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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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Der bewunderungswürdige Genius der Griechen hatte sicheben, wenigstens was die epische und lyrische Poesie be-trifft, schon zu einer Zeit geregt und entwickelt, wo derGebrauch der Schrift theils garnicht, theils sehr wenig beiihnen zu finden war. So vergingen Jahrhunderte, bis dasEpos, Jahrhunderte, bis die elegische, jambische und melischePoesie zur Blüthe gelangten. Die epischen Gedichte diesesvorklassischen Zeitraumes aber waren sämmtlich, die lyri-schen gewiss grösstentheils den Alten selbst schon verlorengegangen, wie sie denn ganz richtig erkannten, dass HomersIlias und Odyssee das älteste Denkmal der griechischenLitteratur sind. Auch in den übrigen Theilen der Littera-tur waren ihnen gewiss eine ziemliche Anzahl der ältestenWerke verloren gegangen, die übrigen aber, soweit sie nurstoffliches Interesse boten, nicht durch künstlerische Be-handlung ihres Objects sich auszeichneten, wurden vomPublicum nicht beachtet, bestanden also für dieses nicht,nur für gelehrte Forscher. Ausserdem ist »antiquissima«auch in dem Sinne relativ zu nehmen, als Horaz ersichtlichhier die Griechen bis auf Alexander den Grossen denender folgenden s. g. alexandrinischen Epoche gegenüber stelltohne sich um die graue Vorzeit besonders zu kümmern. So z. B., um sein Urtheil auf einen concreten Fall an-zuwenden, meinte er gewiss nicht, dass die jonischen Lo-gographen, die er schwerlich je angesehen hatte, zu denbesten Vertretern der griechischen Geschichtsschreibung ge-hörten, weil sie die ältesten waren, sondern dachte an He-rodot und Thucydides.

So verstanden ist also Hemsterhuis' von Ruhnken ge-billigtes Urtheil ganz richtig: für das Lateinische aber würdeer, wie ich glaube, bei den so wesentlich verschiedenen