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Messerbräuche : Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde
Entstehung
Seite
88
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88 Eberhard Freiherr von Künssberg:

In Norddeutschland gibt es ein Messerspiel 'Proppentrecken'oder 'Kohschiet und Marke' genannt, das eine Verbindung von'Mal und Unmal' mit dem 'Messerstecken' ist; es nähert sich denHänselbräuchen. Schumann beschreibt es im Lübecker Spielbuch 1folgendermaßen:

Jeder Spieler grenzt für sich am Erdboden eine runde Streckeab. Von dieser aus werfen sie der Reihe nach das Messer nieder,daß die Markenseite oben liegt. Jeder merkt sich, ob er Markegeworfen hat oder Kohschiet. Sind alle daran gewesen, so dür-fen die, welche Marke haben, aus der Stelle derer, die Koh-schiet haben, solange Erde herausschneiden, als sie den Atemanhalten können, und diese neben ihrer Stelle anhäufen. Zu-letzt wird gedeckt, d. h. jeder füllt sein Loch mit der danebenliegenden Erde zu. Die überschüssige Erde wird zusammen-getragen und oben in diesen Haufen das Messer gesteckt, sodaß es kaum mit der Spitze herausragt. Dann müssen alle,die zu wenig Erde zum Füllen haben, es mit dem Mundeherausziehen, dürfen aber dabei die Spitze des Haufens dreimalanblasen, um Raum zu gewinnen.

Aus der englischen Stadt Ipswich ist uns vom Jahre 1291 einaltertümliches Messerorakel überliefert 2 . Da heißt es (in altfranzö-sischer Sprache):

le un burgeys defendaunt dedye la dette e se defende par la leycountre Vautre burgeys, celyqe laley deyt fere deyt mener ovesqeluy en court, le four q\ü deyt sa ley fere, X hommes, les queuxserrunt sevreo en deux partyes, c'est a saver V Wune part e Vd'autre, entre les queux un cotel a poynt deyt estre jetee, e ceuxV ver les queux la maunche du cotel chiet, serrunt en oustezsaunz serement fere; e les autres V ver les queux la poynte chet,demorunt ocesque cely qe la ley deyt fere, mes de ceux V serraly un remue, e les quatre de eux frunt le serement ovesqe celyqe la dite ley deyt fere.Wer einen Beweis mit Eideshelfern zu erbringen hat, stellt dafürzunächst zehn Leute. Diese werden in zwei Gruppen zu je fünfaufgestellt. Zwischen die zwei Gruppen wird ein spitzes Messer ge-worfen. Die Gruppe gilt als abgelehnt, gegen die das Messerheftzeigt. Von den übrigen fünf wird noch einer abgelehnt; der Restvon vier bildet dann die Eideshilfe des Beklagten. Mary Bate-

1 Schümann, Lübecker Spiel- und Rätselbuch, S. 87 Nr. 172 a.

2 M. Bateson, Borough Customs I (1904), 179.