hier erhielt sie ausser vielen anderen Geschenken die Reliquien des hl. Qui-rinus für ihre Kirche zu Neuss. Arn 30. April des Jahres 1050 wurden die-selben unter grosser Feierlichkeit durch das Rheinthor nach der Münsterkirchehereingetragen.')
,,Dass übrigens Quirinus schon vor der Uebertragung der Reliquien Patronder Kirche war, ergibt sich aus einer Urkunde des Kaisers Heinrich III. vom21. April 1044, durch welche der in Neuss zu Ehren des hl. Quirinus errichtetenKirche ein Hof zu Boppard übertragen wurde .... Jedenfalls bestand schon vorGepa eine besondere Klosterkirche zum hl. Quirinus, da schon vor ihr eine Odaals abbatissa s. Quirini bezeichnet wird." 2 )
Bauthätigkeit des 13. Jahrhunderts.
So dürftig und unsicher die Nachrichten sind, mit welchen wir uns hinsicht-lich der Bauthätigkeit des 9. und 11. Jahrhunderts begnügen müssen, ebenso klarund bündig lautet die Mittheilung, welche uns Kunde bringt über den Neubau des13. Jahrhunderts, zu welchem am Dionysiustage des Jahres 1209 der Grundsteingelegt wurde. Eine im Innern der Kirche in die Mauer des südlichen Seiten-schiffes eingelassene Steintafel (Fig. 4) enthält darüber folgende Mittheilung: „ImJahre der Menschwerdung des Herren 1209, im 1. Regierungsjahre des KaisersOtto, als Adolf Bischof von Köln und Sophia Aebtissin war, hat Meister Wolberoden ersten Stein zum Fundamente dieser Kirche gelegt, am Tage des hl. Mär-tyrers Dionysius." 3 )
Zu der Bezeichnung des Jahres 1209 ist zu bemerken, dass nicht das ersteRegierungsjahr, sondern das erste Jahr nach der Kaiserkrönung gemeint ist, unddass Adolf L, Gral von Altena, der um jene Zeit zwar schon vom Banne gelöstwar, erst 1212 wieder vom Kölner Erzstuhle Besitz ergriff, den um jene ZeitDietrich I. von Heinsberg (oder richtiger von Hengebach) inne hatte. 4 )
Was den Anlass zu dem Neubau gegeben hat, ist nicht bekannt; dass deralte Bau bei der Einnahme von Neuss durch Philipp von Schwaben im Jahre 1205zerstört worden sei, ist die übliche, urkundenmässig indess nicht weiter gesicherte
*) L Öhr er a. a. O. Seite 45. — Tücking a. a. O. Seite 7, 8.
2 ) Tücking a. a. O. Seile 8.
3 ) H. Hü ff er „Der Denkstein der Burg auf dem Godesberg und das Schisma der kölnischenKirche von 1205—1216" (Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, 46. Heft, 1887) gibt einevortreffliche phototypische Abbildung des Neusser Denksteines.
4 ) Aldenkirchen a. a. O. Seite 81 ff. —■ Löhrer a. a. O. Seite 62, Note n. — Floss„Reihenfolge der Kölner Bischöfe und Erzbischöfe" im Handbuche der Erzdiöcese Köln. 1888. S, XXX,--- Card auns .„Konrad von Hochstaden". Köln 1880, Seite 1.