ir wollnt allez deilen und kiesen.' Diz wolte got mit siner kraft: Er vant ein stucke von 'sheidens schaff, 1350. envorte. 13 5 3. Vnd yme. 13 54. machemeten, 1355. berkoberte. 1356. swert er. 1360. Er mochte. 1361. nider. 1362, gestackete. 1364. Johann nü. 1365. künde ez. 1370. muste. 1371. er vant. 1374 nach, ebenso 1379. 1376. /.Daz lant B. gebe? vgl. v. 1246. 1377. wiltu. verzihen : lihen. 1378. zu eigen. 1381. ane. 1585. Verliesen. 1387. syner gotlichen. 1388. von des. 7» 100 — Er was wol ahte fuze lang — 1390 Dar nach det er einen swang, In die hende begreif ern klug, Den heiden er da mide slug, Daz er rumete alda beide Stegereif und daz gereide. 1395 Her Johan, der degen wert, Begreif do wider sin swert, Er zucketz uz dem schilte dan Und sprach den grozen heiden an: 'Frunt, wiltu glauben ane got 1400 -Und wiltu sten an Crist gebot Und varen mit mir zume keiser here, Du gewinnest lop und groz ere'. 'Nein, nummer', sprach dei ubele man. Do wart zornig her Johan, 1405 Schier für er uff den heiden dar 'Miner kraft mustu werden war, Und waz min got geleisten kan, An den du wilt kein glauben han'. Er slug im in dem melme 1410 Daz haubt durch mit dem helme, Rippe und gederme slug er uff, [23 v ] Der streich erwant uff der huf. Daz swert drang neben uz an den die: So grozen slag erfriesch man nie. 1415 Da wart vellig der ungehurc knabe. Her Johan swang daz haubt herabe, Der stolze helt gar unbetrogen Bant ez an sinen sadelbogen Und wolde von dem velde riden: 1420 Do was er belegen zallen siden. Er sach wol viertzigdusent man, Haden gut geschutze und halsberg an. Sie verriden im die wege, Do ergap er sich in godes phlege. 1425 Er sach auch berge unde dal Vol banier vlackern über al: Bla, gel, grüne, wiz und rot. Er sprach: 'hilf mir, herre got, 1391. er in, oder erz auf stuclie bezogen? dann auch Ezst. Er in 1389. 3916. do fehlt, sin in Emphase = sein eigen, oder/, sin gut s.? 1397. zückete ez. 1399. an. 1400. crisuis. 1401. zu dem. 1404. min herre. 1406. gewar. 1408. keynen. 1409. im] yn. 1410. durch fehlt. 1 114. erl'reisch. 1426. flechern. ober. S 1 101 Und Maria, heilig jungfrauwe, 1430 Zu minen noden hie schauwe! Berg unde dal vol heiden ist, Nu weiz ich daz du starcker bist, Und walt noch hude al miner Sachen, Ich wil mich zu were machen. 1435 Benement die heiden mir min leben, Ich hoffen du salt mir Ion dort geben. Mn ros daz nam er mit den sporn, Ez was gut und uzerkorn — Dem ersten einen vedich er abe zoch, 1440 Daz ir wol vierzig vor im vloch. So lange slug er unde stach, Bit er die erste schar zurbrach, Die ander schare reit er an [ 24r ] Und valte ros unde man: 1445 Da erslug der helt, wol geborn, Manigen heiden uzerkorn. Sin swert ging klingen, ez was gut, Als der hamer uff dem aneboz dut. Glucke also mit ime was, 1450 Er detz ie lenger und ie baz. Do reit er in die dritte schar Und nam der godes vinde war. Er zurhiew mit siner kraft Manigen schilt und manigen schaff, 1455 Sine siege haden groze mäht, Glich eime lewen er da vaht. Sin swert auch vil sere sneit. Vil manige schar er durch reit Und manig heiden vor im vloch. 1460 Gein dem abende ez sich zoch, Auch hade sich der helt vermut, Durch die ringe im ran daz blut, Auch was sin ros vil vaste wunt: Ez ging struchen an der stunt. 1465 In smurzen sere sine wunden. Nu was er komen an den stunden, Da er zu wichen hede die stat. Do geving er einen smalen phat, 1429. heilige. 1430. royner nöten. 1433. walte, aller. 1435. mir die h. 1436. groffen 1. 1437. daz fehlt. 1439. er eynen vettich. 1440. von yrae, s. 1459. 1442. Biß das er. 1444. vellite. 1445- helte. 1450. det ez. 1453. zur hiewe. 1462. ran ym. 1464. strucheln. 1465. vil sere. 102 Der drug in gein eim walde eben. 1470 Er det als der gern wolte leben. Und do er in den walt quam, Wapen und kleit er ab im nam, Er macht sich uff die hut bloz, Er nam sinen hentschuch nit zu groz, 1475 Da mide er an den selben stunden Meizelte zehen groze wunden Und bant sie, als er da mohte, [24 v } Wan bliben lenger im niht dohte. "Cr sprach: 'nu hilf mir frie 1480 ^ jGodesmuter, sant Marie! Hede ich nu ein simelbrot Und ein drung vvins, daz wer mir not! Nu wer mag han, wes er gert?' Hie mit so schreit er uff sin phert. 1485 Erbeizens begap er und envant nit gemach, Bit er die stat zu Rome an sach. Die jungfrauwe lag an der vart Und hede sin naht und dag gewart. Sie erkande den ritter milte 1490 Bi den wapen und dem schilte. Wer ez , rehte gemercken kan: Bi den wapen erkennet man den man. Ez was reht an den sunnen uffgang, Als die lerckeln hüben uff ir sang. 1495 Die jungfrauwe rief vil sere: 'Wa sint ir Romescher keiser here? Unser kempe komet und hat gewunnen, Er ist der beste under der sunnen, An rehter manheit unbedrogen, 1500 Er bringet sin haubt ame sadelbogen. Entsliczent die porte zu dissen ziden Und lant den helt herin riden. ■Jj;.4Q.L b ljJktt^ag:en f -.]j,ej;re min, Ir enmogent dem lande nit nutze sin. 1505 Ir solnt bcvelhen im uwer kröne.' Daz erhörte der arge Gaverone, Zu dem keiser er do sprach: 'Herre, daz were ein ungemach _____________Und were ein jemerlichez ding, 1470. gerne. 1473. machte, biß vff. 1475. selben fehlt. 1476. Meißelte selbe". 1478. Wann ym zu bliben lenger. 1479—1483. Wohl der Hunger, aber nicht der Stoßseufzer in V. 9 vi. 1482. eynen. wynes. 1483. mag aber. 1485. H s beißens. er nit vnd gemach, i486. Riß das. ane sach. 1494. Also, yren gesang. 1500. an dem. 1504. Ir mogent. gesyn. 103 [25 r ] 1510 Solt uwer dohter han ein fundeling. Hie vor wart Rome auch also vlorn Yorileime fundeling kebisch geborn. So mohte mit disem auch geschehen. Darumb gedar ich raden und jehen, 1515 Besliezent porte und durlin Und lazent in da uze sin. Komet her in der fundeling, Er bruwet lesterliche ding.' Er lag im an mit rade und bet, 1520 Daz er die porte besliezen det. V[u wil ich uch sagen daz "^ Wie die stat behudet was. Die hohste porte hielt degenlich Der werde konig von Frankrich, 1525 Die ander der konig von Hispanien, Die dritte der konig von Alamanien, Die vierde der konig von Engelant, Die fünfte der konig uz Ungerlant, Die sehste uz Schotten der konig starg, 1530 Die sibende der konig von Denemarg, Die ahte der konig von Aragone, Die nunde bevalch man Gaverone, Die zende der konig von Naverne, Die eilfte behielt der babest gerne, 1535 Die zwelfte hielt der keiser rieh Her Johan was gar frolich, Do er der porten nehete sich. Er wände riden in die stat. 1540 Do was vil anders ez begat: Die porte waren gar beslozzen. [2övj Di c jungfrauwe sprach: 'wes hat er genozzen?' Vil groz wart ir missewende, Sie raufte ir har und want ir hende, 1545 Sie sprach mit grozen ruwen: 'Hie ist verraden an den druwen Der allerdurste junge man Der daz leben ie gewan'. 1510. eynen. 1511. verlorn. 1513. Also. 1515. alle porten. 1519. lag dem keyseran. 1521—1536. nicht in V. o vl> . 1523. hohestc. 1529. von Schotten. 1533. l - dem konig? 1534. der Babest behilt. 1535 — I53 8 - s. oben unter Metrik: Vierreim. 1537. Johann der. 1540. was ez vil. 1541. vil gar. 1542. was. 1543. misse va r. 1544. Sie wante yr hende vnd rauffte yr har. 1547. dureste. 104 Do sprachen die von dem senat: 1550 'Diz ist Gaverones rat'. Do her Johan die porte beslozzen vant, Er sprach: 'hilf, heilig heilant! Nu muz ich aber mich aventuren, Got der muze mich furbaz sturen!' 1555 Do quamen die Sarrazin gevaren Uff in mit kreftigen scharen. Er sprach: 'hilf, Maria koniginne! Ich bin verraden uze und inne, Min angest die ist manigvalt, 1560 Sie dringent her dicker dan der walt. Got und sante Michaele Bevelhe ich lip unde sele. Ich wil rehte gein in keren. Sol ich nu sterben mit eren, 1565 So sehe ich doch gern sunder quäle Die junge keiserin zeinen male.' In des wart si im zu sehende kunt, Da sie an der zinne stunt. T^\ o warf er sich umb gein den scharen. 1570 *—' Do sie in gein in sach hin varen, [2G r ] Do sprach sie harte klegelich: 'Ach! frunt, nu Verliese ich dich!' In den storm er rante mit gewalt, Man unde ros er nider valt, 1575 Der vinde er sere gerte. Mit sime scharfen swerte Durchhieb er gazzen ungespart. Er vaht reht als ein lewe hart, Doch begundens uff in strichen. 1580 Von Stichen muste er wichen Bit an der stede mure: Sin aventure wart im sure. Do woltens in han in gelazen, Des zürnte Gaveron uz der mazen. 1585 Die jungfrauwe schrei den keiser an' 'Ach retient disen edelen man!' Manig furste beganz auch jehen; Gaveron liez ez nit geschehen. 15SO. ist aber. 155x. porten. 1552. hilff hilff heiliger. £553. ich mich aber vffa. vgl. V. 9*1% Z. 42 ik wil my ter aventueren stellen. 1557. königynnen : ynnen vgl. 2791. 1558. vßen. 1560. str. her? 1565. gerne. 1566. keyserinnen. 1567. zu sehen. 1568. zynnen zu sehende. 1570. gegen.'hien. 1572. Verliesen. 