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Messerbräuche : Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde
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Messerbräuche. Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde 87

Auch das Losen mit Messern, von dem uns die Ordnung desMuswiesenmarktes (nach dem Salbuch von Mußdorf von 1530) 1 be-richtet, könnte das SpielMal oder Unmal" sein; namentlich, daes neben dem Losen mit Pfennigen genannt ist, bei dem ein Geld-stück in die Luft geworfen wird, wobei dannSchrift oder Kopf"entscheidet. Der Text erwähnt drei Losarten nebeneinander, ohnesie näher zu beschreiben; offenbar weil sie alle geläufig und jedemInteressenten bekannt waren. K. 0. Müller beschreibt nun dasMesserlosen so:Die Leute stellten sich um einen Tisch, auf demein liegendes Messer in Drehung versetzt wurde. Auf wen dieMesserspitze wies 2 , der erhielt den nächsten Stand. Natürlichkonnte gleichzeitig an mehreren Tischen gelost werden, daher auchder Pluralmit Messern" (es handelt sich um das Auslosen derMarktstände). Das ginge also in der Art eines Glücksspieles vorsich. Vielleicht hätte man die zwei bis drei Messerspieler, die unterden Marktbesuchern des Jahres 1618 erwähnt werden 3 , sich alsUnternehmer von dergleichen Glückspielen zu denken, wenn esnicht Messerwerfer, also Artisten waren.

Herr K. 0. Müller macht mich noch auf eine Art Geschick-lichkeitsspiel auf Märkten aufmerksam: Man wirft mit Ringen nacheinem Brett, auf dem Messer aufgespießt sind.

Eine Sage aus dem Lechrain 4 erzählt:

Als Bauernkinder auf der WieseMesserl, Messerl, tu dichkehren" spielten, kam einmal das in die Luft geworfene Messernicht mehr herunter, sondern hinter ihnen stand ein winzig kleinesHojemännl, das Messer zwischen den Zähnen und grinste die Kinderan, daß sie entliefen.

Die Quelle, die vom Aberglaubenwörterbuch genannt wird, warmir nicht zugänglich. Daher konnte ich nicht nachprüfen, welchesSpiel hier in Frage kommt. Aus dem in-die-Luft-werfen möchteich wieder aufMal und Unmal" schließen. Vielleicht ist es abereine Art Messerpecken.

1 Karl Otto Müller, Geschichte des Muswiesenmarktes / Württem-bergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte, Neue Folge 33 (1927),S. 79. 83.

2 Hier darf an zwei abgeblaßte Ausläufer dieses Losens erinnert werden.Wenn man im Wirtshaus einem die Zahlung der Zeche zuschieben will, ge-braucht man wohl die RedensartDas Messer zeigt zu Ihnen!" Ebenso, wennman beim gemeinsamen Essen jemand nötigen will, sich zuerst zu bedienen,sagt manDas Messer (oder der Vorleglöffel) zeigt zu Ihnen!"

3 K. O. Müller, a.a.O., 98.

4 Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens VI, 194.