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ein Licht auf die Naivität wie auch auf den geographischen Kreis (dasRheintal), der dem deutschen Bearbeiter besonders bekannt war.
Daß wir ihn weder in ritterlichen noch in geistlichen Kreisen denkenwerden, bedarf keiner eingehenden Begründung: die Flagge, unter derwir ihn segeln lassen wollen, ist die des Fahrenden — früher hätteman «Spielmann» gesagt —, dessen Wesen zuletzt H. Steinger, DeutscheVierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft 8 (1930), 61 ff., sorgfältignachgegangen ist und gegenüber den extremen Ausführungen H. Nau-manns (ebda. 2, 777, Reallex. der deutschen Literaturgeschichte 3, 253 fr.)dem Stand als einer Schicht berufsmäßiger Kunstdichter Alter und lebhaftenliterarischen Ehrgeiz zuerkannt hat, wennschon im wesentlichen als Nach-ahmer. Und das ist ja letzten Endes auch unser Dichter wenigstens in demeinzigen Werk, das zur Kontrolle vorliegt: die Flicken und Stücke auseigener, die Quelle nicht vertiefender Mache ändern daran nicht viel. In. diese Klasse 1 also setzen wir ihn unbedenklich; ob er etwa in der Rhein-gegend, wohin ihn sein Dialekt weist, einen festen Punkt, ein bürgerlichesHeimwesen besaß, können wir nicht feststellen, daß er als vagits, ahgemderman sich sein mühselig Brot erwarb vor einem Publikum, das gewißnicht allzu hoch auf der sozialen Leiter stand, das scheint uns klar genuggerade aus den Partien des Gedichtes hervorzugehen, die ihm selbst zu-zuschreiben sind. Da stellt sich niedere Situationskomik ein, wie in derFlucht- und Schmähszene zwischen Gaveron und Johann in Anwesen-heit des Kaisers, v. 2372 fr., oder in dem billigen Ausfall gegen denweiblichen Charakter, v. 411 ff. — man meint das Schmunzeln und Lachendes männlichen Teils seiner Zuhörer zu sehen und zu hören —, oder inder ihm gehörenden Szene 2150—2216, s. oben S. 9. Bezeichnenderist dann noch das handgreifliche Herabziehen höfischer Sitte und Um-gangsformen in die Sphäre des bürgerlichen Alltagslebens: man beachtedie Szene zwischen Kaiser und Kaiserin v. 397 ff- oder die zwischenihm und seiner Tochter v. 2971 ff., wobei ein Traumbuch nicht fehlt.Dieselbe nüchterne, realistische Auffassung macht sich dann in ClarissensRede geltend, v. 1503 f., der auch nichts in V. entspricht. Auf deranderen Seite als Gegenstück ein naives, übertriebenes Betonen feinerSitte: vil edelicke bei^ sie dran heißt es v. 2162 von der halbverhungertenPrinzessin, als ihr Johann Brot und Fleisch reicht; vgl. auch v. 2781:die tiefergriffene Mutter redet den Sohn, unmittelbar nachdem er sich ihrzu erkennen gegeben hat, mit: Her Ritter an. Naiv wirkt es auch, daßein Kaiser oder König nie ohne Krone gedacht werden kann, vgl. 692 f.und besonders 3050. Wie aber das volkstümlich «spielmannsmäßige»und das höfische Element hart aufeinanderstoßen können, zeigt dieSzene zwischen Johann und dem Riesen vor ihrem Kampf, v. 1207 fr.,vgl. oben S. 10. Alles dies ein Hinweis darauf, in welchen Kreisen der1 Die Verse 1491 f- sind nicht genügend, um ihn darin den «Dichtern von denWappen» beizuzählen.