1573. storm rant er. 1574. roße. 1579. begunden sie. 1581. biß. 1583. wolten sie in hyn han. 1587. begunde ez. 105 Die porten det er besliezen baz, 1590 Der helt da uze mit kommer was. Vor des koniges porte uz Frankrich Da werte er sich gar krefteklich, Sin ros wart im geschozzen dot: Do stunt er zu fuze in grozer not. 1595 T~V e jungfrauwe sande im dar Wol fünfzig ritter in einer schar, Die heden alle lehen von ir, Die stürben alle, glaubent mir. E si im zu helfe mohten komen, [26 v ] 1600 Do was in allen der lip benomen. Do zwivelte her Johan sere. Er sprach: 'herre got, durch din ere Hilf mir hude uz dirre not!' Daz vernam ein ritter hiez Lamelot, 1605 Der lag bi der jungfrauwen Uff der muren und sach hauwen Den jungen helt vil sere. Er sprach: 'o keiser here, Hie blibet der beste ritter dot, 1610 Den got der werlte ie gebot. Ich mag ez nummerme verdaugen, Daz ich sehe mit minen äugen. Jedoch er minen bruder erslug, Davor bot er bezzerunge gnug. 1615 Ich wil im helfen uzer not, Oder ich gelige bi im dot.' Gaveron sprach: 'deist uwer gevug, Er ist der uwern bruder erslug. Ein junger ritter auch dot lit, 1620 Uwer swester son, den er slug sit.' T Ter Lamelot sprach: Vaz dan? ■*■ ■*■ Ezn widerredt mir daling nieman.' Er bereite sich an die vart, Er wapente sich in harnesch hart, 1625 Er fürte zwei swert an eime riemen, Sin heim was gut, bezzern het niemen, Sin sper der hade ein isernbant Von dem isen bewunden an die hant". 1590. helte. 1591. uze] uße alleyne. 1601. vil sere. 1602. Her. i6o9f. vgl. V. jo rb , Z. 2 ff. Hier blijft huyden den besten ridder doot . . . ic en kans niet lang- her ghedoghen dat hy hier voor mijnen oogen sal moeten sterven. 161 1. nürae. 1613. er mir. 1614. er myr. genug. 1617. das ist. 1620. er erslug. 1622. Ez widder retdit. dalig man. 1627. der fehlt, iserin. 106 Er reit zu skoniges porte uz Frankrich, [27*] 1630 Der liez in uz gar snelleklich. Er brach mit kreften durch die schar, Er quam zu herrn Johan aldar, Da er manigen heiden valt. Her Lamelot quam mit gewalt 1635 AI durch die schar gedrungen: Er valte d'alten zu den jungen. Und do in her Johan ersach, Von schrecken ime leide geschach: 'Nu weiz ich wol daz ich bin dot, 1640 Dort komet min herre her Lamelot, Dem erslug ich den bruder wolgeborn, Ich weiz, er hat minen dot gesworn'. 'Nein, verzage nit, edeler man, Ich helfe dir, so ich beste kam' 1645 'Ist ez druwe ane spot?' 'Ja, so muze mir helfen got!' Her Lamelot swinde hin rant Uff der Bruzer konig zu hant, Sin sper er mit armen vaste hielt 1650 Und stach in durch den grünen schilt Hinderz ros an sinen dang Me dan zehen fuze lang: Also leiter den heiden nider. Er ving daz ros und kerte wider, 1655 Da stunt zu vehten her Johan. Er sprach: 'Nement daz ros daz ich gewan, Eist starg unde harte gut, Ez dringet in die puader wol gemut. [27 v ] 1\T U m:icnen t uch menlich zu were 1660 -L^l Qein dem ungedauften here.' Die uzerwelten frechen man Riden beide mit enander an, Hauwen unde stechen was ir werben, Die veige waren, musten sterben. 1665 Sie hiewen die schilte hien me noch me, Daz die spene uff vlugen als der sne. Die ros sie hiewen hinderm sadel enzwei, Manig von noden gar lüde schrei. 1629. zu des k; porten von. 1632. her Johan vß dem virgiere. 1636. vellete. die alten. 1641. den] synen. 1645. Her Johan rieff ist. 1646. helffen vnser here got. 1647. rante : hante. 1651. Hynder das. an] sunder. 1657. Ez ist. vnd auch. 1662. Riden] Bitten, mittenäder. 1664. waren die. 1665. hien] = hier in? vgl. 1759. 1666. spenen. vff über der Zeile ergänzt. 1667. roße hiewen sie hynder dem. 1668. Maniges. 107 Sie werten sich mit gewalt, 1670 Bit sie zu fuze wurden gevalt. Do die ros in warn erslagen, Do wart uff sie ein dringen und jagen. Do würfen sie die rucke zusamen Und werten sich an allez schämen. 1675 Sie sahen die uff der muren lagen, Der babst begunde den keiser fragen: 'Sal man den helden nit komen zu helfe?' 'Nein', sprach Gaveron mit gelfe, 'Ez ist hie nieman also gut, 16S0 Der mir die porten uff dut, Ez wirt an im gerochen sere, Eist mir verboden an min erc.' Die jungfrauwe vlehelich hin drat, Den keiser und Gaveron sie bat, 1685 Man solte den recken zu helfe komen. Gaveron sprach: 'ezn mag nit fromen, Ich wil die porten zu han. Waz not ist umbe zwene man?' Do die maget sach daz man nit det [28 r J 1690 Durch ir willen noch durch ir bet, Do weinde sie vil innekliche. Nu lan wir bliben die minnekliche Und sagen uch von andern dingen, Wie disen herren möge gelingen. 1695 T~^a vaht her Johan und Lamelot. Waz in genahte daz was dot. Als uns diz buch kan beduden: Sie machten einen berg von doden luden, Da sie zu were uff stunden. 1700 Sie haden vil grozer wunden, Doch ieglich werlicli vor drat. Daz sach ein ritter uz der stat, Geheizen was er Lanzelot, Ein kreftig helt zu aller not. 1705 Den keiser manete er bi namen: 'Her keiser, ir mogent uch wol schämen, 1670. Bitz. 1671. .yn die roße. 1672. vnd ey. 1675. sahen die Romer die. ■677. Solle. 1682. Ez ist. 1683. vil vi. 1684. sie do. 1686. ez mag sye. 1690. Durch yren. das zweite durch über der Zeile ergänzt. 1691. weynete. 1693. uch fehlt. 1696. genahete. 1697. vgl. V. Bl. iO VI >/ b daer warender alzoo veel verslaghen/ datter cenen berch van doden voor hen lach. 1701. Dach ieglicher werlichen. !/04- helte. 1705. by synS mämen (erster Strich des ersten m- ausgestrichen). 108 Daz ir kein helfe zu dirre zit Den rittern sendent an den strit. Die uch groz ere hant gedan, 1710 Wolnt ir die so verderben lan?' Der rede nieman entwurt bot. Do wart zornig her Lanzelot: 'Ich mag ez lenger nit verdragen, Soln si böslich sin erslagen, 1715 So muz ich bi in bliben dot Oder ich helfe in uz der not'. T~\o wapent er sich wol zu hant, -*-^ Sinen heim zu haubte er bant. [28 V J Do braht man im hervor geleit 1720 Sin gut ros vil wol gekleit, Dar uff er saz ein ritter gut, Zu striden stunt im sere der mut. Er reit uz vil dugentlich Zu des koniges porte uz Frankrich, 1725 Noch dan sach er her Johan und Lamelot Vehten in vil grozer not. Sie slugen uff die Sarrazin, Auch liden sie von in groze pin. Lanzelot hin gein in reit, 1730 Des wurden si vil sere gemeit. Do sprach der frie Lamelot: 'Ich hoffe uns wolle helfen got. Min geselle Lanzelot kumet da her.' Her Johan sprach: 'ich bin sin wer, 1735 Ich höre in der stat die lüde karmen, Ich hoffe uns sal ieman erbarmen, Wan uns were der helfe not'. Daz erhörte her Lanzelot. TTA o rande der degen frie 1740 J -' Uff den konig von Pulgerie Und stach in mit sime spere Uz dem sadel, des bin ich were. Er nam daz ros an sine hant, Er reit, da er her Johan vant, 1745 Er gabz im dar und seide: 'Ir habent groze arbeide 1707. keyne. 1710. Wollet». 1712. anczelot. 1714. Sollent. 1715. ich auch. 1716. helffen. vßer der. 1718. er zu heubte. 1719. brachte, geleydet: gecleydet. 1721. saß als. 1722. porten von. 1729. Anczelot. 1735. höre die lüte in. 1738. ancze- lot. 1743. roß in die h. 1744. da her, aber h- durchstrichen. Johanna. 1745. gapez. seyt: arbeyt. 109 Erliden hude in dirre zit, [29 r J I'n wil daz ir zu fuze sit'. Er namz unde dankte im sere 1750 Und gabz Lamelot, dem degen here, Und sprach: 'geselle nementz von mir, Eist bezzer, sterben ich dan ir, Sit ir her komen sint durch mich'. 'Diz ist ein schone sune sicherlich 1755 Vor minen brudcr, den werden dcgen. Er ist dot, got wolle unser phlegen!' Ein ander ros her Johan gewan Eime heidenschen herren an, Auch was Lanzelot komen hien bi: 1760 Do warn gesament alle dri. Zu rosse si alle dri do waren, Man sach sie menlich gebaren. Sie striden den dag und die naht, Kein here nie so wol gevaht, 1765 Sie erslugen, wen diz wundert, Me danne vierzig hundert. 1,0 man den andern dag ersach, Und der sunnen schin uff brach, Mit godes heil und ir kraft 1770 Sie werten sich gein der heidenschaft. Die Romer sahen iren strit, Ez wunderte deiukeiser zu der zit. Er sprach: 'valsch verreder Ga.verou, Der duvel wolle dir senden Ion, 1775 Ir harrt lesterlich verraden mich. Ich ervriesch nie sicherlich [29 v ] Von eime so wenigen here, Daz vor so grozcm stunde zu were: Ir sint nit dan drie man. 1780 Wol uff! wer mir gudes gan, Der helfe mir retten die edele man.' Die stormglocke zoch man an. Do die drie erhörten daz, Sie striden verre deste baz. 1785 Sie sprachen: 'man wil zu helfe uns komen, Erst wolln wir weren uns zu fromen'. ■ D c 1747. Herlitten, dage zijt. 1748. Ich wil nit. yr me. 1749- nam ez - ^S 0 - ß a P ez. 1751. nemet ez. 1752. Es ist. ich sterben dan vgl. V. u ra , Z. 32. 1754 str. schone? 1757. gewann myn herre Johann. 1758. mit gewalt an. 1759. antzelot. 1760. warent sy. 1761. drie da. 1764. Keyn kleyn. 1770. Werten sie sich, geyn aller der Ritterschafft. 1771. /.wol ir strit? 1778. so vor großem folke. /. stunt? 178s. vns zu h. 1786. wollen, vns weren. D ( 110 Uff des keisers sal mang edel man Det sin gewepen snelle an, Mang verdecket ros man dare zoch, 1790 Starg, snel und auch hoch. ( er keiser gewan dru dusent man, Oaveron gap man den storm van; Daz verhing der keiser umbe daz, Wan er der Romer consul was. 1795 Do daz volck was gewapent gar, Sie riden uz in einer schar. Noch dan stunden die dri zu were Gein der sarrazine mordesch here. Und do die heiden da vernamen, 1800 Daz die kristen mit hufen quamen Und sahen an denselben stunden Wol fünfhundert banier entwunden, Do scharten sie baz ir hcre Und stalten sicli da reht zu were. 1805 Uff bliez man die herehorn: Do wart manig man verlorn. Man sach da brechen manigen schaff Und swertes siege mit uberkraft. Und do sie vcrgaderten zu beiden siden, 30 r ] 1810 Gaveron liez im den van entriden Und machte sich zu vluhte schiere. Uff die erde warf er die baniere, Uff den rücke swang er sinen schilt, Er vloch zur porten, die er hielt. 