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Messerbräuche : Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde
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Messerbräuche. Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde 35

Offen ist noch die Frage, warum ein cultellum curvatum, einkrummes oder gebogenes Messer genommen wurde ? Die Alter-tumskunde belehrt uns, daß die antiken Opfermesser 1 etwas ge-krümmt waren. Auch die ältesten fränkischen waren etwas nachrückwärts gekrümmt, während in der Merovingerzeit die Messer-klingen immer gerade waren. Später wird das Messer, das denSachsen charakterisiert 2 , auch als krummes Messer gezeichnet; soin der Bilderhandschrift des Sachsenspiegels. Rebmesser, Busch-messer, Gartenmesser sind vielfach krumm. Die Feudisten sagenja auch, wie oben erwähnt, daß das Messer bei der Eheschenkungnach Art eines Gartenmessers an der Spitze gebogen gewesen wäre.

Es ist jedoch keineswegs ersichtlich, inwieweit der Brauch desTraditionsmessers, der sich ja durch Jahrhunderte und zwar inchristlichen Jahrhunderten verfolgen läßt, sich etwa für vorchrist-liche 3 Zeiten an das Opfermesser anknüpfen ließe, oder für spätereZeiten an das Gartenmesser. Völlig ausgeschlossen sind solcheMöglichkeiten freilich nicht. Die uns tatsächlich überliefertenMesser"leider ja nur wenige Stückehaben alle gerade Klingen.Sollte curvatum vielleicht gleichbedeutend sein mit flexum undsoviel wieverbogen" bezeichnen, also nur eine Vorstufe zum cul-tellum fractum ? Rein sprachlich könnte das cultellum plicatum auchein couteau pliant sein, ein Klappmesser. Doch ist es sachlich höchstunwahrscheinlich nach dem Stande der urkundlichen Nachrichten.

In seiner inhaltsreichen und anregenden ArbeitDie Ver-lobung im Volks- und Rechtsbrauch" 4 bringt Bächtold die Tradi-tionsmesser in Verbindung mit dem Messer als Ehepfand, als Ge-schenk des Bräutigams an die Braut. Die naheliegende Gedanken-brücke sind natürlich die Fälle, in denen das Urkundsmesser gele-gentlich der Hochzeitsschenkung, des Dotaliciums, auftritt. Es sind

1 Vgl. Daremberg et Saglio, Dictionnaire des Antiquites I 2, S. 1585 f.;Pauli-Wissowa, Realencyclopaedie der klassischen AltertumswissenschaftIV 1752.

2 Wortspielerisch etymologisierend, v. Amira, Dresdner Bilderhand-schrift des Sachsenspiegels I (1902), Einleitung, S. 25. Vgl. v. Künssberg;Sachsenspiegel; Bilder aus der Heidelberger Handschrift (Inselbücherei Nr.347) Bild 12, 13, 15, 70.

3 Der christlichen Liturgie ist das Messer fremd. Es fehlt z. B. unterden Sendzeichen, wo Rute, Stein, Kammund Schere üblich sind: Koeniger,Quellen zur Geschichte der Sendgerichte in Deutschland, 1909, S. 226ff. 255.Wenn im Kirchenschatz Messer vorkommen, so sind sie entweder Traditions-messer oder Zinsmesser. Vgl. Gay, Glossaire archeologique 1882, I 471.

4 1913, S. 137ff.