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Physikalische Wirkung der Geschosse.
Band IV.
c. Kallasmassen, welche die Frakturenden zum Zweckder Konsolidation umgeben und um so mächtigerwerden, je weiter auseinander die Knochenendenstehen oder je grösser die Dislokation ist, dieausgeglichen werden soll (z. B. III. A 4, IV. A 23,IV. A 8 [Taf. XVIII. 1], X. A 85 [Taf. XXXVII. 2],X. A 86, 89, 90, 91, 94);
d. Kallusmassen und Knochenwucherungen, die einsequestrirtes Knochenstück ganz oder zum Theilumgeben (z. B. X. A 87, X. A 93 [Taf. XXXVIII. 1],X. A 109 [Taf. XLI. 2]).
Alle die genannten Prozesse: Splitteranheilung undLösung, oberflächliche und tiefe Nekrotisirung und Knochen-neubildung finden sich vielfach nebeneinander an dem-selben Präparat. Zwei besonders auffällige derartige Fällemögen hier zur Illustration des Gesagten dienen, imUebrigen ist das Detail der Veränderungen, zu denen eswährend des Heilungsprozesses kommt, in der Kasuistikbei jedem Präparat angegeben.
'Präparat X. A 93 (Taf. XXXVIII. 4) und X. A 95(Taf. XXXIX. 1) zeigen die Anstrengungen, welche die Naturmachen inuss, um eine Splitterfraktur zusammenzulöthen.
Besondere Erwähnung unter den HeilungsVorgängender totalen Frakturen verdienen Präparat IX. A 6(Taf. XXIII. 1) und X. C 4, welche geheilte Schenkelhals-frakturen darstellen: im ersteren Falle ist die Vereinigungkeine knöcherne gewesen, im zweiten Falle ist die Frakturnicht durch Schussverletzung entstanden.
Die Heilungsvorgänge nach Schussverletzung derplatten und spongiösen Knochen gehen bei weitemnicht mit der Intensität — wenigstens was die Kallus-bildung betrifft — vor sich, welche wir bei den langenRöhrenknochen kennen gelernt haben. — Zum grösstenTheil wird diese Erscheinung wohl bedingt durch dieErnähningsverhältuisse dieser Knochen, sodann auch durchdie geringe Neigung zu Splitterung und grösserer Dis-lokation der Splitter, welche nicht so energische Heil-bestrebungen erforderlich macht. — Man sieht am Darm-bein in den Fällen, in welchen Theile abgerissen sind undkeine oder doch nur eine sehr geringe Dislokation von
Splittern stattgefunden hat, sehr flache und wenig reich-liche Knochenauflagerungen, wie die Präparate VIEL A 2,6, 9, 10, 11 und 12 beweisen; da hingegen, wo eineSplitterung mit Dislokation bestanden hat (und die Splitternoch erhalten sind), eine sehr viel beträchtlichere Kallus-entwicklung, wie die Präparate VIII. A 14, 15 und 19lehren. — Eine Ausnahme scheint Präparat IX. A 4 zumachen, \v r o am Pfannenrande sehr üppige, schöne Kallus-massen gebildet sind, welche allerdings die primären Ver-hältnisse völlig verdecken; jedenfalls ist von einerSplitterungnichts Besonderes wahrzunehmen. Die Osteophyten sindin diesem Präparat durchaus analog den reichen Bildungen,welche wir ganz gewöhnlich bei längerem Leben an denSchussverletzungen der langen Röhrenknochen beobachten.
Die Schussverletzungen der Wirbel und der spongiösenKnochen der Hand und des Fusses zeigen fast gar keineHeilungsvorgänge, obschon die Wirbelpräparate zum grossenTheile mehrere Wochen nach der Verletzung gewonnen sind.
Die Heilungsvorgänge an der Skapula sind recht ver-schieden: in einigen Präparaten findet man die Fissureneingefasst von massig starken Kalluszügen, welche jedochnicht die Dicke derjenigen an den langen Röhrenknochenspez. am Femur erreichen; gelegentlich fehlt indessen inden Präparaten jede Spur von Kallus trotz längerer Lebens-zeit der betreffenden Patienten nach der Verletzung. Eineeigentümliche, interessante Erscheinung bieten die Prä-parate 111. A 10 (Taf. X. 1) und 18, wohl auch 22,welche 6 bis 8 Wochen nach der Verletzung bei derAutopsie gewonnen wurden: es handelt sich um grössereund kleinere Defekte der Schulterblattflächen, welche mittenin anscheinend gesunden, nicht fissurirten Knochen fern vonder Auftreffstelle zu Stande gekommen sind; die Bänderdieser Defekte sind papierdünn und öfters durchlöchert;zweimal war der proc. coracoid. bis zur Basis hin durchSchuss zerstört; einmal aber war — wenn überhaupt —nur die obere Fläche über der Spina getroffen; es kannhier wohl mit Sicherheit eine stärkere Erschütterung derSkapula ausgeschlossen werden, die Lacunenbüdung ist daherauf Einschmelzuug durch den Eiterungsprozess zurückzu-führen.
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II. Geschossdeformirunareii.
Die kriegs-chirurgische Sammlung enthält in Abth. XIVeine grössere Anzahl von Projektilen, welche zum kleinernTheile aus früheren Kriegen, zumeist aus den Feldzügenseit 1866 stammen. Ausserdem liegen zahlreichen Prä-paraten die Projektile bei, welche die betreffende Läsionhervorgebracht hatten.
Die Rundgeschosse sind nur in geringer Zahl ver-
treten; von den 11 vorhandenen Blei- (Gewehrgeschosse?)
Projektilen sind nur 4 stärker deformirt, von denen 2leichtes Irisiren auf ziemlich glatter Fläche erkennen lassen;die Mehrzahl der Geschosse ist mit einer dicken Oxydschichtüberzogen. Eine Kugel zeigt einen Knochensplitter ander Auftreffstelle fixirt.
Die Langgeschosse weisen die denkbar verschiedensten