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Messerbräuche : Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde
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Messerbräuche. Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde 23

streifen an ihren Urkunden befestigt. Die Streifen sind in demeinen Falle durch Einschnitte in die Urkunde gebildet, im andernsind sie durch Einschnitte der Urkunde durchgezogen. Auch imArchiv des Trinity College in Cambridge soll sich eine Urkundemit daran hängendem Messer erhalten haben, und zwar aus demJahre 1135 1 . Auch hier ist die Klinge gebrochen, nur ein Zoll da-von erhalten. Der Griff ist aus Hörn. Der Urkundentext nimmtBezug auf das Messer: per istum cultellum jfeoffauit A. etc. Eineandere Urkunde desselben Ausstellers vom Jahre 1190 beginnt mitdem Hinweis auf das Messer 2 , das mit einer Harfensaite an derUrkunde befestigt war.

Demnach dürfen wir vermuten, daß auch sonst, wenn Urkun-den dergleichen Hinweise haben, sie früher Messer anhängen hatten.Zum Beispiel die von Wissmann angeführte 3 , in deren Text nichtnur gesagt wird: per hunc cultellum confirmavi, sondern die auchnoch die zwei Schlitze zeigt, durch die einst der Pergamentstreifengezogen war, der das Messer hielt. Von zwei Urkunden aus Char-tres, vom Ende des 12. Jahrhunderts, wissen wir es bestimmt, daßihnen früher Messer beigegeben waren, obwohl sie heute fehlen.Es sind Zeichnungen der Messer erhalten, die urkundlich als cul-tellus iste, bzw. hoc cultello erwähnt werden. In der CollectionGaignieres (aus dem 17. Jahrhundert) der Bibliotheque Nationalezu Paris sind Zeichnungen der beiden Messer erhalten, die wir nachder Veröffentlichung von Lecocq 4 wiedergeben. Die Messer habeneine Klinge von etwa zehn Zentimetern, die geradlinig abschließt;die Griffe sind aus Holz und unverziert. Das eine Messer ist durcheinen Pergamentstreifen an der Urkunde festgemacht, währendbeim andern ein Drahtring Urkunde und Messerklinge verbindet.

Lecocq erwähnt in der gleichen Untersuchung noch ein an-deres Urkundenmesser 5 , das im 17. Jahrhundert noch vorhandenwar, aber seither verloren ging. Es war ein kleines Messer aus Blei,das mit einem scharlachroten Seidenband an einem Pergament-stückchen hing; die kleine Urkunde (fingerbreit und fingerlang)besagte:

1 A. H. F. Bonbbey / Notes and Queries 152 (1927), 32.

2 Ebenda.

3 Royal Charters nr. 32 / Wissmann a.a.O. 263.

4 A. Lecocq, Un Symbole d'investiture au moyen-äge / Memoires de laSociete archeologique d'Eure-et-Loir 3 (1863), 135ff. Dort ist die Abbildungdreifarbig. Vgl. M. Tangl, Urkunde und Symbol / Festschritt HeinrichBrunner zum 70. Geburtstag 1910, S. 770, s. Taf.II. 5 Lecocq a.a.O. 143.