1815 Und do Gaveron vlien began, Do vloch manig edel man. Daz ersach her Johan uz dem virgiere: Die banier zucketer uff vil schiere, Daz swert er hielt in der andern hant, 1820 Da mide er manig vel endrant, Und sine gesellen bede Die bliben bi im stede. jo rief vil lüde her Johan: "Nit vlient sus ir edel man, 1825 Kcrent wider und vahent stolzen mut, Got ist uns zu der helfe gut'. D c 1787. manig. 1788. Det da. 1789. Manig. dar. 1790. St. vnd snelle. 1792. Gauerone. 1796. ritden zu der porten uß. 1798. sarraezen. mordeschem. 1800. mit dem. 1807. manichen. 1810. entrieten (: sijten). 1813. rücken. 1814. zu der. ynne liilt. 1815. flilien. 1816. Edel man. 1818. Das. 1819. hilt er. 1824. fliehent. edeln. 111 Ezn half aber riit waz er gemande, Der son über den vader rande, Der vader rande über daz kint: 1830 Sie stoben zur stat als der wint. Do die drie sahen an den stunden Daz sie daz volck nit keren künden, Gein der stat sie wichen nach dem here Und buden doch vil stareke were. 1835 Der kristen wer vil gelegen dot, Newere der edele Lamelot Und Lanzelot und her Johan, — Doch vluren sie xiiij dusent man, Auch slugen die kristen in der not 1840 Der beiden X. dusent dot, — Doch was her Johan der beste helt Ob in allen uzerzelt, P° v ] Lamelot darnach und Lanzelot (Sie waren wont bit uff den dot), 1845 Wan die drie daden der heiden schar Me schaden dan d'andern alle gar. : o die kristen quamen in die stat, Der keiser vaste besliezen bat: Duze liezen sie die Sarrazin. 1850 Her Johan leit vil groze pin Von den wunden die im warn gehauwen. Er ging zu siner jungfrauwen. Bedrubet was die jungfrauwe vin. Sie sprach: 'willekom, herre und frunt min! 1855 Mogent ir und uwer gesellen genesen?' 'Jungfrauwe, da muz glucke bi wesen: Heden wir meister zu disen stunden, Die uns heilten unser wunden!' Die jungfrauwe sande gein Mompoligre 1860 Und gein Salerne nach meistern schiere. Die bunden den herren ir wunden schon Und verdienten riehen Ion. ( ie heiden slugen ir gezelt Vor die stat al uff daz velt. 1865 Sie swuren bi Machmet und Apollonen, Bi Termande und Astoronen, D' D' 1827. genäte. 1832. bekeren. 1833. Sie wichen geyn. 1836. Danne der. 1837. anczelot. 1842. allen vor. 1843. anczelot. 1844. waren alle drye w. biß. 1846. die andern. i849.Dauze. 1850. leit aus lijt korr. 1852. ging hin. 1861. schone: lone. 1865. str. und? 1866. /. Tervagant? Hinter Astoronen steckt wohl Astiroth. 112 Bi allen apgoden: man und wip, Si musten alle vliesen den lip. Des haden sie sich dure vermezzen 1870 Und haden Rome alumbe besczzen. Die Romer sazten sich zu were, Sie sahen daz daz heidcnsch here Stürmen an die stat began, Sie haden manigen edel man 1875 Dinnc, die sich sere werten. [31 r ] Die heiden quamen mit hofferten, Ir dartschen. brahten sie gedragen: Da wart geschozzen und geslagen. Sie worfen swindc von den muren, 1880 Wan sie da nit wolten luren. Uff fünfhundert dot bliben, Als man ez vindet noch gcschriben. Die heiden wurden scliuen ein deil, Wan sie ersahen ir unhcil. 1885 Ir oberst soldan hiez liagelos, (Er was starg gnug unde groz.) Er sprach: Vir vliesen hie vil man, Ich gebiede 3az man zi darvan. Wir muzenz anders bedenken, 1890 Da mide wir in ir were krenken.' 1 Do wurden gemachet bliden, lonkere, Tribocke und bussen schozzen sere, | Katzen, schirm und domelere: j Alrest wart daz urlug swere. 1895 IVA an warf und schoz in und uz den muren, ^ ■*■ Nieman künde wol geduren. Zusehen dem here und der stat Manig wer gesprochen wart. Der stat enmohten sie nit gewinnen, 1900 So wol warn sie bewaret innen. Menlich muste bliben uff der mure, Ez enwart kein urlug nie so dure: Die steine vlugen in und uz, Notstelle, bossen: hie wurf, da schuz. _______ 1905 Do wart geviret naht noch dag, 1867. aptgoden 1871. Romer die 1872. heydensche. 1873. An die stat stürmen. 1874. edein. 1875. Da ynne. weriten. 1878 gesloßen aus geseozzen verschrieben? 1880 luren = träge sein. 1881. ir dot. 1882. nach v. 1883. schuhen. 1887. Verliesen. 1888. zihe: oder l zi(h)evan? 1891. lonkere] s. Ehrismann, PBB. 24,400. 1894. urluge. 1895. uz der; und fehlt. 1898. Manigen wör. 1899. mochten. 1902. urlüge. 1903. Die blyden steyne. 1905. naht vnd dag, doch vnd ausgestr. und nach übergeschrieben. 113 Do was nit wan donreslag. Die kristen machten mang schermuzelin r31v J Zu den porten uz uff die Sarrazin, Die heiden gaben in wider gelt, 1910 Sie musten in dicke rumen daz velt. Bewart die stat was und ir zinnen, Die heiden mohten sie nit gewinnen, Doch heden sie sie zu gewinnen gesvvoren: Der eit wart valsch und verloren. 1915 Sie lagen dar vor ein ganzez jar Und ein halbcz, daz ist war. T~"\o geschach den Romern überlast, Daz in an der spise gebrast, Wan sie gedursten niergen uz varen 1920 Und musten auch ir stat bewaren. Si liden hungers und dorstes vil, Me danne ich uch sagen wil. Iedoch ich uch sagen mag: Uff einen grünen donrestag, 1925 Als got mit sinen jungern az Und in bot daz gesegente maz, Do solten die kristen frolich sin; Do haden sie weder brot noch win. Ich enweiz wer sie genert: 1930 AI ir vihe was verzert. Do rief der kciscr eins abends spade AI sine hohe herren zu rade, Er bat sie ime rat geben. Sie swigen alle stille eben 1935 An .der verreder Gaveron. Er sprach: 'ich wil uch raden schon. Volgent ir mir, ez wirt gut.' 'Ja', sprach der keiser ungemut. 'Deist.daz beste, wir verzien uns gar [32f] 1Q40 Gods, siner muter und ir schar, Daz'wir iht von den heiden sterben: So lant sie uns gnade erwerben.' Also sprach der valsche man. Des ande nieman dan her Johan. 1945 Do sprach der edele baron: 'Dazn sol wir nit dun, Gaveron. 1906. nit anders, donrslag. 1911- Bewart was. 1918. spisen. 1919. Was- 1924. donrstag. 1929. generte. 1930. Alles. 1932. Allen synen hohen. 1939. Das ist. verzihen. 1940. Gottes vnd. yre. 1941. icht hinter heiden. 1943. sprach Gaveron der. I944- anete nyeman der J. 1946. sollen. Robert Pricbsch, Johan ftz dem virgierc. » 114 Wir soln uns vaste halten an got Und stercken sin heilig gebot. Bliben wir dot, got gibt uns Ion 1950 Dort in dem ewigen fron: Er let sin frunt zu keiner stunt.' . Do, slug in Oaveron in den munt, Her Johan wolt sich gerochen han, Do nam er sich der vlwhte an. 1955 Ern mohte nit gerechen daz slagen, Daz begunde er gode klagen. Blutvar was im der munt. Dp sprach der keiser an der stunt: 'Ir böse verreder Gaveron, 1960 Uch wirt zu lest doch böser Ion. W ert ir nit rittcr, uch hülfe kein wenken, lehn dede uch an ein galgen henken. Nu gebent mir rat, min her Johan', — Sprach von Rome der edel man — 1965 'Ich wil vurbaz zu mime rade Uch gerne haben fru und spade Und zu mime obersten vaüte han. Nement hin die sluzzel, edel man, Und rihtent gedruwelich 1970 Vurbaz über arm und rieh.' T~\o her Johan die sluzzel hade genomen, |32 v ] J-^ Do was er zu hohen dingen komen. Er sprach: 'gnade, herre, keiser rieh, Ich bin nu beraden gar herlich. 1975 Eist hude der grüne donresdag, Den man vil wol eren mag, In dirre naht gevangen wart Cristus, unser heilant zart. Er liez sich morne durch unser liebe 1980 Henken zusehen zwene diebe. Darnach der osterabent lit. Mich dunket gut daz wir die zit Unse vinde lazen vri, Bit uns der osterdag komt her bi _______ 1985 Und menlich" sich mit got bewar: 1947. veste 1948 heyliges. 1951. leflet. 1953. wolte. 1954. in V. i2 rb , Z. 10 sind es Gouwerons maghen, die ihn schützen. 1955. Er. 1959. böser. i960, leste. bösen. 1962. Ich eynen 1963. min] lieber. 1965. wil uch. 1966. Uch fehlt. 1967. Ich wil uch zu. 1968. slussel hin 1972. hohen fehlt. 1975 —1985. Nichts von der Osterzeit in V. I2 rb . 1975. Es ist. donrstag. 1979. morne fehlt. 1980. Henken also morne zusehen zwen. 1982. die] diße. 1983. Vnser vynde durch got. 1984. Bitz das. 1985. Vnd sich m. 115 So rade ich daz man dan uz var Uff unse und godes viande Und sie dribe uz unsem lande.' Der rat geviel in allen wol, 1990 Sie sprachen, er wer guder sinne vol. Nu do der osterdag ane ving Und menlich zu kirchen ging Und namen godes dienstes war, Der keiser quam mit den sinen dar. 1995 Und do die messe wart gesungen, Alte und junge do uz drungen, Und Uten uff des keisers sal, Da sie nach ir herzen wal Mit luste wolten frolich sin: 2000 Do fluiden sie weder brot noch win, Noch körn, mel ader brot, Der hunger schuf vil manigen dot. [33 1 ] Jeglicher sach den andern an. Do sprach uz dem virgiere Johan: 2005 'Wil ieman mit mir uz riden Zu velde nach spise an disen ziden?' Man seit uns daz sie alle swigen Und haden die haubet nider genigen. Do sprach Johan uz dem virgiere: 2010 'Bringent mir min wapen schiere, Ich wil zur stat uz riden Und wil nit lenger biden'. Als balde als er daz wort gesprach, Sin wapen man dar bringen sach, 2015 Daz leit an sich der degen wert, Umb sich gurte er sin gut swert, Ein monich kappe det er an Über sinen harnesch der freche man. Uff sin ros er swinde schreit, 2020 Zur porten uz er frilich reit. Sie wünschten ime glucke und ere Ane Gaveron, der hazte in sere. Er sprach heimeliche sider: 'Nummer muze er komen her wider!'. 2025 TT er Johan der rede nit enhort, ■*-l Er slug mit sporen und reit vort. 1988. triben. vnßm. 1990. streiche guder? 1993. dienste. 1998. yrs. 1999. lust. 2000. b. n. w. = Speisevorrat, man würde b. und w. erwarten. 2005. mir feh 11. 2006. Nach spise zu velde. 2008. heubte. 2011. zu der Rat stat. 2012. beyten. 2013. Also. 2014. Syne 2022. Ane der verreter G. hassete. 2025 reden, en- horte : vorte. 