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Die St.-Quirinus-Kirche zu Neuss : unter Zugrundelegung der Restaurationspläne des Regierungsbaumeisters Julius Busch
Entstehung
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auch in den Untergeschossen der Seitenschiffe angewendet; ein Rosettenfenster hatnur das Ostjoch, hier veranlasst durch die Emporentreppe, welche ein Fenster vongeringer Höhe erforderlich machte. Die Emporengeschosse zeigen dagegen vor-wiegend Rosettenfenster.')

Die Emporen sind in Quirin", so meint Otte,ohne Zweifel mit Rücksichtauf die Bestimmung der Kirche für Klosterfrauen angeordnet." Dies ist indesswenig wahrscheinlich. Die Zahl der Stiftsdamen von St. Quirin war bei Weitemnicht so beträchtlich, um die Anordnung so weiträumiger Emporenanlagen erforder-lich erscheinen zu lassen. Dieselben bildeten auch, da von ihnen aus der Blick aufden Hauptaltar sehr beschränkt ist, sie auch nur auf engen, unbequemen Treppenerreichbar sind, nicht gerade eine würdige Aufenthaltsstätte für die hochadeligenDamen eines reichen Stifts. 2 ) Im 13. Jahrhundert hatten die Klosterfrauen ihreursprüngliche Stelle auf einer Westempore schon fast allgemein verlassen, und manwar, da das Betreten des Chores weiblichen Personen verboten war, nach den Flügelndes Querschiffes oder besonderen Nebenbauten des Chores übergesiedelt. So wares z. B. in Essen, Freckenhorst und auch in Neuss; noch heute heisst hier der nörd-liche Querschiffarm Damenchor. Sich um 1,26 m über das Langhaus erhebend unddadurch vollständig von diesem geschieden, lässt die Planeinheitlichkeit dieser Anlagemit der Kirche keinen Zweifel darüber, dass sie ursprünglich und absichtlich ge-schaffen ist, um den Stiftsdamen einen bevorzugten Platz zu gewähren.

Kultuszwecke, wie sie bei den Anlagen der Frühzeit, z. B. in Gernrode,St. Ursula zu Köln u. s. w. zur Anordnung von Emporen Veranlassung gegebenhaben, sind bei den namentlich im 13. Jahrhundert so zahlreichen Emporenanlagen es seien als solche genannt Sinzig, Limburg, Linz, Roermond, An enWerden u. s. w. nicht mehr von bestimmendem Einfluss gewesen. ,iwenig auch der Wunsch, möglichst viele Sitzplätze zu schaffen. Beide Pur,;werden nur von untergeordneter Bedeutung gewesen sein. Bei Anlage der Em-poren sind wohl vorwiegend konstruktive Momente massgebend gewesen. Rück-sichten auf die innere und äussere Wirkung des Bauwerks bedingten für das Mittel-schiff eine stattliche Höhenentwickelung. Dieselbe bot, so lange die Ueberdeckungin einer flachen Balkendecke bestand, welche keinen seitlichen Schub ausübte undes dadurch gestattete, die Hochwände des Mittelschiffes über die Seitenschiffe zu

') Verg], über Neuss auch EssenweinDie Entwickelung des Pfeiler- und Gewölbesystems".1858. Seite 49, 50. [Sonderabdruck aus dem 3. Bande des Jahrbuches der K. K. Central-Kommission.]

2 ) "Waren die Nonnen auf einer Empore untergebracht, so war auch für eine angemessene Treppen-anlage Sorge getragen. Es sei in dieser Hinsicht verwiesen auf Essen, Gandersheim u. s. w.

Emporen oberhalb der Seitenschiffe finden sich bekanntlich nicht nur bei Frauenklöstern, sondernmindestens ebenso oft bei Männerklöstern. Auch dort haben sie nicht zum Aufenthalt der Mönchegedient; diese hatten ihren Gottesdienst im Chore, der, falls er nicht ausreichte, über die Vierung bisins Mittelschiff ausgedehnt wurde. Die Emporen der Werdener Abteikirche z. B., welche nur auf sehrengen, unbequemen Wendeltreppen zugänglich waren, sind, aller Wahrscheinlichkeit nach, nie für litur-gische Zwecke in Gebrauch gewesen.