26 Vorstellungscour und Sitzungen.
deutschen Gesetzgebung" und auch der Maire der StadtDüsseldorf Freiherr v. Pfeill Hess es sich nicht nehmen,dem „grössten Gesetzgeber" zu huldigen, und dabei dieblindeste Unterwerfung zuzusichern, wie denn auch GrafWesterholt-Ober hausen im Namen der Departements-Räthe die Bereitwilligkeit der Bewohner des Gross-Herzogthums zu allen möglichen Opfern aussprach.„Wir bitten Eure Majestät uns ferner zu beherrschen— dies heisst so viel, als uns auch ferner glücklich zumachen."
Der Präsident der Rechnungskammer, Vetter, priesdie Strenge und unveränderliche Ordnung in den Finanzenals eines der Wunder der kaiserlichen Regierung und ver-sicherte, dass hier in ernster Arbeit danach gestrebt werde,der Rechnungskammer Frankreichs nachzueifern.
In kurzen devoten Ansprachen begrüssten auch diePräfekten des Sieg- und Ruhrdepartements, Schmitz undFreiherr von Romberg den Kaiser.*)
Characteristisch für jene Zeit und von tieferer Bedeu-tung war das Auftreten der Geistlichkeit bei dieser Audienz.Beugnot hat uns in seinen Memoiren eine ziemlich aus-führliche Schilderung dieses Vorgangs gegeben, der wirhier in der Hauptsache folgen können.
Zum Entsetzen der Hofleute präsentirten die drei Ver-treter der Geistlichkeit sich der Etikette zuwider in einerLinie dem Kaiser; es war eine interessante Gruppe: deralte 80jährige Rabbiner (Scheuer) mit schönem Greisen-haupt, gestützt rechts von einem katholischen (dem Stifts-dechanten), links von einem evangelischen Geistlichen(Schriver). Letzterer, Pfarrer der reformirten Gemeinde,führte das Wort.**) Er feierte in kurzer würdiger Rededen Kaiser als Wiederhersteller des öffentlichen Cultus,der den Völkern die Gewissensfreiheit geschenkt habe.
Der Kaiser erwiderte folgendermassen: „Ich nehmeIhreHuldigungen an undbilligelhre Gefühle; alle Menschensind Brüder vor Gott, müssen sich lieben und tragentrotz der Verschiedenheit ihrer Religion. Sie geben hierdafür ein gutes Beispiel. Wachen Sie nur immer über denFrieden und einigen Sie sich über die Mittel, die Menschendem Gesetz zu unterwerfen, den Fürsten anhänglich und
*) Wir geben alle diese Ansprachen im Originaltext unterden Beilagen.
**) Nach Beugnot hätte der alte Rabbiner gesprochen; dasstimmt aber nicht mit den officiellen Quellen und ist auch an imdfür sich nicht recht glaublich. Das Journal de l'Empire schreibt:„Bei der Audienz am 2. sah man die Diener aller Religionen vereint.Ein lutherischer Geistlicher hat im Namen der andern das Wortgeführt." Diese Nachricht ist also ebenfalls richtig zu stellen.