Druckschrift 
Johan uz dem virgiere : eine spätmittelhochdeutsche Ritterdichtung nach flämischer Quelle
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27

und vielleicht könnten v. 7480 ob des ähnlichen Gedankens und dergleichen Reime fruht: %uhl, wip: lip mit Parz. 168, 2528 verglichenwerden, mit Gottfrieds Tristan v. 1442714433 aber die Beschreibungdes in zwei Hälften gebrochenen Ringes, v. 25472552 gegenüber V.23 rb , Z. 16: Ick deede breken den vinderlinc mct eenen steen ende in denstem was gegrewen den name van itwen vader ende van nwer Moeder usw.Ist er vorhanden, tief geht dieser Einfluß in keinem der angezoge-nen Fälle.

Noch will ich hier hinzufügen, daß der Hinweis in v. 1511 f. aufeinen fimdellng kebisch geborn, durch den Rom verloren ging, letztenEndes auf der Dietrichsepisode der Kaiserchronik (E. Schröder, v. 14113bis 14115; 14 14614149) beruhen wird.

Als Eigentum unseres Fahrenden muß schließlich der Prolog zurDichtung v. 140 gelten. Doch, wie ein Vergleich mit den Zusammen-stellungen in G. Ritters Diss. Die Einleitungen der altd. Epen,Bonn 1908, zeigt, besteht er aus lauter typischen Elementen; da findenwir die alte typische Eingangsformel (138. Psalm!) in der Form derrhetorischen Frage an die Zuhörer, verbunden mit dem Bestreben, ihreAufmerksamkeit durch Hindeutung auf die vorbildliche Größe des Heldender Erzählung zu erregen, der an dem gewaltigen Gott Gönner undSchirmer seines Tuns und Handelns hat; dann den Preis der Gottheit(Vater und Sohn fallen zusammen; vgl. Leitzmann, Z. f. d. Phil., 51,69.) und der Gottesmutter; die Bitte um göttlichen Beistand bei demWerk, an der die Zuhörer sich beteiligen sollen; endlich die Angabeseiner Quelle und des Zweckes seiner Arbeit, die ergötzen, aber auchsündhafte Gedanken fernhalten und durch ihre weisen Lehren (maniger-hande klugheit) zur Nacheiferung anspornen soll alles nach guter,alter Epiker Sitte, aber auch wenigstens hinsichtlich des letztausgesprochenenGedankens vor seinen Zuhörern ohne rechten Gegenwartswert jedoch«Die Kinder, sie hören es gerne». Neu und eigentümlich ist höchstensder Gedanke v. 1221, Gott zürne im Gegensatz zum irdischen Liebhaberdem nicht, der seiner Geliebten (amie v. 11), Marien, beflissen ist.

Wie er im Prolog die Zuhörerschaft hereinzieht, so klingt das Ge-dicht (v. 3127 ff.) auch in eine captatio benevolentiae des Publikums aus.Da läßt er sich von den bei der Hochzeit des Helden anwesenden großenHerren (Fürsten, Grafen, Rittern und Edelknechten), als ob er am Abenddes Festes ihnen die Lebensgeschichte ihres Königs und Herren vor-getragen hätte, ein Beifallszeugnis ausstellen: Sie sprachen di^ buch zveregeschriben reht. Das will natürlich seinem eigenen, auf einem ganz anderenNiveau stehenden Publikum gegenüber besagen: Seht, was für einenMeisterdichter ihr vor euch habt, der solch hohes Lob einernten durfte!drum «raus mit Eurem Säckel»! Zugleich klingt vielleicht die alte An-schauung nach: wo der Adel Gegenstand der Dichtung ist, ist er auchder eigentliche, berechtigte Hörer.