Druckschrift 
Die Mainzer Buchdruckerfamilie Schoeffer waehrend des 16. Jahrhunderts und deren Erzeugnisse zu Mainz, Worms, Strassburg und Venedig : enthaltend d. Drucke d. Johann Schoeffer 1503 - 1531, d. Peter Schoeffer d. Juengeren 1508 - 1542 u. d. Jvo Schoeffer 1531 - 1555
Entstehung
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den Bedarf hierin deckten. Fast alle Zweige des Wissens und alleLeserkreise suchte Johann zu befriedigen. Dem Bedürfnisse desBürgerstandes bot er gut illustrirte Gebetbücher an den zeitgemässenHortulus animae - Ausgaben, holzschnittgeschmückte Uebersetzungenlateinischer Classiker, namentlich des Livius, der recht ein Lieblings-werk des Volkes und Adels ward und blieb, des Caesar, Frontinusund Celsus. Angeregt von den stark begehrten Aldinen,>) schufJohann Schoeffer ähnliche handliche Ausgaben lateinischer Classikerund Mittellateiner in hübscher Type, die sich die Type der Alduszum Muster nahm, um den italienischen Ausgaben ähnliche deutscherArbeit entgegenzusetzen. Ist Johann Schoeffer auch nicht der Ersteund Einzige, welcher dieser Richtung huldigte, und sind seine Classiker-ausgaben auch in Satz, Papier und Ausstattung geringer als dieAldineu, so gebührt ihm doch mit der Ruhm, diesen Weg betreten zuhaben, dem damals mehrere grössere Verleger ihre Dienste liehen.Sodann machte sich Johann um die römische Geschichte durch seineLiviusausgaben 15181519, die Inschriftenkunde, die lateinische undpopuläre Medicin, die Theologie in lateinischer und deutscher Sprache,das Kirchenrecht, die Predigtlitteratur verdient. Manche seiner Erzeug-nisse auf diesem Gebiete sind erste Ausgaben und bleiben dadurchallein schon beachtenswerth und gesucht. Johann trat nicht alleinmit angesehenen Männern seiner Zeit aus den meisten Gebieten derWissenschaft in Beziehung und druckte deren Schriften, sondern erregte auch Ausgaben von Handschriften an. Stoff hierzu boten damalsin Hülle und Fülle die reichen Büchereien zu Mainz selbst, sowie imRheingau, namentlich zu Johannisberg und Eberbach. Der huma-nistische Geist, welcher damals in Mainz herrschte, fand an neuenBücherfunden reichliche Nahrung und an Johann Schoeffer einen stetsbereiten Gönner. Ulrich von Hütten, Erasmus von Rotterdam, JohannLotichius, Nicolaus Carbach, sowie der in allen Theilen Deutschlandsnach alten Handschriften suchende Cochlaeus sind die Grössen, welchedem Johann Schoeffer unermüdet Stoff zu neuen Ausgaben lieferten,ausserdem nenne ich des Oecolampadius Uebersetzungen griechischerOriginale ins Lateinische. Dagegen fehlen griechische Ausgaben beiJohann gänzlich. Johann Schoeffer besass wohl selbst humanistischeBildung und warf sich den Vertretern des Humanismus offen in dieArme. Dieses führte zur Freundschaft mit Ulrich von Hütten. Diesesvielfach besprochene Verhältniss beruht aber jedenfalls nicht auf einerHinneigung Schoeffers zu den Angriffen Huttens auf den Clerus unddessen Reformansichten, sondern auf litterarischem Boden. Die erste

1) Ueber die Vorliebe für die Aldinischen Ausgaben vgl. Kirchhoff,Beiträge zur Geschichte des deutschen Buchhandels I, S. 7«. Stockmeyerund Reber, Beiträge zur Baseler Bnchdruckergesehichte S. 86 und S9.Aldus hatte ein Privileg für die 1501 zum Erstenmale angewendete Antiqua-cursivtype erhalten, alsbald ward diese Typenart von Anderen, z. B. Rymannin Augsburg (1502), nachgeahmt und verwendet.

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