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Johan uz dem virgiere : eine spätmittelhochdeutsche Ritterdichtung nach flämischer Quelle
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Einzug des Bräutigams in breiter, wohl dem Leben des 16. Jahrhundertsnachgezeichneter Weise geschildert wird. Der Redaktor von V. schließthierauf noch einige Familiennachrichten an: Gloriande gebiert Jan einenzweiten Sohn Sigismundus, der König von Frankreich wird, währendder älteste Sohn Jan das römische Reich erben soll. Bald nach dieserVerfügung stirbt Jan und Gloriande folgt ihm ein halbes Jahr später:ende rüsten beyde in den beere; möchten wir alle einst ins ewige Lebeneingehen!

Im Johan trifft Graf Ruprecht, ein Einzelritter, zuerst auf Ciarisseund ihr Kind. Sie benachrichtigt auf seinen Wunsch seine magen, diean des Kaisers Hof um Sold dienen, von seiner Ankunft. Sie hält ihndes gleichen Wappens wegen für Johann, der ein bloßer ungeschickterZusatz v. 2613 f. sinen lip mit pine gener et hat / In der wüste mit menlicherdat. Im Angesicht des Kaisers schlägt Ruprecht ohne weiteres Gaveron dasHaupt ab; der Kaiser zürnt, aber die streitbare Haltung von Ruprechtsmagen, die an dreißig Verwandten Gaverons das Leben kostet, hält ihnvon energischem Eingreifen ab. Als er dann von Ruprecht den Beweg-grund der raschen Tat erfährt, sieht er alsbald die Verräterei Gaveronsein und verspricht, Johann vollkommene Genugtuung zu geben. GrafRuprecht will ihn herbeiholen und nimmt freundlich von Ciarisse undseinem Enkelkind Abschied. So weit ganz gut! Aber im folgenden istweder von der Mission Ruprechts noch von deren Erfolg und dem er-neuten Versprechen des Kaisers die Rede (die zwei mageren, schlechtenVerse 2859 f. sind wohl sicher Schreibermache), im Gegenteil (v. 2929 ff.):Johann, dem inzwischen der König von Frankreich Krone und Reichüberlassen hat, rüstet, von seinem Vater begleitet, einen Kriegszug gegenden Kaiser; diesen warnt ein Traum, den Ciarisse ihm auslegt. Johannbelagert Rom, allein durch Clarissens und des Kindes Vermittlung kommtes zu einem friedlichen Ausgleich 1 , dem die glänzende Vermählung derbeiden Liebenden auf dem Fuße folgt. Die eben erwähnte Un-stimmigkeit sowie die recht naive Darstellung in der Einleitung (Traum-motiv. Traumbuch) und im Verlauf des Kriegszuges (s. v. 3004 fr.,3049 f.): das alles deutet auf Erfindung dieses Motivs durch den deut-schen Bearbeiter, der allerdings in den Versen 2717 f. auf die Möglichkeiteiner zunächst feindseligen Entwicklung vorauszudeuten scheint. Es istschließlich nichts anderes, als eine ungeschickte Wiederholung des Motivsder Belagerung Roms durch die Sarazenen und der Erzwingung deskaiserlichen Versprechens diesmal mit gutem Ausgang für den Helden.Erst mit v. 3073 scheint der Bearbeiter wieder in die Quelle einzulenken,vgl. V. 2 (Einzug in Rom) bis 28. Anderseits wird die Graf Ruprecht-Episode (seine Ankunft als Einzelritter, der mit dem Beistand seinermage und man rechnet, sein frühes, humoristisch gefärbtes Zusammen-

Vgl. den Ausklang des Rother, v. 4511 ff. (Ausgabe von Jan de Vries, 1922).