8« O' 116 Do sach er manig rjaulon gemeit Er hade gevastet mit grozer mäht 2030 Wol vier dage und vier naht, In hungerte uz der mazen sere. Wen wolte wondern dise mere? [33 v ] Vil dicke rief der frie: 'Hilf, muter godes, Marie! 2035 Ez ist hude der fünfte dag, Daz ich ezzens nie enphlag.' In des im zu sehende wart Ein gezelt von kostlicher art. Ez was von oben bit zu niden 2040 Bla und grüne undersniden. |ben uff stunt von golde ein sterre, Der luhte gein der sunnen verre. In dem gezelt zu ringe sazen Vierzig heidensch konige und azen: 2045 Sie haden wilde und auch zam. Her Johan aldar geriden quam, Er schaute ir dafel, sien was nit kräng, Sie haden roden win und blang. Sine freude enwart do nit zu kleine. 2050 Er sprach: 'hilf, Maria, muter reine! Mit disen sal hude ich ezzen hie Und geluden mich doch nie.' Er erbeizte von sime rosse schone Und drat hin in die pavelone. 2055 Er gruzte die herren alle sant In heidenscher spräche was im bekant. Sie fragten in, waz er da suchte Od waz nuwer mere er da geruchte? "Cr sprach: 'bi miner kristehheit! 2060 *-> Ez ist der vierde dag daz ich reit Alher von Romen uz der stat, Als mich min herre der keiser bat.' Sie sprachen, obe er were sin bode? 'Ja' (sprach er), 'bi dem lebendigen gode!' [34 r ] 2065 Der soldan sprach: 'sage mir eben, Wil man mir die stat vri eigen geben 2034. sce M. 2036. essens oder drinckens. 2037 — 2042. vgl. V. i2 va , Z. 4off. 2037. sehende. 2038. gezelte. 2039. biß niden vgl. v. 880. 2044. heydensche. 2045. auch wilde vnd zam. 2047. schauwete. 2049. zu] so. 2051. sal ich h. 2053. erbeyßite. 2054. paulone. 2055. allesampt. 2056. sprachen die. Also verwischtes dirö koivoO wie 2147 f. 2057. suchite. 2058. Oder. z- 117 Und dar zu allez romisch rieh?' 'Nein, herre', sprach er, 'sicherlich'. 'Waz mere bringent ir, sagent gereit?' 2070 'Ich sagez, doch ist sit in kristenheit Kein bode let sine botschaft wizzen, Er habe dan vor hin wol inbizzen.' Sie sprachen daz er seze, Vaste drunke und eze 2075 Und in dar nach seide Die botschaft bi warheide. 'wene knaben brahten zwei dische klein Und ein hulczen davel uzer mazen rein. Die davel begunden sie dar machen, 2080 Dar uff ein siden dischlachen Und einen nap von golde, Da er uz drincken solde. Man brahte edele spise und brot, Dazn det dem herren nit zunnot. 2085 Er nam wazzer und saz zu dische, Man braht im wiltpreht unde vische Und den aller besten win, Der in der werlte mohte sin. Er sach umb sich her und dar, 2090 Obe sin ieman neme war. Er sprach: 'ir edele barun, Ich muz min kappen abe dun. Darumb bitte ich uch, helde gut, Entphantz vor keinen argen mut.' 2095 Sie sprachen: 'nu du, edel man, Ez enghet uns nüschnit an'. [34^] w es , er g er t des hede er gnug, Vollekliche man ez vor in drug. Er volte die kutte als einen sag 2100 Mit brode, da sie bi im lag. Als lange drang und az her Johan, Bit daz er xvij brot gewan Unde stucke vleisch ein michel deil: 2067. Romische riche : (sicherliche). 2070—2072. vgl. W. Förster, Aiol et Mirabel v. 4032 ff. 2070. sage ez uch. ist ez in. 2071. Sit keyn. 2072. vielleicht besser Ern habe vor; vgl. V. i2 vb , Z. 23 he enhebbe te voren gegeten. 2077. dischleyn: reyn. Oder /. dischlin ; vin? dem Sinne entspräche besser stollelin : vin, s. Parz. 233, 2 ff. 2078. dafeln. vß der. 2084. Das. zu unnöt. 2086. wilprecht. 2094. Entphahent ez. 2095. Vor du (du = tuo) die ausgestrichen. 2097. das. 2098. Volleklichen. man aus mam korr. 2099. Vollete. also. 2JOl.Also. 2102.Bitz. 2103. fleisch stucke. 118 Des was er an sinen sinnen geil. 2105 TVe herren wunderte alle daz Daz er so vil drang und az. Sie sprachen: 'die in Rome sint gesezzen, Hilf Machmet! mögen die so vil ezzen, So ist wunder dazs xviij dage brot 2110 Mögen han zu dirre zit und not'. Do her Johan brodes gnug hade Und vleisches und von anderm rade, Do warte er an den stunden, Wa sin ros stunt gebunden. 2115 Er sprach: Viste ich wer der hohste were, Ich seide im mibe botschaft offenbere'. Do sprach der soldan Hagelos: 'Ich bin über d'andern herren groz. Wer mir beneme mine kraft, 2020 Der swechete alle heidenschaft. Hie sitzent vierzig konige here, Der sint nunzcn mine dienere, Die andern sint min frunde gut. Sage an dine botschaft unde mut!' 2025 'Herre, ich sage uch an dirre stat, Waz mir min herre bevolhen hat. Her richer soldan, daz glaubet Der keiser sant mich nach uwerm haubet' So sprach der edele ritter wert. [35 r ] 2130 Mit dem worte zoch erz swert, Er slug imz haubt ab, daz ez sprang Von im wol siben fuze lang. Sie vluhen vorne paulone uff die grüne Under in allen was keiner so kune, 2135 Daz er regete fuz od hant: In zageheit warn sie geschant. Der konige slug er sesse dot, Die andern endrunnen im mit not. TT er Johan der kutte nit vergaz, 2140 ^ 1 Da mide er uff sin ros gesaz. E sich die heiden bereiten zu were, Do was er komen uz dem here. 2104. an] in. 2108. machemet. 2109. So ist ez. das sie, doch lautete der Vers vielleicht ursprünglich: So ist ez wunder daz sie brot, vgl. V. i2 vb , Z. 42ff. 2110. vnd diser. 2111. /. gnuge (Genüge)? 2 j 12. fleisch. 2115. wüste. 2117. könig soldan. 2118. die andern. 2122. Nünzehen. 2123. myne. 2124. vnd dynen. 2127. gleubet: heübet. 2128. sante. streiche mich? 2129. Also. 2130. er das. 2131. yme das heubt abe. 2133. von dem. 2135. oder. 2139. syner kutten. 119 Er reit gein Romen an die stat: In lazens er do bat. 2145 Die heiden randen uff in unverdrozze Und valten in nider mit dem rosse. Do muste er doch sin bliben dot, Do half im aber her Lamelot Und Lanzelot hülfen im in. die stat. 2150 Die.jungfrauwe quam an freuden mat Und von hunger also bleich, Daz sie ir selber kume geleich. 'Sint wilknm, herre, bringnt ir kein brot, So blibe ich hungers sicher dot.' 2155 'Ja, ich', sprach er, 'jungfrauwe vin, Sent hin, hie ist ein brodelin.' 'Bi got! eist hude der vierde dag, Daz ich ezzens sider nie enphlag. Ez hat gekrencket mir daz leben.' 2160 'Sent, ich wil vleisch uch da zu geben.' Sie was vro, do siez gewan, (•i5 v J Vil edeliche beiz sie dran, Sie gap im balde ein ende. 'Jungfrauwe, daz ist missewende', 2165 Sprach uz dem virgiere der edelman. 'Ir solt uwern meiden gedeilet han.' Sie sprach: 'der hunger det mir not, Ich moht mit nieman deilen min brot'. Dem herren wart zu lachen not. 2170 Ein ander brot er ir dar bot. Do ging er deilen ir jungfrauwen Zu ringe umb brot: des began man schau wen. Des quam auch dar her Lamelot: 'Geselle, ir slugent min bruder dot, 2175 Vor sin jungez werdez leben Haut ir kein bezzerunge geben, Wizzent, ich und mine mage, Wir enrechenz nit so drage.' TT er Johan sprach: 'als ich uch bot, 2180 -•- * Daz dun ich noch: mit golde rot Wil ich uwern bruder wider wigen, • Ich wil des nummer uch geliegen. 2145.Rome. 2144. In laßen er sich. 2145./.Sie randen?. muerdroßen: dem(!) roßen. 2146. velten. 2149. anczelot. die hulffen. 2153. willküme. 2154. von hunger. sicher- liehe. 2156. Sehent. 2157. gotte. ez ist. 2158. ezzens sit. 2160. Sehent. wil uch. 2161. frolich. sie es. 2162. edelichen. sie] die. dar an. 2166. soltent. mit gedeih. 2167. mirso. 2168. mochte, gedeilen. 2171. under ir. 2172. begunde. 2174. erslugent mir mynen. 2176. yr mir. 2178. rechen ez. 2181. wiegen: geligen. 2182. wil uch. nyemer. [36.'] 120 Bürge, stcde und wide lant Wil ich ergeben in uwer hant, 2185 So balde so mir komet der dag, Daz sich min glucke frauwen mag.' 'Bi gode' (sprach er) 'ich endun sin nit, Gebent ir mir schaz, die lant da mit: Min herze keines schazes gert 2190 Vor minen edelen bruder wert.' 'Crist gesein! waz wolt ir dan?' Sprach der edele her Johan. 'Gebent mir die helfte von eime brode, So ist gebezzert wol der dode.' 2195 U[ei" Johan sprach: 'salz dan stede sin?' Er sprach: 'ja, uff die druwe min!' 'So nement hin, deist ein sune brot. Ich enhede uch doch nit lazen in not.' Do quam Gaveron der verredere, 2200 In hungerte zu dode sere, Er schemete sich zu bitten brot, Vil dicke wart er bleich und rot, Doch hedez im gestanden umb sin leben, Im enwere des brodes nit worden geben. 2205 Her Johan gedahte zur selben stunt: 'Diss brodes enbizet daling din munt'. Die andern zwölf brot er sloz Der jungen keiserinn in ir schoz Do wurden die dische schiere bereit, 2210 Man gap wazzer durch hubischeit. Do sie da waren alle gesezzen Zu dische dar und solden czzen, Do haden des brodes zwei und zwei Kume so groz als eins hunes ei. 2215 Ich glaube koche und drossezen Auch do vil lutzel ezen. ^o man die dische abgenam, Her Johan vor den keiser quam. Der keiser sprach: 'waz ist uwer rat, 2220 Sit min drost nehst gode an uch stat?' Do sprach der edele her Johan: 'Wir haben so manigen vromen man, D ( 2185. balde als. 2188. allen schaez. 2192. herre her. 2195. sal ez. streiche tlan? 2196. Lamelot sprach. 2197. daz ist. 2198. hede. gelaßen, in der. 2200. gar sere. 2203. bette ez. 2204. were. gegeben. 2207. schloz. 2208. keyserynen. yren. 22:0. durch die. 2213. haden nach gebarniße zwey. 2214. so groß brodes. 2220. Nehste sit m. d. an got vnd (über der Zeile ergänzt) an. Zu nehst als Präpos. vgl. ZfdA. 54, 263. 