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Physikalische Wirkung der Geschosse.
Band IV.
Band IV.
B. Mit Unterbrechung der Kontinuität.
1. Einfache Schussfrakturen.
a. Der Diaphysen.
Matte grosse Projektile, wie sie am ehesten gelegent-lich durch Sprengstücke des groben Geschützes und durchindirekte Geschosse dargestellt werden, können heim Auf-treffen auf den Knochen einen Querbruch ohne Splitterungund Fissurirung bewirken, letzteres vor Allem dann, wennzwischengelagerte Weichtheile eine direkte Berührung desKnochens verhindert haben. Die Möglichkeit der Ent-stehung reiner Querbrüche, zu denen wir noch die einfachenSchrägbrüche rechnen, auf diese Art ist wohl kaum in Fragezu stellen; dass aber bei den modernen Geschossen derartigereine Frakturen zu den grössten Seltenheiten gehören,dürfte daraus hervorgehen, dass die reiche kriegs-chirurgischeSammlung kein einziges Präparat besitzt ohne alle Fissu-rirung. Vielleicht liegt dies allerdings zum Theil daran,dass solche einfache Brüche seltener zum Tode führen. Vonden drei sogleich zu beschreibenden Präparaten sind in derThat eins durch Tod an Trismus (Zerreissung des Plex.crural.), ein zweites durch Tod an Ileotyphus und nur einsin Folge von Septicämie gewonnen. Ein verhältnissinässiggünstiger Verlauf ist natürlich am ehesten zu erwarten, wenndie Frakturstelle subkutan bleibt. Die geringste Fissuri-rung, bestehend in zwei feinsten Sprüngen des unterenFenmrstückes, zeigt Präparat X. A 35, bei dem leidernähere Angaben über die Entstehung, speziell über die Artund Form des Geschosses, seine Auftreffstelle etc. fehlen;die zackige Linie des Schrägbruches ist in maximo 35 mmhoch (senkrecht zur Längsachse), sie ist umgeben voneiner deutlichen Demarkationslinie, welche letztere durch-aus nicht den Konturen des Bruches folgt, sondern zumTheil unmittelbar an die Fraktur heranreicht, zum Theilsich auch bis auf 45 mm davon entfernt hält. Der Bruchbefindet sich ziemlich in der Mitte der Diaphyse. Einanderes hierher zu rechnendes Präparat ist X. A 3, welcheseinen Schrägbruch des Femur von in maximo 26 mmHöhe darstellt, an dessen medianer Seite kleine Knochen-splitterchen abgesprengt sind; der unterste Theil derzackigen Bruchlinie befindet sich 11 cm unter der oberstenSpitze des Trochanter maj.
Nach der vorhandenen Beschreibung hat ein Granat-splitter — ziemlich sicher an der Stelle des Defekts inder Bruchlinie — das Femur seitlich getroffen und denBruch bedingt unter breiter Zerreissung der Weichtheile.Gegenüber der Anprallstelle an der äusseren hinteren Seitedes Femur ziehen zwei Längsfissuren nach oben und unten:die obere im Ganzen gerade zum Trochanter heraufziehend,die untere nach einem anfänglich gerade abwärts gerich-teten Verlauf nach der äusseren Femurseite in der Länge
von V/-> cm umbiegend. — Endlich ist hier noch PräparatX. A 28 (Taf. XXXI. 1) zu erwähnen; die Bruchfiächen desFemur zeigen massig reichliche Kallusauflagerungen, ins-besondere das obere Stück, an dessen hinterer innerervöllig poröser Fläche das untere Femurfragment etwa 6 cmheraufgezogen war; nur an der äusseren hinteren Kantedes unteren Fragmentes ist noch eine breite, gerade nachabwärts ziehende Fissur in der ganz porös gewordenenKortikalis zu erblicken, deren Fortsetzung der bis 17a cmhoch aufgelagerte Kallus verdeckt. Dem Präparat liegeneinige nekrotisch abgestossene Knochensplitter bei, derengrösster ein Stück aus der ganzen Diaphysendicke darstelltund ein stark seitlich und vorn deformirtes Chassepot-Projektil, in welchem Gewebstheile und kleine Knochen-fragmente — letztere als solche durch die mikroskopischeUntersuchung sichergestellt — sehr fest haften; vergl.X. A 4. Die Höhe des Schrägbruches beträgt 9 cm; einSplitter von 2 cm Länge ist gänzlich ausgebrochen. DasProjektil hatte tangential getroffen; Patient war einerstarken Blutung erlegen. Dieses Präparat stellt schon einenUebergang zu den Splitterbrüchen dar.
Ziemlich sicher gehört auch hierher IV. A 25 (Taf. XV. 2),wo ein zackiger Schrägbruch mit Fissurenbildung vorliegt.Da indessen genauere Angaben fehlen und die sekundärenVeränderungen, Nekrose etc., zu bedeutend sind, ist einezweifellose Klassifizirung nicht angängig.
b. An dem intermediären Raum und der Epiphyse
kommen solche Frakturen, je weiter zur Epiphyse hin, destoseltener vor, wahrscheinlich deshalb, weil ein mattes Pro-jektil entweder in die verhältnissmässig weiche Substanzeindringt oder nur oberflächliche Eindrückungen der Kor-tikalis bewirkt, d. h. seine Wirkung lokal äussert, ohnegrössere Schwingungen bis zu einem Quer- oder Schräg-bruche hin zu bedingen. Jedenfalls besitzt die Sammlungkein Präparat, welches hier als Paradigma dienen könnte.
2. Splitterbrüche.
Die Splitterbrüche der langen Röhrenknochen bildenbei weitem das grösste Kontingent der Präparate unsererkriegs-chirurgischen Sammlung; den Entstehungsmodus der-selben zu analysiren, soll in dem Folgenden versucht werden.Dieser Versuch soll kein müssiges theoretisches Raisonne-ment darstellen, wie es wohl erscheinen mag bei den Ver-letzungen gerade dieser Art, bei welchen sich ganz ge-wöhnlich verschiedene physikalische Verhältnisse kombinirenund die allermannigfachsten Uebergänge stattfinden; viel-mehr wird es für das chirurgische Handeln im speziellenFalle vom höchsten Einfluss bleiben, wie voraussichtlichder Splitterbruch entstanden ist. Trotz aller Fortschrittein der chirurgischen Behandlung und im Besitze der bestenVerbandstoffe wird man nur selten in der Lage sein, einenRöhrenknochen dem Organismus zu erhalten, wenn ange-