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Die St.-Quirinus-Kirche zu Neuss : unter Zugrundelegung der Restaurationspläne des Regierungsbaumeisters Julius Busch
Entstehung
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Das Langhaus mit den Kapellenbauten.

Das Langhaus (Fig. 5, 6, 8 u. 9) besteht in seinem zwischen dem Querschiffeund dem Westbau sich erstreckenden Theile aus drei Gewölbejochen, welche nachOsten hin sich verkleinern. Für den im Westen stehenden Beschauer wird hier-durch die perspektivische Wirkung erzeugt, dass die Kirche länger erscheint, alssie wirklich ist. Die zuweilen geäusserte Ansicht, dass eine solche Anordnung zudiesem Zwecke absichtlich gewählt sei, ist sicher nicht richtig; dieselbe wird viel-mehr stets mit besonderen baulichen Dispositionen und der Rücksichtnahme aufvorhandene und beizubehaltende Reste in Verbindung stehen.') Auch bei St. Quirinscheinen Umstände dieser Art vorgelegen zu haben. Auf dieselben wird späternoch des Näheren eingegangen werden.

Entsprechend der Gewölbetheilung werden die Pfeiler und Wände durch vor-gelegte Halbsäulen gegliedert, welche die Gurtbögen und Rippen der Gewölbe auf-nehmen. Durch ungegliederte viereckige Mittelpfeiler, welche nur einfache Fuss-und Kämpfergesimse haben, ist jedes der drei Joche in zwei Arkaden zerlegt; die-selben sind aber, da die Pfeiler ungleich vertheilt sind, nicht von gleicher Breite.Die durch die ungleiche Jocheintheilung hervorgerufene Unsymmetrie wird hierdurchnoch erhöht. Diesen Pfeilerstellungen entsprechend sind die Nebenschiffe mit jesechs Kreuzgewölben überspannt; dieselben nehmen somit an den ungleichmässigenAbmessungen der Arkaden Theil. Die Quergurte des Mittelschiffes und der Seiten-schiffgewölbe sind spitzbogig, die der Emporengewölbe dagegen rundbogig. DieSchildbögen des Mittelschiffs sind im Ostjoch als Spitzbogen, im Mitteljoch alsRundbogen, im Westjoch als Flachbogen gebildet; eine Unregelmässigkeit, welchein den dreifach verschiedenen Abmessungen der Gewölbejoche ihre einfache Er-klärung findet. Die Gewölbe sind durchweg mit Rippen versehen. 2 )

Ueber den Seitenschiffen erheben sich Emporen, ebenfalls mit Kreuzgewölbengleicher Theihmg überdeckt. Dieselben sind zugänglich von den Armen des öst-lichen Querschiffes aus durch Treppen, welche in die anschliessenden Theile der

') So z. B. bei der Lambertikirche in Münster. Der Neubau derselben wurde, wie meisthin üblich,mit dem Chor begonnen; als dieses mit den beiden östlichen Gewölbejochen vollendet war, ging man vondem ursprünglichen Plane, auch den Westthurm der alten Kirche abzureissen, ab; man behielt ihn bei undwar dadurch genöthigt, in dem zwischen den Ostjochen und dem Thurm verbleibenden Theile, da derselbezur Anlage von drei Jochen in der Breite der beiden östlichen zu klein war, zwei breitere Joche anzuordnen.

2 ) Abweichend hiervon heisst es bei OtteGeschichte der romanischen Baukunst in Deutschland",1874: ,,Die Quergurte sind halbkreisförmig; die Schildbögen dagegen, deren Durchmesser zum Theil be-deutend grösser ist als der jener, sind mit ihrer Grundlinie sehr tief unter die Kämpferhöhen gerückt undbilden somit Segmentbögen." (Seite 370.) Aehnlich unrichtige Angaben rinden sich auch noch neuer-dings bei KnackfussDeutsche Kunstgeschichte", 1888, Seile 200:Auch hier erscheint der Spitzbogennicht da, wo seine bedeutungsvolle Stelle war, im Gewölbe. Die Wölbungen sind alle rundbogig aus-geführt und, mit Ausnahme des achtseitigen Gewölbes der Vierungskuppel, entbehren sie auch der Rippen." Die von Boisseree bewirkte (Denkmale der Baukunst vom 7. bis 13. Jahrh. am Niederrhein",Tafel I.LH) Veröffentlichung von Neuss scheint diese Irrthümer veranlasst zu haben.