2221. Edele vergierer her. D c 121 Wir soln uns morne scharen mit kraft Und uz zien uff die heidenschaft, 2225 Gewinnen gut unde spise Mit godes helfe von dem paradise, [36 v ] Der uns hälfet in aller not. Ich han ir besten geslagen dot.' Der keiser sprach: 'ez duncket mich gut. 2230 Wol uf, min helde, wol gemut! Jederman sich bereide dar Morne zu striden an die schar.' ^o sie gesliefen uff den dag, Daz die sunne ir schin erwäg, 2235 Do wapent sich allez, daz da was, Und zugen bi skeisers palas. Uz zu zien sie vingen an. Her Johan drug den stormvan Und sine gesellen riden im bi, 2240 Zwene ritter stolz und vri, Und sie vergader^en mit kraft Friliche uff die heidenschaft. E die sarrazine quamen zu wer, Do was entschompiert ir her. 2245 Ir warn luzel, die da hielten Und mit v^ere des veldes wielten: So vluhtig waren sie do alle. Die kristen füren uff sie mit schalle. So vil wurden ir do erslagen, 2250 Daz man wunder noch da von mag sagen. Die heiden lagen al sigelos, Die kristen gesigeten mit eren groz. Manig edel kristin Fürte brot, körn unde win 2255 Hin gein Romen in die stat Und manig gezelte schon und glat. Sie funden goldes und silbers vil, Neppe, koppe ane zil, [37rj "Bare phennige, schone gesmide, 2260 Samit, peller unde side. Sie funden alles des genug, Waz dise erde ie gedrug. 2223. scharen morne. 2224. zihen. 2228. yren. 2230. alle myne. 223i.bereyde sich. 2232. stride. 2234. yren. 2236. des keysers palast. 2237. fyngen sye. 2242. Frylichen. 2245. sarraczyn. 2246. feldes do. 2247. do fehlt oder geriet vielmehr in 2246. 2250. nach. 2251. logen da alle. 2253. edeler. 2257. Silbers fyn v. 2258. koppe von golde. 2261. gnug. 122 Sie fürten in under andern Sachen Manigen schonen vleischbachen, 2265 So daz sie gespiset waren Wol zu funfzen jaren. "T^vo warn die kristen vil vro, Daz ez komen was also. Ir sorge wart al da vil klein, 2270 Sie lebten vrolich under ein. Tlorent (sprach her Johan) waz ich uch sagen vvil: Ir hant erliden hungere vil, Ir solnt mit ezzen mezig sin, Und drinckent mezlich von den win, 2275 Daz ir mit nuwen schaden Iht werdent überladen. Manig dummer was so unwise, Daz er az so gruwelich der spise, Daz er lenger mohte geleben nit: 2280 Die edcln hielten iren sit, Sie zerten mezlich und doch gnug. Her Johan was frolich unde klug, Er ging sten an der selben stunt Vor den keiser Sigemunt. 2285 'Herre, ich mane uch bi gesundem übe, Qebent uwer dohter mir zu wibe Und uwer kröne und uwer lant, Als ir mir vor gelobet hant. Ich dede gern min hochzit schon.' 2290 Daz erhörte der yerreder Gaveran. sprach zum keiser heimelich: 'Herre, nu vernement mich. [37 v ] Herre, waz uch dar nach erge, Uwer dohter gebent im nummerme. 2295 Woltent ir uch also uneren? Wollent ir uch noch an mich keren, So han ich funden in mime rade, Ez geschat uch nummer fru und spade.' 'Ja', sprach der keiser rieh, 2300 "Waz ir radent, daz dun ich.' 'Da solnt ir im zu sinem leben In der stat eins meiers dohter geben 2265. Also. 2266. funffzehen. 2269. kleyne : eyne. 2272. harte vil. 2273. Zu ersten sollent yr. 2276. werden. 2277. Maniger. 2279. lenger geleben mochte. 2280. /. wol ir s.? 2285. manen. 2286. Das yr mir u. d. gebent z. w. 2288. Also. 2289. hochgezijt schöne : Gauerone. 2290. streiche der verreder? 2292. wol mich. 2296. nach. 2299. riche. /. her und rieh? 2302. eynes Meyers. E' 123 Und jares xxx hundert phunt: Daz ist im gnug zu dirre stunt. 2305 Er mag stechen und tornieren Und sich mit schonen kleidern zieren Und leben harte schone: So blibet uch lant und kröne Und uwer schone dohter Clarie, 2310 Ir wirt wol ein herre frie. Wil er dar wider jenen od dencken, So dut in in ein kerker sencken, Da die nadern und die slangen Sinen lip balde umbevangen. 2315 Komet er uzwendig der mure, Ez wirt uns allen zu sure. Er wirt godes sich verzien Und Machmet mit helfe gedien.' T Ter Johan sprach den keiser an: 2320 J- -*■ 'Gent mir ein entwurt, hoher man. Waz meinet daz ir nit enjehent?' Der keiser sprach: 'her Johan, besehent, Ich enmag gedun nit dise dat Ez ensi, daz Oaveron mirz rat [38 r ] 2325 Und auch ander mine man. Ich wil uch sagen, her Johan, Ich wil uch machen hie zu stunt Jares drizig hundert phunt Und geben ein schone jungfrauwen rieh.' 2330 Er sprach: 'ich'n wil ir sicherlich. Mag ich nit haben mit minnen Min liep die junge keiserinnen, So wil ich godes mich verzien Und Machmet mine helfe lien 2335 Und wil riden in uwer lant, Stiften raup unde brant. Ich gewinne uch ane kurzeclich Uwer lant und uwer rieh. Wan ich ez habe mit getwang, 2340 So gesage ich uch es nummer dang.' 2303. Vnd gebent yme Jares. 2304. vil gnüg. 2309. Clarisse. 2310. Ir wol w. herre von geburt f. 2311. Jehen oder. 2317. sich gottes. verzijhen : gediehnen. 2318. Dazu am Rand in Buchschrift die Notiz: Machmet paganos a fide fecit pphanos de. pe. di. XIII. c. iMachmj ex. in cor", vnde sumitur. 2321. /. enjent: besent? 2322. nü besehent. 2324. Ezsie dan das es mir. 2325. man] wann. 2329. Vnd geben uch. riche. 2330. yr nit sicherliche. 2353. mich gottes verzihen : lihen. 2334. Vnd wil myn. 2335. Vnd ryten. 2337. an. kurezekliche: riche. 2339. han. 2340. gesagen. ez. D 1 124 ^ie jungfrauwe zoch in mit dem geren 'Swigent, herre, schonet uwer eren, Machent uch hinnen, eist uch not, Enflient ir nit, sicher ir sint dot. 2345 Ich horte Gaveron manen mage und man, Man solte vahen hern Johan, Si solten uch ane widersagen In ein isen und in ein blocli slagen.' Sie zwei mit henden sich gevingen, 2350 In eine kemenade sie gingen. Die jungfrauwe sprach: 'herre min, Ich sal niemans dan uwer sin. Min vader mich uch gelobet hat, Daz wil ich halten an valsche dat.' 2355 Under in do fruntlich wart gespilt, Jeglich dem andern ein kussmulen hielt. [38 v ] Wer wolte uch sagen waz me geschach? Ich weiz daz in nieman da zu sich. Dar nach die jungfrauwe hiez bringen dar 2360 Drie knaben al sin gewepen dar, Daz bi im da vunden wart. Daz leit er an sich an der vart, Umb sich gurte er sin gut swert Und slujj umb einen mantel wert. 2365 Sin ros hiez er zur porten riden. Die jungfrauwe was drubig an den ziden, Doch gap sim einen saümer mit golde, Daz er in eilende verzeren solde. 'Jungfrauwe' (sprach er) 'blibent, ich muz al dort 2370 Gaveron gen sprechen ein wort. In „gime.paulone ich nam sin war.' Do ging er mit dem keiser dar. 'er Johan vor daz paulon ging, Sin swert er in die hant geving, 2375 Daz ez Gaveron sach her blicken. Er vloch mit grozen schricken H ; 2343. ez ist. 2344. Fliehcnt. streiche sicher? 2346. Das man. 2348. In eynen kerker. 2349. zwey sich. 2351. sprach zware. 2352. uwer eygen. 2353. ucn öffentlich. 2356. Jegliches, andern do. kuße mulen hielt (: gespielt). Weder für den s üb st. Inf. noch für das Nora, kussmul findet sich ein Beleg bei Lexer. GDW. 6, 2877 hat für dieses nur moderneBelege. 2357. me do. 2358. weiß daz yn da. 2360. alles, clarj dar. 2363. vil gut. 2365. porten hin. 2366. bedrübet. 2367. sie ym. seymer. 2370. Gaueronen. 2371. nam ich. 2373. von dem paulone, aber von dem ausgestrichen und in vor daz über der Zeile korr. 2374. in hant. 125 Qein eime steinhus veste und groz, Die dore er nach im balde besloz Und rief: 'fundeling, fundeling, 2380 Got gebe dir lesterliche ding! Du woltest mich gerne erslagen han, Monte anders din wille vore gan. Nein ez zwar zu dirre stunt! Ich was, der dich slug in dinen munt' 2385 Her Johan daz swert stiez in die scheide, Daz erm enging, da geschach im leide. Er sprach: 'got hude uch, keiser gut, Doch sage ich uch zwar minen mut: f 39r ] Enw.er uwer dohter, ir mustent sterben, 2390 Nu enwil ich durch sie nit so werben. Ich bin ein ritter von solchen sinnen, Wan ich ein jungfrauwen minnen, So wil ich stille und offenbere Ir frunden sin holt und bieden ere. 2395 Her keiser, ich sage uch ane strafen, Bi uwer dohter han ich geslafen. Ich hoffe, ob got wil, ez si ergangen, Sie.habe..ein kindelin entphangen. Dut dem kinde ieman laster od leit, 2400 Dem wil ich frumen arbeit, Sezet er uz Romen einen fuz Eins bösen dodes er sterben muz.' FAer keiser durst sprechen nit ein wort. Her Johan ging von im an die port, 2405 Da er fant die jungfrauwen gut. Ir was bedrubet sinne und mut. 'Ich han den keiser gesprochen die warheit' (Sprach er) 'ich han im luter gar geseit, Sins libes darf er dancken nieman 2410 Dan uch aleine, glaubent dran.' Oie sprach: 'got dancke uch, herre min, ^ Ich wil ummer in uwerm dienste sin'. Do Jüistg., er sie an iren munt: 'Jungfrauwe, got laze uch gesunt!' 2415 Sie wer mit im gevaren gern. Er sprach: 'der dorheit sol wir enbern. 2377. steynenhuse. 2378. balde nach. 2381. erstehen. 2382. wille anders vor. 2385. stieß d. s. 2386. er im. 2387. behüte. 2389. musten. 2390. Nu wil. 2394. Iren. 2399. oder. 2403. dürste. 2405. jungfrauwe. 2406. hertze sinne. 2407. der warheyt. 2410. da gleubent sicher an. 2414. Er seyt Jungfrauwe. 2415. gerne. 2416. sollen. 126 Blibcnt in uwern guden und eren, Ich enweiz nit selbe war zu keren'. Je mitten do er die rede seide, [. ! J9 V J 2420 Sprang er oben in daz gereide. Vor was er körnen zu hohen dingen, Nu en wiste er wie im solte gelingen. Er enwistc wa heimut oder laut, "SffT'rTanier er umbe want 2425 An einen grozen, langen schaft: Sus für er enweg mit siner kraft. Der edele her Johan der junge Durch für manig wustenunge, Er reit hin und her me dan vier jar. 2430 Uns saget die aventure vor war, In des wart ein kint geborn X^on der jungfrauwen uzerkorn. Gaveron gap valsche rede: Daz manz von der werlte dede, 2435 Dar uff sazte er alle läge. Do jähen skindcs mage: 'Solt manz verderben daz wer jemerlich, Sime vader wart nicman glich. Er hat got dicke gedienet wol, 2440 Diz kint nach im nu vahen sol.' Maijumachte cz kristen und hiez Johan. Den namen ez nach dem vader gewan. Ez was daz schönste knebelin, Daz in der werlte mohte sin. 2445 Hie lazen wir daz under wegen Und sagen von her Johan, dem degen. Er reit an beharren mit belangen, Bit vier jar waren umbe gangen. Do hade der herre bi nach verzert 2450 Daz gut, daz got im hade beschert. Nach der vier jare ziden [40 r ] Do solt er einen dal in riden. Da begegent im ein ritter geriden, Der hade ein gudez ros beschriden. 