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Messerbräuche : Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde
Entstehung
Seite
58
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58 Eberhard Freiherr von Künssberg:

In Urfehden kommt die Verpflichtung vor, nur Messer mitabgebrochener Spitze zu tragen.

So heißt es in einer Urfehde von 1408 aus Speyer 1 :

das ich nu fürbaß mit iederman desto fryedelicher bliben möge,so hant mir myne herren von Spire . . darzu uffgesetzet, das ich. . als lange ich geleben, deheine andre argwenig messer oderwaffen, danne alleine eyn brotmesser, dem fornen die spitze abesij, fürbaß tragen sol.

Das abgebrochene Messer gilt sozusagen als Zeichen der Ehr-losigkeit eines Begnadigten. In einer Berner Urfehde von 1523ist das so ausgedrückt 2 :

desgleichen sol und will ich dann hinfür dehein ander gewer nochwaffen tragen als ein masser, das vor abgebrochen sye, durch soerkenn ich, das . . min gnädigen herren mir lyb und laben ussgnaden geschänkt haben und das ich deshalb hinfür alls einer,so sin er und gutten lümbden verwürkt hat, zu deheiner erlichenSachen gebrucht würden und deshalb niemand wäder nütz nochschad sin soll.Wer den Schutz eines Asyls aufgesucht hat, der muß sich erst rechtBeschränkungen gefallen lassen 3 :

Jeder, der auf der freiung ist, darf kein ander währ tragen, dan

ein meßer, daß ein spann* auf der kling hat.Er darf nur ein abbrochen sündl bei sich haben 5 , ein meßrl dem solder spiz vor abgebrochen sein 6 , ain schaitmesser, das sol vor abge-prochen sein und damit er ain prodt mit schneidf. Das Messer desFreiungers spielt auch bei der Verlängerung der Asylfrist eine Rolle 8 .

1 v. Künssberg, Lesestücke zur rechtlichen Volkskunde, 1936, S. 29. Spätere Beispiele: 1499 Ral, Beiträge zum Kriminalrecht der freienReichsstadt Frankfurt im Mittelalter, 1914, S. 206. 1462 Nürnberg:Deutsche Städtechroniken V, 283. Grimm, Rechtsaltertümer 4 I, 400.

2 Gertrud Müller, Die Tröstung im bernischen Recht, Bern. Diss.1937, S. 113; ebenda S. 101 Beispiele aus den Jahren 1505. 1521. 1531. 1561.

3 1483 Österr. Weistümer IX 811; ebenda 817.

4 Vgl. Schiller-Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch II 220.

5 1413 Österr. Weistümer XI 180; sundl oder sündel ist ein kleinesMesser.

6 Österr. Weistümer VIII 913;. ebenda 705. v. Künssberg, DeutscheBauernweistümer, 1926, S-. 25.

7 Österr. Weistümer VIII 1045. Weitere Beispiele für abgebrocheneMesser s. oben §§ 1. 3. 5. 10. 11.

8 Siehe § 6.