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Johan uz dem virgiere : eine spätmittelhochdeutsche Ritterdichtung nach flämischer Quelle
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als ob alle diese Vorgänge sich am gleichen Tage abgespielt hätten,während sie in der Darstellung von V. Bl. 23 vb und 26, (wo Jan dieBitte, ohne ihren Inhalt noch näher zu bezeichnen, sich erst unmittelbarvor dem Kampf mit dem Riesen ausbedingt) omtrendt een jar (Bl. 26",Z. 42) in Anspruch nehmen. Wir haben den Eindruck, daß gegenüberden Schlußpartien der ursprünglichen Dichtung ein besonders starkes,atemloses Hasten des Bearbeiters, Szene an Szene zu reihen, uns entgegen-tritt; man fühlt dies übrigens auch in dem nachlässigeren Stil dieserPartien.

Überblicken wir diese Zusammenstellung, so ergibt sich uns, daßdas erschlossene mnl. Originalgedicht weder im Johan noch in V. reinund ganz getreu erhalten ist. Der mhd. Bearbeiter erlaubt sich empfind-liche Kürzungen s. besonders die plötzliche Einführung Gaverons unddas zweite Auftreten Lamelots oben S. 13; anderseits Episoden-Um-biegungen nach seiten der handelnden Personen oder des Effekts, wiein der Windspielszene (Kaiserin in der Rolle Gaverons) und gegen denSchluß wohl die stärkste Änderung der Vorlage gegenüber diekampfliche Rückkehr Johanns nach Rom anstatt der friedlichen. V. hin-gegen zeigt eine deutliche Tendenz zu Erweiterungen, womit Redselig-keit, scharfe Betonung des höfischen Zeremoniells (besonders in denLiebesgesprächen) und ausführliche Kampfschilderungen (Sarazenen-schlacht, Gottesurteil), Empfangs- und Festbeschreibungen, s. bes. V. 27bis 28 r \ Hand in Hand gehen. Der König von Spanien, im Johan undgewiß auch im Original nicht mehr als ein blasser Statist, ist hier zueiner wichtigen, in die Handlung eingreifenden Persönlichkeit heraus-gewachsen. Durchaus zeigt sich der Redaktor von V. bemüht, der Er-zählung einen logischen, wohlbegründeten Aufbau zu geben s. schondie Umtriebe der Gouweron-Partei zu Beginn und dem Leser, wieschon erwähnt, möglichst viel Stoff zu bieten. (Daher Jans Abenteuer-fahrt in England und Irland; der Bericht von seinen Eltern und seinerGeburt sowie die Familiennachrichten am Schluß.)

Es wird nun Zeit, die verlorene, aber nach ihrem Erzählungsgangerekonstruierbare mnl. Dichtung in bezug auf ihre Einzelmotive näherins Auge zu fassen. Wir haben bereits gesagt (s. oben S. 2), daß hinterihr, als Hauptquelle eine (ältere) Redaktion des Richars steht, neben dereine gelegentliche Benutzung des handlungsähnlichen Lai d'Esgare inBetracht kommt (oben S. 6). Gegenüber dem Riebars ist ihr mit demRiddere metter Mornven gemeinsam eine kräftige Herausarbeitung derLiebesgeschichte des Helden, die nicht, wie in dem überlieferten afrz.Gedicht, eine bloße Episode auf der Vatersuche bildet, sondern einenintegrierenden Bestandteil der Erzählung. Wir dürfen jedoch als wahr-scheinlich annehmen, daß auf der älteren noch nicht die Fortsetzungenthaltenden Stufe des Richars in Übereinstimmung mit dem englischenSire Degarre (resp. Lai d'Esgare) die Dame, welche der Held von

Robert Priebsch, Johan \x% dem virgiere. 2