2455 Er schein, alt wol vierzig jar ___________ Und hade ubcrslagen har 2417. vor uwern steht yren durch Punkte getilgt. 2418. selber, war k. 2423. enwuste. 2426. Also. 2429. dan eyn halp vgl. v. 2448 und 2451. 2437. Solte man ez. 2441. Hinter hieß setzt der Schreiber zur Hervorhebung des folgenden Namens einen Doppelpunkt. 2447. umb harren. 2448. Bitz. Jare. 2449. verzeret: bescheret. 2451. jares. 2454. gut 2456. haden doch -n durch Punkte getilgt /.hade ein? 127 Und fürte alsolich wapen an, Als phlag zu füren her Johan. Ez mute her Johan sere gnug 2460 Daz ein ander sin wapen drug, Aucli meinde der alte, grae degen Nieman ander solte der wapen phlegen. Er gedahte wenig sins sons Johan, Daz er wer worden ein solich man. 2465 Sie begunden zusamen rennen, Dehein wolt sich dem ander nennen. Sie hiewen in dem melme Durch halsberg und durch helme, Daz blut in durch die ringe ran: 2470 Die zwene uzerwelten man Vohten da mit grozem nide Von smorgens an zu vesper zide. Sie waren müde von der not Und bespranet von binde rot. 2475 /"""rist gesein', sprach her Johan, ^ 'Sal ich disen alten man Ummer da vor mir halten lau? Im wirt ein ander buze gedan.' Mit beden henden erz swert begreif 2480 Und enbort sich in den stegereif Und slug in, daz er nam einen val Uz dem sadel hin zu dal. Swinde erbeizte her Johan, Von sime swerte ern vezzel gewan. [40 v ] 2485 Er bant den alten unbedrogen Da mide an sinen sadelbogen. 'Her alte, nu muzent ir mit mir, War zu riden stet min gir, Ez si verre, kurz od lang, 2490 Des wil ich uch sagen keinen dang'. |er alte sprach: 'ir hant gewunnen, Ich wände nieman under der sunnen Mit siner kraft dar zu dohte, Daz er mich überwinden mohte. 2495 Mich überwallt nie me kein man. Allte ritter ich gekempet han, 2458. Also. 2462. Nieman dan er. 2463. wenig an synen son. 2464. were. 2466. Keynes. ander (Sa ndhi -Schreibung). 2472. Von des morgens. 2473. waren beyde. 2474. besprenget. 2475. myn herre. 2477. da] dabe. 2479. er das. 2480. en- borte. 2482. zu dem dal. 2484. er den. 2489. oder. 2492. wände das. D' 128 Die muzen noch min manne sin: Doch bin icli verdriben der lande min Mit minen neven nnde kinden. 2500 Herre, molite ich die gnade vinden, Daz ich wiste uwern namen?' 'Ich sage ez uch an allez schämen, Ich enlaukens nit umb alle ding: Ich heize Johan der fundeling. 2505 "Tch wart zu einen stunden Mit disen wapen funden In des keisers Sigemunds baumgart. Wizzent daz bi mir funden wart AI min harnesch und gesmide 2510 Sunderz ros, da ich uff ride. Min ander ros was blutrot, Daz bleip vor Ludewerde dot.' T~\o sprach der alte, wol gedan: ■^ 'Enbindent und lant mich bi uch gan'. 2515 Er sprach: 'nein, ich, in druwen! Ez mohte mich wol geruwen. Ir hant mich hude zubluwen so, Daz min lip nit ist gar vro.' [-il r ] Er sprach: 'bi gode! wie ez erge, 2520 Mohte ich, ich sluge uch wol nit nie. Ich sal uch balde füren al dar, Da man uwer nimet mit freuden war.' Er enbant den ritter gut. Do sprach der helt, wol gemut: 2525 'Her Johan, ich sage uch allegader Ir„süit min .laat„uadjch^uw^r^ader'. T~\o spracli her Johan uz dem vfrgiere: 'So sagent mir uwern namen schiere'. Er sprach: 'ich heizen Rupreht. 2530 Do min ding etwan was sieht, Do was ich grave zu Artois, Von Angeris und von Bolois, Nu bin ich leider van verdriben, Min kint, min neven ensint nit bliben, 2535 Verdriben sint min hohste man'. 'Wer was min muter?' sprach her Johan. 2497. müßent nach myne. 2501. mochte wissen. 2503. leukens. 2507. syge- mundes. 2509. Alle myne. 2510. Sünder das. 2513. alte ritter. 2514. Enbyndent mich. 2520. ich wol ich. 2522. uwer mit freuden nymet. 2525. uch vor wäre. 2526. ich uwer vater zware vgl. v. 395 f., 2635 f. und oben unter II c). 2533. van] nu. 2534. Myne kynder vnd myn nefyn. 2535. hoheste. 129 Des entwurt er im gezogenlich: 'Des koniges swester von rrankrich. Ich was ir kemerer vrie 2540 Und gewan ucli dar bie. Do uwer lip geboren wart, Ich fürt uch in skeisers banmgart Und det bi uch legen, als ich wolte, Waz zeime ritter hören solte, 2545 Daz man uch wirdeklich solt han. Glaubentz, ich han me gedan. Ich brach ein vingcrlin von ein Durch die kaspe und durch den stein, Uwer mutcr erste und min buchstaben 2550 Jetwedersit warn druff gegraben. Daz halbe deil ich bi uch leit, Daz ander han ich hie gereit.' [41 v ] Do sprach her Johan, der ritter geil: 'So han ich hie daz ander teil'. 2555 Sie.-staltcnz zusamen gein dem stein, Do was daz vingerlin so rein, Daz man die buchstaben wol moht lesen. Er sprach: 'ir mogent min vader wesen, Ir sint ein edelich persone: 2560 Herre, ich klage uch von Gaverone. Ich wer herre von dem romschen rieh Bliben mit ere gewaltiklich Umb einen kamp, den ich vaht Mit godes helfe und siner mäht, 2565 Und hede gedan her Gaveron: Ein böse ende gebe im got zu Ion!' T^vo sprach der grave Rupreht: ■*-' 'Ich rade uch unde dunkt mich sieht, Rident zum konige von Frankrich 2570 Und dienent im gewilleklich, So lange bit sin edelkeit Uch zeinerjjede si bereit. So ir uwer bede verdienet hant, 2537. ym gar. 2542. in des-. 2544. eyme ritter zu h. 2545. Vmb das. 2546. Gleu- bent ez. 2547. entzwey von. 2548 kaspe = kapse «j capsa) = kapsei (Gehäuse des Steins), frühester Beleg. 2549. müter nämen vnd myng ersten b. vgl. Tristan v. 14430—14433, dagegen: V. 2 3 rb , Z. 3 vom Seitenschluß ende inden steen was gegraveert / den name van uwer vader ende van uwer Moeder. 2550. Je widder sijte. 2552. ander teyl. 2554. ander halbe. 2555. stalten ez. /. sament? 2556. also. 25 57. wol merekte vnd mochte. 2558. Her Johan sp. 25 $9. edeliche. 2561. Romischen, riche (: liehe). 2562. eren. 2569. zu dem. 2570. yme wol. 2571. biß das. adelkeyt. 2572. sie. Robert Priebsch, Johan iiz dem virgiere. 9 H' 130 So bittent in vor den herren alle sant, 2575 Daz er uwer muter, die noch lebe, Uwerm vader zeime wibe gebe, Daz ir nit blibent ein kebiskint. Dar nach sagen t wer ir sint. So wil ich riden zu Gaveron hin, 2580 Uwer bode ich willeklich dar bin.' 'lierre, so slagent in nit dot!' 'Daz enlieze ich nit umb gold rot. Min swert daz riebet uch, edel man: Da ist kein ander gedinge an. 2585 Doch muz wir uwer bruder schauwen [42r] Und uwer neven in dirre auwen.' 'er Johan sprach: 'daz dun ich gerne, Ez enstet mir nit zenberne'. Do enwas kein langer sparn, 2590 Sie quamen zu in dar gevarn. Sie wurden alle von herzen vro, Dazs einander solten sehen do. Hie sach man lachen einen, Den andern von freuden weinen. 2595 Wer got selbe körnen dar, Man enhede sin nit genomen war. Bi einander warn sie frolich, Doch musten sie balde scheiden sich. Her Johan hin gein Parise reit, 2600 Er suchte den konig, der helt gemeit. Der grave reit zu Gaverone Und wolt sin botschaft werben schone. Er quam geriden uff einen dag Vor Romen als ich sagen mag. 2605 "Pye jungfrauw stunt an der zinne ■*-^ Und wart des ritters inne, Wan er hade solich wapen an Als phlag zu füren er Johan. Sie wände er werz, der degen vrie. 2610 Ir kint daz stunt ir nahe bie, An im lag ir drost und hört. (Sie sprach): 'son, din vader komet dort, Der sinen lip mit pine generet hat In der wüste mit menlicher dat. 2615 Wir muzen in gen schauwen.' 2574. bitten. 2576. zu eyme elichen w. 2580. ich dar. 2581. slagen. 2583. daz fehlt. 2585. müßen. 2588. zu enbern. 2592. Das sye. 2595. Were. 2596 hede. 2598. balde fehlt. 2602. wolte. 2605. zynnen : Jnnen vgl. v. 2791. 2611. vnd ir. 2613. pynen. genert. 2615. gen seh] geschauwen. 131 Daz kint ging mit der jungfrauwen. Do sie den ritter nahen sach, f'- v J Fruntlich sie zu im do sprach Und gruzte in liepliche gnug. 2620 Er sprach: "got dancke uch, jungfrauwe klug. Wes ist diz schone knebelin?' 'Herre, ez ist uwer unde min.' Er machtez haubt des hclmes bar Und kert sich gein der jungfrauwen dar. 2625 jpso sie sach den grozen bart, Do ersehrag sie also hart, Daz sie wart val unde bleich Und sie deme dode gleich. 'Hilf herre, ich wände ez wer her Johan.' 2630 'Nein ich, ich bin ein ander man.' 'Uff die druwe, die uch wonet mit, Bestent ir mim herrn Johan it? Ich sage uch, herre, diz kindelin Dcist sin und sicherlich auch min.' 2635 ' Jungfrauwe, ich sage uch allegader yJ Ich bin des kindes alter vader.' Er begreif daz kint an der stunt Und kuste ez fruntlich an den munt. Do daz kint verstunt wol daz 2640 Daz der mere also was, Ez sprach: 'vader, degen here, Ich klage uch über Gaveron sere'. 'Jungfrauwe, wa ist Gaveron?' | 'Ich wene in ginem pavelon.' 2645 T^o sprach der grave Rupreht: Ez si ritter ader kneht, Die Eranzois, die hie dienent umb solt, Die besendent, ich hoffe sie sin mir holt. Sie sint daz meist min mage und man.' [43"-] 2650 Sie sprach: 'herre, wie heizent ir dan?' 'Ich heizen Rupreht von Artois, Grave zc Angeris und Bolois. Waz mir darumb geschehen mag, Gaveron entphat von mir einen slag.' 2616. /. der frauwen? 2617. yr nahen. 2618. Fruntlichen. 2619. Heplichen. 