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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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Grundsätze, die ich in der x> Geschichte der klassischenPhilologie in den Niederlanden « entwickelt und praktischbethätigt habe. Denn ich bin überzeugt, dass nur aufsolchem Wege die philologische Biographie auf eine fürdie Wissenschaft erspriessliche Weise cultivirt werden kann,während sie sonst stets der Gefahr ausgesetzt ist, entwederein Conglomerat panegyrischer Phrasen zu werden, oderaufzugehen in einem kleinlichen, ja mesquinen Zusammen-stoppeln mehr oder weniger pikanter oder langweiliger Ge-schichtchen, in beiden Fällen arm an wissenschaftlichemWerth, noch ärmer an selbständigen Gedanken, und amärmsten an neuen Gesichtspunkten.

Der Schwierigkeiten aber, die Leistungen eines her-vorragenden Gelehrten in preiswürdiger Weise zu beschrei-ben, sind so viele, dass jeder sich zehnmal bedenken sollte,ehe er ein solches Unternehmen wagt, und auch wer sichdas Beste zutraut allen Grund hat, die Nachsicht des Pu-blikums zu erbitten.

Die unerlässlichen Bedingungen zu einer wissenschaft-lichen Biographie sind nämlich folgende:

Zuerst unbedingte Wahrheitsliebe, die weder der Zu-neigung noch der Abneigung zugänglich ist, und ihr noth-wendiges Supplement, vollständige Freiheit das Wahre zusagen, ohne dass Furcht oder Hoffnung influiren.

Zweitens gründliches Studium und genaue Sach-kenntniss.