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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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denkt, sondern auch dem künftigen Realisten werdengrammatische, metrische, kritische Uebungen von gröss-tem Nutzen sein. Es giebt nichts, was so sehr zu scharfem,logischem Denken, zur Aufspürung selbst geringfügigeroder dem blöden Auge schwer ersichtlicher Probleme denjugendlichen Geist schärfte. Und ferner, ist die genaueKenntniss der klassischen Sprachen dem künftigen Histori-ker, Epigraphiker, Antiquar oder Archäologen nicht un-erlässlich? Manche Vertreter dieser Disciplinen habenbis zur Stunde die Vernachlässigung des Latein undGriechisch während der Studentenzeit theuer genug be-zahlen müssen.

Was ich hier über Wesen und Eintheilung der Philo-logie, sowie über den Nutzen des formalen Theils dieserWissenschaft gesagt habe, ist keineswegs Abschweifungvom Thema. Nur nach dieser Exposition war es mög-lich, ein unbefangenes Urtheil über Ritschl's gelehrte undpädagogische Thätigkeit zu geben. Jetzt werden, hoffeich, die Vorzüge wie die Mängel des berühmten Todtendem Leser in klarerem Lichte erscheinen. Mit blossenPhrasen wäre weder dem Publikum noch Ritschi selbstbesonders gedient.

Ich werde nun versuchen ein Bild von Ritschl's ge-lehrter Thätigkeit, seinen Bemühungen um Förderung derphilologischen Disciplin zu geben. Denn die Aufgabedes Professors ist, wie von selbst einleuchtet, eine doppelte:einerseits die Wissenschaft zu bereichern durch selbständigeForschungen, andrerseits die Jugend mit den Resultateneigener wie fremder Forschungen in der Wissenschaft be-kannt zu machen und ihr wissenschaftliche Methode bei-zubringen.