2620. /. frauwe? 2623. machte das. 2624. kerte. /.frauwen? 2628. Vnd dem vgl. 2i5if. 2632. iht. 2634. sicher. 2635. so sage ich uch vor wäre : vatter zware vgl. zu v. 2525 f. 2639. daz kint] l. die frauwe und 2641 Sie sprach? 2640. also do. 2642. vgl. 2560. 2647. franezosen. 2649. das rneyste deyl. 2652. Etwan was ich Grave. angerys vnd zu baloys. 2654. entphehet. 132 2655 Die jungfrauwc sant mit listen Ir knehte, da sie sin mage wisten. Sie quamen zu haut, dos in enbot, Wol gewapent vor den dot. Her Rupreht, der ellenriche, 2660 Der ging harte verwegenliche Zu des keisers pavelon aldar. Oaveron er suchte und nam sin war. Und do er den keiser ane sach 'Got gruze uch, herre!' er zu im sprach, 2665 'Und al uwer ingesinde, Daz hie ich bi uch vinde, Ane Gaveron aleine: Sin verredenisse ist gar unreine, Darumb ich in nit gruzen ensol.' 2670 Die herren erkanden den graven wol. Gaveron sprach: 'graf von Artois, Ich versten auch wol franzois. Ir zient mich aller bosheit an: Ir liegent, ich bin ein biderman 2675 Und bin gut und dar zu wert.' Do zoch der grave uz sin swert Und slug imz haubt ab sunder wang, Daz ez im von dem übe sprang. T~"\er keiser sprach: 'deist übel dat, 2680 *—^ Her grave, daz hie uwer haut begat. Eist wunderlich, sus mag ich jenen, Ir slagent lüde mich zu sehen.' [43 v ] Der grave sprach und lacht da mit: 'Her, kernt uch umb,* so "ehsent irs nit.' 2685 Der keiser sprach: 'vach den, vach!' Der grave sprach: 'sint nit zu gach! Wir muzen umer verreder slagen, Wil ez uch wol ode übel behagen.' Do rief der grave von Artois: 2690 'Wa sint nu Engeische und Bolois?' Do wart da gar ein groz gedrang. Sie zugen ir swert breit unde lang. Sie warn zum graven komen dar Und durchbrachen al die schar. 2655f. Ursprünglich vielleicht Die (jung)frawe sant mit liste | Da sie sin mage wiste. 2659. ellent-. 2660. verwegen:-. 2662. Er suchte G. 2665. alles. 2671. grave. 2673. zihent. aller fehlt, vgl. 2708. 2677. yme das heubet. ab fehlt. 267g. Daz ist. 2680. hant hie. 2681. Es ist. sus fehlt. 2682. lute vnd lant. 2683. lächele, mitte. 2684. Her keyser keren. ensehent. 2686. uch sie nit. 2688. oder. 2692. swertc 2693. greuen. 2694. alle die. D ( 133 2695 Also nam Gaveron sin ende Und wol drizig siner mage behende. Der keiser gewan im fride stede Und fragete in warumb erz dede. Er sprach: 'herre, umb keine miet, 2700 Umb daz daz er min kint verriet'. 'Wer ist uwer kint?' sprach der keiser ziere. 'Deist her Johan uz dem virgiere.' |0 der keiser diz erhörte, Er verzagete von dem worte. 2705 Er sprach: 'bi gode, der mir gebot, Mich enruwet nit daz er ist dot, Wan ich mercken alrerst wol Daz er was aller bosheit vol. Do wir zu velde warn gevaren 2710 Und er den sturmvan solte bewaren Zusehen kristen und der heidenschaft, Er machte vluhtig mins heres kraft, Daz noch ist schade der kristenheit. Daz er ist dot deist mir nit leit. 2715 Ich besenden herrn Johan zu hant, [W] Ich gebe im herschaft, kröne und lant' Der grave redte nuschnit dar zu, Er gedaht: 'wer weiz waz er noch du?' Er kerte gein der jungfrauwen. 2720 Er sprach: 'ir mogent nu wol schauwen Hern Johan mit freuden sunder nit: Der verreder Gaveron nu dot lit. Ich vare und hole uch her Johan.' 'Gnade unde dang', sprach sie, 'edel man!' 2725 (Er sprach): 'jungfrauwe got laze uch gesunt' Und kustez kint an sinen munt. Mit dem worte reit er dan. 'u hörnt furbaz von hern Johan. Bi Paris quam er hin geriden, 2730 Da er nach edelichen siden Sach jagen den konig von Frankrich. Der erkande in snelleklich. Er sprach: 'da komet her der man, Der vor Ludewerde den kamp gewan'. 2697. gewann synen frieden. 2699. miete : verriete. 2702. Er sprach das ist. 2706. vrüwet. 2707. mereke. 2710. stürm vanen. 2713. noch schade ist. 2714. dot ist das ist. 2715. Ich her Johan besenden. 2722. Gaueron der verreter. 2726. küste das. 2727. hien dan. 2730. Do sach er. 2731. Jagen. 2733. do her körnet. N l D ( 134 2735 Der konig bot im sinen gruz. Gein im erbeizt her Johan zu fuz. ^er konig kerte zime her: 'Wannen koment ir? vvaz ist uwer ger?' 'Her konig, durch uwer edelkeit 2740 Wer ich uch gern zu dienste bereit, Mohte ich eine bede van uch han'. 'Waz wolnt ir bitten, edel man?' 'Her konig, ich enger nit nie, Gebent min muter mime vader zur e 2745 Und machent mich der rede vri Daz ich nit dan ein kebeskint si.' Der konig sprach: 'ich dun, gut man, Obe ich über sie zu gebieden han'. [44 v ] 'Ja, ir wol, her konig rieh!' 2750 Do gelobet erz im sicherlich. Nu was ez zit daz man solt ezzen. Dos uff dem sale warn gesezzen, Do leite sich min her Johan Sin aller besten kleider an. 2755 Ein vingerlin det er an sin hant, Daz man hie vor bi ime vant. Er ging und diente frolich Vor skoniges davel von Frankrich. Er stunt da vor der muter sin, 2760 Die schauwete an daz vingerlin, Wan er hede mit klugheit Sin hant uff ein brot geleit. Die frauwe gewan do mangen gedang, Ir wart der imbiz vil zu lang. 2765 Do die drosezen waren komen Und haden die dischlachen abe genomen, Sie ging an ein ende, das in sach, Vil heimlich sie zu ime sprach: 'Sagent an, her lieber ritter vin, 2770 Wannen komet uch daz vingerlin?' Do seit er ir allez daz, Wiez darumb ergangen was. Do er sich und sinen vader nant, Do viel si nider und ir geswant. 2736. erbeißite. 2737. zu yme. 2713. geren. 2744. myne. zu der. 2745. mich nit dan. reden 2746. D.is man ilit spreche das icli eyn k. s. 2747. dun ez. 2748. sye anders. 2749. riche : sicherliche. 2750. ez er. 2753. leyt an sich. here. 2758. Dahinter 2757 wiederholt, aber dann ausgestrichen. 2761. hetde. 2763.de> fehlt, manichen. 276 t. ytnß. 2767. do sie yn. 2768. Vil gar heymelichen. 2773. nante. 135 2775 Er zuktes uff: 'gehabet tich wol! Die warheit ich nu sagen sol: Er ist min vader, der ritter gemut, Und ir min muter, frauwe gut. [45 r ] Verhelentz durch uwer edclkeit, 2780 Bit ez wirt anders an geleit.' 'I Ter ritter, daz dun ich gern mit vife.' In des wart die stat zu Paris Belegen mit vil grozen scharen: Risen quamen dar gevaren. 2785 Da waren zwene bruder under, Von den sprach man groz wunder In der werlt zur selben zit. Einer hiez Reinwart, der ander Isenwit. Sie haden von Lofen gein Paris dar 2790 Die lant verwüstet allegar. Sie bukten sich in über die zinne Und sprachen: 'ist nieman hie inne Von ritterre oder knehten, Der mit uns einen kamp dar vehten?' 2795 Der konig enkunde nieman gewinnen Mit bede, mit gäbe noch mit minnen. Do sprach her Johan verwegenlich: 'Mine bede verdiene icli willeklich. Sal uwer gelubde stede sin?' 2800 'Ja sie, uff die druwe min!' Do wapent sich der helt wert Und gurte umb sich sin gudez swert, Er nam sinen schilt und sper, Zu rosse hade er groze ger, 2805 Inz gereide er ane stegereif sprang, Des sagete im der konig dang. Er quam mit ritterlichen siden Zu velde uz Paris geriden. [Die herren lagen irf die muren gemeinlich 2810 Und selber der konig von Erankrich.] Do quam gein im in kurzer zit [~ 15v ] Der groze rise Isenwit. Eine stange mit isen und stal beslagen Brahte er in der hant gedragen.__________________ 2775. zückete sie. 2776. ich uch nu gar. 2777. der selbe r. wolgemut: vielleicht vader, der wolgemut. 2778. yr sint auch. 2780. Biß es anders. 2786. groz fehlt. 2790. Die lant alle. 2791, bucketen in yn. 2793. oder von. 2794. dürre. 2798. bede wil ich verdienen. 2800. vor myn steht syn ausgestrichen. 2801. wapente. helte. 2802. gut. 2805 — 2806. In das gereyde er oben in sprang Ane stegereif das sagete. 2808. vßer. 28o9f. wohl Schreibermache. 2814. hende. 136 2815 Do in her Johan ersach, Uff in rande er unde stach Mit dem sper in sine side Ein wunde dief und wide. Do ving er zu dem swerte, 2820 Des risen er vrechlich gerte. Der rise der slug auch dawider Und hede in mit dem rosse nider Harte nahe do gevellet. Her Johan wart daz blut erwellet, 2825 An den risen er do rant Und slug mit ellenhafter hant Daz haubt im abe vil snelleklich Und brahtz dem konig von Frankrich. 'Ist min bede verdienet, konig here?' 2830 'Ja', sprach er, 'wol uff al min ere!' 'T Ter konig, edel unde vri, -*■ ■*■ Wizzent ir iht, wer min vader si?' Der konig sprach: 'nein, ich enweiz, 'Sagent mir sin namen wie er heiz'. 2835 'Min vader' (sprach er) 'heizet Rupreht, Uwer dienestman und godes kneht, Er was etwan graf zu Artois, Zu Angeris und zu Bolois. Wizzent, konig, herre guter, 2840 Uwer swester ist min muter, Die gebent mime vader zu wibe, Daz ich iht ein kebiskint blibe.' [46 r ] -r>-o sprach der konig, here und frum: ■*—' 'Lieber vetter, so sint mir willekum. 2845 Got hat mich zu frunde erweit, Daz ich han zu mage alsolhen helf. Er utnbevjng in do zu stunt Und kuste in an sinen munt. 'Ich wij', sprach er, 'ritter schone, 2850 Min rieh und mine kröne — AI mine herschaft und min lant Wil ich setzen in uwer hant Und uwerm vader, den graven erkant, Widergeben sin gut und lant 2820. frechelichen. 2821. der fehlt. 2823. nahe nider gefeilet, do fehlt. 2825. rante. 2826. slug yn. dient-, 2827. im fehlt, snellekliche. 2828. brachte ez. 2829. rayne. 2830. alle. 2831. vnd auch. 2834. synen. 2837. grave. 2838. poloys. 2839. vil gilter. 2840. swester die. 2846. zu mage han. alsolichen. 2850. vnd auch myn. 2851. Alle. 2853. Ich uwerm vattern. 