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Messerbräuche : Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde
Entstehung
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48 Eberhard Freiherr von Künssberg:

Eine Brabanter Keure aus dem Jahre 1292,- die in flämischerSprache (für Antwerpen und Brüssel) und auf Französisch (fürNivelles) erhalten ist, läßt beim Messerzücken als subsidiäre Strafedas Handdurchstechen eintreten 1 :

die een kniif trocke, ogte een stekesuert, andren met te evelne,sonder daet, hi waers om XI sc. jeghen den here; ende en haddehi oec des ghelts niet, men soude heme tkniif ogte stekesuert dordie palme steken.

(Französisch: on li fera le coutiaul-ä-pointe u d'espee de stochparmy le pame.)In der ältesten Dordrechter Keure 2 sind (verbotene) Waffen über-haupt und der Pfriem besonders genannt:

sal die boeten altehant betalen, of men sal hem die wapen doordie hant steken.

wie mit eenen pryem worde begrepen ende zijn boeten niet gheldenen mocht, dien salmen den priem doer zijn hant steken.Ganz allgemein ist schließlich in Amersfoort 3 für jede nichteinbring-liche Geldbuße möglich, dafür die' Hand mit einem Messer zudurchschlagen:

yemant, de bruecte by dagen offte by nachte legen onser stad,dair hy kuer aen verbuerde, ende soe selich van goede nyet enwair die kuer te betalen, soe soude men diegene, de die kuer ver-buyrt hadde, een messe doir sijn palm van der hant slaen.Eine zweite 4 Stelle aus Amersfoort handelt vom Festfrieden:

yemant, die dat geleyde verbraeck ende . . den andern anxte mit

vercoirde wapen ofte sloege off styete mitter vuyst, die verbuerde

25.000 steens off een mess te slaen door die hant dairvoir.

Diesen niederländischen Quellen tritt das Stadtrecht von Wisby

(aus dem 14. Jahrhundert) an die Seite, in dem bei Verwundungen

und deren Bußen es mehrmals heißt 5 :

1 v. Coetsem, Du droit penal au XIII e siecle dans l'ancien duche duBrabant, 1857, S. 203; französisch S. 212.

2 De oudste rechten der stad Dordrecht uitg. door J. A. Fruin 1882,I 12f.

3 1439 Amersfoort / Fruin, De middeleeuwsche rechtsbronnen der kleinesteden van het Nedersticht van Utrecht 1892, I 49.

4 1464 ebenda 53.

5 Wisby Stadtrecht (Corpus Juris Sueo-Gotorum VIII) I 13. 23. 26. 27.Diese Stellen sind vermutlich gemeint, wenn Olaus Magnus und das SeerechtJohanns III. von Schweden sich auf die Satzungen der Stadt Wisby beziehen,die weit und breit gehalten werden von Hispanien bis auf das äußerste Scy-tisch Meer" (Olaus Magnus, s. unten S. 51, Anm. 3).