Druckschrift 
Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14

grammatischen und metrischen Gesetze einer Sprache inihrer höchsten Entwicklung gehörig inne hat, kann mandie Ausnahmen von der Regel gebührend würdigen. Eswürde also, um meine Ansicht durch ein Beispiel zu illu-striren, für einen Gelehrten, der sich mit Plautus beschäf-tigen wollte, die praktischste Reihenfolge der Lecture unddes Studiums folgende sein: Virgil, Catullus, Lucrez,Lucilius, Terenz, die Fragmente der Dramatiker von CaesarsZeit bis auf die des Plautus. Uebrigens versteht sich,dass, wann immer sprachliches und metrisches Materialaus den Zeiten vor dem ersten nicht fragmentarisch er-haltenen Vertreter eines Literaturzweiges vorliegt, auchdieses gebührend verwerthet werden muss, dass ferner,wo dieses fehlt oder nicht ausreicht, die Resultate derSprachvergleichung für die vorliterarische Zeit in Anspruchzu nehmen sind, natürlich mit Mässigung und Besonnen-heit. Sagt man nun, es liesse sich mit der von mirempfohlenen Methode, höchstens eine relative, nimmer-mehr eine absolute Sicherheit der gewonnenen Resultateerlangen, so entgegne ich, dass, wie auch Ritschi aner-kannt, überhaupt bei den Anfängen der Literatur, also,auf die klassischen Sprachen angewendet, bei Homer undPlautus, höchstens eine relative Sicherheit erlangt werdenkann, und dass wir sehr zufrieden sein dürfen, wenn wirüberhaupt bis zu dieser gelangen. Auch auf weit lichterenGebieten der Literatur übrigens müssen wir uns oft mitrelativer Sicherheit begnügen.

Selbstverständlich soll sich aber die Interpretation derAutoren auf den Universitäten nicht auf die in Schulen ge-lesenen beschränken, sondern auch andere möglichst be-rücksichtigen, je nach dem Verhältnisse ihres praktischen