2854. vnd syn. 137 2855 Und sincn kinden unde magen, Die mit im zu rumen phlagen.' T Ter Johan urlaub nam zu liant ■*• Und reit, da er sinen vader vant. [Er was ietzunt komen und nette Gaveron 2860 Zu dode erslagen, des gebe im got Ion!] Her Johan vant in bi sinen kinden In einem walde under einer linden, Nit verre von sinem pavelon: Die herren gruzten einander schon. 2865 Her Johan sprach: 'edel degen here, Ich wil ucli sagen gude mere. Ir sint versunet, daz sagen ich, Mit dem konige von Erankrich, Und ir sohlt sine swester han 2870 Zu eime wibe, selig man, Und al die mit uch sint verdriben, Die sint wider in geschriben, Kinder, mage unde man.' Do sprach der grave zu her Johan: 2875 'Ach! her son, daz uch got lone, [46v] \y/j e Hhent ir mir rede so schone!' 'Herre, eist allez warheit.' Do hiez der grave uffbrechen gereit Und lut uff al sin pavelon 2880 Und hiez den herren künden schon, Sie solten ez nit lenger sparn, Si enwolten gein Frankriche varn: Ez hede versunet her Johan, Do was manig herlich man 2885 Uzer mazen fro, daz sie solten keren Zu ir gude und zu ir weren. Nu machet uns diz buch wise, Sie zogeten hin gein Parise. Der konig wart der mere gewar, 2890 Er zoch gein in mit grozer schar, Mit rittern und mit frauwen, Sie wolten den graven schauwen. 2835. vndsynenm. 2857. nam u. 2859 f. dürften interpoliert sein, worauf neben dem Metrum auch synen vatter 2861 (La) deutet. 2861. in] synen vatter. 2865.edeler. 2866. gute selige.. 2870. eyme lieben wybe. 2871. alle. 2872. sint alle. 2873. vnde auch mäne : Johäne. 2877. ez ist alles eyn. 2878. greue. 2879. alle syne pauwelone : schone. 2882. Sie wolten. 2885. Ußer der. sie zu lande. 2886. ir l ] yrme. ir 2 J yren. 2888. zogiten. 138 Er wart von in entphangen wol, Als ein frunt sinen frunt entphahen sol. 2895 Des dancket er gar vlizeklich Frauwen, rittern, dem konige rieh. Mit freuden quamens in die stat: Ir druren do ein ende hat. "P\er grave det sin hochgezit, 2900 *-^ Des half der konig im ane nit. Doz des morgens was und schone dag, Sins erlichen kirchgangs man phlag. Do waren spillude gnug Von aller hande spile klug. 2905 Mit freuden werte die hochgezit Wol einen manot sunder nit. Der grave do die varnde diet Allesant da wole beriet, [47 r J Er gap mit sincr muten hant 2910 Golt, silber, phert und riehc gewant. Do die hochgezit ein ende hade, Der konig wart do des zu rade, Er wolte krönen her Johan. Er samete sine hohste man, 2915 Er gap her Johan schone AI sin lant und sine kröne. Daz was doch ein erlich geben, Er mohts im dancken al sin leben. Do vant alrest ein nuwe kreigiere 2920 In Frankrich der edel uz dem virgiere. Do wart ein nuwe hochgezit: Sie waren alles drurens quit. Stechens, tornierens man da phlag Hin wol uff den zwölften dag. 2925 Do die hochgezit endte sich, Er gap den varnden erlich. Her Johan gap ros, golt und gewant Und loste manigen sine phant. Pjn diz allez ein ende nam, 2930 *~* Her Johan vor den konig quam 2894. Also. 2895. gar] ym. flißklicli. 2896. de. 2898. ende hette naht vnd dag. 2900. Das halff yme. 2901. Do ez. 2902. Synes. — ganges. 2903. genüg. 2908. Allesämpt. bereit. 2910. pherde. 2911. Do de. 2912. do fehlt. 2914. hoheste. 2915. her Johannen. 2916 Alle syne. syn. 2918. mochte ez. 2919. kreygieren. 2920. Jn] Jo. 2930. Stechens vnd. 2925. hochgezijte. 2926. varnlüden. 2927. roße. 2930. den alten konig. \ 139 Und sprach: 'edel konig here, Ich bitte ucli einer bede sere, Und dise herren allesant Und minen vader obgenant 2935 Daz ir wollent mit mir varen Uff den keiser, den wil ich nit sparen. Ich enweiz nit Iiude wie er dobet, Er hat mir sin dohter und kröne gelobet, Des get >er mir nu alles abe, 2940 Er meint ich si ein gauweknabe. Uelfent ir mir und der vader min, Ich sal vil balde vor Rome sin.' f47 v ] Der konig sprach: 'neve, ich bin zu alt. Nu haut ir doch mins richs gewalt, 2945 Nemcnt die kraft von allem rieh Und die kröne: varnt frolich! Ir gewinnent manigen ritter balt, Ir twingent den keiser mit gewalt.' T~\er virgiercr besamete sich 2950 ■!—' Mit den; besten volk in Erankrich, Und auch sin vader hochgemut, Der brahte manigen helt gut. Sie brahten manig ros und phert, Die ziehen wollen gein Rome wert. 2955 Do er sin erste herberge gewan, Do hade er xvij dusent man, Ritterliche helde vermezzen, Uff ir ros alda gesezzen, Und zogen hin mit grozer mäht 2960 Über dag und über naht. T Tic wil ich die rede gedagen * ■*■ Und wil uch von dem keiser ; sagen. Eins mals er eines slafens phlag. Jni cndraunite .ein draum, daz er erschrag, 2965 Wie her Johan uz dem virgiere Queme gegangen zim vil schiere. Dem enkunde er nit entwenken, Er enwolte in ummer erhenken. 2931. edeler. 2933. alle sampt. 2934. obgenant] s. oben S. 28. 2956. nicht. 2940. gauwe knabe] 1 Bastard, nicht in Lexer oder GWB. 2944. nches. oder richeswalt? 2945. riebe (: froliche). 29 ,6. crone vnd. 2 9 47- so mamgen. ^t-vauer. .954. streiche gein? 2957. Es waren r. 2958. Sie waren vff. rosse. 2960. über die n. 2963. Eynes. 2965. Yme draümete wie. 2967- Kerne zu yme gegangen. 2968. Er wolte. vmers herhenken. 140 Der draum im an dem herzen lag, 2970 Doch sweig er stille manigen dag. Eins dages sprach der keiser fri: 'Schone dohter, hörnt her bi. Ich wil uch minen draum erzelen, Den solnt ir mir zu gude welen: 2975 Mir was wie queme der ziere Her Johan von dem virgiere, [18 1 ] Und ich enkunde im nit entwencken, Er enwolte alles mich erhencken.' Ein draum buch nam sie in die haut, 2980 Sie ging, da sie ein venster vant, Und hade harte balde ersehen _- Waz von dem draume mohte geschehen. / Sie sprach: 'her keiser sint gemant, Haltent daz ir gelobet haut, 2985 Dunt ir daz nit, des nement gaum, Er dut uch hencken an einen bäum'. <üi schone dohter unde rieh, Wie erschint ir mir so ubelich!' 'Ic/t endun, bi miner kristenheit! 2990 Elerre, ich ha?i uch war geseit, Er sal hie si» in drien dagen Mit grozem her, daz dar ich sagen, Und al sin mage mit im soln komen, Ich han die warheit gar vernomen.' 2995 Und e der dritte dag her quam, Er quam so na, daz manz vernam. Er viel vor Rom mit grozer schar Und braht sinen vader mit im dar. Und do er Rom also belag, 3000 Do was keiner so kune uff den dag Under allen lobelichen fursten, Die uzer Romen gedursten, Doch warn bewart sie in der stat. Die jungfrauwe ir uff sliezen bat 3005 Einen hohen torn, dar uff sie steig, Daz haubt sie gein dem here neig. •A' 2969. an] in. 2970. er syn. 2971. Eynes. 2974. zu guden sehyn. 2975. wie queme] die keyne. 2978. mich alles, her hencken. 2983. gemanet. 2984. Haltent ym. yr ym gelobt. 2985. das nement. 2992. gedar. 2995. alle syne. sollent mit yme. 2996. nahe, man ez. 2997. Romen. 2998. brachte. 2999. Romen. 3002. Romen. 3004. sie bewart. 3006. slagen. 141 Sie schauwet her uz an daz vslt, Da sach sie manig rieh gezelt, Vor pauelon was daz velt nit bloz, [4S V ] 3010 Daz her was uz der mazen groz. Die jungfrauwe rief ir vader dar: 'Sent her Johans mage alle gar'. Waz von Gaverons geslehte was, Die sach man vlien, wizzent daz. 3015 Sie haden harte groze voht, Sie wanden hau den lip verwoht. Do sprach von Artois der kune man: 'Waz gen wir her ligen, her Johan? Warumb gewin wir nit die stat, 3020 Da sich unser vient hat in gesät? Wir sohl sie alle slan zu dode Die sich wider uns setzen iegenode.' 'Daz wer schade', sprach her Johan, 'Dast inne manig edel man. 3025 Man dut dicke mit gudem gerede, Daz man mit kreften nit endede: Wir wollen sie gewinnen ane strit. Her grave, heizent zu dirre zit Über al wapen sich daz here 3030 Und heizent stellen hiez zu were Glich also wir wollen striden. Ich wil alein zur stat riden.' In allen wart zu wapen not, Ez geschach, als her Johan gebot, 3035 Und hielten zu bile vor der stat. Der keiser gebot unde bat, Man solt sich wapen unde scharen Und solten uz zu velde varen. Der keiser menglich uz gebot. _ 3040 Die jungfrauwe sprach: 'so sint ir dot. Do sprach der keiser, der edel man: 'Dohter, wie sal ichz vahen an?' [4itf0pnotBboog St afiefcßfcDe ontrctu ©tntjctee man ai omme toel I efcfit befet maö enoe ge- we?bw tötSnwtfflftct te/enbe all* plant metbeeiftöcone en teeltfecHrn* S5^toä^50n.©o«nB»i bebomeri/enbeteafl30ob^batmen £*nliewm«iSatfeiialle beQeertn bemBune Wart geweefMwert ghtboopt en gficnoenit 'Jontner3anupt Den ber giere / om bat fiet tnbebergtere oft p^teel gebon« Den wert/be lupfet bcrriiiiöe ölt fitnt boben maten feer/eft Bp fwoer bp ;8n« bet troonnt/ waerber pemanr bte boj' fte bcemanen bat fiet 30» bfiibt niet en toate / fip foub*|e Heben boen nemeVfip bebe ort nitit fte» toftelfltfie" op tttebcn boem feb£ iaren out watf/waf! 30 lief« Itie enbe gratteusi om aen te fien/bat eS menftljc fiot ont fielt fip Ware biet feint «nfagefoubefilfelbibettrootf fifbb? booj fßcfittjtt ban ben fetnbe, ^ ©,itfl.«r«p««rt. sfoftifn&iiiöe gegeben wo itftn mnftrrom fr Irrten o.iee onöcrjjqff n In M\e toutim niDt ou clt in aHc «jbcoc manttrrn. 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Qe|9au0 bebe (eine bejlbiffe en haben alle gbtltjtb / banffiobt booj ?nu gronbrlofe bflrmbrrttc()cpr Daten tömptDtn totlfoeflmhfiept betlernen tegbrnbenbxeeflBtben&uife, Söoen teil igt quam baüwn effrrtn $ S?eet ^an otitr Cafrl ftttenbr biel in ern gDe prpn0/tcn IrfirnfpjflfBDpenbejfpbc: «8 Beer «©obtgödiertbDt ?at qDp ban alle uboe twlbabra / bjatit o|jp mp nn in ftiltbcn Paebt oD«fielt Debt bat tnp bumiit/jf !t be n btt ttötlifle bie op«t» ben leustiöe te. 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