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Johan uz dem virgiere : eine spätmittelhochdeutsche Ritterdichtung nach flämischer Quelle
Entstehung
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Richars li Biaus.

i. R. ist der uneheliche SohnClarissens, der Tochter des Königsvon Friesland und des Ritters Loys lipreus, der sie im königlichen Baum-garten schlafend überrascht.

2. Das Kind wird von zwei Knap-pen, die es im Auftrag des Königstöten sollen, im Wald in einemGraben ausgesetzt und von einemGrafen auf der Jagd gefunden (vgl.Dieudonne im Charles le Chauve).Er staunt über die Schönheit desKindes, betrachtet den Seidenstoff,worin es gehüllt ist und merkt andem eingebundenen Salz, daß esnoch nicht getauft sei. Er läßt esauf den Namen Richars taufen undmit seinem eigenen Kinde, einemMädchen, auferziehen. Seine Klei-dungsstücke hebt die Gräfin für ihnauf. R's Entwicklung auf den Alters-stufen: 7, 15, 20 Jahre 1 wird betont.

3. Der Graf will R mit seinerTochter vermählen und teilt ihm,der sich bis dahin für seinen Sohngehalten hat, die Umstände seinerAuffindung mit. R. wird vorSchrek-ken bleich und begehrt die Sachen,

Joban u% dein virgiere.

1. J. ist der uneheliche Sohn derSchwester des Königs von Frank-reich und des Grafen von Artois,ihres Kämmerers.

2. J. wird, vom Vater selbst aus-gesetzt, vom Kaiser Sigismond inseinem Baumgarten (viergier) auf-gefunden. Er staunt über seineSchönheit, bewundert die reichenGaben, die ihm beigegeben sind.Aus einem Briefe 2 , der am Halsdes Kindes hängt, erfährt er, daßdas Kind noch nicht getauft sei.Er läßt es, dem im Briefe geäußertenWunsch entsprechend, auf den Na-men Johann taufen und mit seinem,ihm in der folgenden Nacht ge-borenen Töchterlein (Ciarisse) auf-ziehen. Er bewahrt die bei ihmgefundenen Dinge (Kleider, Waf-fen) sorgfältig auf. J's Entwicklungauf den Altersstufen: 7, 12 u. 14Jahre wird gezeichnet.

3. Durch einen unglücklichen Zu-fall erzürnt J. die Kaiserin, so daßsie ihn einen Findling nennt. Daseufzt J. auf und wird bleich; aufseindringliches Bitten erzählt ihm seinvermeintlicher Vater die näheren

Helden durch die Anspielung im R. m. M. erwiesen ist, läßt sich denken - hierhätte eine Einzeluntersuchung einzusetzen, daß das Lai neben Richars I, derHauptquelle für das mnl. Gedicht, als wichtige Nebenquelle in Betracht kommt. Wasdie Herausgeberin über eine eventuelle Benutzung von Motiven aus dem 2. Teil desRichars bemerkt, hat mich nicht überzeugt; die Parallelen sind, wie mich dünkt, durch-aus vager Natur.

1 Auch im Sire Degarre ist der Held 20 Jahre alt, als er sich auf die Elternsuchc

begibt. V. 289 fr.:

And bi he was 0/ Iweuti jer,

Staleworth he was of swich pouer

Thal iher ne was man in that lond

Thal 0 breid Um migt astond. (Vgl. Johan 203206.)

2 J. v. 126130; vgl. Sire Degarre v. 200210; auch Lai de Milun v. 7886.