122
Katalog der kriegs-chirurgischen Sammlung.
Band IV.
XL A 40.Taf. XLVL Fig. 3.Schuss in das linke Kniegelenk.Innere Hälfte des Condyl. int. femor. abgesprengt, ebensovom inneren Rande der Kniescheibe mehrere Stücke, welche inetwas dislozirter Stellung durch Knochenneubildung wiedervereinigt sind. In der Substanz der Kniescheibe sitzen nocheinzelne Bleifragmente. Oberhalb der Patella ist am vorderenUmfang der Bruchfläche des Femur ein 3 cm langes, 1 cmbreites Stück Rindensubstanz rechtwinklig nach oben undaussen umgebogen und in dieser Stellung durch Knochen-neubildung fixirt.
Das Präparat stammt aus dem Feldzug 1870/71 von einemFranzosen und ist wahrscheinlich bei der Obduktion gewonnen.[Stabsarzt Dr. Wolff, Kriegslazareth zu Noveant.]
XL A 41.Knieschuss mit Fraktur der Patella.Das Präparat zeigt eine durch Kallus geheilte Querfrakturder Patella. Patient ging zu Grunde im ReservelazarethBerlin 1866.
[Stabsarzt Dr. Nathanson.]
XL A 42.Schussfraktur des linken Oberschenkels im unteren Drittel.
Das Präparat besteht nur aus den unteren Bruchstücken.An der vorderen Fläche des Hauptfragments verläuft von derBruchstelle aus eine Fissur nach abwärts und endet 3 cm überdem vorderen Rande der Fossa intercondyl. Von der hinterenKnochenwand ist ein 4 cm hohes, 3 cm breites Stück abgesprengt.Spärliche Knochenauflagerungen.
Pierre Pigeon vom 15. Französischen Inf. Regt., verwundetam 18. August 1870 bei Gravelotte. Amput. femor. 22. Septbr.1870. Am Abend der Operation Frostanfall. Exitus letalis29. September 1870. Die Verletzung ist intra vitam für einenKnieschuss gehalten worden. Der Einschuss befand sich dichtneben dem oberen Ende der Patella.
Resektionen.(Hierzu vergl. 63.)
XL A 43.
Taf. XLVII. Fig. 1 und la.
Resectio genu dextri wegen Schussfraktur des Kniegelenks.
Das resezirte Ende des Femur ist 5 cm lang; auf der Säge-fläche ist im Condyl. ext. ein Loch zu sehen, in dessen Grundeman die Kugel gewahrt, deren vorderer Theil die Gelenkflächeeingerissen und ein Stück derselben emporgehoben hat; von derGelenkfläche aus ist das Projektil selbst nicht sichtbar. Vonder Tibia ist nur eine ganz dünne Scheibe und zwar nur dieGelenkfläche des Condyl. int. und die Eminentia intermed. ent-fernt.
Albert S t e k i e 1 vom Kaiser Alexander Garde-Gren. Regt., ver-wundet am 18. August 1870 bei Gravelotte. Am 13. Oktobermit Drahthose im Barackenlazareth Berlin aufgenommen. Ein-schuss: Aussenseite des rechten Femur, nahe über dem Knie,dasselbe konnte nicht mehr gebeugt werden. Ausschussöffnungnicht vorhanden. Massige Anschwellung des Kniegelenks, EndeOktober Schwellungszunahme und Schmerzhaftigkeit, Fieber,starke Eiterung, daher am 9.November 1870 Resektion: Querer
Bogenschnitt, Prof. König; Patella und oberer Recessus bleibenstehen. Gypsverband. Geheilt am 23. Mai 1871 mit voll-kommener Ankylose, Verkürzung um 6 cm. Entlassen 26. Sep-tember 1871, geht mit Stützmaschine, Knieist vollkommen steifund fest.
Endresultat: Am 24. Dezember 1874 Verkürzung 8cm.Patient geht mit einem Stock '/a Meile, wenn auch mit An-strengung.
(Vergl. Ritzmann, Berliner klinische Wochenschrift 1872, S. 276.)
(Vergl. Königs Lehrbuch der speziellen Chirurgie, S. 929 Zeich-nung des Präparats.)
(Vergl. Deutsehe militärärztl. Zeitschr. 1875, S. 338.)
(Der Fall ist bei Gurlt, S. 936, beschrieben.)
> XL A 44.
Resectio genu dextri wegen Schussfraktur des Kopfes der
Tibia.
Vom Oberschenkel ist die Gelenkfläche 2 cm dick in zweiScheiben abgesägt, von der Tibia dagegen sind 3 cm einschl. desKöpfchens der Fibula entfernt. Die Knorpel der Gelenkflächesind fast ganz erhalten.
An dem Kopfe der Tibia befindet sich vor dem Tibiofibular-Gelenk ein rundes Loch von 2 cm Durchmesser (Einschuss),welches in eine grosse Höhle führt, die fast die ganze Dicke desKopfes der Tibia einnimmt und in sagittaler Richtung 4 cm, inquerer 5 cm misst. Sie ist durch den Sägeschnitt gerade in derEbene ihres grössten Durchmessers eröffnet und erscheint idurchweg glattwandig. Ausser der erwähnten Einschussöflhungfindet sich eine zweite, wahrscheinlich sekundär entstandet,welche von der hinteren Wand der Höhle ausgeht und nachhinten und unten in der Eminentia intercondyl. mündet. Derganze Kopf der Tibia ist in seiner Zirkumferenz rauh und un-eben, an der Hinterfläche unterhalb des zuletzt genannten Lochesmit Knochenwucherung besetzt.
Unteroffizier Friedrich Schade vom Garde-Schützen-Balverwundet am 18. August 1870 durch fünf Schüsse und zwar:drei Schüsse in den linken Fuss, Lochschuss durch die rechteTibia im oberen Drittel, Haarseilschuss am rechten Supraorbital-Rande mit Splitterung. Amput. cruris sinistri im unterenDrittel am 31. August 1870, Reservelazareth zu St. Wendel.Evakuirt in der Heilung am 4. Dezember 1870 nach Berlin.Resectio genu dextri am 10. Februar 1871, Patella mit ent-fernt, Prof. Esmarch. Exitus letalis am 28. April 1871. KeineSektion. [B. L. d. T. F.]
(Vergl. Deutsche militärärztl. Zeitschr. 1875, S. 340.)
(Der Fall ist bei Gurlt, S. 943 No. 10, genau beschrieben.)
XL A 45.
Resectio genu sinistri.
Das Präparat besteht aus ganz dünnen Scheiben der beidenGelenkflächen und der Patella. Die Knorpelüberzüge sind inbeträchtlicher Ausdehnung oberflächlich usurirt. Eine weitereVerletzung ist nicht wahrzunehmen.
Otto Hell mich vom 8. Brandenburg. Inf. Regt. No. 64, ver-wundet am 30. November 1870 bei Orleans durch Schuss indie Aussenseite des linken Unterschenkels, am 23. Dezember imBarackenlazareth zu Berlin aufgenommen, Kugel wird entferntaus einem grossen Abszess an der Hinterseite des Unterschenkels.Eröffnung eines zweiten grossen Abszesses oberhalb des Gelenks.Resezirt am 4. Februar 1871 , Bogenschnitt, Prof. Esmarch.Exitus letalis am 10. Februar 1871 an Wundstarrkrampf.
[B. L. d. T. F.]
(Vergl. Deutsche militärärztl. Zeitschr. 1875, S. 338.)
(Der Fall ist bei Gurlt, S. 549 No. 27, beschrieben.)