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liehe Erscheinung, aber Johan, der wohlerzogene, höfische Ritter, wecktihn nicht mit einem Fußstoß, wie Wolfdieterich, sondern bettet seinHaupt sanfter und bietet dem Unhold beim Erwachen ein Frühstück an,so gut er es hat.
Einschneidender und schwerer zu beurteilen sind folgende Ab-weichungen zwischen Johan und V.
i. In V. wird des Kaisers Tochter — Gloriande — erst erwähnt,nachdem von der Erziehung Jans die Rede war: Bl. 2 vb , Z. 3 nu hadde deheyser een dochter genaemt Gloriande usw. Sie weiß, daß Jan nicht ihrBruder ist: Bl. 5 rb , Z. 13 iewist wel dat ghy viijn Broeder niet en waert / viaerde heyser rnijns vader hadt gebode op1 lijf te verbnere dat niemeint andersseaghen en^oude (vgl. 2"\ Z. 8). Im Johan v. 135 ff. wird berichtet, daß dieKaiserin das Töchterlein in der dem Fundtage Johanns folgenden Nachtgebiert — doch solle sie lenger gegangen sin v. 144 —, der Kaiser daherdie beiden Kinder als Zwillinge ausgibt 1 , deren Taufe und Beschenkungdurch die Edlen nun beschrieben wird. Ciarisse 2 (so heißt sie hier,wie im Richars die Mutter des Helden) ist des guten Glaubens, Johannsei ihr Bruder (vgl. v. 354—358 und 476—480). An und für sich ließesich jede der beiden Darstellungen für die gemeinsame Vorlage gleich-gut voraussetzen, aber im Johan ist die Einführung des Zwillingsmotivsso unbeholfen, ja widerspruchsvoll (vgl. v. 135 — 139 : 149 — 154; fernerdie Trennung des Taufaktes der Kinder 131 —134: 147 f.), daß manschon deswegen diese Änderung auf seiten des deutschen Bearbeiterssuchen wird. Dazu stimmen auch die farblosen Verlegenheitsverse185 —188. Dies schlösse jedoch nicht aus, daß die Jungfrau und derJüngling sich gegenseitig bis zur Entdeckung des wahren Sach-verhalts für Bruder und Schwester hielten; dieser Zug könnte sehr wohlder Originaldichtung angehört haben, wenn dem nicht das Zeugnis desEsmoreit v. 250 entgegenstände, der, wie ich Neophilologus 7,57 fr. zuzeigen versucht habe, sich in den Hauptmotiven auf dem verlorenenmnl. Gedicht Jan wt den vergiere aufbaut. Aus der Platzveränderung inder Einführung des Tochtermotivs ergäbe sich dann ferner, daß derVerfasser des Johan seine Vorlage nicht mechanisch Abschnitt für Ab-schnitt bearbeitete, oder auch, daß sie ihm als Ganzes vielleicht nur münd-lich bekannt war, woraus sich freieres Schalten mit ihr um so leichtererklärte, sowie das geringe Ausmaß mnl. Reime, Wörter und Phrasen.
1 Vgl. für das Motiv: Findling als eigener ehelicher Sohn ausgegeben, Grässb,Gesta Romanorum I, Cap. 20, S. 45/46 und II, S. 201/202.
2 Wo C/arisse zum ersten Male auftritt, steht der Name im Reime zu frie (v. 148);möglich, daß der Dichter hier beim Vortrag die Form Ctarie gebrauchte, wie imReinoult die Tochter König Yves augenscheinlich dem Reim zu liebe bald Claratlys,bald Clarion und Clause genannt wird. Im Johan steht Ciarisse nur noch im Vers-innern v. 353, sonst stets jungfiouwe.